@phdthesis{Jelitte2010, author = {Jelitte, Matthias}, title = {Untersuchung von Response-Shift-Einfl{\"u}ssen auf die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualit{\"a}t bei Prostatakrebspatienten in der onkologischen Rehabilitation}, url = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:lan1-5792}, institution = {Fachbereich 8}, school = {Universit{\"a}t Koblenz-Landau, Campus Landau, Universit{\"a}tsbibliothek}, pages = {xii, 335}, year = {2010}, abstract = {Response-Shift bezeichnet eine Ver{\"a}nderung des Bewertungshintergrunds f{\"u}r subjektive Konzepte wie bspw. der gesundheitsbezogenen Lebensqualit{\"a}t (GLQ) im Rahmen der Auseinandersetzung mit einer schweren bzw. chronischen Erkrankung. Krebserkrankungen werden als Ausl{\"o}ser eines Response-Shifts angesehen. Response-Shift kann in drei verschiedenen Formen auftreten: Als Rekalibrierung, Reprioritisierung und Neukonzeptualisierung der GLQ. Eine Erfassung dieser drei Response-Shift-Prozesse bei einer homogenen Stichprobe von PCa-Patienten in der onkologischen Rehabilitation liegt in Deutschland bisher nicht vor. Es wurden von insgesamt 212 Prostatakrebspatienten (PCa-Patienten) in der Anschlussheilbehandlung Daten zur GLQ mittels des EORTC-QLQ-C30 vor Beginn der Maßnahme sowie 3 Monate nach Beginn erhoben und in die Auswertung zur Response-Shift-Erfassung aufgenommen. Die Prozesse Rekalibrierung, Reprioritisierung und Neukonzeptualisierung wurden mit Hilfe der konfirmatorischen Faktorenanalyse (KFA) erfasst. Eine Rekalibrierung l{\"a}ßt sich auf der Ebene der Messfehler und Intercepts {\"u}berpr{\"u}fen. Die Reprioritisierung und Neukonzeptualisierung kann anhand der Ver{\"a}nderung der Faktorladungen untersucht werden. Bei dem Vorgehen handelt es sich um einen Ansatz aus der Invarianzmessung von Variablen und Parametern im L{\"a}ngsschnitt. In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob in der Gesamtstichprobe ein Response-Shift auftritt, und falls ja, in welcher Form (Fragestellung 1). Weiterhin sollte anhand von Subgruppenanalysen (Medianisierung) gepr{\"u}ft werden, welchen Einfluss einerseits das Ausmaß der Ver{\"a}nderung der globalen Lebensqualit{\"a}t (Fragestellung 2) und andererseits die Variablen Benefit-Finding, Selbstwirksamkeit sowie Positive und Negative Affektivit{\"a}t (Fragestellung 3) auf einen Response-Shift haben. Es konnte ein Basismodell der GLQ zu zwei Messzeitpunkten bei den PCa-Patienten identifiziert werden, dass als geeignet bezeichnet wurde, um einen Response Shift in der vorliegenden Stichprobe zu untersuchen ({\"i}\pounds2/df = 1.50, RMSEA = 0.05, CFI = 0.98, TLI = 0.97). Ein so genanntes Nullmodell, in dem alle Response-Shift relevanten Parameter f{\"u}r beide Messzeitpunkte als gleich angenommen wurde, wies eine inakzeptable Modellpassung auf ({\"i}\pounds2/df = 5.30, RMSEA = 0.14, CFI = 0.76, TLI = 0.71). {\"U}ber die Ableitung geschachtelter Modellvergleiche konnte ausgehend von dem Nullmodell ein Response-Shift-Modell berechnet werden, dass wiederum eine gute Passung aufwies ({\"i}\pounds2/df= 1.31, RMSEA = 0.04, CFI = 0.99, TLI = 0.98). In der vorliegenden Gesamtstichprobe wurden Rekalibrierungsprozesse auf den Skalen Physische, Kognitive und Rollenfunktionsf{\"a}higkeit identifiziert, die sich auf die Kalkulation der beobachteten Effekte auf Skalenebene auswirkten. Es konnte gezeigt werden, dass Response Shift einen erheblichen Einfluss auf die beobachteten Effekten auf Skalenebene hat (Fragestellung 1). So sch{\"a}tzen PCa-Patienten ihre Physische und Rollenfunktionsf{\"a}higkeit zum 2. Messzeitpunkt positiver ein, ohne dass dies auf Ver{\"a}nderungen der GLQ zur{\"u}ckgef{\"u}hrt werden kann. Unabh{\"a}ngig von der Ver{\"a}nderung der GLQ zwischen den Messzeitpunkten sch{\"a}tzen die Patienten ihre Kognitive Funktionsf{\"a}higkeit zum Postmesszeitpunkt negativer ein als zur ersten Messung. In den Subgruppenanalysen zeigt sich, dass das Ausmaß der Ver{\"a}nderung der globalen Lebensqualit{\"a}t einen Einfluss auf die Anzahl von Response-Shift-Prozessen hat. Dies gilt ebenso f{\"u}r die Variablen Benefit-Finding, Selbstwirksamkeit und Positive Affektivit{\"a}t. Jedoch lassen sich Unterschiede im Ausmaß von Response-Shift-Effekten zwischen verschiedenen Subgruppen nicht eindeutig nachweisen (Fragestellung 2 und 3). Response Shift sollte bei Untersuchungen der GLQ bei Krebserkrankungen mehr Ber{\"u}cksichtigung finden. Das setzt jedoch voraus, dass die Methoden zur Erfassung des Ph{\"a}nomens weiterentwickelt werden. Mit der hier eingesetzt Methode der KFA im L{\"a}ngsschnitt steht ein geeignetes Verfahren zur Verf{\"u}gung, das Response-Shift bei einfachen Pr{\"a}-Post-Messungen erfassen kann. Praktisch relevant erscheint das Ergebnis der Arbeit im Zusammenhang mit der {\"U}berpr{\"u}fung der Wirksamkeit von Maßnahmen der onkologischen Rehabilitation. Werden zur Evaluation Skalen eingesetzt, die response-shift-beeinflusst sind, darf nicht ohne Weiteres auf eine Ver{\"a}nderung des zugrundeliegenden Konstrukts geschlussfolgert werden. In der vorliegenden Arbeit w{\"u}rde die Ver{\"a}nderung der GLQ anhand der Ver{\"a}nderung der manifesten Werte der Skalen Physische und Rollenfunktionsf{\"a}higkeit eher {\"u}bersch{\"a}tzt. Anhand der Skala Kognitive Funktionsf{\"a}higkeit w{\"u}rden Ver{\"a}nderungen der GLQ jedoch eher untersch{\"a}tzt. Somit bietet sich der KFA-Ansatz an, um die {\"A}nderungssensitivit{\"a}t von Lebensqualit{\"a}tsinstrumenten zu pr{\"u}fen und diese entsprechend weiter zu entwickeln. Außerdem bietet die Methode M{\"o}glichkeiten, um inhaltliche Einflussfaktoren auf einen Response-Shift zu pr{\"u}fen.}, language = {de} }