Subjektive Annahmen über die menschliche Natur

  • Überlegungen zur menschlichen Natur werden bereits seit Jahrtausenden diskutiert. Ausgehend von philosophischen Gedanken aus der Antike werden Fragen nach der Natur des Menschen über die Philosophie hinausgehend in vielen unterschiedlichen Wissenschaften aufgegriffen, wie die Theologie, Biologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Anthropologie und auch die Psychologie. Wahrend es in der Philosophie um normativ-philosophische Annahmen geht, stehen innerhalb der Psychologie subjektive Annahmen im Vordergrund, die mittels empirischer Methoden untersucht und erhoben werden. Auch auf dieser Grundlage wurden, genau wie in den anderen genannten Disziplinen auch, unterschiedliche Menschenbildannahmen proklamiert, die die implizite Grundlage ebenso unterschiedlicher wissenschaftlicher Strömungen, Theorien und Modelle bilden. Menschenbilder werden in dieser Arbeit aus psychologischer Sicht betrachtet und untersucht. Damit wird die subjektive Seite in den Vordergrund gestellt wird. Denn überraschenderweise gibt es -Überlegungen zur menschlichen Natur werden bereits seit Jahrtausenden diskutiert. Ausgehend von philosophischen Gedanken aus der Antike werden Fragen nach der Natur des Menschen über die Philosophie hinausgehend in vielen unterschiedlichen Wissenschaften aufgegriffen, wie die Theologie, Biologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Anthropologie und auch die Psychologie. Wahrend es in der Philosophie um normativ-philosophische Annahmen geht, stehen innerhalb der Psychologie subjektive Annahmen im Vordergrund, die mittels empirischer Methoden untersucht und erhoben werden. Auch auf dieser Grundlage wurden, genau wie in den anderen genannten Disziplinen auch, unterschiedliche Menschenbildannahmen proklamiert, die die implizite Grundlage ebenso unterschiedlicher wissenschaftlicher Strömungen, Theorien und Modelle bilden. Menschenbilder werden in dieser Arbeit aus psychologischer Sicht betrachtet und untersucht. Damit wird die subjektive Seite in den Vordergrund gestellt wird. Denn überraschenderweise gibt es - auch innerhalb der Psychologie - weitaus weniger empirische Forschung zu Menschenbildern und Menschenbildannahmen, als man angesichts der Bedeutung des Forschungsfeldes erwarten könnte. In dieser Arbeit ist von Menschenbildannahmen die Rede, die die Subjektivität der Annahmen betonen, die sich zugleich empirisch betrachten und erheben lassen und die die Vereinbarkeit vielfältiger Annahmen über die menschliche Natur ermöglichen, statt sich auf ein spezifisches und fest definiertes Menschenbild festzulegen. Menschenbildannahmen sind definiert als Annahmen von Individuen über Menschen im Allgemeinen und umfassen die subjektive Zuschreibung vielfältiger Attribute wie Eigenschaften, Fähigkeiten und Neigungen zur menschlichen Natur. Damit sind diese Attribute subjektiv grundsätzlich auf alle Menschen anwendbar. Es ist denkbar, dass das Maß, in welchem diese Annahmen von einem Individuum auf bestimmte Personen angewandt werden, davon abhängt, wie viele spezifische Informationen dem Individuum zu der betreffenden Person zur Verfügung stehen. In Studie 1 (N = 333) wurde, aufbauend auf den Attributen, die im Diskurs zu vermeintlich allgemeingültigen Menschenbildern der menschlichen Natur zugeschrieben wurden, ein Skaleninventar entwickelt, mit dem subjektive Menschenbildannahmen in Fragebogenstudien gemessen werden können. Dieses Skaleninventar wurde in Studie 2 (N = 525) zunächst auf Basis positiver Korrelationen mit verwandten Konstrukten konvergent validiert und anschließend ihr Zusammenhang mit kooperativen Konfliktlösungsverhalten untersucht. Die Ergebnisse darauf hin, dass die Annahme, dass Menschen von Natur aus beziehungsorientiert sind, vermittelt über Empathie, Verantwortung, Beziehungszufriedenheit und Kontakthäufigkeit, einen positiven Zusammenhang mit kooperativem Konfliktlösungsverhalten haben kann. Auch die Annahmen, dass Menschen inhärent eigennützig und hilfsbereit sind, tragen zur Erklärung dieser Konflikt-variable bei. Hierauf wurde in Studie 3 (N = 906) ein erster empirischer Hinweis gefunden, in der kooperatives Konfliktlösungsverhalten mittels der Theorie des geplanten Verhaltens erklärt wurde. Hier haben die beiden Annahmen jeweils einen moderierenden Effekt. Zuletzt wurde in Studie 4 (N = 649) längsschnittlich untersucht, inwiefern Menschenbildannahmen einen Einfluss auf die Präferenzen für Faschismus, Konservatismus, Liberalismus, Sozialismus und Ökologismus haben: Annahmen über die menschliche Natur tragen hier zur Erklärung dieser fünf politischen Einstellungen bei, wobei die Effekte von soziodemographischen Variablen moderiert werden. In der Gesamtschau zeigt die Studienreihe, dass der psychologische Ansatz der Menschenbildannahmen Subjektivität und Vielfältigkeit der Annahmen über die menschliche Natur vereint. Er ermöglicht damit die gemeinsame empirische Erforschung dieser Annahmen. Die ersten empirischen Befunde aus dieser Arbeit sprechen für die Relevanz von Menschenbildannahmen in psychologischen Erklärungsmodellen. Damit legt diese Arbeit einen Grundstein, um mit der empirischen Forschung zu subjektiven Menschenbildannahmen psychologische Erklärungsmodelle in verschiedenen Kontexten zu ergänzen und die Forschung zur menschlichen Natur um eine neue Perspektive zu erweitern.…show moreshow less
  • Reflections on human nature have been the subject of debate for thousands of years. Building on philosophical ideas from antiquity, questions regarding the nature of humanity are addressed not only in philosophy but also across a wide range of disciplines, including theology, biology, sociology, political science, economics, anthropology and psychology. Whilst philosophy deals with normative philosophical assumptions, psychology focuses on subjective assumptions, which are investigated and assessed using empirical methods. On this basis, just as in the other disciplines mentioned, various assumptions about human nature have been put forward, forming the implicit foundation for equally diverse scientific schools of thought, theories and models. In this thesis, conceptions of human nature are examined from a psychological perspective. This places the emphasis on the subjective aspect. Surprisingly, there is – even within psychology – far less empirical research on conceptions of human nature and assumptions about human nature than oneReflections on human nature have been the subject of debate for thousands of years. Building on philosophical ideas from antiquity, questions regarding the nature of humanity are addressed not only in philosophy but also across a wide range of disciplines, including theology, biology, sociology, political science, economics, anthropology and psychology. Whilst philosophy deals with normative philosophical assumptions, psychology focuses on subjective assumptions, which are investigated and assessed using empirical methods. On this basis, just as in the other disciplines mentioned, various assumptions about human nature have been put forward, forming the implicit foundation for equally diverse scientific schools of thought, theories and models. In this thesis, conceptions of human nature are examined from a psychological perspective. This places the emphasis on the subjective aspect. Surprisingly, there is – even within psychology – far less empirical research on conceptions of human nature and assumptions about human nature than one might expect given the significance of this field of research. This paper discusses beliefs of human nature that emphasize the subjectivity of these assumptions, which can simultaneously be empirically examined and measured, and which allow for the compatibility of diverse assumptions about human nature, rather than committing to a specific and rigidly defined conception of human nature. Subjective beliefs about human nature are defined as beliefs by individuals about people in general and encompass the subjective ascription of diverse attributes such as characteristics, abilities, and inclinations to human nature. Thus, these attributes are subjectively applicable to all people in principle. It is conceivable, that the extent to which these assumptions are applied by an individual to specific persons depends on how much specific information is available to the individual about the person in question. In Study 1 (N = 333), based on the attributes that were ascribed to human nature in the discourse on supposedly objective conceptions of human nature, a scale inventory was developed which enables the measurement of subjective beliefs about human nature in questionnaire studies. This scale inventory was first validated in Study 2 (N = 525) on the basis of positive correlations with related constructs, and its relationship with cooperative conflict-resolution behaviour was subsequently examined. The data supports that the belief that people are inherently relationship-oriented can have a positive relation with cooperative conflict resolution behavior, mediated by empathy, responsibility, relationship satisfaction, and contact frequency. The beliefs that people are inherently self-serving and helpful also contribute to explaining this conflict variable. This is supported by the results of Study 3 (N = 906), in which cooperative conflict resolution behavior was explained using the Theory of Planned Behavior. Here, both beliefs each have a moderating effect. Finally, Study 4 (N = 649) examined the extent to which subjective beliefs about human nature influence preferences for fascism, conservatism, liberalism, socialism, and ecologism. Beliefs about human nature contribute to explaining these five political attitudes, whereby the effects are moderated by sociodemographic variables. Taken as a whole, the series of studies shows that the psychological approach to beliefs about human nature combines subjectivity with the diversity of assumptions about human nature. It thus enables the joint empirical investigation of these assumptions. The initial empirical findings from this work support the relevance of beliefs about human nature in psychological explanatory models. Thus, this work lays a foundation for complementing psychological explanatory models in various contexts with empirical research on subjective beliefs about human nature and for expanding research on human nature with a new perspective.…show moreshow less

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Metadaten
Author:Adrian Landwehr
URN:urn:nbn:de:bvb:824-opus4-10618
DOI:https://doi.org/10.17904/ku.opus-1061
Subtitle (German):Argumente und erste empirische Ergebnisse zur Bedeutung von Menschenbildannahmen in psychologischen Erklärungen
Advisor:Elisabeth Kals, Jürgen Maes
Document Type:Doctoral thesis
Language of publication:German
Year of creation:2025
Date of first Publication:2026/08/04
Publishing Institution:Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Awarding Institution:Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Date of final examination:2026/01/20
Release Date:2026/08/04
GND Keyword:Menschenbild; Wesen des Menschen; Angewandte Psychologie; Konfliktlösung; Politische Einstellung
Pagenumber:CXXXIX, 159 Seiten : Illustrationen, Diagramme
Faculty:Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Dewey Decimal Classification:1 Philosophie und Psychologie
License (German): Creative Commons - CC BY-ND - Namensnennung - Keine Bearbeitungen 4.0 International
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