Labor Empirische Sozialforschung
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Hintergrund: Mit dem Einsatz sozialer Roboter gehen ethische und kommunikative Herausforderungen einher, insbesondere, wenn Roboter mit (älteren) Menschen mit Sinneseinschränkungen und/oder kognitiven Einschränken interagieren.
Fragestellung: Das Projekt SoRoP erforscht mit drei Untersuchungsgruppen (ältere Menschen im stationären Setting, jüngere Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung im teilstationären Setting, Vergleichsgruppe allgemeine Bevölkerung) explorativ die Mensch-Roboter-Interaktion anhand des sozialen Roboters „Navel“. Untersucht wer-den Unterschiede in den Bewertungen des Roboters in Bezug Kommunikationsfähig-keit, Reaktions- und Interaktionsfähigkeiten, dessen Einfluss auf die Stimmung und das Wohlbefinden, die empfundene Unheimlichkeit und die Nutzungsabsicht. Ein be-sonderer Fokus liegt auf Technikakzeptanz und deren Zusammenhang mit der Be-wertung.
Methodik: Die Feldstudie basiert auf einem Mixed-Methods-Forschungsdesign, be-stehend aus einer explorativen Feldbeobachtung von Interaktionen (März-April 2026), einem Gruppengespräch und einer nachfolgenden Dual-Mode-Umfrage. In diesem Arbeitspapier werden die Befragung (n=58) und Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen ältere Menschen (n=17), Menschen mit ASS (n=15) und einer allgemeinen Vergleichsgruppe (n=26) statistisch ausgewertet.
Ergebnisse: Die Untersuchung zeigte insgesamt eine überwiegend positive Bewertung der Begegnung. Besonders positiv wurden die Interaktion, Responsivität und das Sprachverstehen des Roboters beurteilt, während Mimik und Gestik differenzierter bewertet wurden. Die Technikakzeptanz erwies sich als nur begrenzt relevant für die Bewertung des Roboters; wichtiger für die Nutzungsbereitschaft scheint der wahrge-nommene praktische Nutzen zu sein, der insgesamt eher niedrig eingeschätzt wurde. Zudem wurde Navel von den meisten Teilnehmenden nicht als unheimlich wahrge-nommen und zeigte positive kurzfristige Effekte auf Stimmung und Wohlbefinden.
Diskussion: Die Studie ergänzt das aktuelle Forschungsfeld der Mensch-Technik-In-teraktion und speziell sozialer Robotik und verbindet Perspektiven aus Gerontologie, Disability-Studies, Technikfolgenabschätzung und angewandter Ethik.
Schlussfolgerungen: Die Studie belegt einen positiven Einfluss auf Stimmung und Wohlbefinden bei einem kurzfristigen, begleiteten Einsatz des Roboters Navel im Sinne eines Unterhaltungsgeräts. In Bezug auf Effekte im Langzeiteinsatz besteht wei-terer Forschungsbedarf. Für das bisher nicht erforschte Einsatzfeld für Menschen mit ASS sowie die technisch interessierte Allgemeinbevölkerung inklusive Eltern mit Kin-dern zeigen die Befunde in mancher Hinsicht positivere Ergebnisse als für die ur-sprünglich anvisierte Zielgruppe in Pflegeheimen.
Hintergrund
Digitale Assistenzsysteme können Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag begleiten, indem sie Informationen bereitstellen, Therapien unterstützen oder Kommunikation und soziale Teilhabe ermöglichen. Telepräsenzrobotik (TPR) umfasst physische, mobil im häuslichen Umfeld einsetzbare Systeme, die in der Versorgungspraxis bislang kaum etabliert sind. Ziel der Studie war es, Erwartungen, Erfahrungen und Akzeptanz von Schlaganfallpatient*innen, Angehörigen sowie Pflege- und Therapiepersonal gegenüber TPR zu untersuchen.
Methoden
Vor (t1) und nach (t2) einer 24-wöchigen Testphase mit 2 TPR-Geräten (Feldphase 2021–2023) wurden Patient*innen und Angehörige standardisiert befragt (t1: 48 bzw. 53; t2: 39 bzw. 50). An einer Querschnittbefragung nahmen 31 Fachpersonen teil. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver und bivariater Statistik. Ergänzend wurden persönliche Gespräche mit Patient*innen und Angehörigen mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Ergebnisse
Die anfänglich hohen Erwartungen an TPR hinsichtlich Selbstständigkeit, Sicherheit, Kommunikation und Entlastung der Angehörigen im Alltag konnten häufig nicht erfüllt werden. Keines der Systeme wurde als überzeugender Alltagshelfer wahrgenommen. Autonome Mobilität und Sprachassistenz erwiesen sich als eingeschränkt hilfreich. Die einfache und flexible Tablet-Lösung wurde gegenüber TPR präferiert.
Diskussion
TPR kann grundsätzlich die ambulante Versorgung unterstützen, ist jedoch aktuell noch nicht ausreichend an die Bedürfnisse der Patient*innen und häuslichen Bedingungen angepasst. Technische Einschränkungen, die Abhängigkeit von Angehörigen und die höhere Akzeptanz einfacherer Lösungen zeigen den Weiterentwicklungsbedarf für eine breitere Implementierung assistiver Systeme.
Hintergrund: Mit dem Einsatz von Robotern gehen ethische und kommunika-tive Herausforderungen einher, insbesondere, wenn Roboter mit (älteren) Menschen mit Sinneseinschränkungen und/oder kognitiven Einschränken in-teragieren.
Forschungsfrage: Das Projekt „Soziale Robotik im Praxistest (SoRoP) – Eine ex-plorative Studie mit (älteren) Menschen mit Sinnes- und Kommunikationsein-schränkungen“ erforscht mit drei Untersuchungsgruppen (ältere Menschen im stationären Setting, jüngere Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung im teilstationären Setting, Vergleichsgruppe allgemeine Bevölkerung) die Mensch-Roboter-Interaktion anhand des sozialen Roboters „Navel“ (navel ro-botics München). Untersucht werden Unterschiede in den Bewertungen des Roboters in Bezug auf Mimik, Gestik und Sprache abhängig von der Untersu-chungsgruppe sowie Technikakzeptanz aufseiten der Befragten. Weiterhin wird untersucht, inwieweit der Roboter als unheimlich empfunden wird (Stich-wort: „Uncanny Valley“).
Methode: Die Feldstudie basiert auf einem Mixed-Methods-Forschungsdesign, bestehend aus einer explorativen Feldbeobachtung von Interaktionen, einem Gruppengespräch und einer Dual-Mode-Umfrage. Besonderes Augenmerk wird auf (forschungs-)ethische Aspekte gelegt.
Ergebnis: Es werden erste Ergebnisse aus der Beobachtungsstudie präsentiert. Mit allen Untersuchungsgruppen fanden erfolgreiche Kommunikationen statt. Die Kommunikationsfähigkeiten des Roboters wurden als gut eingeschätzt und der Roboter nicht als unheimlich empfunden. Analysiert werden Unterschiede in den Bewertungen der wahrgenommenen Lustigkeit, Natürlichkeit sowie ver-balen und nonverbalen Kommunikation.
Diskussion: Diskutiert werden ethische und soziale Aspekte auch vor dem Hin-tergrund der Ergebnisse anderer Studien. Einschränkungen der Kommunika-tion bestehen im Verstehen menschlicher Aussagen seitens des Roboters. Eine Limitation der Studie liegt darin, dass ein Kurztest keine verlässlichen Aussa-gen zum Langzeiteinsatz gewährleisten kann.
Fazit: Bei den Zielgruppen besteht in hohem Maße eine grundsätzliche Offen-heit. Bei Betreuung durch Fachkräfte kann geschlussfolgert werden, dass ein Einsatz im Sozial- und Gesundheitsbereich Gespräche anregt und soziale Teil-habe fördert.
Artificial intelligence (AI) is currently transforming almost all areas of society, from business and politics to education and the media. Non-governmental organizations (NGOs) and non-profits are also affected by this social transformation. As key players in the public interest, they make a significant contribution to civil society participation and social sustainability (1, 2), but these groups have hardly been researched scientifically to date.
The use of AI in public welfare organizations presents a twofold challenge: on the one hand, it opens up potential for reducing workloads through more efficient work processes and savings in resources (such as working time and donations); on the other hand, it requires new structural, cultural, and ethical conditions. This article examines the needs of NGOs, the level of acceptance for the use of AI, and the reasons against its use. In addition, implementation options such as resources, strategies, and framework conditions were examined.
The study is based on a mixed-methods approach. The data comes from the research project Artificial Intelligence in Non-Governmental Organizations (KINiro), which was conducted in Germany between 2023 and 2025. In addition to five exploratory, guided, qualitative interviews, a quantitative online survey (n=343) and a further 10 in-depth interviews with experts from NGOs in various fields of activity were conducted.
Framework conditions and approaches to the use of AI in public welfare organizations were examined. The results show that NGOs in Germany are in the early stages of engaging with AI. While the majority of the organizations surveyed are generally positive about AI, there are also significant gaps in terms of knowledge, resources, and strategic anchoring. AI has so far been tested mainly in the form of low-threshold applications, such as text assistance or translation tools, with initiatives often originating from individual tech-savvy employees.
Overall, the studies make it clear that the implementation of AI in NGOs is not primarily a technological transformation, but rather an organizational and cultural one. Participatory strategies, transparent decision-making processes, and consideration of ethical issues such as data protection and bias are crucial for the responsible, public-interest-oriented use of AI.
The research results provide guidance on the implementation of the European AI strategy (3, 4), which aims to bring the benefits of AI to various sectors such as healthcare, education, industry, and environmental sustainability. By researching the needs and actual implementation possibilities of AI in NGOs, it is possible to derive
policy recommendations. There is also the potential to make the full-time and volunteer
work of non-profit organizations more resource-efficient and sustainable.
Validierung generischer Lebensqualitätsinstrumente bei alten und sehr alten Menschen mit Hüftfraktur
(2023)
Hintergrund und Ziele
Für die Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQOL) bei Patientinnen und Patienten nach proximaler Femurfraktur (kolloquial Hüftfraktur) sind verschiedene Instrumente im Einsatz, für die es allerdings teilweise nur wenig, widersprüchliche oder keine Evidenz zu deren psychometrischen Messeigenschaften und praktischen Eigenschaften gibt. In dieser Studie untersuchten wir unter Anwendung der COSMIN Empfehlungen a) die Inhaltsvalidität und Machbarkeit von vier generischen Instrumenten zur Messung der HRQOL (SF-12, EQ-5D-5L deskriptives System, Nottingham Health Profile/NHP, WHOQOL-BREF) bei älteren Menschen (≥ 60 Jahre) nach einer Hüftfraktur und b) die Validität, Reliabilität und Änderungssensitivität der zwei am häufigsten in dieser Zielgruppe verwendeten Instrumente (SF-12, EQ-5D) zur Messung der generischen HRQOL.
Methoden
Für die qualitative Studie (a) rekrutierten wir 32 Patientinnen und Patienten ohne relevante kognitive Beeinträchtigung im Alter von über 60 Jahren während ihres stationären Aufenthaltes nach einer Hüftfraktur (weiblich= 25; Durchschnittsalter= 81 Jahre). Die Patientinnen und Patienten wurden gebeten, bis zu vier HRQOL-Fragebögen auszufüllen. Während die Patientinnen und Patienten die Fragebögen ausfüllten, wurde die think-aloud Technik angewandt, um Probleme bei der Beantwortung zu erkennen. Im Anschluss an die Beantwortung der Fragebögen, wurden die Teilnehmenden mit Hilfe eines semi-strukturierten Interviewleitfadens befragt. Die abgefragten Themen beinhalteten Aspekte der Inhaltsvalidität (Verständlichkeit, Relevanz und Vollständigkeit) und Machbarkeit. Die Interviews wurden aufgezeichnet, verbatim transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.
Für die quantitative Studie (b) wurden Daten aus einer bevölkerungsbezogenen prospektiven Beobachtungsstudie namens ProFem ausgewertet, die zwischen Januar 2018 und September 2019 konsekutiv Versicherte mit einer proximalen Femurfraktur (PFF) eingeschlossen hat. Für die psychometrische Analyse wurden Primärdaten von Studienteilnehmenden verwendet, die zu den Zeitpunkten T0 (3 Monate nach Krankenhausentlassung) und T1 (6 Monate nach Krankenhausentlassung) eigenständig teilnahmen. Die Gütekriterien zur Zustandsmessung wurden folgendermaßen evaluiert: Machbarkeit und Interpretierbarkeit wurden anhand von fehlenden Werten sowie Decken- und Bodeneffekten beurteilt; strukturelle Validität anhand einer konfirmatorischen Faktorenanalyse (CFA); Konstruktvalidität anhand des known-groups Ansatzes; Diskriminanz- und Konvergenzvalidität anhand von Spearmans Rho (ρ) Korrelationen mit Referenzmaßen; Reliabilität unter Verwendung der internen Konsistenz anhand Cronbachs Alpha (α) (nur für den SF-12). Die Änderungssensitvität als Gütekriterium der Veränderungsmessung wurde mittels eines Konstrukt- und Kriteriums-basierten Ansatzes ermittelt.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der qualitativen Studie (a) zeigten, dass die Teilnehmenden kurze Fragebögen mit einem klaren Layout favorisierten. Nur neun Teilnehmende waren in der Lage, die Fragebögen selbst auszufüllen und nur sechs füllten alle vier Fragebögen aus. Bezüglich der Inhaltsvalidität gab es die größten Probleme bei der Verständlichkeit der Items. Items, die zu vage formuliert waren (häufig beim NHP) und Items ohne Beispiel (beim WHOQOL-BREF) waren schwierig zu verstehen. Ein aus Sicht der Teilnehmenden irrelevantes Beispiel (SF-12 und EQ-5D-5L deskriptives System) oder nicht ausreichende dichotome Antwortkategorien (NHP) begründeten eine fehlende Relevanz desjenigen Items. Das deskriptive System des EQ-5D-5L wurde teilweise als zu oberflächlich und damit nicht als vollständig empfunden. Insgesamt umfassten die Instrumente keine der folgenden von den Teilnehmenden als wichtig für deren HRQOL erachtete Themen: Medikamenteneinnahme, Sehschwierigkeiten und Ernährung.
Die Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer der quantitativen Studie (b) waren zur Baseline (n= 306) im Durchschnitt 79.1 Jahre alt (69% weiblich). Die anhand der Baseline untersuchten Gütekriterien der Zustandsmessung ergaben folgende Ergebnisse: Beide Instrumente bewiesen eine hohe Machbarkeit und zeigten weder Decken- noch Bodeneffekte. Die CFA zur Beurteilung der strukturellen Validität ergab nur beim EQ-5D-5L einen akzeptablen Modellfit. Bei der Überprüfung der known-groups Validität konnten nur die Unterschiede anhand des subjektiven sozialen Status anhand beider Instrumente signifikant unterschieden werden, was auf eine nur akzeptable known-groups Validität beider Instrumente schließen lies. Anhand der ermittelten ρ-Korrelationen ergab sich eine gute Konvergenz- und Diskriminanzvalidität für den EQ-5D-5L und eine akzeptable für den SF-12. Bezüglich der Reliabilität kann für beide Komponenten des SF-12 eine konsistente Skale angenommen werden. Die Ergebnisse sprachen bei beiden verwendeten Ansätzen und für beide Instrumente für eine geringe Änderungssensitivität.
Schlussfolgerung
Insgesamt können der EQ-5D-5L und der SF-12 zur Messung der generischen HRQOL bei älteren Hüftfrakturpatient:innen empfohlen werden. Im direkten Vergleich mit dem WHOQOL-BREF und NHP schnitten die beiden Fragebögen bei der Bewertung von Machbarkeit und Inhaltsvalidität am besten ab. Die beiden Instrumente zeigten allerdings Schwächen bei der Überprüfung der weiteren psychometrischen Messeigenschaften, die aber trotzdem als akzeptabel eingestuft wurden. Weitere Studien sollten bedenken, dass sich die Messung der HRQOL anhand eines Fragebogens zum Selbstausfüllen als herausfordernd darstellte, selbst wenn keine oder nur eine leichte kognitive Beeinträchtigung bei den Teilnehmenden vorhanden war. Die Ergebnisse dieser Arbeit können gemeinsam mit der vorliegenden Evidenz aus der Literatur den Konsensusprozess informieren, ein geeignetes Instrument für die Messung der generischen HRQOL bei älteren Hüftfrakturpatient:innen festzulegen. Zukünftige Validierungsstudien sollten die Test-Retest-Reliabilität des SF-12 und EQ-5D erforschen sowie die Schätzung von MID- und MIC-Werten (kleinster bedeutsamer Unterschied bzw. kleinste bedeutsame Veränderung) beinhalten.
Die Digitalisierung wird in der Gesellschaft seit vielen Jahren thematisiert. Durch Künstliche Intelligenz (KI) hat diese Diskussion einen zusätzlichen Anstoß bekommen.
Inbesondere für gemeinwohlorientierte Organisationen bieten sich Potenziale sowie Risiken. Sie könnten zur Entlastung von Fachkräften, zur Verbesserung
organisatorischer Abläufe und zur Entwicklung neuer Unterstützungsangebote beitragen. Angesichts chronischer Herausforderungen wie Fachkräftemangel,
Ressourcenknappheit und wachsender Komplexität von Arbeitsprozessen erscheint KI daher als möglicher Hebel für eine tiefgreifende Transformation.
Background/Objectives:
Digital anamnesis tools, including chatbots, are increasingly being developed and evaluated, yet their implementation in German medical practices remains limited. This study examines the acceptance of medical history-taking assisted by artificial intelligence (AI) among the German population. The objective is to derive implications for integrating such systems into digitalization strategies of medical practices.
Methods:
This study is based on an online survey of the German population, aged between 18 and 74 years, conducted in two independent cross-sectional waves (trend design) in 2024 and 2025 with n = 1000 respondents in each year. Based on the Unified Theory of Acceptance and Use of Technology (UTAUT), three hypotheses regarding the use of AI in medical history-taking were developed and tested using linear regression models.
Results:
Both waves reveal a high acceptance level of AI-supported anamnesis systems for people aged between 18 and 74, regardless of whether a chatbot is used in medical practice (Scenario 1) or at home (Scenario 2). The latter received slightly less approval for the intention to use (mean intention scores: 3.50 and 3.45, range from 1.0 to 5.0) than Scenario 1 (3.59, 3.56). The indices of Performance Expectancy (PE), Effort Expectancy (EE), and perceived Social Influence (SI) determine the intention to use a chatbot with the strongest correlation of the PE index (Scenario 1: ß =0.466, Scenario 2: ß = 0.475). Most respondents (73% and 75%) expressed a favorable opinion for digitally storing medical history data within their electronic health record (EHR).
Conclusions:
The findings suggest that gender- and age-specific differentiation—aside from considering the needs of older adults—may be less relevant for designing digitalization strategies than previously assumed. Instead, the focus of medical practices should lie on the practicability of the tool used. Despite currently low EHR utilization rates in Germany, medical practices may expect broad patient approval regarding the digital storage of medical history data.
Migration prägt die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts in Europa. Eine der Hauptursachen ist der seit 2011 schwelende syrische Bürgerkrieg, welcher maßgeblich die gesellschaftliche und politische Diskussion in Europa und insbesondere Deutschland prägt. Syrische Migrant:innen bilden die größte Gruppe registrierter Asylsuchender und insgesamt die drittgrößte Ausländergruppe in Deutschland. Damit stellen sie eine relevante und neue Bevölkerungsgruppe für die Prävention und Gesundheitsförderung dar. Bisherige Forschung zur Gruppe der syrischen Migrant:innen fokussiert primär auf die psychische Gesundheit. Unklar ist, wie sich einzelne Gesundheitsverhalten dieser Bevölkerungsgruppe, z.B. bezogen auf Ernährung und Bewegung, zu Beginn des Aufenthaltes in Deutschland verhalten und wie sich diese Verhaltensweisen mit zunehmendem Aufenthalt verändern. Die vorliegende Arbeit hat diese Forschungslücke aufgegriffen und folgende Forschungsfragen zu a) dem Stellenwert von Gesundheit und Gesundheitsförderung; b) den Einflussfaktoren auf gesundheitsbezogene Verhaltensweisen; c) dem Zugang zu Präventionsangeboten; d) unterstützenden sozialen und strukturellen Rahmenbedingungen im Alltag der syrischen Migrant:innen gestellt.
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde ein qualitativ-exploratives Forschungsdesign gewählt, welches dem sozialwissenschaftlichen Ansatz der Grounded Theory nach Glaser und Strauss zugrunde liegt. Die Arbeit umfasst eine longitudinale leitfadengestützte Interviewstudie mit der Zielgruppe zu zwei Zeitpunkten (t₀ n=30, t₁ n=17) sowie eine Fokusgruppenbefragung mit 24 Expert:innen aus dem Bereich der migrationsspezifischen Gesundheitsförderung.
Die Narrative der beiden Studien lassen einen zeitlichen Verlauf erkennen, in welchem die eigene Gesundheit sowie gesundheitsförderliche Verhaltensweisen eine unterschiedlich starke Gewichtung im Alltag der Migrant:innen einnehmen. Anhand der Ergebnisse lassen sich drei Phasen formulieren, welche syrische Migrant:innen in ihren ersten Aufenthaltsjahren im Gastland durchlaufen. Die erste Phase ist durch Behördengänge geprägt, um administrative und rechtliche Sachverhalte zu klären, wodurch der eigenen Gesundheit sowie gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen wenig Relevanz zugeschrieben wird. Der Übergang von einer ersten hin zu einer zweiten Phase stellt für viele Migrant:innen einen Umbruch dar. Viele erleben in dieser Phase zahlreiche Förderfaktoren, um gesundheitsförderliche Verhaltensweisen stärker in den Alltag zu integrieren, wie beispielsweise neue Zukunftsperspektiven im Gastland oder westliche Verhaltensnormen. Aufgrund des doppelten biographischen Bruches, welcher mit der Migration nach Deutschland und dem damit verbundenen Auszug aus dem Elternhaus durchlaufen wird, erleben viele Migrant:innen auch Barrieren, um gesundheitsförderliche Verhaltensweisen in gewünschtem Umfang umzusetzen. Die soziale Umgebung (z.B. Mitbewohner:innen, Angehörige, Helferkreise) kann dabei eine wichtige Stütze sein, um gesundheitsbezogene Verhaltensweisen aufrechtzuerhalten. Im Übergang von Phase 2 zu Phase 3 können gesundheitsrelevante Verhaltensweisen etabliert und in die gefestigteren Alltagsabläufe der Migrant:innen eingebunden werden. In Phase 3 ist der Alltag geprägt durch das Absolvieren einer (akademische) Ausbildung oder einer Erwerbstätigkeit, welche aufgrund der neuen Sprache als anspruchsvolle Aufgaben gewertet wurde. Die Bewältigung traumatischer Flucht- und Migrationserlebnisse sowie hoher Akkulturationsanforderungen in einem fremden Land erfordern des Weiteren die völlige Aufmerksamkeit der Migrant:innen. Diese beiden Faktoren können zu einer geringeren Priorisierung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen führen. Der (gemeinsame) Verzehr heimischer Gerichte, kann als kurzeitige Ausflucht aus den psychischen Belastungen fungieren. Auch regelmäßige körperliche Aktivität stellt für manche ein geeigneter Coping-Mechanismus dar, um besser mit belastenden Ereignissen umgehen zu können. Für andere stellt die mentale Situation eine zu große Barriere da, um regelmäßig körperlich aktiv zu ein.
Anhand der Ergebnisse wurden nach dem Paradigma „health in all policy“ der Gesundheitsförderung, elf multisektorial angesiedelte Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis formuliert. Sowohl in Politik als auch Public-Health-Praktiken müssen die spezifischen Bedürfnisse syrischer Migrant:innen stärker eingebunden werden und unterstützende gesellschaftliche Strukturen in der Lern- und Arbeitswelt, als auch der sozioökonomischen und physischen Umwelt dieser Bevölkerungsgruppe geschaffen werden. Zukünftige Forschung sollte sich weiterhin mit den Lebensbedingungen syrischer Migrant:innen und deren Auswirkungen auf gesundheitsrelevante Verhaltensweisen konzentrieren. Aufgrund des anhaltenden Konfliktes in Syrien ist ein fortdauernder Aufenthalt der Zielgruppe in Deutschland anzunehmen, welcher über die in der Arbeit beschriebenen drei Phasen hinausgehen kann.
Die Implementation digitaler Technologien wird im Spannungsfeld von demographischem Wandel, fortschreitender Digitalisierung und zunehmendem Fachkräftemangel im Gesundheitssystem mit hohen Erwartungen verknüpft. Im Rahmen eines empirischen Forschungsprojektes wurden die Machbarkeit und die Wirkung von logopädischer und physiotherapeutischer Teletherapie sowie von Telenursing-Anwendungen bei Schlaganfallpatient*innen evaluiert, die über telepräsenzgestützte digitale Assistenzsysteme im häuslichen Bereich durchgeführt wurden. Die sozialwissenschaftliche Begleitforschung hatte die Aufgabe, die Akzeptanz und die Nutzungsbereitschaft der eingesetzten Technologie zu analysieren sowie die Auswirkungen aufzuzeigen, die der Einsatz der Geräte im ethischen, rechtlichen und sozialen Kontext mit sich bringen kann. Der vorliegende Beitrag basiert auf den Daten und Ergebnissen dieser Akzeptanzforschung und analysiert die Interaktion von Menschen in ihren Rollen als Patient*in oder Angehörige von Patient*innen mit Technologie. Die Ergebnisse beleuchten die Relevanz der Angehörigen für diese Interaktionen und zeigen, warum ihre Einbeziehung im Rahmen soziotechnischer Transformationen im Bereich ambulanter Therapie und Pflege so wichtig ist.
Digital procedures are increasingly implemented to enhance efficiency in healthcare, with Artificial Intelligence (AI) — particularly chatbot s— showing significant potential for future applications. However, little is known about patients’ acceptance of such technologies. The study “AI and Anamnesis” addresses this gap by investigating the German population’s acceptance of and willingness to use AI-driven technologies for digital anamnesis. This poster presents results from the first wave of the survey, offering initial insights into public attitudes and potential barriers to adoption.