Wirtschaft Gelsenkirchen
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Die Digitalisierung bewirkte das Leeren der Innenstädte auf unterschiedliche Arten. Diese werden hier kurz aufgeführt. Um eine Innenstadt wieder lebendiger werden zu lassen, ist neben einer erhöhten Sichtbarkeit mit zunehmenden digitalen Services durch Stakeholder der Innenstadt auch der explizite Einsatz von AR eine Option, um Events und Besucherreisen lebendig werden zu lassen. Es wird kurz auf die Inhalte des Forschungsprojektes ARIZON eingegangen, das auf soziale Interaktion und digitale Erlebnisse an vorgegebenen Orten in der Stadt setzt.
Wirtschaft, Psychologie und Nachhaltigkeit sind heute enger miteinander verbunden denn je. Die 29. Fachtagung der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie widmet sich diesem Zusammenspiel und rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie ökologische, ökonomische und soziale Transformation so gestaltet werden kann, dass sie von Menschen verstanden, mitgetragen und aktiv mitgestaltet wird.
Die Tagung an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen bringt Studierende, Wissenschaftler*innen und Führungskräfte aus der Praxis an einem Ort zusammen, an dem die Erfahrung von Strukturwandel und Fragen der Zukunftsfähigkeit seit Jahrzehnten zum Alltag gehören. Vor diesem Hintergrund bietet die GWPs ein Forum, in dem wissenschaftlich fundierte und empirisch belastbare Erkenntnisse mit praxisnahen Gestaltungsansätzen verbunden werden. Sie steht für angewandte Forschung mit Anspruch an Rigor und Relevanz.
Die in diesem Band versammelten Beiträge machen deutlich, wie vielfältig und zugleich unmittelbar relevant wirtschaftspsychologische Perspektiven für die Nachhaltigkeitstransformation sind. Sie widmen sich Fragen der Arbeitswelt, Gesundheit und Motivation ebenso wie demokratischen Einstellungen und gesellschaftlicher Teilhabe. Sie beleuchten Akzeptanzprozesse in Mobilität, Technologie und Künstlicher Intelligenz, diskutieren Konsumentenverhalten, soziale Verantwortung, Bildungs- und Hochschulentwicklung sowie organisationale Veränderungen. Damit zeigen sie eindrücklich, dass nachhaltige Transformation nicht allein eine technische, politische oder wirtschaftliche Aufgabe ist, sondern in besonderem Maße eine psychologische.
Wir verstehen diese Tagung daher als Einladung zum Dialog: zwischen Disziplinen, zwischen Forschung und Praxis sowie zwischen den unterschiedlichen Handlungsfeldern, in denen Nachhaltigkeit konkret wird und den Akteur*innen, die sie gestalten. Unser Ziel ist es, Orientierungswissen bereitzustellen, konstruktive Perspektiven zu eröffnen und Impulse zu geben, wie wirtschaftspsychologische Erkenntnisse dazu beitragen können, nachhaltige Entwicklungen wirksam, akzeptiert und menschlich zu gestalten.
Wir danken allen Autor*innen für ihre engagierten Beiträge sowie allen Beteiligten, die durch Organisation, Diskussion und Mitwirkung zum Gelingen dieser Tagung beitragen. Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre, erkenntnisreiche Diskussionen und viele Impulse für Forschung, Praxis und Lehre.
Hintergrund
Studierende mit Migrationshintergrund berichten häufiger über ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl („sense of belonging“), verbunden mit höherem Stress und erhöhter Abbruchneigung. Trotz dieser Relevanz liegen im deutschsprachigen Raum bislang kaum qualitative Untersuchungen zu diesem Thema vor. Ziel der Studie war es, das subjektive Zugehörigkeitserleben von Studierenden mit Migrationshintergrund zu rekonstruieren und dessen Bedeutung für die mentale Gesundheit zu analysieren.
Methodik
Die Untersuchung folgte einem qualitativ-explorativen, Community-basierten Design. An einer Hochschule für angewandte Wissenschaften im Ruhrgebiet wurden 28 Peer-Interviews mit Studierenden mit Migrationshintergrund geführt. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz, theoretisch gerahmt durch die Social-identity-Theorie (Social-cure-Ansatz), den „Social Determinants of Health“-Ansatz und das „Study Demands-Resources“-Modell.
Ergebnisse
Zugehörigkeit erwies sich als zentrale Ressource für psychische Gesundheit. Fehlende Zugehörigkeit war mit emotionaler Erschöpfung, Demotivation und psychosomatischen Symptomen assoziiert, während erlebte Zugehörigkeit als Puffer- und Aktivierungsfaktor wirkte. Hochschulische Kommunikationskultur, soziale Dynamiken unter Studierenden sowie strukturelle Ungleichheiten beeinflussten das Zugehörigkeitserleben maßgeblich.
Schlussfolgerung
Zugehörigkeit stellt eine sozial und institutionell gestaltbare Gesundheitsdeterminante dar. Maßnahmen der Gesundheitsförderung sollten strukturelle, soziale und organisationale Bedingungen in den Blick nehmen, die Zugehörigkeit stärken, etwa durch transparente Regeln, wertschätzende Kommunikation und inklusive Lernumgebungen.
Sensory Processing Sensitivity (SPS; Hochsensibilität) ist durch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Umweltreizen – sowohl positiven als auch negativen Reizen – gekennzeichnet. Aktuelle Studien identifizieren zwei Facetten des Konstrukts: Vantage-Sensitivität (repräsentiert durch ästhetische Sensitivität) und Vulnerable-Sensitivität (bestehend aus niedriger sensorischer Schwelle und leichter Erregbarkeit) (Pluess & Belsky, 2013; Wyrsch, 2020). Seit der wegweisenden Studie von Aron und Aron (1997) konzentrierte sich der Großteil der empirischen Forschung auf die allgemeinen Merkmale von Hochsensibilität, insbesondere auf die negativen Konsequenzen (Greven et al., 2019). Nur wenige Studien untersuchten die Hochsensibilität im organisatorischen Kontext und berücksichtigten dabei auch die positiven Effekte von Hochsensibilität. Basierend auf dem Job-Characteristics-Modell von Hackman und Oldham (1976) schließen wir diese Forschungslücke, indem wir moderierende Effekte der Hochsensibilität auf die Zusammenhänge zwischen den Arbeitsmerkmalen Autonomie und Aufgabenvielfalt auf die Arbeitszufriedenheit als organisationale Outcome-Variable untersuchen. Wir nehmen positive Korrelationen zwischen Arbeitsmerkmalen und der Arbeitszufriedenheit sowie einen positiven moderierenden Effekt von Hochsensibilität auf diesen Zusammenhang an. Die Ergebnisse unserer Studie (N = 719) bestätigen, dass die Hochsensibilität die Beziehung zwischen Autonomie und Arbeitszufriedenheit positiv moderiert. Gleichzeitig fanden wir jedoch auch negative Zusammenhänge zwischen vulnerabler Sensitivität und Arbeitszufriedenheit. Hinsichtlich der Aufgabenvielfalt konnten moderierende Effekte ausschließlich für die Vantage-Sensitivität festgestellt werden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und gleichzeitig die Performance des Unternehmens verbessert werden können,n wenn moderne Arbeitsumgebungen Persönlichkeitseigenschaften wie Hochsensibilität im Arbeitsumfeld berücksichtigen.
Leaders’ Psychological Costs and Benefits of Servant Leadership: A Conservation of Resources View
(2025)
Servant leadership is widely recognized for its positive effects on followers, but its impact on leaders' mental health remains understudied. This gap is crucial, as servant leadership might place significant demands on leaders' psychological resources, without sufficient social, psychological, or organizational rewards. Drawing on the Conservation of Resources Theory (COR), we investigate how and when servant leadership affects leaders' mental health, viewing its role not only as resource-depleting but also as resource-generating for leaders, depending on the organizational context. Two cross-sectional studies were conducted using leader self-assessments (N = 101; N = 170). Study 1 focused on the relationship between servant leadership, experienced meaningfulness, emotional exhaustion, and flourishing, emphasizing the resource-generating potential of servant leadership. Study 2, examined the moderating effect of the distributive justice climate (DJC) on the link between servant leadership and emotional exhaustion, exploring the possibility of resource depletion under conditions of low organizational fairness. Results. In Study 1, servant leadership was found to mitigate emotional exhaustion by enhancing experienced meaningfulness at work. Moreover, it fostered leaders' flourishing through the same mechanism, suggesting that servant leadership can be a source of leaders’ well-being. Study 2 demonstrated that DJC moderates the servant leadership–emotional exhaustion relationship. Specifically, when DJC is low, servant leaders are more susceptible to emotional exhaustion, indicating that unfair organizational climates can exacerbate the resource-depleting aspects of servant leadership. Servant leadership has the potential to both reduce and exacerbate emotional exhaustion in leaders. While it generates psychological resources like experienced meaningfulness, which enhances well-being, its effectiveness is influenced by the organizational context. In unjust environments, servant leadership's emotional demands may lead to resource depletion. These findings are in line with COR and highlight the complex impact of servant leadership on the well-being of leaders. Limitations remain to issues of causality.
Theoretical Background:
Work-Life Blending refers to the dissolution and permeability of boundaries between work and personal life, leading to an integrated experience across these domains. Despite its growing prevalence, a comprehensive conceptualisation of Work-Life-Blending is lacking. Our study addresses this gap by conducting a systematic review to define and clarify the construct, guided by Clark’s (2000) work/family border theory.
Research Question:
Our study aimed to identify key factors and dimensions of Work-Life Blending, leading to a holistic conceptualisation. Specifically, our review seeks to answer: What are the key factors and dimensions of Work-Life-Blending, and how can they be integrated into a unified concept and definition? We aim to review the current state of knowledge, define and clarify the concept, and propose a future research agenda.
Methodology:
Following PRISMA guidelines (Liberati et al., 2009; Moher et al., 2009), we analysed 51 relevant articles from an initial pool of 1,400 references. A systematic review approach was used to synthesise existing literature and identify the main factors and dimensions associated with Work-Life Blending.
Findings:
Our findings revealed a diverse and multifaceted field, structured using Clark’s (2000) key concepts. This framework provided deeper insights into the complex nature of the topic, highlighting significant diversification in the studies.
Discussion and Implications:
The study provides a strong foundation for further research on Work-Life Blending. By establishing a classification of key determinants, we offer a comprehensive framework for future studies, e.g., to explore which lifestyle principles can enhance work-life integration and address the challenges of modern work arrangements.
References:
Clark, S. C. (2000). Work/family border theory: A new theory of work/family balance. Human Relations, 53(6), 747-770.
Liberati, A., Altman, D. G., Tetzlaff, J., Mulrow, C., Gøtzsche, P. C., Ioannidis, J. P. & Moher, D. (2009). The PRISMA statement for reporting systematic reviews and meta-analyses of studies that evaluate health care interventions: explanation and elaboration. Journal of clinical epidemiology, 62(10), e1-e34.
Diese systematische Übersichtsarbeit bewertet die Wirksamkeit von Mentalem Imaginationstraining (engl. Mental Imagery Training, MIT) zur Leistungssteigerung und Stressbewältigung für Hochrisikoberufe wie Polizeibeamten und Feuerwehrleuten. MIT, eine kognitive Technik zur mentalen Visualisierung von Aufgaben und Einsatzszenarien, wird auf ihr Potenzial hin untersucht, psychomotorische Fähigkeiten zu verbessern und stressbedingte Gesundheitsprobleme in extrem anspruchsvollen Einsatzfeldern zu reduzieren. Mit dem Job Demands-Resources (JD-R) Modell als theoretischem Rahmen untersucht die Arbeit, wie MIT als Ressource zur Minderung der schädlichen Effekte hoher beruflicher Anforderungen beitragen kann, indem sie berufsbezogene und persönliche Ressourcen stärkt. Eine umfassende Literatursuche gemäß den PRISMA-Richtlinien identifizierte zehn relevante Studien. Diese Studien belegen, dass MIT signifikant zur Stressreduktion, zur Erhöhung der Resilienz und zur Verbesserung der Aufgabenbewältigung in komplexen und fehleranfälligen Einsatzsituationen beitragen kann. Insbesondere zeigt MIT Potenzial für einen prophylaktischen Ansatz zur Prävention stressbedingter Gesundheitsprobleme sowie zur Steigerung der operativen Effizienz. Trotz dieser positiven Befunde sind weitere Forschungen notwendig, um die spezifischen Effekte von MIT im Vergleich zu anderen Stressbewältigungsmaßnahmen zu isolieren und die optimale Umsetzung in Trainingsprogrammen für Hochrisikoberufe zu fördern. Die Ergebnisse deuten auf praktische Anwendungen von MIT in strukturierten Trainingsumgebungen hin, um das Wohlbefinden und die Leistung in stressintensiven Berufen nachhaltig zu verbessern.
Die Diskussion um Generationenunterschiede in der Arbeitswelt ist allgegenwärtig – oft geprägt von Klischees und Pauschalisierungen. Dieses Buch liefert eine fundierte, empirisch gestützte Analyse zur Frage, ob sich die Erwartungen an attraktive Arbeitgeber tatsächlich zwischen Generationen unterscheiden. Die Ergebnisse zeigen: Vieles, was als generationsspezifisch gilt, ist eher Ausdruck von gesellschaftlichem Wandel. Auf Basis einer groß angelegten Befragung von Berufstätigen aus vier Generationen werden zentrale Einflussfaktoren identifiziert, die Arbeitgeber unabhängig vom Alter ihrer Mitarbeitenden attraktiv machen. Das Buch bietet praxisnahe Empfehlungen für ein nachhaltiges Personalmanagement – jenseits von Generationsmythen.
Thoughts about urban development via digital information channels and activators to increase visitor loyalty Online retailers and platforms use digital technologies of all kinds to offer customer-specific 24/7 services and have established new customer-centric, digitalized standards in retail and services. Cities can focus more strongly on the customer-oriented view. In addition to focusing on visitor types and journeys, digitalization can also help to make cities more vibrant.
In der öffentlichen Debatte wird die Generation Z häufig als zentrale Herausforderung für die zukünftige Arbeitswelt dargestellt. Es wird behauptet, dass diese Generation, geprägt durch digitale und gesellschaftliche Umbrüche, andere Erwartungen an Arbeitgeber hat als ihre Vorgänger. Unsere Studie untersucht, ob diese Annahme wissenschaftlich haltbar ist und ob sich die Relevanz von Arbeitgeberattraktivitätsfaktoren zwischen den Generationen Baby Boomer, Generation X, Y und Z signifikant unterscheidet.
Basierend auf einem neuen empirischen Ansatz analysieren wir mit einer umfangreichen deutschen Stichprobe (N=1133) mittels multipler Regressionen die Vorhersagekraft von 19 Arbeitgeberattraktivitätsfaktoren für die allgemeine Arbeitgeberattraktivität. Dabei prüfen wir, ob und inwieweit die Generationszugehörigkeit moderierende Effekte auf die Bedeutung dieser Faktoren hat.
Die Ergebnisse zeigen, dass wesentliche Attraktivitätsfaktoren wie Identifikation mit dem Unternehmen, Management und Führung sowie die Arbeitsaufgabe generationsübergreifend relevant sind. Unterschiede zeigen sich lediglich in einzelnen Dimensionen wie Arbeitsplatzsicherheit, Corporate Social Responsibility, Work-Life-Balance und Unternehmensimage, wobei die Varianzaufklärung durch Generationsunterschiede äußerst gering ist (<2 %) und die signifikanten Regressionskoeffizienten im Durchschnitt nur bei .23 liegen.
Die Studie liefert eine empirische Basis für die Diskussion über Generationsunterschiede bei arbeitsrelevanten Einstellungen. Unsere Ergebnisse stellen die gängige Praxis von generationsspezifischem Employer Branding und eine Überschätzung von Generationsunterschieden, die auf stereotypen Annahmen beruhen, infrage. Selbst Alters- und Lebensphaseneffekte lassen sich in unseren Ergebnissen kaum nachweisen. Zukünftige Forschung sollte verstärkt longitudinale Designs verwenden, um die Dynamik von Alter, Lebensphasen und Generationen besser zu verstehen.

