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Zielsetzung
Zur Stärkung der gesundheitlichen Resilienz der Bevölkerung in Deutschland soll der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) neu strukturiert werden. Die Prävention nicht-übertragbarer Erkrankungen soll am Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin angesiedelt werden, in dem auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aufgeht, während das Robert Koch-Institut für Infektionskrankheiten zuständig bleibt. Vor diesem Hintergrund soll durch den Vergleich von Ländern mit einer guten präventiven Versorgung untersucht werden, welche Strukturen und Maßnahmen für die Impfprävention förderlich sind.
Material & Methoden
Durch eine systematische Literaturrecherche wurden Länder mit hohen Impfquoten gegen Influenza identifiziert. Für den Ländervergleich wurden ein staatliches Gesundheitssystem sowie je eines mit sozialem bzw. privatem Krankenversicherungssystem herangezogen. Die Organisation der Public Health-Institutionen, ihre Aufgaben, Maßnahmen und Effizienz bei der Versorgung mit Schutzimpfungen wurden in dem jeweiligen Land analysiert und miteinander verglichen.
Ergebnisse
Großbritannien (GB), die Niederlande (NL) und die USA wurden in den Vergleich auf Grund ihrer Impfquoten gegen Influenza (81%, 73,%, 73% (OECD 2023)) eingeschlossen. In diesen Ländern unterstehen die Behörden dem nationalen Gesundheitsministerium, wobei sie in NL und den USA weisungsungebunden sind. In GB sind die Zuständigkeiten für infektiöse und nicht-infektiöse Erkrankungen auf zwei Behörden verteilt. Deutliche Unterschiede sind zwischen den Gesundheitssystemen in GB und NL und dem System der USA bei der Durchführung von Präventionsmaßnahmen erkennbar: Die starke Vernetzung zwischen dem ÖGD und der medizinischen Primärversorgung in GB und NL, Maßnahmen wie die Implementierung von Impfregistern, der Versand von Einladungen und Erinnerungen (NL) oder der „No-Reply-SMS-Service“ mit angeschlossenem digitalen Terminmanagement (GB) ermöglichen eine bürgernahe und gezielte Information über Impfungen. In der föderalen Struktur der USA liegt die Verantwortung für den Gesundheitsschutz zum Teil bei den Bundesstaaten bzw. den Bürgern. Die Aufgaben der Bundesbehörde beschränkt sich auf die Überwachung von Erkrankungen, der Gesundheitsdatenanalyse, Entwicklung von Präventionsstrategien und Durchführung von Aufklärungskampagnen.
Zusammenfassung und Diskussion
Aus der Organisationsform der Gesundheitsbehörden lässt sich der Erfolg von Impfmaßnahmen in den untersuchten Ländern nicht ableiten. Vielmehr scheinen der Grad der Zusammenarbeit der Akteure, die Verfügbarkeit von Surveillancedaten, die wirksame Aufklärung der Bevölkerung sowie die klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten eine wesentliche Rolle zu spielen.
Einleitung
Der Innovationsfonds des G-BA fördert seit 2015 Projekte der Versorgungsforschung und neuer Versorgungsformen. Bis Ende 2022 wurden 211 Projekte im Bereich “Neue Versorgungsformen” gefördert. Ein zentrales Ziel ist der Praxistransfer erfolgreicher Projekte in die Regelversorgung. Dieser Beitrag analysiert die bisherigen Projekte hinsichtlich ihrer Umsetzung in die Regelversorgung anhand von Transferempfehlungen des Innovationsausschusses (IA).
Methode
Deskriptive Analyse aller bis zum 01. August 2023 im Förderbereich „Neue Versorgungsformen (NVF)“ abgeschlossenen Projekte mit Transferempfehlung. Darstellung nach Themenfeld, Projektlaufzeit und Zeitdauer bis zum Beschluss des IA, Einordnung und Anzahl der pro Projekt angesprochenen Institutionen und Organisationen (Adressaten), Anzahl der auf der Website des G-BA veröffentlichten Rückmeldungen, Antwortquoten pro Adressatengruppe sowie eine inhaltliche Klassifizierung und Interpretation exemplarischer Rückmeldungen. Formulierung von Handlungsempfehlungen anhand der Ergebnisse und deren Diskussion in einem Expert:innenworkshop.
Ergebnisse
Von 57 geförderten NVF-Projekten hatten 17 eine Transferempfehlung. Insgesamt 57 Rückmeldungen von 431 Adressaten wurden erhalten. Die Antwortquoten variierten erheblich. Ein Drittel der Anfragen an den G-BA und dessen Trägerorganisationen erhielten eine Antwort (31%), während nur jede fünfte Anfrage an Bundesländer (18%) und Fachgesellschaften (18%) beantwortet wurde. Weniger als jede zehnte Anfrage an das BMG (8%), Vertragspartner der Selbstverwaltung (6%) und die Bundesärztekammer (0%) erhielt eine Rückmeldung. Projektbezogene Rückmeldungen innerhalb eines Adressatenkreises waren oft widersprüchlich oder beschränkten sich auf den regionalen Wirkungsbereich.
Diskussion und Schlussfolgerung
Der Transferprozess zeigt deutliche strukturelle und prozessuale Hindernisse bezüglich der Überführung erfolgreich evaluierte Projekte. Für den Innovationsfonds ist jedoch entscheidend, ob bei positivem Projektergebnis eine realistische Chance besteht, die untersuchte Intervention erfolgreich in die Regelversorgung zu überführen, um eine möglichst effektive Verwendung der Fördermittel zu gewährleisten. Das DNVF empfiehlt eine stärkere Einbindung regelungskompetenter Institutionen, Veröffentlichungspflicht, strukturierte Moderation, Weiterentwicklung der Selektivverträge, Förderung von Implementierungsphasen und die Finanzierung projektübergreifender Forschung zu Versorgungsmodellen.
Mit diesem Diskussionspapier greift die Kleingruppe Mixed Methods der AG Qualitative Methoden im Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung e. V. (DNVF) das Thema dreier voran-gegangener Diskussionspapiere zum Stellenwert und den Potenzialen qualitativer Forschungsmethoden für die Versorgungsforschung auf. Mixed Methods sind in der Versorgungsforschung zunehmend verbreitet und gefordert. Allerdings ergeben sich auch Konfliktfelder in der Planung und Durchführung von Mixed Methods-Studien, die in diesem Papier aus Perspektive der qualitativen Forschung thematisiert werden. Besondere Aufmerksamkeit erhält der Aspekt der Integration als grundlegende Signatur der Mixed Methods-Forschung. Mit diesem Diskussionspapier möchten wir einen gleichermaßen kritischen wie konstruktiven Austausch darüber anregen, was eine qualitativ hochwertige, von Methodenvielfalt geprägte Versorgungsforschung ausmacht und unter welchen Rahmenbedingungen diese gelingen kann.