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Hintergrund:
Vom Innovationsfonds (IF) geförderte und erfolgreich erprobte Neue Versorgungsformen (NVF) mit Transferempfehlung (TE) werden durch Prüfbitten an benannte Adressaten (z. B. Kostenträger, Ministerien, Fachgesellschaften) auf ihre Anschlussfähigkeit geprüft. Die Anzahl und Adressaten der Rückmeldungen auf TEs wurden bereits analysiert, die Antworten selbst jedoch trotz erkennbarer Heterogenität und widersprüchlicher Positionen bislang keiner systematischen qualitativen Textanalyse unterzogen [1]. Dies könnte jedoch Aufschluss über Integrationspotenziale im deutschen Gesundheitssystem geben.
Zielsetzung:
Ziel dieser Untersuchung war es, öffentlich einsehbare Rückmeldungen auf Prüfaufträge im Rahmen von TEs in Bezug auf formale Reaktionsmuster und inhaltliche Bewertungen zu analysieren. Damit möchten wir einen Beitrag leisten, den Praxistransfer von Innovationen besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine verbesserte Umsetzung zu identifizieren.
Methode:
Mittels qualitativer Dokumentenanalyse wurden die Beschlusstexte von 24 IF-Projekten mit TE sowie alle dazugehörigen Rückmeldungen untersucht und erfasst (Stichtag: 23.03.2025). Die Auswertung erfolgte im Sinne einer strukturierten Inhaltsanalyse (Kuckartz, Mayring) mit induktiv entwickeltem Kategoriensystem. Kategorisiert wurden inhaltsbezogene Antworten auf die konkrete Prüfbitte (z. B. „bereits in Versorgung“, „kein Handlungsbedarf“, „Ablehnung“, „Umsetzungsinitiative“) sowie benannte Barrieren. Von den Adressaten vorgeschlagene Alternativen zur NVF wurden ausschließlich quantitativ erfasst, jedoch nicht inhaltlich ausgewertet.
Ergebnisse:
Von 546 ermittelten Adressaten erhielten 396 eine konkrete Prüfbitte, 61 Adressaten kamen dem Anliegen mit einer Antwort nach (Rückmeldequote 11 %). Nur 47 Rückmeldungen enthielten ein konkretes Prüfergebnis. Die inhaltliche Spannbreite reichte von Hinweisen auf konkurrierende Versorgungsangebote über ablehnenden Bewertungen bis hin zu unkonkreten Antworten (z.B. allgemeine Anerkennung ohne Handlungsabsicht). In 15 Fällen wurden zusätzlich strukturelle Barrieren wie fehlende Anreizsysteme oder regulatorische Hürden benannt. Nur in vier Fällen ließen sich konkrete Umsetzungsmaßnahmen erkennen.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis:
Die Analyse mit erweitertem Datensatz bestätigt die geringe Wirkung der Prüfbitte des IF durch ausbleibende Rückmeldungen. Die erstmals durchgeführte qualitative Analyse identifiziert häufige Argumentationsmuster wie Verweise auf bestehende Strukturen oder unverbindliche Prüfzusagen, was die Erkenntnis stützt, dass die derzeitigen Prüfbitten nur begrenzte Implementierungsanreize schaffen.
Ein stärkerer Fokus auf koordinierte Umsetzungsperspektiven und gezielte Weiterverfolgung könnte den Transfer von NVF in die Regelversorgung effektiver unterstützen.
Hintergrund
Der Innovationsfonds (IF) wurde initiiert, um neue Versorgungsformen zu entwickeln und erfolgreiche Projekte in die Regelversorgung (RV) zu überführen. Trotz substanzieller Förderung bleiben die Bedingungen für einen erfolgreichen Transfer schwierig. Strukturelle Herausforderungen wie Sektorengrenzen oder fehlende Finanzierungswege sind bekannt, aber relevante Barrieren und Förderfaktoren im Forschungs- und Förderkontext wurden bislang kaum untersucht. Insbesondere Zielsetzungen, Handlungslogiken und Prioritäten der Stakeholder sind unzureichend analysiert. Das Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR) bietet einen strukturierten Rahmen zur Erfassung von Implementierungsbedingungen und wurde als Analyseinstrument verwendet.
Zielsetzung
Ziel dieser Studie war es, hemmende und förderliche Faktoren für den Transfer IF-geförderter Projekte in die RV aus der Perspektive beteiligter Akteure zu identifizieren und mit dem CFIR systematisch zu analysieren.
Methode
Es wurden 38 leitfadengestützte Interviews mit Projektbeteiligten (n = 29) und Vertreter:innen des Förderers (n = 9) geführt (11/2021–03/2022). Die Transkripte wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz) in MAXQDA ausgewertet. Grundlage der Codierung war das CFIR, das fünf Domänen mit je mehreren Konstrukten zur Verfügung stellt. Die Analyse erfolgte deduktiv entlang dieser Konstrukte. Die Auswertung zielte auf thematische Verdichtung entlang der CFIR-Domänen, unabhängig von Akteurszugehörigkeit.
Ergebnisse
Besonders viele Nennungen fanden sich in den CFIR-Domänen Innovation und Äußeres Umfeld. Im Bereich des äußeren Umfelds wurden zentrale Hemmnisse wie eine unzureichende gesetzliche Grundlage, fehlende Anschlussfinanzierung sowie unklare Zuständigkeiten nach Projektende beschrieben. Förderer verwiesen zudem auf mangelnde Evidenzgrundlagen, limitierte Übertragbarkeit auf bestehende Versorgungsstrukturen sowie begrenzte Umsetzungskompetenz des G-BA. Im Bereich der Innovation thematisierten Projektbeteiligte insbesondere Schwierigkeiten bei Fallzahlplanung und Zielgruppenerreichung. Förderliche Faktoren umfassten vor allem die frühzeitige Einbindung relevanter Stakeholder, kontextgerechte Projektplanung und transparente Kommunikation. Themen wie Finanzierungsfragen wurden von Akteuren je nach ihrer Position im Transferprozess unterschiedlich bewertet.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das CFIR einen tragfähigen konzeptionellen Rahmen für die systematische Analyse von Transferbedingungen in komplexen Förderkontexten bietet. Die Interviewdaten zeigen, dass sich der Transfer nicht allein auf Evaluationslogiken stützen lässt, sondern dass politische, regulatorische und strukturelle Bedingungen auf höchst unterschiedliche Weise sowohl die Evaluationslogiken selbst als auch die Projektdurchführung beeinflussen. Um eine nachhaltige Integration neuer Versorgungsformen zu erreichen, erscheint es sinnvoll, Förderformate zu schaffen, in denen relevante Stakeholder die rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich der regulatorischen Anschlussfähigkeit und Skalierbarkeit von Projekten bereits in der Planungsphase kritisch prüfen.
Hintergrund
Der Innovationsfonds fördert seit 2016 neue Versorgungsformen (NVF) mit dem Ziel, der Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung gesetzlich Versicherter. Er adressiert vor allem Projekte mit potenzieller Strukturrelevanz für das Gesundheitssystem. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gibt auf Basis von Projekt-Evaluationen Transferempfehlungen (TE) zur Integration der NVF in die Versorgung einer gesetzlichen Krankenversicherung, die in Beschlüssen festgehalten und veröffentlicht werden. Eine systematische Analyse zur Bewertung von TE und der dabei in den Beschlusstexten erkennbaren Begründungsmustern fehlt bisher.
Zielsetzung
Ziel dieser Analyse war eine Identifikation von Determinanten für die Vergabe von TE. Ebenso sollten Kriterien und Entscheidungsprozesse bei der Vergabe von TE identifiziert werden.
Methode
Es erfolgte eine qualitative Dokumentenanalyse auf Basis der vorliegenden Beschlusstexte zu abgeschlossenen NVF-Projekten (n = 99, Stand 03/2025). Die Analyse folgte einer qualitativen Inhaltsanalyse mit Kategorienbildung [2]. Der Analyseprozess war induktiv ausgerichtet, wobei zentrale Muster und wiederkehrende Argumentationslinien identifiziert wurden. Ziel war die Identifikation allgemeiner Bewertungstendenzen, nicht die Analyse individueller Projekte. Zur Sicherstellung von Konsistenz und Zuverlässigkeit wurden Extraktion und Auswertung gegengeprüft. Die Inhalte wurden zu Clustern gebündelt, die u. a. methodische Limitationen und primäre Endpunkte sowie übergreifende Bewertungskriterien zur Vergabe einer TE abbilden.
Ergebnisse
Von 99 abgeschlossenen Projekten erhielten 24 eine TE, jedoch erreichten nur 2 davon signifikante Ergebnisse in primären Endpunkten, 3 Projekte wurden abgebrochen. Am häufigsten wurden Projekte mit positiven Tendenzen ohne statistische Signifikanz für den Transfer empfohlen (10/24). Hingegen zeigten 43 der 72 Projekte ohne TE signifikante Ergebnisse. Bei den identifizierten Limitationen traten häufig unzureichende Fallzahlen, Verzerrungen, Verlust von Teilnehmern, Selektionsbias oder fehlende Randomisierung auf. Begründungen für eine TE trotz nicht-signifikanter Ergebnisse für das primäre Outcome lagen in einer hohen Akzeptanz der NVF basierend auf den Ergebnissen der Prozessevaluation, strukturellen Anknüpfungspunkten in der Gesundheitsversorgung sowie eine Erweiterung bestehender Versorgungsbestandteile. Die Diskrepanz zwischen positiv evaluierten Projekten und der Vergabe von TEs deutet darauf hin, dass methodische Güte aus Sicht des IA allein kein ausschlaggebender Faktor ist. Vielmehr scheinen weitere Versorgungs- und strukturrelevante Aspekte zusätzlich entscheidend zu sein.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis
Die Analyse zeigt, dass Bewertung der NFV-Projekte zur Vergabe von TEs durch den IA, wie sie in den Beschlusstexten dokumentiert ist, nicht allein auf der kritischen Analyse der methodischen Güte basiert, sondern kontextbezogene Faktoren im Gesundheitswesen, wie Akzeptanz oder strukturelle Anknüpfungspunkte ebenfalls eine Rolle spielen. Diese Erkenntnisse bieten Ansatzpunkte für die Optimierung zukünftiger NVF-Projekte und Evaluationsprozesse im Innovationsfonds.