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Der vorliegende Beitrag berichtet über die physiotherapeutische Arbeit zur Einrichtung von zwei Bestandswohnungen im Wohnkompetenzzentrum Amerang, die im Rahmen des For-schungsprojekts „DeinHaus4.0 – Oberbayern“ mit Hilfsmitteln und Mobiliar ausgestattet wurden, sowie die Konzeption der darauf aufbauenden Beratung.
Eine ziel- und interessenorientierte Beratung, die zur Steigerung der Gesundheitskompetenz der Teilnehmenden beiträgt und eine bedeutsame Lücke in der poststationären Versorgung füllt, wird erreicht, indem die ICF und die ISO 9999 gebündelt und Schwerpunkte mittels Interventionspaketen gesetzt wurden.
Das Wohnkompetenzzentrum wurde im Rahmen des Teilprojekts Ergonomie und Mobilitätsförderung (TP2) unter ergonomischen Gesichtspunkten eingerichtet. Im Fokus standen die Kapitel der ICF „Mobilität, Selbstversorgung und häusliches Leben“. Eine Selektion relevanter ICF-Kategorien erfolgte in Orientierung an der Zielgruppe.
Basierend auf der ICF sowie der internationalen Norm für Hilfsmittel ISO 9999 wurden die im Wohnkompetenzzentrum vorhandenen technischen Unterstützungslösungen klassifiziert. Auf Grundlage der Arbeit von Bougie und Heerkens (2009) wurden die Unterstützungslösungen den entsprechenden Alltagstätigkeiten zugeordnet.
Die für die Teilnehmenden relevanten ICF-Kategorien im Zusammenhang mit der häuslichen Wohnerfahrung wurden identifiziert und in Interventionspakete gebündelt. Resultat sind die sechs Interventionspakete „Aufstehen und umsetzen“, „Greifen und Fingerfertigkeit“, „Hilfsmittel zur Fortbewegung“, „Treppe überwinden“, „Alleine im Bad zurechtkommen“ und „Einfacher kochen und genießen“.
Das vorliegende Discussionpaper berichtet über ein konzeptionell strukturiertes Verfahren des Samplings für die Tagesbesuche im Forschungsprojekt DeinHaus 4.0 – Oberbayern. Im Rah-men der Tagesbesuche waren Patientinnen und Patienten aus kooperierenden Rehabilitati-onskliniken in das Wohnkompetenzzentrum Amerang geladen. Die Einladungen erfolgten durch die betreuende Ärzteschaft. Im Wohnkompetenzzentrum fand eine interessenorientierte Beratung zum Thema Hilfsmittel und technische Unterstützungslösungen statt. Die konzeptio-nelle Strukturierung ermöglicht eine am bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit, Patien-tensicherheit und salutogenen Prinzipien orientierte Auswahl der Zielgruppe – mit dem Vorteil, dass maßgeschneidert nach medizinischen Bedarfen und Interesse beraten werden kann.
Für das konzeptionell strukturierte Sampling wurden Ein- und Ausschlusskriterien ICF-basiert identifiziert. Priorität hat die Gewährleistung der Patientensicherheit durch die Identifikation und den Ausschluss von Risikopatientinnen und -patienten. Das Risikoassessement inkludiert die individuellen, funktionalen Kapazitäten der Patientinnen und Patienten (erfasst mithilfe der ICF), sowie pragmatische Überlegungen zu räumlichen Gegebenheiten und Ausstattungs-merkmalen des Wohnkompetenzzentrums.
Die Anwendung der ICF in ihrer vollumfänglichen Form ist unter Einrechnung der zeitlichen Ressourcen der rekrutierenden Ärzteschaft nicht praktikabel. Die Identifikation relevanter ICF-Core-Sets und die Quantifizierung zugehöriger ICF-Kriterien bieten eine probate Alternative. Basierend auf einer Bewertung des verantwortbaren Ausmaßes der gesundheitlichen Ein-schränkungen mittels eines Expertise getragenen Konsensverfahren werden positiv formulier-te Anforderungskriterien entwickelt.
Das vorgestellte Verfahren zum ICF-basierten Sampling zeigt großes Potenzial der Übertrag-barkeit auf andere gesundheitswissenschaftliche, medizinische und gesundheitspädagogische Formate sowie die Anwendung im Alltag medizinisch-therapeutischer Versorgung.
Die Implementierung interprofessioneller Lehre gewinnt angesichts zunehmend komplexer Versorgungsstrukturen und der Anforderungen an kollaborative Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Der vorliegende Bericht beschreibt ein literaturbasiertes Vorgehen zur Entwicklung und Implementierung interprofessioneller Lehrformate an der Fakultät für Gesundheits- und Sozialwissenschaften der Technische Hochschule Rosenheim. Grundlage bildeten nationale und internationale Referenzmodelle interprofessioneller Bildung und Zusammenarbeit, darunter das Framework der World Health Organization, das IPEC Competencies Framework sowie das Positionspapier des BMC.
Ergänzend wurde ein fakultätsinterner Workshop mit Lehrenden durchgeführt, um frühzeitig zentrale Akteur:innen in den Entwicklungsprozess einzubeziehen, vorhandene Ressourcen zu identifizieren und Potenziale für interprofessionelle Lehr-Lerneinheiten zu explorieren. Gleichzeitig wurden strukturelle und curriculare Herausforderungen sichtbar, insbesondere professionsspezifische Studienstrukturen und organisatorische Rahmenbedingungen. Die Workshopreflexion verdeutlicht die Bedeutung partizipativer Vorgehensweisen für die nachhaltige Implementierung interprofessioneller Lehre sowie die Notwendigkeit kontinuierlicher methodischer Weiterentwicklung.
Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die schrittweise Entwicklung interprofessioneller Lehr-Lerneinheiten und die langfristige Etablierung interprofessioneller Lernräume an der Fakultät. Der Bericht zeigt exemplarisch auf, wie interprofessionelle Lehre unter Berücksichtigung institutioneller Rahmenbedingungen strategisch entwickelt und nachhaltig verankert werden kann.