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Die Pflegewissenschaft in Deutschland steht vor der Herausforderung, wissenschaftliche Strukturen und Karrierewege auszubilden. Erschwert wird dies durch einen Mangel an wissenschaftlichem Nachwuchs, der das Potential hat, pflegewissenschaftliche Professuren mit wissenschaftlicher Exzellenz und praktischer Erfahrung zu füllen.
Ziel dieses Beitrags ist es, darzustellen, was auslösende Momente für wissenschaftliche Karrieren sind, die in Professuren pflegebezogener Studiengänge münden, und welche Kontextbedingungen diese Karrieren beeinflussen. Es soll auch aufgezeigt werden, wie wissenschaftliche Nachwuchskräfte vorgehen, um ihre Ziele zu erreichen und welche Konsequenzen sich daraus für sie und für die Pflegewissenschaft ergeben. Auf dieser Grundlage sollen Empfehlungen für die Nachwuchsförderung entwickelt werden, um mehr geeignete Personen für Professuren in pflegebezogenen Studiengängen zu gewinnen.
Vorhandene Daten teilnarrativer Interviews mit ProfessorInnen (n=11) und Masterstudierenden (n=11) sowie Promovierenden (n=10) pflegebezogener Studiengänge wurden im Rahmen einer retrospektiven Datenanalyse mit dem dreistufigen Codierverfahren der Grounded Theory Methodologie ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen, dass in der Pflegepraxis gewonnene Erfahrungen auslösende Momente wissenschaftlicher Karrieren sind. Diese lösen den Drang aus, die dort herrschende Situation zu verändern, wobei sich vier Karrieretypen unterscheiden lassen: Typ A forscht, weil er erlebt hat, dass es für pflegerische Phänomene keine geeigneten Pflegeinterventionen gab. Typ B lehrt, um dazu beizutragen, dass Pflegende zukünftig besser ausgebildet werden. Typ C ist als Pflegeperson von ÄrztInnen nicht ausreichend anerkannt worden und absolviert eine wissenschaftliche Qualifikation, um mit ihnen auf Augenhöhe zu gelangen. Typ D wollte in der Praxis bleiben, ist aber bei Weiterentwicklungsprozessen blockiert worden und nimmt als Kompromiss eine Professur an.
Identifizierte Kontextfaktoren sind u.a. mangelnde Wertschätzung für wissenschaftliches Handeln in der Pflege und das Fehlen von Stellen für hochschulisch qualifizierte Pflegepersonen in der Praxis. Angesichts der bestehenden Bedingungen können hochschulisch qualifizierte Pflegende in der Praxis nicht Fuß fassen. Als Konsequenz für die Pflegewissenschaft als Disziplin zeigt sich, dass in der Pflegepraxis Vorbilder fehlen, die zukünftige Generationen Pflegender dazu anregen könnten, selbst eine wissenschaftliche Karriere in der Pflege einzuschlagen. Dadurch besteht die Gefahr einer Verkümmerung der Pflegewissenschaft.
Auf Grundlage der Ergebnisse wird die durchgängige Implementierung geeigneter Stellen für hochschulisch qualifizierte Pflegepersonen in der Pflegepraxis als Ausgangsbasis wissenschaftlicher Nachwuchsförderung betrachtet. Als Konzept werden Hochschul-Praxis-Partnerschaften skizziert, die beginnend auf Bachelorniveau bis zur Post-doc-Phase Strukturen zu einem systematischen praxisbezogenen wissenschaftlichen Kompetenzauf- und -ausbau für akademisch qualifizierte Pflegende etablieren.
Background
Vertigo, dizziness or balance disorders (VDB) are common leading symptoms in older people, which can have a negative impact on their mobility and participation in daily live, yet, diagnosis is challenging and specific treatment is often insufficient. An evidence-based, multidisciplinary care pathway (CPW) in primary care was developed and pilot tested in a previous study. The aim of the present study is to evaluate the effectiveness and safety of the CPW in terms of improving mobility and participation in community-dwelling older people with VDB in primary care.
Methods
For this multicentre cluster randomised controlled clinic trial, general practitioners (GP) will be recruited in two regions of Germany. A total of 120 patients over 60 years old with VDB will be included. The intervention is an algorithmized CPW. GPs receive a checklist for standardise clinical decision making regarding diagnostic screening and treatment of VDB. Physiotherapists (PT) receive a decision tree for evidence-based physiotherapeutic clinical reasoning and treatment of VDB. Implementation strategies comprises educational trainings as well as a workshop to give a platform for exchange for the GPs and PTs, an information meeting and a pocket card for home care nurses and informal caregivers and telephone peer counselling to give all participants the capability, opportunity and the motivation to apply the intervention. In order to ensure an optimised usual care in the control group, GPs get an information meeting addressing the national guideline. The primary outcome is the impact of VDB on participation and mobility of patients after 6 month follow-up, assessed using the Dizziness Handicap Inventory (DHI) questionnaire. Secondary outcomes are physical activity, static and dynamic balance, falls and fear of falling as well as quality of life. We will also evaluate safety and health economic aspects of the intervention. Behavioural changes of the participants as well as barriers, facilitating factors and mechanisms of impact of the implementation will be investigated with a comprehensive process evaluation in a mixed-methods design.
Discussion
With our results, we aim to improve evidence-based health care of community-dwelling older people with VDB in primary care.