Determinanten des Transferprozeses von Innovationsfondsprojekten – Eine Analyse mithilfe des Consolidated Framework for Implementation Research

  • Hintergrund Der Innovationsfonds (IF) wurde initiiert, um neue Versorgungsformen zu entwickeln und erfolgreiche Projekte in die Regelversorgung (RV) zu überführen. Trotz substanzieller Förderung bleiben die Bedingungen für einen erfolgreichen Transfer schwierig. Strukturelle Herausforderungen wie Sektorengrenzen oder fehlende Finanzierungswege sind bekannt, aber relevante Barrieren und Förderfaktoren im Forschungs- und Förderkontext wurden bislang kaum untersucht. Insbesondere Zielsetzungen, Handlungslogiken und Prioritäten der Stakeholder sind unzureichend analysiert. Das Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR) bietet einen strukturierten Rahmen zur Erfassung von Implementierungsbedingungen und wurde als Analyseinstrument verwendet. Zielsetzung Ziel dieser Studie war es, hemmende und förderliche Faktoren für den Transfer IF-geförderter Projekte in die RV aus der Perspektive beteiligter Akteure zu identifizieren und mit dem CFIR systematisch zu analysieren. Methode Es wurden 38 leitfadengestützte Interviews mit Projektbeteiligten (n = 29) und Vertreter:innen des Förderers (n = 9) geführt (11/2021–03/2022). Die Transkripte wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz) in MAXQDA ausgewertet. Grundlage der Codierung war das CFIR, das fünf Domänen mit je mehreren Konstrukten zur Verfügung stellt. Die Analyse erfolgte deduktiv entlang dieser Konstrukte. Die Auswertung zielte auf thematische Verdichtung entlang der CFIR-Domänen, unabhängig von Akteurszugehörigkeit. Ergebnisse Besonders viele Nennungen fanden sich in den CFIR-Domänen Innovation und Äußeres Umfeld. Im Bereich des äußeren Umfelds wurden zentrale Hemmnisse wie eine unzureichende gesetzliche Grundlage, fehlende Anschlussfinanzierung sowie unklare Zuständigkeiten nach Projektende beschrieben. Förderer verwiesen zudem auf mangelnde Evidenzgrundlagen, limitierte Übertragbarkeit auf bestehende Versorgungsstrukturen sowie begrenzte Umsetzungskompetenz des G-BA. Im Bereich der Innovation thematisierten Projektbeteiligte insbesondere Schwierigkeiten bei Fallzahlplanung und Zielgruppenerreichung. Förderliche Faktoren umfassten vor allem die frühzeitige Einbindung relevanter Stakeholder, kontextgerechte Projektplanung und transparente Kommunikation. Themen wie Finanzierungsfragen wurden von Akteuren je nach ihrer Position im Transferprozess unterschiedlich bewertet. Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das CFIR einen tragfähigen konzeptionellen Rahmen für die systematische Analyse von Transferbedingungen in komplexen Förderkontexten bietet. Die Interviewdaten zeigen, dass sich der Transfer nicht allein auf Evaluationslogiken stützen lässt, sondern dass politische, regulatorische und strukturelle Bedingungen auf höchst unterschiedliche Weise sowohl die Evaluationslogiken selbst als auch die Projektdurchführung beeinflussen. Um eine nachhaltige Integration neuer Versorgungsformen zu erreichen, erscheint es sinnvoll, Förderformate zu schaffen, in denen relevante Stakeholder die rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich der regulatorischen Anschlussfähigkeit und Skalierbarkeit von Projekten bereits in der Planungsphase kritisch prüfen.

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Metadaten
Author:Heike Heytens, Michaela Schunk, Christina Lindemann, Julia von Sommoggy, Christian Apfelbacher
DOI:https://doi.org/10.5281/zenodo.17206352
Document Type:conferenceabstract
Language:German
Publication Year:2025
Conference:Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF 2025) (Hamburg)
Release Date:2025/09/29
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