Refine
Reviewed
Keywords
- Gefängnis (2)
- Soziale Arbeit (2)
- decision making, heuristic, professional judgement, sense-making, signal detection, theory for practice, threshold, tipping point (2)
- Beratung (1)
- Computergestützte Kommunikation (1)
- Computerunterstützte Kommunikation (1)
- Germany (1)
- Internationalization (1)
- Machine Learning (1)
- Onlineberatung (1)
Institute
Delinquenz und Sozialisation
(2023)
Delinquenz wird gemeinhin als das Ergebnis nicht gelungener Sozialisationsprozesse verstanden, insofern gesellschaftliche Norm- und Wertstrukturen nicht in gewünschter Weise angeeignet wurden. Wie entstehen derartige Abweichungen im Verlauf von Sozialisationsprozessen und wie können solche Entwicklungen sich auch wieder verändern? Welche Rolle spielen unterschiedliche Institutionen in solchen Konstellationen? Die vier Beiträge des Themenschwerpunkts gehen diesen und verwandten Fragen nach. Daneben sind noch zwei freie wissenschaftliche Beiträge in der Ausgabe enthalten, die sich mit den Auswirkungen sozialer Ungleichheiten an Übergängen in der Schule bzw. im akademischen Hochschulbetrieb beschäftigen.
Der Beitrag berichtet von einer Befragung an sieben Bachelor- Studiengängen der Sozialen Arbeit zu punitiven Einstellungen unter den Studierenden zu Beginn und zum Ende ihres Studiums. Die Erhebungen wurden vom Arbeitskreis Hochschullehrer*innen der Kriminologie und Straffälligenhilfe in der Sozialen Arbeit (AKKrimSoz) an ihren Hochschulen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass punitive Einstellungen zu Beginn nicht selten sind, während des Studiums jedoch abnehmen. So werden Detaileffekte des Studierens hinsichtlich strafrechtlicher, kriminologischer und kriminalpolitischer Inhalte auf die punitiven Einstellungen sichtbar: Restaurative und spezialpräventive Haltungen nehmen zu, zugleich beharren viele Studierende auf Eingangsüberzeugungen bezüglich der Ursachen von Delinquenz. Bei der Kriminalität der Mächtigen nehmen die Strafbedürfnisse sogar leicht zu.
Der Entzug der Freiheit aufgrund einer Straftat bedeutet nicht nur für die in-
haftierte Person, sondern auch für deren Angehörige eine tiefgreifende lebensweltliche Veränderung und Zäsur sowie ein erhöhtes Risiko für soziale, psychische oder materielle Problemlagen. Online-Selbsthilfeforen können in dieser Lebensphase eine Unterstützung darstellen. In diesem Beitrag wird ein Forum für Angehörige textanalytisch untersucht und folgende Frage verfolgt: Welche Themen sind für Betroffene von Inhaftierung von besonderer Relevanz und inwiefern lassen sich diese Themen automatisiert erkennen? Nach einer grundlegenden Einführung in die Bedeutung von Onlineforen für die Soziale Arbeit und Straffälligenhilfe (Kap. 1) wird das methodische Vorgehen des Topic Modelings erläutert (Kap. 2). Durch die Analyse konnten die am häufigsten diskutierten Themen identifiziert werden, wobei Forumsbeiträge insbesondere durch das Thema Hoffnung geprägt
sind (Kap. 3). Da die Ergebnisse vielfältige Implikationen zulassen und derartige Studiendesigns mit spezifischen rechtlichen und ethischen Herausforderungen konfrontiert sind, wird dies in einem abschließenden Kapitel erörtert (Kap. 5).
Ältere Menschen in Haft haben neben der Belastung durch die Inhaftierung auch vielfache altersspezifische Herausforderungen zu bewältigen. Während die gesundheitlichen Einschränkungen dieser vulnerablen Gruppe gut belegt sind, liegen kaum Erkenntnisse zu den subjektiven Erfahrungen ihrer Lebenswelten vor. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Lebenswirklichkeiten von älteren Inhaftierten zu erfassen. Mittels einer schriftlichen Befragung, die eine einzige Frage zur Bedeutung von Altern in Haft umfasste, wurden 64 Rückmeldungen von älteren Inhaftierten (3 Frauen und 61 Männer) über 60 Jahre qualitativ ausgewertet. In der Analyse der sozialen Beziehungen zeigen sich vielfältige Erfahrungen mangelnder Anerkennung. Während die Distanz zu Familie und Freunden Erfahrungen von Zuwendung erschweren, ist das Leben in Haft von Abgrenzung und Konkurrenz um knappe Ressourcen geprägt. Der Wunsch nach mehr Anerkennung der altersspezifischen Bedürfnisse richtet sich neben den Bediensteten auch an das Justizsystem und die Gesellschaft. In Anlehnung an Honneths Theorie der Anerkennung werden die Ergebnisse der Studie systematisiert.
Der Aufbau von Beziehungen zu jungen wohnungslosen Menschen ist für Fachkräfte der Sozialen Arbeit häufig eine Herausforderung, da diese als schwer erreichbare Adressat_innen wahrgenommen werden. Unsere Sekundäranalyse qualitativer Daten, in der die Sicht junger Menschen ohne eigene Wohnung aus verstehender Perspektive rekonstruiert wird, zeigt, dass das Eingehen von Beziehungen für vulnerable Personen sehr voraussetzungsreich ist: Ihr eigenes Beziehungshandeln ist vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen oftmals von schwerwiegenden Vertrauensverlusten gekennzeichnet, sodass Vertrauen erst mühsam wiedererlangt werden muss. Das Wissen um die von den Jugendlichen artikulierten Bedingungen der Vertrauens-wiederherstellung ist bedeutsam für die Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit und sollte für eine vertrauensbildende Soziale Arbeit ernst genommen werden.