Recht auf Trauer
(2017)
Wer ist betrauerbar? Wer wird erinnert?
Die Bestattungspraxis in Deutschland ist von Machtverhältnissen, insbesondere von Klassismus und Heteronormativität, geprägt. Aktuell werden immer mehr arme Menschen in Deutschland, für die keine Angehörigen die Bestattungspflicht wahrnehmen (können), ohne Grabstein und Namen, ohne Trauerfeiern und Blumenschmuck von Gesundheits- und Ordnungsämtern bestattet. Teilweise, wie z.B. in dem Berliner Bezirk Neukölln, finden die ordnungsbehördlichen Bestattungen monatlich als Sammelbeerdigung im Minutentakt statt. Oft wurden diese Menschen schon zu Lebzeiten marginalisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt.
Francis Seeck zeigt in diesem Buch den Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen, Ausgrenzung und Beerdigungspraktiken auf. Aber auch die eigene Geschichte der Autor*in hat ihren Platz. So geht es auch um Widerstand auf anonymen Friedhofswiesen, sei es durch Trauergäste, Aktivist*innen, Forscher*innen und Mitarbeiter*innen – ganz im Sinne von „Rest in protest!“.
In der ersten Folge spreche ich mit Francis Seeck und Marie Kottwitz, den Organisator*innen des Scoping Workshops Klassismusforschung. Warum wird zu Klassismus bislang so wenig geforscht, obwohl viele Menschen davon betroffen sind? Welche Perspektiven stehen im Mittelpunkt des Workshops? Und wie lässt sich Klassismusforschung so gestalten, dass sie vielfältige Perspektiven berücksichtigt, verschiedene Disziplinen verbindet und für die Praxis relevant ist?
Marie Kottwitz gibt uns einen Überblick über die historische Entstehung des Begriffs Klassismus. Wo und wann wurde der Begriff Klassismus eigentlich zum ersten Mal verwendet?
Vor ziemlich genau einem Jahr fand der Scoping Workshop Klassismusforschung statt. Daraus hat sich das Netzwerk Klassismusforschung gegründet – und dieses hat nun einen offenen Brief gegen die klassistischen Zumutungen der Bürgergeldreform veröffentlicht.
In dieser Folge spreche ich mit Francis Seeck über den offenen Brief und die geplante Bürgergeldreform. Inwiefern haben sich in den letzten Monaten klassistische Narrative und Zuschreibungen gegenüber Bürgergeldempfänger*innen verschärft? Was steht im Entwurf der geplanten Grundsicherung? Und was ist aus klassismuskritischer Perspektive besonders dramatisch an diesem Gesetzesentwurf?