301 Soziologie, Anthropologie
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Der Kommentar setzt sich kritisch mit Jörn Knoblochs Analyse des Corona-Pandemiemanagements in Deutschland auseinander. Er hinterfragt die Behauptung Knoblochs, durch eine stärkere Berücksichtigung von Sozialwissenschaftlern in den einschlägigen Beratungsgremien hätte eine effektivere Krisenbewältigung erreicht werden können. Der Beitrag fokussiert zum einen die strukturellen epistemischen Grenzen sowohl der biomedizinischen Wissenschaften als auch der empirischen Sozialforschung. Zum anderen beleuchtet er die Eigenlogik politischer Entscheidungsprozesse, die durch die Notwendigkeit der Unsicherheitsabsorption und Systemstabilisierung geprägt sind und gegenüber externen Einflüssen als relativ immun erscheinen. Der Beitrag plädiert für eine differenzierte Betrachtung der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Beratung und politischer Praxis und mahnt eine kritische Reflexion der Rolle und der Grenzen der wissenschaftsgestützten Politikberatung an.
In einer bayernweiten postalischen Umfrage wurden unter Anwendung der Draw&Write -Technik die Zielpersonen gebeten, ihre Vorstellung von Demokratie zu zeichnen. Eine Bildtypenanalyse ergab zwar, dass die Bilder im erhobenen Datensatz die große Bedeutung bestätigen, die der Wahl in der Demokratie zukommt. Doch führt die in diesem Bereich neue Methode zu beachtlichen Differenzen verglichen mit den Ergebnissen standardisierter Umfragen. Der Mehrwert der Draw&Write -Technik zeigt sich darin, dass das Datenmaterial nicht nur die bekannten Kategorien der repräsentativen, direktdemokratischen, deliberativen oder demonstrativen Beteiligung spiegelt. Ein Teil der Zeichnungen wurde zwei weiteren Kategorien zugeordnet: 1) Klagen über empfundene Ohnmacht und Einflusslosigkeit angesichts eines repräsentativen Herrschaftssystems sowie 2) Appelle an Konsensfähigkeit und die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme als Bedingungen, die die Bürger:innen erfüllen müssen, wenn Beteiligung am politischen Prozess gelingen soll. Weiterhin ist das Ergebnis von großem Wert, weil das Zeichnen im Rahmen eines postalischen Surveys genutzt wurde. Ein Bias besteht lediglich hinsichtlich der Bildungsvariable, was aber auch bei der Anwendung offener Fragen zu erwarten wäre.
Too hot to sleep
(2024)
Der vorliegende Band rückt verschiedene Aspekte und Diskurse rund um Elias’ Schaffen in den Vordergrund und kontextualisiert die generelle soziologische Relevanz seines Schaffens. Er liefert einen Überblick über die aktuelle Elias-Forschung und verdeutlicht den Stellenwert und die Anschlussfähigkeit des Elias’schen Werks für sozialwissenschaftliche bzw. sozialtheoretische Debatten, insbesondere hinsichtlich zeitgenössischer gesellschaftlicher Entwicklungen. Dabei zeigt sich: Die Wissenschaft selbst, so Elias, läuft Gefahr, sich in Mythen zu verfangen, während sie die Mythen der Wirklichkeit unter die Lupe nimmt. Somit ist Mythenjagd nicht nur ein Schlagwort, sondern auch eine Devise, unter die sich Elias’ Gesamtwerk stellen lässt.