Bochumer Inklusionsstudie im Kontext Schule, Fokus Kooperation (BISS-K)

  • In den letzten Jahren wurden vielfältige Bemühungen zur Umsetzung der schulischen Inklusion unternommen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Kooperationen und Vernetzungen mit Akteur*innen aus den schulischen und außerschulischen Unterstützungsangeboten. Eine Besonderheit der Bochumer Schulen ist der Einsatz von Inklusionsfachkräften, die das schulische Bildungsangebot für Schulen des gemeinsamen Lernens ergänzen. Im Rahmen der Studie sollen die Kenntnisnahme, Inanspruchnahme sowie die Zufriedenheit mit den schulischen und außerschulischen Unterstützungs- und Kooperationsangeboten aus Sicht der Schulleitungen, Lehrkräfte, Fachkräfte, Eltern bzw. Erziehungsberechtigten und der Schüler*innen erfasst und beschrieben werden. Zudem wird die Arbeit der Inklusionsfachkräfte aus dem Inklusionsprojekt gesondert untersucht. An der Fragebogenstudie beteiligten sich 115 Schülerinnen des Sekundarschulbereichs (10% gaben an, eine Beeinträchtigung zu haben), 19 Erziehungsverantwortliche (knapp ein Drittel hatte ein Kind mit einer Beeinträchtigung), 42 Fachkräfte, 29 Lehrkräfte und 3 Schulleitungen. Die Studie zur schulischen Inklusion in Bochum zeigt, dass die Rückmeldungen zur Studienbeteiligung deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Von 91 angesprochenen Schulen antworteten lediglich 15, wobei nur sechs ihre Teilnahme zusagten. Die Ergebnisse zeigen, dass der schulischen Inklusion in Bochum insgesamt mit Offenheit begegnet wird und Potenziale der Inklusion erlebt werden. So beschreiben zwei Drittel der befragten Schüler*innen positive Erfahrungen mit inklusivem Unterricht gemacht zu haben und berichten von positiven sozialen Interaktionen in inklusiven Klassen. Auch ist mehr als die Hälfte der Eltern zufrieden mit der schulischen Inklusion. Fachkräfte bewerten die schulische Inklusion tendenziell positiv, erkennen jedoch auch Herausforderungen – ebenso wie die Lehrkräfte und Schulleitungen, die im Vergleich am skeptischsten mit der Umsetzung der Inklusion sind. Sie erleben eine hohe Arbeitsbelastung und Schwierigkeiten, allen Schüler*innen gerecht zu werden. Insgesamt wird ein Bedarf an Entlastung sowie an unterstützenden personellen und materiellen Ressourcen gesehen (Mangel an qualifizierten Sonderpädagog*innen und zusätzlichen pädagogischen Kräften, fehlende Unterrichtsmaterialien und differenzierte Unterrichtskonzepte). Weiterhin wird ein Bedarf an kleineren Klassen, um eine individuellere Betreuung zu ermöglichen, sowie an Fachwissen zur Gestaltung inklusiver Lernsituationen beschrieben. Kooperationen und Vernetzungen mit Sonderpädagog*innen, Schulsozialarbeitenden sowie Assistenzen erscheinen dabei ebenso wichtig wie Vernetzungen mit unterschiedlichen außerschulischen Akteur*innen. Mit Blick auf die Kooperation fordern die verschiedenen Gruppen umfassende Unterstützung durch zusätzliche personelle und strukturelle Ressourcen, systemische Anpassungen zur Bedarfsorientierung, Maßnahmen zur Förderung eines inklusiven Schulklimas und erweiterte Kooperations- und Weiterbildungsmöglichkeiten. In der zweiten Teilstudie wurde das Bochumer Inklusionsprojekt mit den Inklusionsfachkräften näher betrachtet. Dazu wurden Fokusgruppen und ein Experteninterview mit acht Mitarbeitenden des Leistungserbringers (Leitung und Inklusionsfachkräfte) sowie Fokusgruppen mit fünf Schulleitungen und verantwortlichen Lehrkräften durchgeführt. Hier zeigt sich, dass das Inklusionsprojekt von den Beteiligten insgesamt als hilfreich und unterstützend bewertet wird. Die Aufgaben der Inklusionsfachkräfte reichen von unterrichtsunterstützenden Angeboten, die eine individuelle Förderung, Begleitung der Lehrkraft sowie ergänzenden Angeboten im Unterricht (z.B. Bewegungspausen) beinhalten können sowie individuelle und gruppenbezogene Förderangebote außerhalb des Unterrichts. Auch werden Angebote zur Unterstützung des (inklusiven) Schullebens sowie zur Kooperation und Netzwerkarbeit in der Schule und im Sozialraum angeboten. Als Herausforderung wurden unklare Rollen und Aufgabenbeschreibungen, eine teilweise hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Ressourcen sowie – je nach Einsatz – auch Qualifikationsbedarfe, benannt. Das Projekt wird als wertvoll und unterstützend bewertet, doch finanzielle Unsicherheit und fehlende Kontinuität bleiben problematisch.

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Metadaten
Author:Christian Walter-KloseORCIDGND, Eva Weishaupt
DOI:https://doi.org/10.71859/opus4-84
Document Type:Report
Language:German
Date of Publication (online):2025/06/02
Date of first Publication:2024/06/08
Publishing Institution:Hochschule Bochum, Hochschulbibliothek
Release Date:2025/06/02
Tag:Fragebogenstudie; Inklusion; Inklusionsfachkräften; Kooperationsangebote; Schule
Page Number:140
Departments:Hochschule für Gesundheit / Department für Gesundheitswissenschaften (DGW)
Dewey Decimal Classification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 61 Medizin und Gesundheit
Open Access:Diamant - ohne Publikationskosten mit Lizenzhinweis
Licence (German): Creative Commons - CC BY - Namensnennung 4.0 International
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