@phdthesis{M{\"o}llring2004, author = {M{\"o}llring, Bettina}, title = {Toiletten und Urinale f{\"u}r Frauen und M{\"a}nner}, url = {https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:B170-opus-82}, institution = {Institut f{\"u}r Produkt- und Prozessgestaltung}, school = {Universit{\"a}t der K{\"u}nste Berlin}, year = {2004}, abstract = {Form, Funktion und Nutzung von Toiletten und Urinalen in privaten und {\"o}ffentlichen Bereichen sind die Themenfelder, die den Rahmen der Arbeit bilden. Beide Sanit{\"a}robjekte sind formal und funktional hochgradig typisierte Gegenst{\"a}nde. Dabei ist ihre formale Vereinheitlichung ganz offensichtlich: Toiletten sind sitzhoch, das meist weiße Aufnahmebecken ist oval und auf dem waagerechten oberen Rand liegt ein Sitzring auf. Auch die Urinale f{\"u}r M{\"a}nner sind formal vereinheitlicht: Das ovale Aufnahmebecken ist nach vorne angeschr{\"a}gt und wird jeweils so befestigt, dass es im Stehen benutzt werden kann. Die funktionale Vereinheitlichung beider Sanit{\"a}robjekte ist weniger eindeutig. Sie betrifft bspw. die Koppelung mit Sp{\"u}lsystemen und der Kanalisation, sowie die Standardisierung der technischen Anschl{\"u}sse. Vor allem aber zeigt sie sich darin, dass gleichartige Toiletten (und Urinale) in den unterschiedlichsten Bereichen von Benutzern mit ganz verschiedenen Nutzungsgewohnheiten verwendet werden sollen. Im Kapitel "Toilette als Objekt" wird nach den einzelnen Schritten der Produktentwicklung gefragt, die zur konstatierten Standardisierung der Toilette f{\"u}hrte. Dabei zeichnet sich ein ganz unbekanntes Bild dieses Alltagsobjekts ab, denn bis um 1900 waren eine Vielzahl von unterschiedlichen Toiletten und Aufnahmegef{\"a}ßen in Gebrauch. Die beiden wesentlichen Gr{\"u}nde f{\"u}r die Standardisierung waren die Anbindung der Klosetts an die Kanalisationssysteme, die in der 2. H{\"a}lfte des 19. Jhs. gebaut wurden und f{\"u}r die zahlreiche technische Normen entstanden, sowie die zunehmende Intimisierung der k{\"o}rperlichen Verrichtungen, die schließlich auch dazu f{\"u}hrte, dass die dabei verwendeten Objekte nicht nur in m{\"o}glichst abgeschlossene, entlegene Bereiche der Wohnungen verlegt wurden, sondern auch an sich nicht mehr als zu gestaltende Gegenst{\"a}nde verstanden wurden. So wies Freud in seinem Vorwort zum "Buch des Unrats" (J.G. Bourke) darauf hin, dass derjenige, der sich mit diesen Dingen besch{\"a}ftigt, "als kaum weniger >unanst{\"a}ndig< gilt, wie wer das Unanst{\"a}ndige wirklich tut". Weitere Themen des ersten Kapitels sind die Standardisierungsprozesse in der Grundrissgestaltung, d.h. die Ver{\"a}nderungen der tradierten Regeln, wo Toiletten im h{\"a}uslichen Gef{\"u}ge untergebracht werden. Außerdem werden die wenigen alternativen Toilettenentw{\"u}rfe des 20. Jhs. vorgestellt, zu denen auch mehrere, teilweise unver{\"o}ffentlichte Entw{\"u}rfe von Le Corbusier geh{\"o}ren. Das Kapitel endet mit einem Exkurs, bei dem ein Artikel von Le Corbusier, dem er die Abbildung eines Bidets voranstellte, in Bezug zu Duchamps "Fountain", die ja ein Urinal ist, gesetzt wird. Im Kapitel "Objekt und System" wird die Vernetzung der Toilette mit urbanen Infrastrukturen dargestellt. Gerade anhand der allg. Einf{\"u}hrung von Klosettanlagen im Straßenraum wird ein Wandlungsprozess erkennbar, bei dem die bis vor der Einf{\"u}hrung der Kanalisation noch individuellen Methoden bei der Handhabung von Exkrementen in eine {\"o}ffentliche Aufgabe transformiert wurde. Wie bei den h{\"a}uslichen Toiletten kann also auch bei den {\"o}ffentlichen Bed{\"u}rfnisanstalten die sozial gepr{\"a}gte Haltung zu den k{\"o}rperlichen Verrichtungen abgelesen werden. Neben der offensichtlichen Funktion kommt den Anlagen im {\"o}ffentlichen Raum eine weitere zu: Sie schaffen eine Verbindung zu den unterirdischen urbanen Systemen, d.h. durch sie zeigt sich Kanalisation im Straßenraum. Im Zusammenhang mit den {\"o}ffentlichen Bed{\"u}rfnisanstalten wurde das Urinal zum Gegenstand der Untersuchungen. Die ersten {\"o}ffentlichen sanit{\"a}ren Einrichtungen waren Pissoirs, die nur von M{\"a}nner benutzt wurden. Urinale wurden also (im Unterschied zur Toilette) von Anfang an geschlechtsspezifisch gestaltet und benutzt. Wenn Urinale speziell f{\"u}r M{\"a}nner hergestellt und installiert wurden, warum gab es dann nicht auch Urinale f{\"u}r Frauen? Von dieser Fragestellung ausgehend, werden im Kapitel "Frauenurinale" einerseits die Fundst{\"u}cke der Recherche zu diesem "vergessenen" Sanit{\"a}robjekt vorgestellt und andererseits die Ergebnisse der eigenen Forschungst{\"a}tigkeit und gestalterischen Praxis hinsichtlich eines angemessenen Sanit{\"a}tobjekts speziell f{\"u}r Frauen, das in {\"o}ffentlichen Bereichen installiert wird, gezeigt. Der letzte Themenbereich der Arbeit hat die Auswirkung der Bekleidung auf die Abl{\"a}ufe der Ausscheidungsvorg{\"a}nge und auf die Benutzung der Sanit{\"a}robjekte zum Inhalt. Dabei werden nicht nur Kleidungsst{\"u}cke f{\"u}r Erwachsene genauer betrachtet, sondern auch die Kinderbekleidung. Dazu geh{\"o}rt u.a. die Windel, die erst zu Beginn des 20. Jhs. gebr{\"a}uchlich wurde. Eine Schlussfolgerung der Betrachtungen dazu ist, dass die Windel, die mittlerweile ein hochtechnisiertes Produkt ist, als ein Trainingsobjekt f{\"u}r die sp{\"a}ter zu benutzenden Sanit{\"a}rinstallationen fungiert.}, language = {de} }