Portale, Discovery-Services, virtuelle Bibliotheken
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Vom Heuhaufen zur Nadel: Transparentes KI-Screening für PRISMA-basierte Literaturreviews (SaiLR)
(2026)
Nach der Datenbanksuche stehen Forschende häufig vor einem „Heuhaufen“ aus sehr großen Trefferlisten. Der kritischste Engpass entsteht in der ersten Auswahlphase: Titel und Abstracts müssen manuell gescreent werden das ist zeitintensiv, ermüdend und oft schwer nachvollziehbar zu dokumentieren. Dieses Poster stellt SaiLR (Systematic Assistant for intelligent Literature Retrieval) vor, eine an der Universitätsbibliothek Augsburg entwickelte Webanwendung, die PRISMA-orientierte systematische Reviews und Scoping Reviews mit transparenter, menschlich kontrollierter KI-Unterstützung beschleunigt.
SaiLR ermöglicht den Import bibliografischer Daten (RIS/BibTeX), DOI-basiertes Deduplizieren sowie kriterienbasiertes Screening auf Titel-/Abstract-Ebene. Pro Datensatz liefert das System eine Entscheidung (INCLUDE/EXCLUDE/MAYBE), eine kurze Begründung und ein Relevanzranking. Ergebnisse werden gespeichert und als CSV/RIS exportiert inklusive Provenienz (Quelle/Datenbank) und unterstützen so Reproduzierbarkeit und PRISMA-Dokumentation. Gleichzeitig bleibt die fachliche Verantwortung bei den Nutzenden: Kriterien können iterativ angepasst und das Screening erneut ausgeführt werden (Human-in-the-loop).
Das Poster zeigt den Workflow (Import → Deduplikation → Screening → Export), Einblicke in die Benutzeroberfläche sowie Empfehlungen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz in der Forschungsunterstützung: weg von reinen Tool-Empfehlungen hin zu methodisch eingebetteten Workflows, die KI-Unterstützung mit Transparenz, Reproduzierbarkeit und menschlicher Kontrolle verbinden.
adb.arthistoricum.net ist eine zentrale, interoperable Forschungsinfrastruktur des FID Kunst, Fotografie, Design für historische und zeitgenössische Kunstausstellungen. Die Datenbank erschließt, sichert und vernetzt heterogene Ausstellungsdaten und macht sie über den Katalog von arthistoricum.net umfassend recherchierbar. Der Vortrag stellt die Infrastruktur sowie das zugrunde liegende ereignisbasierte Datenmodell vor, das Ausstellungen mit Informationen zu Orten, Gebäuden, Zeiträumen, beteiligten Personen und Institutionen, Exponaten sowie vielfältigen Quellen wie Katalogen, Rezensionen, Websites oder digitalisierten Ephemera verknüpft. Dadurch lassen sich bestehende Sammelbestände besser kontextualisieren und ihre Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit deutlich erhöhen. Die flächendeckende Nutzung von Normdaten (GND) gewährleistet hohe Datenqualität, Interoperabilität und Anschlussfähigkeit.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Aggregation externer Datenkorpora und der Zugänglichmachung schwer recherchierbarer Quellen, etwa von Institutionen ohne ausreichende Anbindung an übergreifende Rechercheinstrumente. Durch Kooperationen mit verschiedenen Partnern entsteht so ein wachsendes, vernetztes Forschungsinstrument, das institutions-, künstler- und epochenübergreifende Recherchepfade ermöglicht. Gleichzeitig bietet ein webbasiertes Erfassungsmodul Museen, Kunstbibliotheken, Archiven und Forschungsprojekten eine niederschwellige Möglichkeit, eigene Daten einzupflegen und zur Sichtbarkeit von Ausstellungsinformationen beizutragen.
Der Vortrag richtet sich an BibliothekarInnen, InformationswissenschaftlerInnen und andere Interessierte mit datenkuratierenden Aufgaben. Er zeigt, wie adb.arthistoricum.net als Plattform genutzt werden kann, welche Möglichkeiten sich DatenpartnerInnen bieten und wie Einrichtungen mit eigenen Beständen aktiv zur Erweiterung dieser offenen Wissensressource beitragen und von der Vernetzung im FID-Ökosystem profitieren können.
Aufgrund des wachsenden Einflusses von Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT erwarten Nutzende zunehmend Suchschnittstellen in natürlicher Sprache, die barrierearme Literaturrecherchen und explorative Anfragen ermöglichen – insbesondere für Nutzendengruppen mit geringerer Rechercheerfahrung. Im Rahmen des experimentellen Projektes “Natürlichsprachige Suche im Stabikat” wird eine natürlichsprachige Literaturrecherche für den VuFind-basierten Discovery-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin implementiert.
Ziel des Projekts ist es, diese Funktionalität mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens (Embeddings, semantische Nähe) und vortrainierter Sprachmodelle (LLMs) zu realisieren. Über eine sogenannte Query-Translation – im Wesentlichen eine automatische Rechercheberatung – sollen Anfragen in natürlicher Sprache auf VuFind-Suchfacetten (Medientyp, Mediensprache, Autoren, Erscheinungszeitraum) sowie inhaltliche Suchkategorien (BK-Klassen, GND-Schlagwörter etc.) abgebildet werden. Gleichzeitig wird eine Intentionserkennung zur Suchanfrage durchgeführt, welche die Rechercheberatung im Hintergrund steuert. Das Ziel besteht darin, eine innovative Suchfunktionalität zu entwickeln, die ohne zusätzliche ML-Trainingsschritte (durch Nutzung vortrainierter Modelle) mit vergleichsweise geringen Betriebskosten auskommt. Da das System unabhängig vom Katalog entwickelt wird, lässt sich die Suchschnittstelle prinzipiell auch auf andere VuFind-Kataloge übertragen.
Der Vortrag beleuchtet die technische Architektur, die genutzten Komponenten und die Funktionsweise des Systems, zeigt die notwendigen Schritte der Datenaufbereitung auf und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Ergänzend wird die Funktionalität des Systems in einer Live-Demo veranschaulicht.
Die in Deutschland angesiedelte Plattform Qalamos vereint Metadaten zu asiatischen und afrikanischen Handschriften aus heterogenen Quellen. Diese Vielfalt stellt die Datenkuratierung vor komplexe Herausforderungen, insbesondere bei der Normalisierung und Integration großer Bestände. Der vorliegende Beitrag präsentiert einen hybriden Workflow, der KI-gestützte Komponenten mit skriptbasierten Verfahren kombiniert, um diese Aufgaben effizient und bibliothekarisch fundiert zu bewältigen.
Für großvolumige Importe von oft über tausend Datensätzen werden Large Language Models (LLMs) strategisch eingesetzt. Ihr Fokus liegt auf der Verarbeitung und Harmonisierung von Metadaten zu arabischen und persischen Titeln und Namen:
Umschrift-Generierung: LLMs ersetzen das bisherige, regelbasierte Umschrift-Tool, indem sie die automatische Generierung von Transkriptionen übernehmen. Das ältere Tool bleibt für komplexe Spezialfälle erhalten.Harmonisierung und Normalisierung: Die Modelle unterstützen die Vereinheitlichung von Titel- und Namen-Varianten sowie die Anpassung heterogener Feldstrukturen.Datenqualitätsmanagement: LLMs helfen dabei, Abweichungen in Formaten, Beschreibungsniveaus und Normdaten frühzeitig zu erkennen und konsistent in das Qalamos-Metadatenmodell zu transformieren.Die Präsentation stellt die verschiedenen Stufen dieses Integrations-Workflows von der Datenaufnahme bis zum Import in das Qalamos-Portal dar. Es wird gezeigt, wie der Einsatz von LLMs einen Effizienzsprung in der kuratorischen Arbeit ermöglicht und gleichzeitig die Datenkonsistenz und die Anbindung an die bibliothekarische Normdatenlandschaft nachhaltig verbessert.
Mit SchriftGut.SH ist im November 2025 das zentrale Portal für das schriftliche Kulturgut Schleswig-Holsteins online gegangen, das einen institutionenübergreifenden Zugang zu retrodigitalisierten Dokumenten ermöglicht. Unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ hat die Universitätsbibliothek Kiel zusammen mit ihren Kooperationspartnern – dem Stadtarchiv Kiel und der Stadtbibliothek Lübeck – einen zentralen Anlaufpunkt geschaffen. Im nächsten Schritt steht die Ergänzung von Beständen weiterer Institutionen aus ganz Schleswig-Holstein an.
Der Vortrag zeichnet die Entwicklung von der ersten Idee bis zum Live-Betrieb nach und erläutert die innovative konzeptionelle Schwerpunktsetzung. Im Zentrum steht der Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Institutionstypen – von Bibliotheken und Archiven über das schriftliche Kulturgut aus Museen bis hin zu Vereinen. Anknüpfend an gesetzte Rahmenbedingungen wie die Berücksichtigung des DFG-Strukturdatensets sowie die Verwendung von GND-Normdaten, werden die Dokumente über eine an der Landesgeschichte orientierte Systematik „quer zu den Institutionen“ vernetzt und nach inhaltlichen Kriterien (Epoche, Region, Themen) gebündelt zugänglich gemacht.
Der Vortrag zeigt auf, dass das Portal mehr als ein reiner Aggregator ist: Es dient als Infrastruktur für die wissenschaftliche Forschung ebenso wie für Citizen-Science-Initiativen und senkt die technische Hürde für Institutionen jeder Größe, ihre Bestände sichtbar und nutzbar zu machen. Das Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ manifestiert sich somit in einer kuratierten Datenbasis, die Kooperationen fördert und neues Wissen generiert.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert in einer zweiten Projektphase seit Oktober 2025 im Programm „e-Research Technologien“ nach der Erprobungsphase den Aufbau von SoNAR. SoNAR ist als ein Datenmarkt mit einem Fokus auf die Integration großer heterogener Datenmengen von Kulturerbeeinrichtungen – Meta- und Normdaten, (Zeitungs-) Volltexte – zu integrieren, um Aussagen über mehrere Millionen Akteure und ihre sozialen Beziehungen in einem Wissensgraph für die Forschung, speziell Methoden der Historischen Netzwerkforschung, offen zur Verfügung zu stellen. Die Präsentation fokussiert zwei Aspekte: Das ist einerseits das fachliche Fundament mit den Annahmen über Datenmodelle, v.a. Library Reference Model und Records in Context, hinsichtlich des Nutzens für Forschung sowie die wichtigen nationalen und internationalen Datenquellen, z.B. Social Networks and Archival Context, GND und KALLIOPE, ZDB und Museum Digital. Andererseits wird die Präsentation auf bisherige methodische Ansätze der nutzerorientierten Konzeptentwicklung für den Aufbau von SoNAR eingehen. Es werden evidenzbasierte Gründe für die Entscheidung über den Charakter von SoNAR als Datenmarkt in Abgrenzung zu Forschungsumgebung gezeigt. Der Vortrag zeigt an zwei Dimensionen – Praxisrelevanz moderner domainspezifischer Datenmodelle für Forschung und methodischer Zugriff auf die Entwicklung innovativer, internationaler Forschungsangebote – Best Practice Ansätze.
Ergebnisse des Vorprojekts und Informationen zum laufenden Projekt: https://github.com/sonar-idh, https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/558129968
Verlässlich kuratierte Daten aus Bibliotheken besitzen einen hohen Wert für die Entwicklung und Evaluierung von Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI). Trotz dieses Potenzials werden diese Datenschätze von datenintensiven Disziplinen kaum wahrgenommen – sie liegen oft schwer zugänglich in verteilten Systemen (z.B. Verbundkatalogen) und sind in der Regel nicht „AI-ready“. Mit der geplanten Infrastruktur MetaFor schafft die ZBW Abhilfe und positioniert sich als leistungsfähiger „Data Provider“ in einem zunehmend datengetriebenen Wissenschaftssystem. Das Vorhaben wird mit 7,5Mio. € gefördert.
Aufbauend auf ihren bestehenden Aktivitäten zur KI-basierten Automatisierung der Erschließung entwickelt die ZBW eine interoperable Infrastruktur, die Metadaten verschiedener Publikationsarten einschließlich nicht-klassischer wie z.B. Forschungsdaten oder Programmcode in ein einheitliches maschinenlesbares Format überführt und diese Daten samt darauf trainierter KI-Modelle über offene Schnittstellen frei zugänglich macht. So verbessert sie deren Nachnutzbarkeit für Entwicklung und Betrieb weiterer KI-Anwendungen, sichert die Anbindung an andere Datenökosysteme, erleichtert den Datenaustausch entlang wissenschaftlicher Prozessketten und fördert Reproduzierbarkeit.
Der Ansatz gewährleistet zudem den Anschluss an nationale und internationale Initiativen. Er entspricht etwa Aufforderungen des Wissenschaftsrats an die NFDI systematisch Datenräume für die KI-Forschung aufzubauen, während die EOSC im Rahmen der „Strategy for AI in Science“ FAIRe und KI-fähige Forschungsdaten auf europäischer Ebene bereitstellen soll. Diese Empfehlungen, die bislang auf klassische Forschungsdateninitiativen zielen, werden durch MetaFor auf den Bibliothekssektor übertragen und dort weiterentwickelt. Dadurch entsteht ein transparentes Datenökosystem, in dem Bibliotheken als verlässliche Datenanbieter für die Fachwissenschaften auftreten und die Entwicklung und Nutzung von KI-Methoden aktiv mitgestalten.
This paper presents the development of a multilingual newspaper retrieval and summarization platform based on the CrossAsia ITR-Newspaper collection. The system is designed to enhance equitable access to international news resources by integrating multilingual semantic embeddings with large language model–based summarization, translation, and Retrieval-Augmented Generation (RAG). Users can submit queries in their preferred language, enabling cross-lingual retrieval of semantically relevant articles from diverse linguistic and cultural contexts. By lowering long-standing language barriers, the platform supports exploratory search and serendipitous discovery, allowing users to identify materials that might otherwise remain unnoticed. Rather than replacing existing newspaper databases, the system functions as an access-support layer that enables users to understand and navigate original texts without linguistic obstacles.
To support scalability and responsible resource management, the system adopts a hybrid ad hoc and pre-compute architecture. Articles are pre-summarized in batch and stored within the ITR infrastructure to reduce GPU consumption, while ad hoc summarization is performed for content not yet processed. On-the-fly translation ensures flexibility for users with varying language needs. The incorporation of RAG enables context-grounded summaries and explanations that remain faithful to the retrieved content, improving factual reliability and supporting responsible interpretation of licensed materials. As underlying AI models advance, embeddings and pre-summarized outputs will be periodically regenerated to improve quality and maintain service relevance. This project illustrates how AI technologies can strengthen library discovery services, broaden access across linguistic boundaries, and support more inclusive engagement with multilingual newspaper archives.
Wissenschaftliche Verlage erheben zunehmend digitale Nutzungsspuren, deren Umfang und Zweck für Bibliotheken und Wissenschaftseinrichtungen oft intransparent bleibt. In den vergangenen DEAL-Verhandlungen wurden erstmalig Transparenzanforderungen an Verlage formuliert, um das Trackingverhalten von Verlagen einzuschränken und für die Wissenschaft sichtbarer und bewertbarer zu machen. Mit dem ersten Workshop zum Thema Science Tracking, der von der DEAL-Gruppe mit Elsevier durchgeführt wurde, ist es gelungen, konkrete Auffälligkeiten zu adressieren und erste Klärungen herbeizuführen.
Die Task Force Datentracking und Digitale Nutzungsspuren der Allianz der Wissenschaftsorganisationen erarbeitet nach einer forensischen Analyse von Verlagswebseiten und einem internationalen Vergleich unterschiedlicher Verhandlungsstrategien eine praxisorientierte Handreichung. Diese soll Bibliotheken und Lizenzverhandelnde dabei unterstützen, Fragen rund um Datentracking, digitale Nutzungsspuren und Datenschutz besser einordnen und adressieren zu können.
In diesem Vortrag geben die Vortragenden einen Einblick in die neuesten Entwicklungen zum Thema Science Tracking und möchten ihre Schritte und Lösungswege mit dem Publikum diskutieren.
How to Dark Archive?
(2026)
Die neusten globalpolitischen Entwicklungen stellen wissenschaftliche Bibliotheken vor die Herausforderungen, wie Daten dauerhaft gesichert werden können, um Datensouveränität sicherzustellen. Denn obwohl Wissenschaft international ist und der freie Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen eine zentrale Voraussetzung für den wissenschaftlichen Fortschritt ist, sind eben diese Daten direkt Abhängig von der Institution, welche die Bereitstellungsplattform betreibt und zur Verfügung stellt. Die Gefahr für den weltweiten Zugriff auszufallen steigt für Daten, die lediglich auf einer Plattform, von einem Anbieter oder aber auch aus einem Land heraus bereitgestellt werden. Dieser Herausforderung können sogenannte Dark Archives entgegenwirken. Als stille Reserve wird die vollständige Kopie der Inhalte dezentral gespeichert und wird nur im Ernstfall der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In diesem Hands-On Lab soll ein Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmenden ermöglicht werden, um gemeinsame Schnittstellen und Good Practices zu ermitteln und zu diskutieren. Die gemeinsame Arbeit an diesem Thema soll den eigenen Arbeits- und Erfahrungsbereich erweitern und dabei helfen einen Überblick über die notwendigen Schritte für den Aufbau eines Dark Archives zu erhalten.
Schrittweise werden sich Teilnehmende in das Thema einarbeiten und sich mit den folgenden Punkten befassen:
Rechtliche Aspekte beim Dark ArchiveTechnische Aspekte beim Dark ArchiveModellierung von Zugriffsbedingungen („Trigger Events“)Aufwands- und Risikoabwägung bei der Auswahl der zu sichernden Daten
Das Motto «Analog trifft Algorithmus» steht nicht nur für eine technische, sondern auch für eine interaktive und intellektuelle Herausforderung: Wie kann die Semantik massenhaft digitalisierter Bestände zugänglich gemacht werden? Zwar bieten jüngste Entwicklungen wie OCR-generierte Volltexte, Volltextsuche, automatisierte Entitätenextraktion (NER/NEL) und offene Schnittstellen zu hochwertigen Metadaten und Digitalisaten eine gute Grundlage, doch bleibt der Schritt zur intuitiven Interaktion mit den Quellen oft verwehrt.
Die ETH-Bibliothek stellt hierzu einen Prototyp vor, der für Volltexte auf der Plattform e-rara den Paradigmenwechsel von der statischen Suche zum dynamischen, KI-unterstützten Dialog vollzieht. Das auf einer RAG-Architektur (Retrieval Augmented Generation) basierende System ermöglicht es Nutzenden, Fragen in natürlicher Sprache an die Volltexte zu stellen und kontextualisierte Antworten direkt aus den historischen Quellen zu erhalten.
Ein zentraler Aspekt des Beitrags widmet sich der Vertrauenswürdigkeit des Dialogs. Aus bibliothekarischer Sicht ist entscheidend, dass diese Interaktionsform nicht nur auf sprachlicher Plausibilität, sondern auf echter Evidenz basiert. Der Prototyp generiert daher ausschliesslich Antworten, die durch textuelle Belege gestützt sind. Zudem wird eine direkte Brücke zum Original geschlagen, indem jede generierte Aussage interaktiv mit der entsprechenden Fundstelle in e-rara verknüpft wird. So bleibt die verwendete Quelle jederzeit transparent und überprüfbar.
Der Beitrag demonstriert, wie sich diese Interaktion anfühlt, und diskutiert kritisch deren Grenzen. Hilft der Algorithmus beim Verstehen oder führt der Einsatz von KI zu Verzerrungen historischer Inhalte? Zudem wird ein Weg aufgezeigt, wie Bibliotheken ihre Bestände von einer passiven Präsentation zu einem aktiven, dialogfähigen Wissenspartner transformieren können. Dabei spielt die Einbildung weiterer Wissensquellen wie Bibliothekskataloge eine zentrale Rolle.
Mit dem Umstieg auf das Next-Generation-Bibliothekssystem FOLIO hat sich auch VuFind als neuer Open-Source-OPAC im Bibliotheksverbund Bayern (BVB) etabliert.
In den ersten Verbundbibliotheken erfolgte die Einführung beider Systeme parallel. So wurden interne Arbeitsabläufe aufgrund von FOLIO neu gestaltet, während sich gleichzeitig die Rechercheoberfläche für die Nutzenden durch VuFind stark veränderte. Infolgedessen mussten beispielsweise interne wie externe Schulungsangebote zeitgleich vorbereitet werden. Diese Parallelität stellte auch in den Arbeitsgruppen des Verbundes eine Herausforderung dar, da beide Systeme aufwändig konfiguriert und migriert werden müssen.
Um diese Herangehensweise zu flexibilisieren, entschied sich die Universitätsbibliothek Bamberg in Abstimmung mit der BVB-Verbundzentrale für ein gestuftes Vorgehen: Im September 2025 wurde, noch auf Basis des Altsystems SISIS (OCLC), der OPAC von TouchPoint auf VuFind umgestellt. Erst im Februar 2026 folgte dann der Wechsel des Bibliothekssystems. Nach dem Umstieg auf VuFind ergaben sich für die Nutzenden keine weiteren Veränderungen. Dadurch konnten sich die Kolleginnen und Kollegen in Bamberg gemeinsam mit der Verbundzentrale auf die Migration zu FOLIO konzentrieren, Arbeitsprozesse optimieren sowie interne Schulungsangebote vorbereiten und durchführen.
Der Vortrag skizziert den Projektverlauf, berichtet über die gesammelten Erfahrungen der Universitätsbibliothek Bamberg und stellt die nächsten Schritte der BVB-Verbundzentrale dar.
Kartierung von Datenflüssen bei der Verwaltung von E-Ressourcen. Ergebnisse der AG Systemlandschaft
(2026)
In den letzten Jahren ist die Systemlandschaft zur Verwaltung elektronischer Ressourcen zunehmend komplexer und heterogener geworden. Zugleich haben Kooperationen und Netzwerke angesichts immer knapper werdender Ressourcen an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund wurde die AG Systemlandschaft von der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), der Arbeitsgemeinschaft Verbundsysteme (AGV) und der Zeitschriftendatenbank (ZDB) ins Leben gerufen mit dem Ziel, Datenflüsse im Bereich der Verwaltung von elektronischen Ressourcen (u.a. E-Zeitschriften, E-Books, Datenbanken) möglichst umfassend zu erfassen und visuell aufzubereiten. Im Rahmen des Vortrags wird die in der AG Systemlandschaft entwickelte Methodik zur Erhebung von Datenflüssen vorgestellt und ein Einblick in das zugrundeliegende Metadatenschema sowie die Systemlandkarte gegeben. Die Systemlandkarte bildet aktuell 71 Systeme und 164 Datenflüsse ab. Eine Weiterentwicklung sowie regelmäßige Aktualisierung sind geplant. Die erarbeiteten Ergebnisse sollen in JSON- und Excel-Formaten sowie eines Visualisierungstools frei zur Nachnutzung bereitgestellt werden.
Der Open Library Badge (OLB) ist ein Zertifikat für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, die sich nachweisbar für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen. Die Auszeichnung macht entsprechende Aktivitäten und Angebote sichtbar. Der Badge hilft Bibliotheken, ihre Services und ihre Strategie in puncto Openness auf den Prüfstand zu stellen. Bereits über 30 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben den OLB erhalten. Das OLB-Team selbst wurde 2024 mit dem Enter-Award in der Kategorie “Kooperation” geehrt.
Grundlage des OLB ist ein Kriterienkatalog, der 2016 gemeinschaftlich mit der deutschsprachigen Community erarbeitet wurde. In 2020 gab es eine Neuauflage mit 15 Kriterien, die bis heute gültig sind. Insbesondere die dazugehörige Best-Practice-Sammlung liefert wertvolle Impulse.
Das Hands-on Lab hat zum Ziel, den aktiven Austausch fortzuführen und den OLB kooperativ weiterzuentwickeln. Gemeinsam sollen die bestehenden Kriterien evaluiert und ggf. neue Kriterien entwickelt werden. Bereits im Frühjahr 2025 wird das OLB-Team hierfür erstes Feedback aus der Community einholen.
Im Hands-on Lab werden aktuelle Entwicklungen und Handlungsfelder für Bibliotheken rund um Openness diskutiert. Themen könnten
z. B. sein: Diamond Open Access, Maßnahmen gegen das Datentracking in der Wissenschaft, Offenheit für Kooperationen mit anderen Einrichtungen, Erhöhung der Zugänglichkeit zu Orten und Services. Themenfelder, die für öffentliche Bibliotheken und ihre Nutzenden von Bedeutung sind, sollen explizit stärker berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse werden in die Neuauflage des Open Library Badge einfließen, der als “OLB 2025” im weiteren Jahresverlauf veröffentlicht wird. Durch die Beteiligung zu verschiedenen Zeitpunkten des Entwicklungsprozesses wollen wir Transparenz und Chancengleichheit fördern. Damit tragen wir aktiv zur Stärkung demokratischer Strukturen bei und setzen das Motto #BibliothekenEntschlossenDemokratisch in die Praxis um.
Die Vortragsfolien gehören zu einem Workshop, den die AG Open Library Badge am 24.06.2025 auf dem 9. Bibliothekskongress / der 113. BiblioCon durchgeführt hat.
Der rasante Fortschritt der Handwritten Text Recognition-Technologie (HTR) in den letzten Jahren eröffnet Bibliotheken mit historischen Beständen ganz neue Möglichkeiten der Präsentation und Erschließung ihres schriftlichen Kulturerbes. Um die Potentiale von HTR auszuloten, wurde in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin 2024 eine Pilotstudie durchgeführt, in deren Fokus handschriftliche Dienstkataloge aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert standen – denn für rund 7.800 von über 20.000 Handschriften der Staatsbibliothek liegen bisher nur in dieser Form Erschließungsinformationen vor. Die Bände wurden digitalisiert und einige Beispiele unter Einsatz von Open Source-HTR-Software volltexterschlossen; zugleich wurden Workflows für die Einspielung der generierten Volltexte in die Digitalisierten Sammlungen sowie ins Handschriftenportal, den zentralen Nachweis für Buchhandschriften aus deutschen Sammlungen, entwickelt. So werden die Volltexte für Nutzende und Handschriftenforschende zugänglich und durchsuchbar gemacht. Die Daten sowie die trainierten KI-Modelle werden zudem für die Nachnutzung in Digital Humanities-Kontexten auf Forschungsdatenrepositorien publiziert. Auch über die Präsentation und Erschließung hinaus ermöglicht HTR innovative Herangehensweisen an die Arbeit mit historischen Beständen, insbesondere im Kontext partizipativer Formate: Im Sommersemester 2025 führt die Staatsbibliothek universitäre Lehrkooperationen durch, in denen Studierende das im Seminar erworbene Wissen über historische Schriften zugleich für das Nachtraining von Texterkennungsmodellen einsetzen und dadurch aktiv dabei mitwirken können, einen niedrigschwelligen Zugang zum schriftlichen Kulturerbe auch für breitere Zielgruppen zu schaffen. Der Beitrag geht auf Erfahrungen und Herausforderungen beim Einsatz von HTR im Rahmen der skizzierten Projekte ein, diskutiert Best Practices und gibt einen Ausblick auf künftige Einsatzfelder dieser Technologie in Bibliotheken.
Die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) betreibt das Online-Portal rufus – kurz für Rundfunksuche. rufus weist Basisdaten zu Rundfunksendungen nach und macht diese Informationen recherchierbar. In der Pilotphase speiste das ZDF die Metadaten aus seinem Produktionsarchiv ein. Damit ist es erstmals möglich, unkompliziert von außerhalb im Archiv einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt zu suchen.
Mit rufus begegnet die UBL gemeinsam mit dem ZDF der Nachfrage Forschender und unterstützt die Öffnung des Archivs für die Wissenschaft. Niedrigschwellig auf diese Informationen zuzugreifen, war Jahrzehnte lang ein Desiderat. Dieser Bedarf kommt nicht nur aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Die Daten der Rundfunkarchive stellen für viele weitere Forschungsbereiche eine wichtige Quelle dar, da der Bezug zu TV-Inhalten in diversen Fragestellungen auftaucht. Nicht zuletzt leistet das Projekt einen Beitrag, um das audiovisuelle Kulturerbe im Rundfunkbereich zu dokumentieren.
Das Portal enthält derzeit Daten von rund 500.000 Sendungen bzw. 2 Mio. Beiträgen des ZDF. Sie reichen bis zur ersten Ausstrahlung 1963 zurück und decken Eigen- und Koproduktionen des Senders bis in die Gegenwart ab. Für die Recherche steht eine vielseitige Benutzungsoberfläche mit spezifischem Suchinstrumentarium bereit. Es wurde in der Community des FID Media erprobt. Das Portal selbst ist so konzipiert, dass die Anwendung für weitere Datengeber offen ist.
Der Vortrag stellt das Portal und seine Funktionalitäten vor, erläutert den Prozess der Bereitstellung und Umwandlung der Daten in ein Linked-Open-Data-Format sowie die Aufbereitung für den Suchindex. Darauf aufbauend werden Nutzungskontexte und Perspektiven der Weiterentwicklung skizziert.
Im August 2024 gab der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) seine neuen Empfehlungen Sammlungen als multimodale Infrastrukturen. Analog und digital für die verknüpfte Nutzung erschließen heraus. Der Vortrag führt in die neuen Empfehlungen ein, die ein neues Rollenverständnis von den bestandshaltenden Einrichtungen einfordern. Er diskutiert sodann mögliche strategische Potenziale und zwar aus Sicht der DNB vor dem Hintergrund der Spezifik ihres gesetzlichen Auftrags und ihrer daraus resultierenden Sammlung. Er tut dies, indem er zwei aktuelle Pilotprojekte an der DNB vorstellt. Eine in-house Fallstudie über Forschungssettings an jener Machbarkeitsgrenze, an der händische und digitale Analysestrategien einander möglichst vergleichbar leistungsstark gegenüberstehen. Und eine von der VW-Stiftung in der neuen Förderlinie Change! gemeinsam mit einem universitären Partner für 5 Jahre geförderten Fallstudie, in der die DNB bereits ganz im Sinne des RfII in der inhaltlichen Forschungsarbeit wissenschaftlicher Akteur auf Augenhöhe ist, um darauf aufbauend aber zudem auch infrastrukturelle Mehrwerte zu generieren. Ausblick und Fazit verorten das Thema des Vortrags dann im größeren Kontext der informationellen Revolution rund um Künstliche Intelligenz (KI) und fragen, wie ausgehend von den aktuellen Forderungen des Deutschen Kulturrats dazu gerade darüber, solche Forschungssettings zu erkunden, ein Beitrag zum dringend notwendigen Ausbau kombinierter Informations-, Medien- und KI-Kompetenz in der Gesellschaft geleistet werden kann.
Die Hochschulbibliothek der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg ist als dritte Pilotbibliothek in Bayern im März 2025 mit FOLIO vollumfänglich live gegangen. Als erste Bibliothek mit RFID. Alle Medien sind mit RFID-Tags ausgestattet. Für die Mediensicherung und Verbuchung sind viele RFID-Pads, drei Selbstverbucher aus zwei unterschiedlichen Generationen, ein Sicherungsgate, ein Schlüsselautomat und ein Rückgabeautomat mit Sortierung im Einsatz. Ohne RFID bräuchten wir mehr Personal an den Theken und Kund*innen müssten dennoch längere Wartezeiten in Kauf nehmen.
Was kann FOLIO von Haus aus mit RFID anfangen? Was haben Kolleg*innen aus dem BVB ergänzt? Wofür haben wir selbst eine Lösung gefunden? Wofür mussten wir vor oder nach dem Livegang Workarounds finden? Was geht weiterhin nicht?
Die Hochschulbibliothek der OTH Regensburg verfügt über keine eigene IT-Abteilung. Das IT-Zentrum der Hochschule ist kleiner als die Bibliotheks-IT-Abteilung mancher Bibliotheken. Wie konnte sie trotz des engen Zeitplans den Umstieg erfolgreich stemmen? Wie sahen die Notfallpläne aus?
Die Freie Universität Berlin setzt PrimoVE ein, das seit Herbst 2024 den sogenannten "Research Assistant" als erweiterte Rechercheoption anbietet. Der „Research Assistant“ ist eine KI in Form von Retrieval Augmented Generation (RAG). Hierbei werden natürlich-sprachige Suchanfragen in Suchstrings umgesetzt und mit diesen im Datenbestand von Primo (CDI) gesucht. Anhand der Metadaten und Abstracts der ersten fünfgefundenen Treffer wird eine Zusammenfassung generiert und auf die entsprechenden Katalogergebnisse verwiesen. An der Freien Universität Berlin testet unsere Arbeitsgruppe diese Rechercheoption, um über einen Produktiveinsatz zu entscheiden. Parallel testen wir KI-gestützte Rechercheassistenten anderer Datenbanken wie dem Web of Science oder Statista, um den Mehrwert für unsere Nutzer*innen zu eruieren. Im Vortrag berichten wir über die Ergebnisse und erörtern die daraus resultierende Empfehlung für oder gegen den Einsatz an der Freien Universität Berlin zum Sommersemester 2025. Im positiven Fall werden wir auch die Maßnahmen wie Schulungen und Informationsseiten vorstellen, die zur Unterstützung dieser Rechercheoptionen eingeführt wurden.
Die SuUB Bremen hat den Medienerwerb mit dem Start des Jahres 2024 von OCLC LBS3 auf FOLIO umgestellt - als erste Bibliothek im GBV. Nach anderthalb Jahren Routinebetrieb soll eine erste Bilanz gezogen werden: Wurden die Erwartungen an ein modernes Bibliotheksmanagementsystem (z.B. Electronic Resource Management oder die Integration von elektronischen Rechnungen) erfüllt? Wie stabil und performant läuft FOLIO? Wie beurteilen die Mitarbeiter:innen in der Erwerbung das neue System? Wie sind wir mit den fehlenden Funktionen umgegangen? Gab es (positive oder negative) Überraschungen?