- Hintergrund
Der Innovationsfonds fördert seit 2016 neue Versorgungsformen (NVF) mit dem Ziel, der Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung gesetzlich Versicherter. Er adressiert vor allem Projekte mit potenzieller Strukturrelevanz für das Gesundheitssystem. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gibt auf Basis von Projekt-Evaluationen Transferempfehlungen (TE) zur Integration der NVF in die Versorgung einer gesetzlichen Krankenversicherung, die in Beschlüssen festgehalten und veröffentlicht werden. Eine systematische Analyse zur Bewertung von TE und der dabei in den Beschlusstexten erkennbaren Begründungsmustern fehlt bisher.
Zielsetzung
Ziel dieser Analyse war eine Identifikation von Determinanten für die Vergabe von TE. Ebenso sollten Kriterien und Entscheidungsprozesse bei der Vergabe von TE identifiziert werden.
Methode
Es erfolgte eine qualitative Dokumentenanalyse auf Basis der vorliegenden Beschlusstexte zu abgeschlossenen NVF-Projekten (n = 99, Stand 03/2025). Die Analyse folgte einer qualitativen Inhaltsanalyse mit Kategorienbildung [2]. Der Analyseprozess war induktiv ausgerichtet, wobei zentrale Muster und wiederkehrende Argumentationslinien identifiziert wurden. Ziel war die Identifikation allgemeiner Bewertungstendenzen, nicht die Analyse individueller Projekte. Zur Sicherstellung von Konsistenz und Zuverlässigkeit wurden Extraktion und Auswertung gegengeprüft. Die Inhalte wurden zu Clustern gebündelt, die u. a. methodische Limitationen und primäre Endpunkte sowie übergreifende Bewertungskriterien zur Vergabe einer TE abbilden.
Ergebnisse
Von 99 abgeschlossenen Projekten erhielten 24 eine TE, jedoch erreichten nur 2 davon signifikante Ergebnisse in primären Endpunkten, 3 Projekte wurden abgebrochen. Am häufigsten wurden Projekte mit positiven Tendenzen ohne statistische Signifikanz für den Transfer empfohlen (10/24). Hingegen zeigten 43 der 72 Projekte ohne TE signifikante Ergebnisse. Bei den identifizierten Limitationen traten häufig unzureichende Fallzahlen, Verzerrungen, Verlust von Teilnehmern, Selektionsbias oder fehlende Randomisierung auf. Begründungen für eine TE trotz nicht-signifikanter Ergebnisse für das primäre Outcome lagen in einer hohen Akzeptanz der NVF basierend auf den Ergebnissen der Prozessevaluation, strukturellen Anknüpfungspunkten in der Gesundheitsversorgung sowie eine Erweiterung bestehender Versorgungsbestandteile. Die Diskrepanz zwischen positiv evaluierten Projekten und der Vergabe von TEs deutet darauf hin, dass methodische Güte aus Sicht des IA allein kein ausschlaggebender Faktor ist. Vielmehr scheinen weitere Versorgungs- und strukturrelevante Aspekte zusätzlich entscheidend zu sein.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis
Die Analyse zeigt, dass Bewertung der NFV-Projekte zur Vergabe von TEs durch den IA, wie sie in den Beschlusstexten dokumentiert ist, nicht allein auf der kritischen Analyse der methodischen Güte basiert, sondern kontextbezogene Faktoren im Gesundheitswesen, wie Akzeptanz oder strukturelle Anknüpfungspunkte ebenfalls eine Rolle spielen. Diese Erkenntnisse bieten Ansatzpunkte für die Optimierung zukünftiger NVF-Projekte und Evaluationsprozesse im Innovationsfonds.