Soziale & ökonomische Transformation
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In Germany, dealing with homelessness as a ‘social problem’ involves providing shelter as well as social support. Shelter and social support are typically provided first, eventually followed by various forms of assisted living if housing in a private accommodation appears unattainable. The Housing First approach, originally developed in the United States, is different as providing housing (with a lease in the individual’s name) is the very first step in the assistance process. Recently, several Housing First projects have been developed and implemented in various regions of Germany. This chapter draws on broader research into various Housing First pilot projects emerging in Northern Bavaria, shedding light on the impact of the basic principles on the two main groups of actors involved: social workers and formerly homeless individuals as new tenants. The focus is on how social work support is perceived and experienced within the Housing First context, and how it is practiced. Our findings suggest that the implementation of Housing First offers both groups a range of possibilities and options of action, underlying constant negotiations about the types of services and support that can be offered, accepted or denied, and how the relationship between social workers and new tenants is co-produced and performed.
Wohnungslosigkeit
(2026)
Die Verfügbarkeit von Behausungen in Form von zeitlich und rechtlich abgesicherten eigenem, im Eigentum befindlichen oder gemieteten Wohnraum ist ein menschliches Grundbedürfnis. Eine Nicht-Verfügbarkeit hat für Menschen gravierende Konsequenzen, die zu einer Neubewertung ihrer Person (master status), Stigmatisierungsprozessen und Ausschlüssen aus der Gesellschaft führen. Die fehlende Behausung wird als Abweichung von gesellschaftlichen Normen und als soziales Problem betrachtet, für das Organisationen der Problembearbeitung wie Kommunen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit beauftragt werden. In der rechtlichen Problematisierung des sozialen Phänomens der Wohnungslosigkeit (bzw. im Speziellen: des sozialen Phänomens der Obdachlosigkeit) steht überraschenderweise nicht die fehlende Behausung im Zentrum der Bearbeitung. Vielmehr werden Menschen, die unter der Personenkategorie unbehaust gesehen werden, durch die Sozialfiguren Störer*innen der Gesellschaft, Schutzbedürftige in der Gesellschaft und abhängige, verletzlich-verhaltende Exkludierte mit Leistungsanspruch gesellschaftlich hergestellt. Die derzeitige Kritik an der staatlichen Bearbeitung der sozialen Probleme von Obdach- und Wohnungslosigkeit führt zu einer alternativen, auf Menschenrechten basierenden Problematisierung. Hier könnte die Nicht-Verfügbarkeit von Behausungen in das Zentrum von Doing Social Problems geraten. Menschen, die keine Behausung zur Verfügung haben, würden dann in der Sozialfigur der Bürger*innen mit Anspruch auf angemessenen Wohnraum repräsentiert werden.
Seit Jahren dauert die Debatte um gendersensible Sprache in Deutschland an, insbesondere über die Verwendung von Sonderzeichen. Sie ist stark polarisiert. Einzelne Politiker, allen voran der bayerische Ministerpräsident
Markus Söder, regeln die Verwendung von Sternchen und Doppelpunkten
in staatlichen Einrichtungen qua Verordnung und Verbot. Daran müssen sich Medienredaktionen nicht halten. Wie bereits im Zuge der großen Rechtschreibreform in den 1990er-Jahren können sie selbst entscheiden, wie ihre Mitarbeitenden schreiben und sprechen. Es lassen sich unterschiedliche Positionen erkennen, die an eine politische Ausrichtung gekoppelt sind. Grundlegend für die Sprachverwendung einerseits und die Berichterstattung über das Thema andererseits ist die ethisch-normative Bewertung der Rolle der Medien als Beobachter der gesellschaftlichen Entwicklung. In diesem Beitrag werden diese unterschiedlichen Positionen analysiert. Betrachtet wird dabei auch, welche Auswirkungen die Verwendung KI-basierter Sprachtools haben könnten. Am Ende steht der Appell für eine Entpolemisierung der Debatte.
Überlange Studiendauern verursachen Kosten für Studierende, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch wie lässt sich die Zeit bis zum Abschluss ohne tiefgreifende Reformen der Studienstrukturen verkürzen? Experimente mit über 1 600 Bachelorstudierenden zeigen: Wer regelmäßig über den eigenen Studienfortschritt im Vergleich zu Kommiliton*innen informiert wird, schließt das Studium früher ab und erzielt bessere Noten, bei gleichbleibenden Abschlussquoten, und ohne dabei mehr Stress oder geringere Studienzufriedenheit zu erleben. Insgesamt erhält jede*r siebte Absolvierende das Bachelorzeugnis ein Semester früher. Entscheidend ist jedoch die Art der Leistungsrückmeldung: Positives Feedback führt zu deutlich früheren Studienabschlüssen, Feedback, das nicht auf überdurchschnittliche Leistungen hinweist, kann mit geringerem Studienerfolg verbunden sein. Richtig eingesetzt ist relatives Leistungsfeedback damit ein wirksames Instrument zur Verbesserung des Studienerfolgs, und dies bei Kosten von nur etwa 14 Euro pro Person.
In Deutschland sind im Schnitt rund 16 Prozent der Studierenden von einer studienerschwerenden Behinderung oder chronischen Erkrankung betroffen. Diese Studierenden stehen im Schnitt vor größeren Herausforderungen im Studium als Studierende ohne Behinderung: Nahezu alle Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung berichten von Schwierigkeiten beim Lehren und Lernen, bei der Studienorganisation oder bei Prüfungen und Leistungsnachweisen. Hinzu kommt, dass die soziale Integration dieser Studierenden meist eher gering, der Unterstützungsbedarf jedoch vergleichsweise hoch ist. Zudem berichten etwa drei Viertel der Studierenden mit studienerschwerender Behinderung oder chronischer Erkrankung von Diskriminierungserfahrungen im Studium. Da individuelle Informationen der Studierenden zu Beeinträchtigungen und Behinderungen weder im Rahmen der regulären Bewerbungsverfahren um Studienplätze noch in anderer Form von den Hochschulen systematisch erhoben werden, liegen Erkenntnislücken bezüglich hochschulspezifischer Herausforderungen vor. Hier setzt der vorliegende Bericht an: Im Sommer 2023 wurde an der Ohm eine hochschulweite Befragung von Studierenden mit Behinderungen und chronischen Krankheiten durchgeführt (Zauner 2023). Sie verfolgte die Fragestellung, inwieweit Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit am Studienalltag der Ohm teilhaben können. Dazu gehört auch die Frage, auf welche Barrieren Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit an der Ohm treffen. Auf folgende Aspekte wurde dabei eingegangen: die Art der Behinderung, der Zugang zum Studium, das Wissen um und die Nutzung des Beratungsangebotes an der Ohm, das Wissen um und die Nutzung von Nachteilsausgleichen im Studium, bauliche Barrieren an der Ohm, Barrieren im Lehrangebot, der Umgang des Lehrpersonals mit Bedürfnissen von Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung sowie Anregungen zur Verbesserung der Teilhabe an der Ohm.
Methodology of Innovation
(2026)