Landschaftsbau und -Management (B. Eng.)
Mit einem Bein im Gefängnis
(2026)
Die 22. Landschaftsbautagung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf steht unter dem bewusst zugespitzten Titel „Mit einem Bein im Gefängnis – Zwischen Normen und Alltag im GaLaBau“. Der Tagungsband bündelt Beiträge, die ein zentrales Spannungsfeld der Branche aufgreifen: Landschaftsbau ist heute gleichermaßen gestalterische, technische, organisatorische und rechtlich hoch regulierte Praxis. Normen, Fachregeln, Vertragsrecht, Tariffragen und Umweltvorgaben prägen die tägliche Arbeit auf Baustellen. Zugleich müssen Betriebe unter Zeitdruck funktionale, dauerhafte, ästhetische und zunehmend klimaangepasste Freiräume herstellen. Die Publikation zeigt, dass Rechtssicherheit nicht im Gegensatz zur Praxis stehen muss, sondern durch fachliche Kompetenz, sorgfältige Planung, klare Kommunikation und dokumentierte Entscheidungen entsteht.
Den Einstieg bilden die Prämierungen zweier herausragender Bachelorarbeiten. Sie verweisen auf Zukunftsfragen des GaLaBaus: digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz zur Organisation von Wissensprozessen in der Bauleitung sowie Unternehmensnachfolge durch den Einstieg konzernorganisierter Investoren und Unternehmensgruppen. Beide Arbeiten machen deutlich, dass die Branche nicht nur auf rechtliche Risiken reagieren muss, sondern aktiv neue Strukturen, Geschäftsmodelle und Werkzeuge entwickelt. Damit wird der akademische Teil der Tagung bewusst mit aktuellen Herausforderungen mittelständischer Betriebe verknüpft.
Die Fachbeiträge verbinden Forschung, Normenwissen und Baustellenrealität. Der Beitrag zum „Klimastein“ zeigt exemplarisch, wie aus einer Idee in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschule ein anwendungsreifes System entstehen kann. Im Mittelpunkt stehen Regenrückhalt, Versickerung, Verdunstung und Temperaturdämpfung befestigter Flächen als Bausteine einer klimaangepassten Schwammstadt. Der Beitrag „Nach allen Regeln der Kunst“ ordnet Normen und anerkannte Regeln der Technik in den größeren Zusammenhang von Gestaltung, Nachhaltigkeit, Inklusion und Verantwortung ein. Normen erscheinen dabei nicht als starres Korsett, sondern als Instrumente, die fachlich verstanden, projektspezifisch eingeordnet und verantwortungsvoll angewendet werden müssen. Dadurch entsteht ein Perspektivwechsel: Gute Baupraxis bedeutet nicht blinde Regelbefolgung, sondern begründete, nachvollziehbare und qualitätsorientierte Entscheidungen.
Weitere Beiträge widmen sich den rechtlichen und wirtschaftlichen Risikofeldern der Praxis: Tarifbindung und Abgrenzungsfragen zum Bautarif, die Handwerksabgrenzung im GaLaBau, die Prüfung von Vorgewerken und Schwachstellen an Fassadenanschlüssen, der rechtssichere Umgang mit Bodenaushub sowie die Abnahme von Pflanzarbeiten. Durchgehend wird deutlich, dass Konflikte häufig dort entstehen, wo Zuständigkeiten ungeklärt bleiben, Leistungsverzeichnisse Lücken enthalten, Vorleistungen ungeprüft übernommen werden oder rechtliche Vorgaben zu spät berücksichtigt werden. Der Tagungsband plädiert deshalb für frühes Nachfragen, eindeutige Vereinbarungen, Bedenkenanmeldungen, Materialtrennung, Prüf- und Dokumentationsroutinen sowie einen realistischen Umgang mit lebenden Baustoffen wie Pflanzen.
Insgesamt versteht sich der Tagungsband als praxisnaher Orientierungsrahmen für Studierende, Unternehmerinnen und Unternehmer, Planende, Bauleitende und Sachverständige. Er nimmt die Sorge vor Haftung ernst, löst sie aber nicht durch Verunsicherung, sondern durch Wissen auf. Die Landschaftsbautagung 2026 macht deutlich: Wer Normen, Alltag und Gestaltung zusammendenkt, kann Risiken minimieren, Qualität sichern und zugleich zukunftsfähige, klimaresiliente Freiräume schaffen. Der Band lädt damit zum fachlichen Austausch ein und stärkt die Verbindung von Wissenschaft, Recht und handwerklich-technischer Umsetzung im Garten- und Landschaftsbau. Besonders wertvoll ist die Zusammenstellung, weil sie technische Innovation, Vertrags- und Normenfragen sowie praktische Baustellenentscheidungen nicht getrennt behandelt, sondern als miteinander verbundene Aufgaben einer professionellen Bauleitung sichtbar macht. Damit eignet sich der Tagungsband sowohl als Nachschlagewerk für konkrete Problemstellungen als auch als Impuls für eine selbstbewusste, lernende und verantwortliche Branche.
Wissensprozesse in der Bauleitung finden unter hohem Zeitdruck statt und laufen häufig parallel über
mehrere Projekte. Dabei ist die Ausführung vieler Aufgaben stark an das Erfahrungswissen einzelner
Personen gebunden. Relevante Informationen entstehen oft situativ (z. B. in Telefonaten, Chats oder
Fotos), werden anschließend jedoch nicht systematisch dokumentiert. Es fehlt ein einheitliches Vorgehen
hinsichtlich Ablageort, Benennung und Zeitpunkt der Dokumentation im Prozess. Dies erhöht den
Suchaufwand, begünstigt Doppelarbeit und schwächt die Qualität von Übergaben – insbesondere zu
Projektbeginn sowie beim Umgang mit Maschinendaten und technischen Unterlagen. Vor diesem Hintergrund
untersucht die vorliegende Arbeit, wie digitale Plattformen und generative KI-Wissensprozesse
in der Bauleitung unter realistischen organisatorischen Bedingungen verbessern können. Grundlage
ist eine qualitative Fallstudie am Beispiel der Karl Walker GmbH, die eine Analyse von Prozessen,
Dokumenten und Systemen sowie eine SWOT-Auswertung umfasst und durch Experteninterviews mit
externen Fachpersonen ergänzt wird. Die Zusammenführung dieser Befunde dient der Identifikation
wiederkehrender und strukturierbarer Wissensprozesse, aus denen geeignete Use Cases abgeleitet
werden. Die Ergebnisse zeigen, dass KI nur dann einen Nutzen erzeugt, wenn sie als verbindlicher Prozessschritt
implementiert wird und Rollen für Erstellung, Prüfung und Ablage klar definiert sind. Auf
Basis der identifiziertend und priorisierten Use Cases wurden zwei GPT-basierte Analystenrollen konzipiert.
In diesem Rahmen berteitet das GPT mit der Bezeichnung “Bauleiter-Checklisten-Analyst“ ein
Leistungsverzeichnis als priorisierte Liste von Risiken und Aufgaben sowie als operative Checkliste auf.
Die Bauleitung prüft die Checkliste fachlich und gibt diese frei. Ergänzend erstellt das GPT „Maschinen-
Datenblatt-Analyst“ aus Primärdaten ein standardisiertes Datenblatt mit fester Tabellenstruktur und
Quellenübersicht, welches als Vorlage wiederverwendet werden kann.
WENN DIE EBBE KOMMT
(2023)
STABWECHSEL IM GRÜNEN
(2025)
Der Tagungsband zur 21. Landschaftsbautagung am 23. Mai 2025 an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf widmet sich unter dem Leitthema „Stabwechsel im Grünen – Die Frage der Nachfolge“ einem zentralen Zukunftsthema der Garten- und Landschaftsbau-Branche. Im Fokus stehen Strategien und Modelle für die Unternehmensnachfolge – von familieninternen Lösungen über Mitarbeiterbeteiligung bis hin zu externen Übernahmen durch Investoren oder Management-Buy-ins. Praxisberichte und Expertenbeiträge beleuchten Chancen und Herausforderungen der Nachfolgeregelung aus unterschiedlichen Perspektiven. Ergänzt wird der Band durch Kurzvorstellung der Referenten aus der Praxis sowie durch die Prämierung von Bachelorarbeiten zu Nachhaltigkeit und Employer Branding.
Building Information Modeling (BIM) gewinnt als innovative Planungsmethode zunehmend an Bedeutung in der Bauwirtschaft. Das Ziel von BIM ist es, eine vernetzte Planung zu ermöglichen, die auf einem dreidimensionalen digitalen Bauwerksmodell basiert. Dieses Modell integriert Teilmodelle aller beteiligten Fachdisziplinen und soll den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks abbilden. Neben der dreidimensionalen Darstellung ist ein Hauptmerkmal von BIM die Anreicherung der Modellelemente mit alphanumerischen Informationen. Das Konzept der BIM-Planung zielt darauf ab, Produktivität und Qualität zu steigern, indem die "intelligenten" Modelle konsistent weiterverwendet werden und die Koordination sowie der Austausch zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen verbessert wird. Ziel ist die Planung aller Fachdisziplinen an einem gemeinsamen Modell, um die Fehleranfälligkeit zu minimieren. Der Einsatz von BIM in der Landschaftsarchitektur wird durch Auftraggeber dabei immer häufiger gefordert.
Unter anderem wegen dieser Forderung beschäftigt sich diese Arbeit damit, wie sich ausgewählte BIM-Anwendungsfälle unter der Verwendung einer speziell für die Landschaftsarchitektur und den Landschaftsbau zugeschnittenen Software umsetzen lassen und welche Vorteile sowie neuen Möglichkeiten durch die Anwendung der BIM-Methodik entstehen. Im Verlauf der Untersuchung werden mehrere Aspekte der BIM-Planung intensiv beleuchtet. Zu diesen zählt sowohl die geometrische Modellierung der Elemente eines Dorfplatzes, der als Fallbeispiel dient, als auch die Datenmodellierung dieser. Im Zuge der Arbeit wird zudem der IFC-Export untersucht und ein Vorschlag unterbreitet, wie in IFC4.3 implementierte Klassen in einer BIM-Planung der Landschaftsarchitektur verwendet werden können. Aus den Ergebnissen werden Empfehlungen an Softwarehersteller und Anwender abgeleitet und formuliert.
Haupterkenntnis der Arbeit ist es, dass auch die Landschaftsarchitektur von der Verwendung der BIM-Methodik bereits profitieren kann. Für eine ausschließliche Bearbeitung von Projekten dieses Fachbereichs mit der BIM-Methode muss aber weiterhin sowohl an den Standards als auch an den Programmen für die Landschaftsarchitektur und den Landschaftsbau gearbeitet werden, damit die korrekte Klassifizierung und Modellierung der Bauteile ähnlich wie in der Architektur erfolgen kann.