- Die 22. Landschaftsbautagung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf steht unter dem bewusst zugespitzten Titel „Mit einem Bein im Gefängnis – Zwischen Normen und Alltag im GaLaBau“. Der Tagungsband bündelt Beiträge, die ein zentrales Spannungsfeld der Branche aufgreifen: Landschaftsbau ist heute gleichermaßen gestalterische, technische, organisatorische und rechtlich hoch regulierte Praxis. Normen, Fachregeln, Vertragsrecht, Tariffragen und Umweltvorgaben prägen die tägliche Arbeit auf Baustellen. Zugleich müssen Betriebe unter Zeitdruck funktionale, dauerhafte, ästhetische und zunehmend klimaangepasste Freiräume herstellen. Die Publikation zeigt, dass Rechtssicherheit nicht im Gegensatz zur Praxis stehen muss, sondern durch fachliche Kompetenz, sorgfältige Planung, klare Kommunikation und dokumentierte Entscheidungen entsteht.
Den Einstieg bilden die Prämierungen zweier herausragender Bachelorarbeiten. Sie verweisen auf Zukunftsfragen des GaLaBaus: digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz zur Organisation von Wissensprozessen in der Bauleitung sowie Unternehmensnachfolge durch den Einstieg konzernorganisierter Investoren und Unternehmensgruppen. Beide Arbeiten machen deutlich, dass die Branche nicht nur auf rechtliche Risiken reagieren muss, sondern aktiv neue Strukturen, Geschäftsmodelle und Werkzeuge entwickelt. Damit wird der akademische Teil der Tagung bewusst mit aktuellen Herausforderungen mittelständischer Betriebe verknüpft.
Die Fachbeiträge verbinden Forschung, Normenwissen und Baustellenrealität. Der Beitrag zum „Klimastein“ zeigt exemplarisch, wie aus einer Idee in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschule ein anwendungsreifes System entstehen kann. Im Mittelpunkt stehen Regenrückhalt, Versickerung, Verdunstung und Temperaturdämpfung befestigter Flächen als Bausteine einer klimaangepassten Schwammstadt. Der Beitrag „Nach allen Regeln der Kunst“ ordnet Normen und anerkannte Regeln der Technik in den größeren Zusammenhang von Gestaltung, Nachhaltigkeit, Inklusion und Verantwortung ein. Normen erscheinen dabei nicht als starres Korsett, sondern als Instrumente, die fachlich verstanden, projektspezifisch eingeordnet und verantwortungsvoll angewendet werden müssen. Dadurch entsteht ein Perspektivwechsel: Gute Baupraxis bedeutet nicht blinde Regelbefolgung, sondern begründete, nachvollziehbare und qualitätsorientierte Entscheidungen.
Weitere Beiträge widmen sich den rechtlichen und wirtschaftlichen Risikofeldern der Praxis: Tarifbindung und Abgrenzungsfragen zum Bautarif, die Handwerksabgrenzung im GaLaBau, die Prüfung von Vorgewerken und Schwachstellen an Fassadenanschlüssen, der rechtssichere Umgang mit Bodenaushub sowie die Abnahme von Pflanzarbeiten. Durchgehend wird deutlich, dass Konflikte häufig dort entstehen, wo Zuständigkeiten ungeklärt bleiben, Leistungsverzeichnisse Lücken enthalten, Vorleistungen ungeprüft übernommen werden oder rechtliche Vorgaben zu spät berücksichtigt werden. Der Tagungsband plädiert deshalb für frühes Nachfragen, eindeutige Vereinbarungen, Bedenkenanmeldungen, Materialtrennung, Prüf- und Dokumentationsroutinen sowie einen realistischen Umgang mit lebenden Baustoffen wie Pflanzen.
Insgesamt versteht sich der Tagungsband als praxisnaher Orientierungsrahmen für Studierende, Unternehmerinnen und Unternehmer, Planende, Bauleitende und Sachverständige. Er nimmt die Sorge vor Haftung ernst, löst sie aber nicht durch Verunsicherung, sondern durch Wissen auf. Die Landschaftsbautagung 2026 macht deutlich: Wer Normen, Alltag und Gestaltung zusammendenkt, kann Risiken minimieren, Qualität sichern und zugleich zukunftsfähige, klimaresiliente Freiräume schaffen. Der Band lädt damit zum fachlichen Austausch ein und stärkt die Verbindung von Wissenschaft, Recht und handwerklich-technischer Umsetzung im Garten- und Landschaftsbau. Besonders wertvoll ist die Zusammenstellung, weil sie technische Innovation, Vertrags- und Normenfragen sowie praktische Baustellenentscheidungen nicht getrennt behandelt, sondern als miteinander verbundene Aufgaben einer professionellen Bauleitung sichtbar macht. Damit eignet sich der Tagungsband sowohl als Nachschlagewerk für konkrete Problemstellungen als auch als Impuls für eine selbstbewusste, lernende und verantwortliche Branche.
Metadaten| Author: | Martin Degenbeck, Carsten Dierkes, Felix Galster, Nick Hermann, Sybille Kühner, Andreas Merz, Ingrid Schegk, Britta Weiss, Horst Weißmann, Hubert Wendler |
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| URN: | urn:nbn:de:bvb:1028-1408 |
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| Subtitle (German): | zwischen Normen und Alltag im Galabau : Tagungsband zur 22. Landschaftsbautagung am 24.April 2026. Hochschule Weihenstephan-Triesdorf |
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| Series (Serial Number): | Tagungsreihe des Studiengangs Landschaftsbau und -Management (22) |
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| Publisher: | Eigenverlag |
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| Place of publication: | Freising |
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| Editor: | Cristina Lenz, Christopher Friedl, Joe Kappelmann, Tjards Wendebourg |
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| Document Type: | Conference Publication |
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| Language: | German |
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| Date of Publication (online): | 2026/06/19 |
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| Date of first Publication: | 2026/04/24 |
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| Publishing Institution: | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf |
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| Granting Institution: | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf |
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| Release Date: | 2026/06/19 |
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| Tag: | Baupraxis; Bodenaushub; Garten- und Landschaftsbau; Handwerksabgrenzung; Klimaanpassung; Normen; Pflanzarbeiten; Rechtssicherheit; Schwammstadt; Tarifbindung |
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| GND Keyword: | Landschaftsbau |
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| Volume: | 20 |
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| Page Number: | 61 |
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| Faculty: | Landschaftsarchitektur |
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| Degree course: | Landschaftsbau und -Management (M. Eng.) |
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| Landschaftsbau und -Management (B. Eng.) |
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| Campus: | Weihenstephan |
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| Licence (German): | Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) |
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