Die Inszenierung von Empörung. Eine Untersuchung der Körpersprache bei Politikerinnen und Politikern
- Die vorliegende Dissertation untersucht die mimische Inszenierung von Empörung bei Politikerinnen und Politikern. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Empörung in politischen Auseinandersetzungen eine zentrale Rolle spielt, ihre mimische Ausdrucksform jedoch bislang nur unzureichend empirisch erschlossen ist. Während die sozialwissenschaftliche Forschung Empörung größtenteils als sprachlich artikulierte moralische Bewertung oder als individuelle emotionale Reaktion behandelt, bleibt ihre mimische Darstellung in konkreten Interaktionssituationen weitgehend unbeachtet. Vor diesem Hintergrund zielt die Arbeit darauf, Empörung als beobachtbare und intersubjektiv verstehbare Ausdruckshandlung zu rekonstruieren. Die leitende Forschungsfrage lautet: Wie wird Empörung von politischen Akteurinnen und Akteuren mimisch inszeniert?
Empörung wirdDie vorliegende Dissertation untersucht die mimische Inszenierung von Empörung bei Politikerinnen und Politikern. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Empörung in politischen Auseinandersetzungen eine zentrale Rolle spielt, ihre mimische Ausdrucksform jedoch bislang nur unzureichend empirisch erschlossen ist. Während die sozialwissenschaftliche Forschung Empörung größtenteils als sprachlich artikulierte moralische Bewertung oder als individuelle emotionale Reaktion behandelt, bleibt ihre mimische Darstellung in konkreten Interaktionssituationen weitgehend unbeachtet. Vor diesem Hintergrund zielt die Arbeit darauf, Empörung als beobachtbare und intersubjektiv verstehbare Ausdruckshandlung zu rekonstruieren. Die leitende Forschungsfrage lautet: Wie wird Empörung von politischen Akteurinnen und Akteuren mimisch inszeniert?
Empörung wird als moralische Emotion gefasst, deren soziologische Relevanz nicht in einem inneren Zustand, sondern in ihrer öffentlichen Inszenierung liegt. Sie wird als soziale Handlung begriffen, die in mimischen Ausdrucksformen hervorgebracht wird und a intersubjektiv verstehbar ist. In dieser Perspektive fungiert Empörung als Form öffentlicher Bewertung, durch die normative Grenzen markiert und politische Positionierungen vorgenommen werden. Die empirische Untersuchung basiert auf der Analyse audiovisuellen Aufnahmen parlamentarischer Debatten des Deutschen Bundestages sowie eines politischen Statements. Zur systematischen Erfassung mimischer Ausdrucksbewegungen wird das Facial Action Coding System (FACS) in einen soziologischen Untersuchungsrahmen integriert und methodisch angepasst, um mimische Ausdrucksformen in ihrer konkreten Struktur empirisch rekonstruieren zu können und soziologisch nutzbar zu machen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die mimische Inszenierung von Empörung durch einen stabilen Ausdruckskern gekennzeichnet ist, der ihre intersubjektive Verstehbarkeit gewährleistet. Dieser wird situativ durch weitere emotionale und gestische Elemente variiert und eingebettet in szenische Interaktionsverläufe. Zugleich ist Empörung maßgeblich durch Debattenlogiken und Darstellungsbedingungen strukturiert. Empörung ist demnach eine kontextgebundene und strategisch einsetzbare Ausdruckshandlung Die Arbeit trägt zur soziologischen Emotionsforschung bei, indem sie Empörung als mimisch sichtbare Inszenierungsform politischer Kommunikation rekonstruiert und mit der Integration des FACS einen methodischen Zugang zur Analyse mimischer Ausdrucksformen etabliert.…

