720 Architektur
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An der TU München wurde 2015 das Forschungszentrum "Einfach Bauen" gegründet. Ziel war die Entwicklung eines Konzepts, das mit weniger technischer Komplexität auskommt, dabei aber Energieeffizienz und nutzerfreundlich bleibt. Realisiert wurden drei Forschungshäuser, in drei weiteren wurde das Konzept weiterentwickelt und angepasst.
Der Klimawandel hat enormen Einfluss auf unsere Umwelt und unser Leben. Er beeinflusst maßgeblich unsere Natur. Besonders deutlich wird dies im Wald: viele Baumarten leiden unter Starkwetterereignissen wie extremer Trockenheit oder Stürmen. In der Folge sind sie anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Zudem schrumpft die Artenvielfalt. Gleichzeitig hilft der Wald jedoch, durch die Speicherung von CO2 den Klimawandel zu
bremsen. Die Sensibilisierung für die Veränderung des Waldes und die Information zu den regionalen Auswirkungen des Klimawandels sind wichtige Aufgaben. Zu entwerfen ist ein Veranstaltungs- und Schulungszentrum mitten im Wald: das KLIMAHAUS. Der aufmerksame Umgang mit dem Ort, das behutsame Einfügen eines Baukörpers in die Natur und die Reduktion auf das Wesentliche nach den Prinzipien von „Einfach Bauen“ sind begleitende Themen.
Einfach Bauen 3.0
(2025)
Wie geht bauen einfacher, insbesondere im Holzbau? Die Forschungshäuser in Bad Aibling beweisen, dass auch reduzierte Gebäudekonzepte ein angenehmes Raumklima ermöglichen. Messungen und Bewohnerbefragungen zeigen, dass selbst die für den Holzbau kritischen Bereiche Schallschutz und sommerlicher Wärmeschutz mit einfachen Mitteln realisierbar sind. Die beim Bau und Betrieb der ersten drei Häuser gewonnenen Erfahrungen wurden zur Optimierung des Konzepts genutzt. Der Einsatz von Holz und Lehm im vierten Forschungshaus verbessert die Umweltbilanz. Die Anpassung der Grundrisse und Freibereiche jeder Wohnung berücksichtigt die Wünsche der Nutzer. Wie geht es weiter mit Einfach Bauen? Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum und der Wunsch nach einfacheren baulichen Lösungen mit mehr Gestaltungsfreiheit sind weiterhin da. Vor dem Hintergrund der Klimakrise und der Wohnungsnot ist es wichtig, dass Planer und Bauherren die Möglichkeit haben, bauliche Standards abzusenken.
Einfach bauen – einfach gut?
(2025)
Die steigenden Standards im Wohnungsbau führen in der Praxis häufig dazu, dass weder die prognostizierten Verbrauchswerte noch eine hohe Nutzerzufriedenheit erreicht werden. Das Konzept „Einfach Bauen" zielt auf den Bau robuster Gebäude mit moderatem Energieverbrauch trotz reduzierter Standards ab. Die Mixed-Methods-Untersuchung der drei Forschungshäuser in Bad Aibling belegt, dass ressourceneffiziente und technikarme Häuser eine ausreichende Nutzerzufriedenheit bieten können.
Junge Geflüchtete suchen in Deutschland Schutz aus Gründen wie bewaffneten Konflikten, politischer Verfolgung, wirtschaftlicher Unsicherheit oder dem Klimawandel. Als Minderjährige werden sie nach der Ankunft in Deutschland in Jugendhilfeeinrichtung betreut. Diese sind mit dem Erwachsenwerden nicht mehr für die zuständig, was eine tiefgreifende Veränderung bedeutet. Die intensive Betreuung durch ihre Bezugspersonen endet und sie müssen das vertraute Umfeld verlassen. Auf dem angespannten Münchner Wohnungsmarkt haben junge Menschen mit Fluchthintergrund kaum Chancen eine Wohnung zu finden, wodurch die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft unumgänglich wird. Wünschenswert wären Übergangslösungen wie sozialpädagogisch betreute Wohngruppen, wo Fachkraft den jungen Volljährigen zur Seite stehen und sie weiter auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten. Hilfe für junge Geflüchtete ist nicht nur eine humanitäre Verpflichtung, sondern auch im Interesse einer inklusiven, vielfältigen und prosperierenden Gesellschaft. Zu entwerfen ist ein mehrgeschossiges Wohn- Schulungs- und Kulturzentrum für Geflüchtete in zentraler Lage in München. Das Zentrum wird nicht nur von den Geflüchteten genutzt, sondern öffnet sich auch für die lokale Gemeinschaft. Durch GEMEIMSAME Aktivitäten und Veranstaltungen wird ein Beitrag zur kulturellen Vielfalt und Integration geleistet. Die Beschäftigung mit dem Stadtraum, der Typologie des Eckhauses und dem Übergang von (halb)-öffentlichen zu privaten Räumen steht im Vordergrund.
Die steigenden Standards im Wohnungsbau führen in der Praxis häufig dazu, dass weder die prognostizierten Verbrauchswerte noch eine hohe Nutzerzufriedenheit erreicht werden. Das Konzept „Einfach Bauen" zielt auf den Bau robuster Gebäude mit moderatem Energieverbrauch trotz reduzierter Standards ab. Die Mixed-Methods-Untersuchung der drei Forschungshäuser in Bad Aibling belegt, dass ressourceneffiziente und technikarme Häuser eine ausreichende Nutzerzufriedenheit bieten können.
Über zwei Jahre wurden in den Forschungshäusern in Bad Aibling Raumklima und Verbrauch gemessen und die Bewohner befragt. Die Ergebnisse bestätigen die Strategie »Einfach bauen«, zeigten aber auch Schwachpunkte bei der Ökobilanz auf. Die Reihe wurde deshalb um ein viertes Haus erweitert, das das Forschungsprojekt »Einfach Bauen« fortsetzt und Beton durch Lehm substituiert. Die Ergebnisse wurden in der Veröffentlichung »Einfach Bauen II, Erkenntnisse« veröffentlicht.
Das Projekt wurde vom Wintersemester 2010/2011 bis zum Sommersemester 2012 an der Technischen Hochschule Rosenheim unter Beteiligung der Fakultäten für »Innenarchitektur, Architektur und Design« sowie »Holztechnik und Bau« im Auftrag der VS Vereinigten Spezialmöbelfabriken GmbH & Co. KG in Tauberbischofsheim durchgeführt. Der Schwerpunkt lag dabei in den ersten beiden Semestern an der Fakultät für »Innenarchitektur Architektur und Design« unter der Leitung von Prof. Kilian Stauss und danach in den Projektsemestern 3 und 4 an der Fakultät für »Holztechnik und Bau« unter der Leitung von Prof. Thorsten Ober.
Umsetzung
Ziel des Projektes war die Neukonzeption, Gestaltung und Konstruktion von zukunftsweisenden Möbeln für Hochschulen, einem für den Auftraggeber wichtigen Marktsegment. Das Projekt sollte dabei interdisziplinär zwischen den Gebieten der Innenarchitektur, des Design, der Möbelkonstruktion, der Möbeltechnik und -prüfung sowie der Holztechnik durchgeführt werden, um völlig neue Ansätze basierend auf den aktuellen Wissensständen in den verschiedenen Disziplinen verfolgen und kombinieren zu können.
Ausgangslage für das Projekt sind stark veränderte Rahmenbedingungen an den Hochschulen: Ausgehend von der sogenannten »Bologna-Reform« und der mit ihr in Deutschland verbundenen Umstellung der Diplomstudiengänge in Bachelor und Master verändern sich auch die Lehr- und Unterrichtsformen. Der veraltete Frontalunterricht wird zugunsten von dialogorientierten Unterrichtsformen wie Seminaren und Gruppenarbeit zunehmend aufgegeben. Zudem werden neue Studiengänge mit oft relativ kleinen Studierendenzahlen und einem hohen Eigenarbeitsanteil der Studierenden gegründet, vor allem im Bereich der Masterstudiengänge. Und die Hochschullehre allgemein beginnt sich auch im Unterricht digital zu vernetzen. Die bestehenden Gebäudestrukturen und Ausstattungen von Hochschulen und Universitäten passen nicht mehr zu diesen Veränderungen, sind sie doch häufig aus dem klassischen Schulbau abgeleitet oder fast ausschließlich vorlesungsorientiert aufgebaut.
Das Unternehmen Hettich ist ein führender Hersteller von Möbelbeschlägen in Deutschland und Europa und hatte das Ziel, in einem Forschungsprojekt an der Technischen Hochschule Rosenheim unter der Leitung von Prof. Kilian Stauss und Prof. Thorsten Ober mit Studierenden aus den Fakultäten IAD (Innenarchitektur, Architektur, Design) und HTB (Holztechnik und Bau) das Thema »Möbel auf Europalette« zu untersuchen.
Das Unternehmen ist vorwiegend im B2B-Sektor tätig (Business to Business). Das Projekt »Möbel auf Europalette« fokussierte hingegen auf den B2C-Sektor (Business to Customer). Es ging also nicht darum, Beschlags- und Möbel-Lösungen zu entwickeln, die an Weiterverarbeiter oder den Fachhandel geliefert werden, sondern um Lösungen für den Endkunden. »Business to Customer« ist ein vollkommen anderer Markt und die zu entwickelnden Produkte müssen spezifisch für diesen Markt entwickelt werden. Die Bestellung muss einfach durchführbar sein (Verständlichkeit des Produktes oder Systems, einfaches Bestell-Interface). Die Ware muss sich schnell und einfach konfigurieren
und verpacken lassen (geringe Teilevielfalt, Gleichteile).
Die Ware muss sich gut transportieren und liefern lassen (geringes Gewicht, kleines Packmaß, alles muss zwingend auf eine Europalette
passen, gerne aber auch noch kleiner). Die Ware muss sich leicht auspacken und montieren lassen (wenig Wegwerfverpackung, gute Usability durch möglicherweise werkzeuglose oder werkzeugarme Montage). Und die Ware soll sich auch im Gebrauch mit vertretbarem Aufwand umbauen, abbauen, neu aufbauen oder erweitern lassen.
Diese auf den Customer zentrierten Vorteile haben auch positive Auswirkungen auf die Produktion: Geringes Gewicht, geringe Teilegrößen und reduzierte Formen- und Teilekosten sparen Geld und Zeit und sorgen wiederum für einen reduzierten Endkundenpreis. Hierfür wurden innovative Ansätze sowohl im Bereich der Ausgangsmaterialien als auch im Bereich der Möbelverbindungen gefunden. Auch Beschlagslösungen wurden komplett neu entwickelt. Zuletzt war von den Studierenden für alle Bauteile der Nachhaltigkeitsaspekt im Sinne von »Cradle-to-Cradle« zu berücksichtigen, denn auch Möbelanbieter werden zukünftig stärker Rücknahme-Möglichkeiten etc. anbieten. Die Nachhaltigkeit hat dabei viele Aspekte. Technisch gesehen interessieren Reparierbarkeit, Nachkauf und Austauschbarkeit von Teilen sowie Rücknahme und Rezyklierbarkeit der zum Einsatz gekommenen Materialien. Ökologisch interessieren der Energieaufwand und die Umweltverträglichkeit der zum Einsatz kommenden Materialien und Stoffe. Sozial sind Faktoren wie Anpassbarkeit, Rückbaubarkeit und die Möglichkeit eines häufigeren Auf- und Abbaus wichtig.
Die von den Studierenden entwickelten Lösungen wurden innerhalb des Projektsemesters in den Werkstätten und Laboren der Hochschule – zum Teil mit Unterstützung von Hettich – in Designmodelle und Funktionsprototypen umgesetzt.
Die Innenausstattung von Küchenschubladen und Küchenauszügen ist für die Hersteller von Küchen ein wichtiger Baustein der Differenzierung von den Mitbewerbern, da die Nutzer heute nicht nur bei der Möblierung designorientiert denken, sondern sich auch sehr genau mit den Werkzeugen und Geräten zum Kochen, Verstauen und Essen auseinandersetzen. Auch diese Gegenstände benötigen heute im Küchendesign einen adäquaten Platz.
Die Schüller Möbelwerk KG wollte zu diesem Thema für drei Preis- und Ausstattungsklassen Innenausstattungssysteme von einer Studierendengruppe der Technischen Hochschule Rosenheim gestalten und entwickeln lassen: Erstens für den »Preiseinstieg«, zweitens für die »Mittelklasse« und drittens für den »Premiumbereich«. Dabei konnten die Preisbereiche sich sowohl durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien als auch durch grundsätzliche Ausstattungsdetails unterscheiden. Es war gewünscht, dass die Ausstattungen der Schubladen das Verstauen folgender Produktgruppen ermöglichen: Besteck, Gewürze, Küchenrolle, Folienrolle, Kochwerkzeug, Schneidemesser und Abziehstahl, Smartphone und Tablet, wobei hier auch Ladefunktionen zu berücksichtigen sind. Bei den Auszügen sollen Teller, weiteres Geschirr, Kochtöpfe, Küchengeräte, Kochwerkzeug, trockene und ungekühlt zu lagernde Nahrungsmittel sowie Putzmittel berücksichtigt werden.
Die Umsetzung
Anhand von Skizzen, Zeichnungen und Karton-Vormodellen (Cardboard-Engineering) wurden Ausstattungsprobleme in Schubladen untersucht und aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse neue Lösungen im Vorentwurf gestaltet. Diese Lösungen wurden in der Entwurfsphase sukzessive hinsichtlich Konstruktion, Material, Gestaltung, Oberfläche und Farbe weiterentwickelt.
Im letzten Projektschritt entstanden dann Präsentationsmodelle und Prototypen im Maßstab 1:1. Das Projekt wurde im Masterstudiengang Innenarchitektur und Möbeldesign, Spezialisierung Möbeldesign, im 1. Semester durchgeführt. Die Modelle wurden von den Studierenden in den Werkstätten der Hochschule selbst gebaut.