Ökonomische Bewertung der 5-Wochen Säugezeit
gegenüber der 4-Wochen Säugezeit
- Die vorliegende Arbeit widmet sich der betriebswirtschaftlichen Bewertung einer
verlängerten Säugezeit von fünf Wochen im Vergleich zum derzeitigen Standard von
vier Wochen in der konventionellen Schweinehaltung. Vor dem Hintergrund steigender
Anforderungen an Tierwohl und ökonomischer Effizienz wird untersucht, ob eine
Verlängerung der Säugezeit wirtschaftlich tragfähig und praxisrelevant ist. Ausgangspunkt der Analyse ist ein praxisnahes Betriebsmodell mit 1.960 Zuchtsauen,
welches die vollständige Produktionskette von der Ferkelerzeugung über die Aufzucht
bis hin zur Mast abbildet. Auf Basis realer Betriebskennzahlen aus dem Jahr 2023
sowie biologischer Leistungsdaten eines Zuchtunternehmens (Topigs Norsvin) wurde
eine differenzierte mehrperiodische Investitionsrechnung über einen Zeitraum von 20
Jahren durchgeführt. Es wurden Kapitalwerte, interne Zinsfüße sowie äquivalente
Annuitäten für drei Cashflow-Stufen berechnet, die sowohl vor als auch nach Steuern
die Rentabilität der beiden Alternativen bewerten.
Die Ergebnisse zeigen, dass die 4-Wochen Säugezeit in sämtlichen ökonomischen
Kennzahlen überlegen ist. Insbesondere die höhere Produktionsfrequenz führt zu
einer effizienteren Ausnutzung der vorhandenen Stallkapazitäten und höheren
Kapitalrückflüssen. In allen drei Cashflow-Stufen wurde eine höhere Verzinsung sowie
ein größerer Kapitalwert festgestellt. So liegt etwa der interne Zinsfuß auf das
Gesamtkapital bei 26,6 % in der 4-Wochen Säugezeit gegenüber 25,5 % in der 5-
Wochen Säugezeit. Die Kapitalwertdifferenz beträgt rund 950.000 €, die äquivalente
Annuität jährlich etwa 116.000 €.
Trotzdem zeigt sich, dass die 5-Wochen Säugezeit biologisch vorteilhafte Effekte mit
sich bringt, insbesondere im Bereich der Ferkelgesundheit, des Absetzgewichts sowie
der Verluste in der Aufzucht- und Mastphase. Diese Vorteile reichen jedoch im
untersuchten Modell nicht aus, um den Nachteil der geringeren Wurfanzahl pro Jahr
wirtschaftlich vollständig zu kompensieren.
Ergänzt wurde die Analyse durch eine Was-wäre-wenn-Simulation, in der die Resilienz
beider Systeme gegenüber Erlösveränderungen geprüft wurde. Dabei erwies sich die
4-Wochen Säugezeit als robuster gegenüber Preisrückgängen. In einer
anschließenden Zielpreisermittlung wurde berechnet, dass die 5-Wochen Säugezeit
nur dann eine gleichwertige Wirtschaftlichkeit erreicht, wenn die Preise je Absetzferkel
um etwa 2 bis 3 € steigen – abhängig vom betrachteten Zinssatzniveau.
Insgesamt leistet die Arbeit einen relevanten Beitrag zur aktuellen Debatte über
tierwohlfreundliche Produktionssysteme und deren ökonomische Implikationen. Die
Ergebnisse verdeutlichen, dass eine verlängerte Säugezeit nur unter bestimmten
Rahmenbedingungen wirtschaftlich tragfähig ist und betriebsindividuell geprüft werden
sollte. Für politische Entscheidungsträger und Beratungsinstitutionen bietet die
Untersuchung eine fundierte Grundlage für die Bewertung künftiger
Tierwohlmaßnahmen im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ethik.
- This paper is dedicated to the economic evaluation of an
extended suckling period of five weeks compared to the current standard of
four weeks in conventional pig farming. Against the backdrop of increasing
demands on animal welfare and economic efficiency, it examines whether
extending the suckling period is economically viable and relevant in practice.
The analysis is based on a practical farm model with 1,960 breeding sows,
which covers the entire production chain from piglet production and rearing
to fattening. Based on real operating figures from 2023
and biological performance data from a breeding company (Topigs Norsvin),
a differentiated multi-period investment calculation was carried out over a period of 20
years. Net present values, internal rates of return and equivalent
annuities were calculated for three cash flow stages, which evaluate the profitability of the two alternatives both before and after taxes
.
The results show that the 4-week suckling period is superior in all economic
key figures. In particular, the higher production frequency leads to
more efficient utilisation of existing barn capacity and higher
capital returns. In all three cash flow stages, a higher interest rate and
a higher net present value were found. For example, the internal rate of return on
total capital is 26.6% for the 4-week suckling period compared to 25.5% for the 5-week
suckling period. The net present value difference is around €950,000, and the equivalent
annual annuity is around €116,000.
Nevertheless, it is clear that the 5-week suckling period has biologically beneficial effects,
particularly in terms of piglet health, weaning weight and
losses during the rearing and fattening phases. However, in the
model examined, these advantages are not sufficient to completely compensate for the disadvantage of the lower number of litters per year
in economic terms.
The analysis was supplemented by a what-if simulation in which the resilience
of both systems to changes in revenue was tested. The
4-week suckling period proved to be more robust to price declines. In a
subsequent target price calculation, it was determined that the 5-week suckling period
only achieves equivalent profitability if the prices per weaned piglet
increase by around £2 to £3, depending on the interest rate level considered.
Overall, the study makes a relevant contribution to the current debate on
animal welfare-friendly production systems and their economic implications. The
results make it clear that an extended suckling period is only economically viable under certain
conditions and should be examined on an individual farm basis.
For policy makers and advisory institutions, the
study provides a sound basis for evaluating future
animal welfare measures in the conflict between economics and ethics.