44 Französisch, romanische Sprachen allgemein
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In der Dissertation „Ils parlent, ces Romains! Inszenierte Mündlichkeit und Revitalisierung im Asterix Latinus“ werden ausgehend von den Techniken im französischen Original der Asterix-Comicserie Inszenierungen von Nähesprache und Revitalisierungseffekte in deren lateinischer Übersetzung untersucht.
Auf Basis einer aus vier Bänden der Reihe erstellten Datenbank wird die französische und lateinische Figurenrede auf semantisch-pragmatischer, syntaktischer, lexikalischer sowie phonologischer Ebene analysiert. Diese Auswahl zielt darauf ab, die kommunikativen Grundlagen und die formalen Realisierungen konzeptioneller Mündlichkeit in einer vitalen und in einer sogenannten „toten“ Sprache anhand der Strategien dreier französischer Autoren (Goscinny, Uderzo, Ferri) und zweier lateinischer Übersetzer (von Rothenburg, Collognat) zu vergleichen.
Im französischen Original zeigt sich bei allen Verfassern ein relativ homogener Stil, der kommunikative Nähe und inszenierte Mündlichkeit in comictypischer (Über-)Zeichnung miteinander verschränkt. Die Tendenz zu einer standardsprachlichen Schreibweise wird nur punktuell und insbesondere zur situativen Ausgestaltung und Figurencharakterisierung unterbrochen. Die lateinischen Übersetzer wiederum lehnen sich in Orientierung am klassischen Latein an die Verfahren der Ausgangssprache an. Zur Wahrnehmung von Revitalisierung trägt das Zusammenspiel aus einem nähesprachlich wahrgenommenen Setting, sprachübergreifenden und lateinspezifischen Techniken inszenierter Mündlichkeit sowie zeitgenössischen Modernisierungsmethoden bei. Von Rothenburg verfolgt dabei eine didaktischere Herangehensweise, die überlieferte literarische Strukturen für moderne Leser vereinfacht und sprachliche Mittel moderner Sprachen integriert. Collognat hingegen setzt auf mündliche Anspielungen und humoristische Elemente, um ein latein- und kulturkundiges Publikum zu unterhalten.
Die Studie leistet einen interdisziplinären Beitrag zu literarischen Anklängen an Nähesprache und eröffnet Perspektiven für weitere Untersuchungen zu Latein in modernen Kontexten.
Die vorliegende Studie "Nationale Sprach- und Kulturinstitute als zeitgemäße und zukunftsweisende Antriebskräfte für den Schutz, den Erhalt und die Verbreitung von Sprachen und Kulturen nationaler Minderheiten. Strategische Überlegungen und Handlungsempfehlungen, ausgehend von der Situation in Spanien und Frankreich" ist der romanischen Sprachwissenschaft und im Speziellen der Soziolinguistik zuzuordnen. Sie befasst sich mit der Problematik der Marginalisierung europäischer Regional- und Minderheitensprachen in der Gesellschaft und weist neue Möglichkeiten zu deren Förderung auf, was u. a. von der EU gefordert wird. Da die Staaten die Hauptverantwortung für den Minderheitenschutz tragen, richtet sich die vorgeschlagene Strategie an sprach- und kulturpolitische Entscheidungsträger auf nationaler Ebene.
Zunächst zeige ich mit einer qualitativen Online-Inhaltsanalyse am Beispiel des spanischen Instituto Cervantes und der französischen Alliance Française auf, dass nationale Sprach- und Kulturinstitute eine effiziente Sprach- und Kulturförderung betreiben. Diese wird durch den zeitgemäßen und zukunftsweisenden Charakter ihrer Veranstaltungen ausgewiesen. Die Kriterien für letzteren sind u. a. eine Anpassung an die Anforderungen der heutigen Zeit, ein Nachhaltigkeitsanspruch und eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen. Dahinter verbirgt sich das Potenzial, das auch zugunsten des Minderheitenschutzes ausgeschöpft werden kann, denn jene Kriterien favorisieren alle die Förderung von Sprachen und Kulturen nationaler Minderheiten, wenn sie in einen passenden Rahmen eingebunden werden. Damit entsprechen sie im weitesten Sinne Gedanken, die im völkerrechtlichen Minderheitenschutz zum Tragen kommen oder sie definieren sich über qualitative Merkmale, die zur Berücksichtigung völkerrechtlicher Erwartungshaltungen förderlich sind.
Auf dieser Grundlage entwickle ich anhand einer weiteren qualitativen Inhaltsanalyse Handlungsempfehlungen für nationale Sprach- und Kulturinstitute. Die in einem Maßnahmenkatalog erfassten Empfehlungen basieren auf internationalen Erklärungen und berücksichtigen u. a. sprach- und kulturpolitische Erwartungshaltungen der Katalanen in Spanien und der Okzitanier in Frankreich. Sie sind an die Strukturen der Institute angepasst und können in den Bereichen ,Sprachkurse‘ und ,Kulturveranstaltungen’ umgesetzt werden. Qualitativ und quantitativ sind die Empfehlungen so diversifiziert, dass sie nahezu allen nationalen Minderheiten Europas, unabhängig von der Vitalität ihrer Sprachen und Kulturen, zugute kommen können.
