Gewissen: Studien zu einem zentralen Gegenstand in Hermann Hesses literarischer Ethik

  • In seinen literarischen Werken beschreibt Hermann Hesse das Gewissen nur äußerst selten begrifflich-theoretisch, sehr oft aber gegenständlich und bildhaft. Anhand der Romane Demian, Siddhartha, Der Steppenwolf, Das Glasperlenspiel sowie der Erzählung Die Morgenlandfahrt wird gezeigt, welche konkrete narrative Gestalt er dem Phänomen des Gewissens darin jeweils gibt. Seine literarischen Beschreibungen sind jedoch nicht voraussetzungslos, sondern stützen sich auf eine Vielzahl von begrifflichen Formulierungen in Briefen, Rezensionen, Zeitungsartikeln, Essays und Tagebüchern. Dort legt er seine Vorstellungen von der Beschaffenheit des Gewissens schriftlich dar und nennt dabei neben eigenen Beobachtungen häufig auch weitere Quellen, die zur Bildung seiner Auffassungen diesbezüglich beigetragen haben. Als Beispiele solcher Quellen seien hier die Werke Nietzsches, Kierkegaards und Dostojewskis genannt, denen er wichtige Anregungen für eigene Formulierungsversuche entnahm. Darüber hinaus werden auch die historischen Voraussetzungen für seineIn seinen literarischen Werken beschreibt Hermann Hesse das Gewissen nur äußerst selten begrifflich-theoretisch, sehr oft aber gegenständlich und bildhaft. Anhand der Romane Demian, Siddhartha, Der Steppenwolf, Das Glasperlenspiel sowie der Erzählung Die Morgenlandfahrt wird gezeigt, welche konkrete narrative Gestalt er dem Phänomen des Gewissens darin jeweils gibt. Seine literarischen Beschreibungen sind jedoch nicht voraussetzungslos, sondern stützen sich auf eine Vielzahl von begrifflichen Formulierungen in Briefen, Rezensionen, Zeitungsartikeln, Essays und Tagebüchern. Dort legt er seine Vorstellungen von der Beschaffenheit des Gewissens schriftlich dar und nennt dabei neben eigenen Beobachtungen häufig auch weitere Quellen, die zur Bildung seiner Auffassungen diesbezüglich beigetragen haben. Als Beispiele solcher Quellen seien hier die Werke Nietzsches, Kierkegaards und Dostojewskis genannt, denen er wichtige Anregungen für eigene Formulierungsversuche entnahm. Darüber hinaus werden auch die historischen Voraussetzungen für seine Auseinandersetzung mit dem Gewissen betrachtet, in erster Linie seine Erfahrungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die verheerenden Folgen eines kriegerischen und autoritären Nationalismus bestärkten ihn in der Überzeugung, zu einer neuen Friedensordnung mit einer Literatur beitragen zu können, die der Entwicklung eines autonomen Gewissens förderlich ist. Hierfür erprobt er in den letzten Kriegs- und ersten Zwischenkriegsjahren neue publizistische und literarische Verfahren. Diese Verfahren sind Ausdruck einer radikalen inhaltlichen wie formalen Neugestaltung seines Schreibens und bilden den Kern seiner literarischen Ethik. Ihre Parameter werden in der vorliegenden Arbeit anhand literatur- und ethiktheoretischer Beiträge von Martha Nussbaum, Charles Taylor und Paul Ricoeur überprüft und näher erläutert. Nicht zuletzt kann die Darstellung des Gewissens in den Werken Hermann Hesses damit vor dem Hintergrund des kulturellen Paradigmas einer "Ethik der Authentizität" verortet werden.…show moreshow less
  • In his literary works, Hermann Hesse rarely describes conscience in conceptual or theoretical terms, but very often in concrete and vivid ways. Drawing on the novels Demian, Siddhartha, Steppenwolf, The Glass Bead Game, and the short novel Journey to the East, this study examines the specific narrative forms he gives to the phenomenon of conscience in each of these works. His literary descriptions, however, are not without foundation; rather, they are based on a multitude of conceptual formulations found in letters, reviews, newspaper articles, essays, and diaries. There, he sets forth his ideas about the nature of conscience in writing, frequently citing, in addition to his own observations, other sources that contributed to the formation of his views on the matter. Examples of such sources include the works of Nietzsche, Kierkegaard, and Dostoevsky, from which he drew important inspiration for his own attempts at formulation. Furthermore, the historical conditions of his engagement with conscience are examined, primarily hisIn his literary works, Hermann Hesse rarely describes conscience in conceptual or theoretical terms, but very often in concrete and vivid ways. Drawing on the novels Demian, Siddhartha, Steppenwolf, The Glass Bead Game, and the short novel Journey to the East, this study examines the specific narrative forms he gives to the phenomenon of conscience in each of these works. His literary descriptions, however, are not without foundation; rather, they are based on a multitude of conceptual formulations found in letters, reviews, newspaper articles, essays, and diaries. There, he sets forth his ideas about the nature of conscience in writing, frequently citing, in addition to his own observations, other sources that contributed to the formation of his views on the matter. Examples of such sources include the works of Nietzsche, Kierkegaard, and Dostoevsky, from which he drew important inspiration for his own attempts at formulation. Furthermore, the historical conditions of his engagement with conscience are examined, primarily his experiences from the time of World War I. The devastating consequences of warlike and authoritarian nationalism strengthened his conviction that he could contribute to a new order of peace through literature that fosters the development of an autonomous conscience. To this end, during the final years of the war and the early interwar period, he experimented with new journalistic and literary techniques. These techniques reflect a radical reimagining of his writing in terms of both content and form, and form the core of his literary ethics. Their parameters are examined and elaborated upon in this thesis through the lens of literary and ethical theory contributions by Martha Nussbaum, Charles Taylor, and Paul Ricoeur. Not least, the portrayal of conscience in Hermann Hesse’s works can thus be situated against the backdrop of the cultural paradigm of an “ethics of authenticity.”…show moreshow less

Download full text files

Export metadata

Additional Services

Search Google Scholar Statistics
Metadaten
Author:Christian Hübner
URN:urn:nbn:de:bvb:824-opus4-10323
DOI:https://doi.org/10.17904/ku.opus-1032
Advisor:Neumann Michael, Mayer Mathias
Document Type:Doctoral thesis
Language of publication:German
Year of creation:2026
Date of first Publication:2026/04/15
Publishing Institution:Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Awarding Institution:Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Date of final examination:2024/10/31
Release Date:2026/04/15
Tag:Ethik der Authentizität; Literarische Ethik
GND Keyword:Hesse, Hermann; Gewissen <Motiv>; Narrative Ethik
Pagenumber:525 Seiten
Faculty:Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
License (German): Creative Commons - CC BY-NC-ND - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International
Diese Webseite verwendet technisch erforderliche Session-Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie diesem zu. Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.