Filtern
Dokumenttyp
Sprache
- Deutsch (9)
Referierte Publikation
- nein (9)
Schlagworte
- Archäometrie (8)
- Kunst- und Kulturgut (6)
- ZfP (5)
- Zerstörungsfreie Prüfung (4)
- Hinterglasmalerei (3)
- Kunst- und Kulturanalyse (1)
Die Befunde eines Forschungsprojektes zur Hinterglasmalerei werfen ein neues Licht auf die gegenseitige Einflussnahme von Glas-, Hinterglas- und Tafelmalerei. Die Autoren veranschaulichen die Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass sich vor allem Glasmaler der Hinterglasmalerei annahmen. Zudem zeigen ihre Untersuchungen, dass in der Renaissance und im Mittelalter innerhalb der verschiedenen Malerhandwerke ein enger Austausch existierte.
Das Schwarzlot in der Hinterglasmalerei - Zerstörungsfreie Untersuchung von Kunst- und Kulturgut
(2009)
Die Bedeutung der Zerstörungsfreien Prüfung im Bereich der Kunst- und Kulturanalyse hat in den letzten Jahren deutlich
zugenommen. Mobile Untersuchungstechniken erweisen sich als besonders geeignet, da die fragilen und kostbaren Objekte
in den Museen verbleiben und somit keine Schädigungen durch Transport oder Klimawechsel erleiden können. Dieser Beitrag
möchte am Beis piel der Hinterglasmalerei die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Analyse im Bereich der Kunstgeschichte
aufzeigen.
Der Begriff der Schwarzlotmalerei wird in der Kunstgeschichte allgemein für eine schwarze Konturmalerei verwendet. Während
der Begriff in der Glasmalerei eindeutig das Material ein mit Eisen- und Kupferoxiden schwarz gefärbtes Bleiglas bezeichnet,
steht der Begriff in der Tafelmalerei für tiefschwarze Konturen auf Goldgründen und Lüstern. Diese Modellierung ist
jedoch im Vergleich zur Glasmalerei - soweit bekannt - mit organischen Schwarzpigmenten ausgeführt.
Auch die Hinterglasmalerei, und hier insbesondere die des späten Mittelalters zeichnet sich durch eine dominierende
schwarze Konturmalerei aus.
Mittels zerstörungsfreier Röntgenfluoreszenzanalyse konnte in einer Auswahl repräsentativer Objekte Schwarzlot nachgewiesen
werden. Bezogen auf die Konturierungen ist hier eindeutig der stilistische, aber auch der maltechnische Einfluss der Glasmalerei
auf die Hinterglasmalerei ablesbar. Es ergibt sich aber ein wesentlicher Unterschied bis auf wenige Ausnahmen
wurde hier das Schwarzlot nicht eingebrannt, sondern als Kaltbemalung verwendet.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgut schließt neben kunsthistorischen Untersuchungen zunehmend kunsttechnologische und materialwissenschaftliche Analysen mit ein. Der folgende Beitrag fasst die Erkenntnisse der fächerübergreifenden Forschung an deutschen und niederländischen Hinterglasmalereien des 14. bis 16. Jahrhunderts zusammen und soll einen Beitrag zur Neubewertung der Kunstgattung leisten. Nach einer Positionsbestimmung der Hinterglasmalerei gegenüber der Glas- und Tafelmalerei wird auf den Herstellungsprozess ein gegangen, wobei eine detaillierte Beschreibung der Ausgestaltung von Hinterglasbildern mit Schwarzlot, Lüsterfarben und Blattmetallen (Eglomisé) sowie deckenden Malfarben vorgenommen wird.
Da in der Hinterglasmalerei der durchsichtige Malgrund und Bildträger stets sichtbar bleibt, kam der Auswahl des Glases eine große Bedeutung zu. Glasmaler wie auch Hinterglasmaler strebten danach, qualitätvolles Glas zu bearbeiten, welches optische Verzerrungen und Spitzlichter ausschloss. Untersuchungen an Hinterglasbildern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert zeigen, dass dies bei spätmittelalterlichen Gläsern nicht immer der Fall war.
An den gläsernen Bildträgern lassen sich aufgrund typischer Beschaffenheitsmerkmale wie oberflächlicher Unebenheiten und Schlieren, Abdruckspuren des eingesetzten Arbeitswerkzeuges, eingeschlossener Gasbläschen und bearbeiteter Kanten Rückschlüsse auf die Methode ihrer Herstellung ziehen.
Die fragilen Glastafeln verlangen nach schützenden Rahmungen, die in verschiedenen Konstruktionsformen als hölzerne Rahmen und/oder Bleiruten ausgeführt wurden. Der untersuchte Bestand an Hinterglasgemälden umfasst zumeist Einzelbilder, doch sind auch Triptychen und ein Deckelkästchen mit Hinterglaseinlagen vertreten.
Die kunsthistorische Forschung befasst sich immer wieder mit der Frage, ob es sich bei Kunstwerken um Originale, Kopien oder Fälschungen handelt. Die Kunstfälschung hat eine lange Tradition und wurde in allen Gattungen ausgeübt. Handelt es sich bei einer Fälschung um die getreue Wiedergabe eines Originals oder die Neuschöpfung eines Kunstwerks als Imitation einer gewissen Zeitspanne mit betrügerischer Intention, so stehen dem die Kopie und die eigene künstlerische Schöpfung entgegen.
Insbesondere im 19. Jahrhundert war bedingt durch die intensive Sammelleidenschaft die Nachfrage nach erlesenen Kunstwerken sehr hoch, ebenso wie die Konkurrenz der Sammler untereinander. Und so verführte die Spezialisierung auf ein Sammelgebiet Händler dazu, immer mehr Ware herbeizuschaffen. Unter diesen Gesichtspunkten sind auch einige Werke der Hinterglasmalerei, die bislang dem 14. bis 16. Jahrhundert zugeordnet werden, hinsichtlich ihrer Datierung zu überprüfen.
Die Produktion qualitätvoller Hinterglasbilder aus dem 14. bis 16. Jahrhundert beschränkte sich nicht auf die niederländischen und deutschen bzw. ober- bis niederrheinischen Kunstlandschaften. Es haben sich ebenso prachtvolle Werke aus Frankreich (Burgund), Süddeutschland und Italien erhalten. Da zusätzlich zu den diskutierten Katalognummern weitere Hinterglasbilder kunstwissenschaftlich und materialtechnologisch untersucht wurden, werden diese im Folgenden beispielhaft vorgestellt.
Die Hinterglasmalerei fand als Zwischengattung der Glas- und Tafelmalerei eher wenig Beachtung, war sie doch lange mit dem Begriff der Glasmalerei belegt. Dieses geschah jedoch zu Unrecht, wie die Auswahl an Hinterglasbildern, die in dieser Publikation vorgestellt wird, eindrucksvoll belegt. Auch wenn Glas in beiden Fällen das Trägermaterial darstellt, wird in der Hinterglasmalerei die Rückseite der Glastafel mit organisch gebundenen Malfarben verziert, während aufzubrennende Schmelzfarben das Glas in der Glasmalerei schmücken. Der wesentliche Unterschied offenbart sich in der Lichtführung: Hinterglasbilder werden ausschließlich bei auffallendem Licht betrachtet. Der Malvorgang bei hintermalten Gläsern verläuft grundsätzlich von vorne nach hinten, da der Malgrund zugleich die Schauseite darstellt.