Wohnungslosigkeit
- Die Verfügbarkeit von Behausungen in Form von zeitlich und rechtlich abgesicherten eigenem, im Eigentum befindlichen oder gemieteten Wohnraum ist ein menschliches Grundbedürfnis. Eine Nicht-Verfügbarkeit hat für Menschen gravierende Konsequenzen, die zu einer Neubewertung ihrer Person (master status), Stigmatisierungsprozessen und Ausschlüssen aus der Gesellschaft führen. Die fehlende Behausung wird als Abweichung von gesellschaftlichen Normen und als soziales Problem betrachtet, für das Organisationen der Problembearbeitung wie Kommunen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit beauftragt werden. In der rechtlichen Problematisierung des sozialen Phänomens der Wohnungslosigkeit (bzw. im Speziellen: des sozialen Phänomens der Obdachlosigkeit) steht überraschenderweise nicht die fehlende Behausung im Zentrum der Bearbeitung. Vielmehr werden Menschen, die unter der Personenkategorie unbehaust gesehen werden, durch die Sozialfiguren Störer*innen der Gesellschaft, Schutzbedürftige in der Gesellschaft und abhängige, verletzlich-verhaltendeDie Verfügbarkeit von Behausungen in Form von zeitlich und rechtlich abgesicherten eigenem, im Eigentum befindlichen oder gemieteten Wohnraum ist ein menschliches Grundbedürfnis. Eine Nicht-Verfügbarkeit hat für Menschen gravierende Konsequenzen, die zu einer Neubewertung ihrer Person (master status), Stigmatisierungsprozessen und Ausschlüssen aus der Gesellschaft führen. Die fehlende Behausung wird als Abweichung von gesellschaftlichen Normen und als soziales Problem betrachtet, für das Organisationen der Problembearbeitung wie Kommunen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit beauftragt werden. In der rechtlichen Problematisierung des sozialen Phänomens der Wohnungslosigkeit (bzw. im Speziellen: des sozialen Phänomens der Obdachlosigkeit) steht überraschenderweise nicht die fehlende Behausung im Zentrum der Bearbeitung. Vielmehr werden Menschen, die unter der Personenkategorie unbehaust gesehen werden, durch die Sozialfiguren Störer*innen der Gesellschaft, Schutzbedürftige in der Gesellschaft und abhängige, verletzlich-verhaltende Exkludierte mit Leistungsanspruch gesellschaftlich hergestellt. Die derzeitige Kritik an der staatlichen Bearbeitung der sozialen Probleme von Obdach- und Wohnungslosigkeit führt zu einer alternativen, auf Menschenrechten basierenden Problematisierung. Hier könnte die Nicht-Verfügbarkeit von Behausungen in das Zentrum von Doing Social Problems geraten. Menschen, die keine Behausung zur Verfügung haben, würden dann in der Sozialfigur der Bürger*innen mit Anspruch auf angemessenen Wohnraum repräsentiert werden.…


| Author: | Frank SowaORCiD |
|---|---|
| DOI: | https://doi.org/10.1007/978-3-658-45841-6_42 |
| ISBN: | 978-3-658-45841-6 |
| Parent Title (German): | Handbuch Soziale Probleme |
| Publisher: | Springer VS |
| Place of publication: | Wiesbaden |
| Editor: | Martina Althoff, Mechthild Bereswill, Anke Neuber |
| Document Type: | Part of a Book |
| Language: | German |
| Date of first Publication: | 2026/07/29 |
| Release Date: | 2026/08/04 |
| Tag: | Behausungen, Fragilität, Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit, gesellschaftliche Bearbeitung |
| Pagenumber: | 681–696 |
| institutes: | Fakultät Sozialwissenschaften |
| Research Themes: | Soziale & ökonomische Transformation |
