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In den Möglichkeiten der Anschlusskommunikation online liegt ein hohes Demokratisierungspotential der Gesellschaft. Durch die Beteiligung möglichst vieler Bürger am politischen Diskurs kann ein neuer inklusiver und vielstimmiger Kommunikationsraum geschaffen werden, in dem die pluralen, vielschichtigen Stimmen der Gesellschaft über die persönlichen Kommunikationsnetzwerke der Einzelnen hinaus in den Austausch treten und so Koorientierung ermöglicht wird. Doch in der Forschung gibt es unterschiedliche Deutungen, ob und inwieweit diese Potenziale eingelöst werden. Der vorliegende Beitrag analysiert basierend auf einer Onlinebefragung die Teilhabe an verschiedenen Formen der Anschlusskommunikation aus einer Milieuperspektive. Die Befunde zeigen, dass die Muster der Anschlusskommunikation sich mit den Ergebnissen der sonstigen Kommunikationspraktiken in den politisch-kommunikativen Milieus decken. Ein politisch selbstbewusstes, engagiertes und informiertes Milieu nutzt besonders die proaktiven Möglichkeiten der Anschlusskommunikation, um Meinungen zu debattieren und auszutauschen. Ein sich in der kommunikativen Teilhabe zurückhaltendes Milieu partizipiert in ebenso geringem Maße an der Anschlusskommunikation und koppelt sich so von einem integrierten Kommunikationsraum ab. Sich abschottende Milieus legen einen starken Fokus auf reaktive Formen der Anschlusskommunikation, die zur permanenten Affirmation eigener Ansichten genutzt werden. Diese unterschiedliche Nutzung trägt dazu bei, dass gesellschaftliche Spaltungstendenzen eher bestärkt statt reduziert werden.
By providing diverse news content, news media are key for a well- functioning public sphere. However, agreement on how to measure news content diversity is lacking. Research often refers to democratic theory as normative reference point, but different models of democracy understand news content diversity differently. Our study makes a unique, innovative contribution to this field: (1) We develop a methodological framework for measuring news content diversity, that is a set of comprehensive measuring instruments that derive different operationalizations of topic and actor diversity each from liberal and deliberative democratic theories. (2) Considering that a good public discourse requires more than diversity, we analyze news content diversity in the context of four other journalistic standards: neutrality, rationality, discursivity, and civility. (3) We prove the applicability of our measuring instruments by means of a standardized content analysis of six German news media as a case study. The different quality profiles of these outlets our analysis reveals are explained by their different functions in the media system. Our study shows how important a multi-perspectival normative approach to news content diversity is, both empirically and theoretically. Future studies on news content diversity should make their normative foundations transparent and derive their indicators purposefully therefrom.
The issue of migration is highly salient in public debates in many countries. Given this salience and the risk of political instrumentalization, often by actors from the far right, it is important for citizens to receive high-quality, differentiated information on the migration issue. This touches upon the question of media performance. While there is abundant research on the media portrayal of the migration issue, this research strand is, surprisingly, hardly linked to research on media performance. We establish this link and present an innovative, sophisticated framework for standardized content analyses on migration. It combines three standards of media performance that are key to deliberative democratic theories—viewpoint diversity, balance, and deliberativeness—and utilizes value frames and the sociological concept of idea elements to measure viewpoint diversity and balance. A first empirical test of our newly developed approach, taking Germany as a case, shows noticeable differences in the media performance of 11 outlets analyzed. This test proves the applicability of our framework, which provides a valuable starting point for future comparative research on the media performance of migration coverage across countries and over time.
Meinungsumfragen bieten Orientierungshilfen für Journalisten und Wähler und sind somit gerade vor Wahlen eine relevante Informationsquelle. Umso wichtiger ist es, dass Befragungsinstitute verlässliche Prognosen liefern. Vom Wahlergebnis stark abweichende oder dem Wahlergebnis widersprechende Prognosen können nicht nur das Vertrauen in Wahlumfragen, sondern auch in Umfrageforschung generell schwächen. Zur Erklärung der Diskrepanzen zwischen den Prognosen der Institute und dem Wahlergebnis sind verschiedene inhaltliche und methodische Kriterien zu berücksichtigen. Aus methodischer Perspektive spielt neben dem Befragungszeitpunkt, der Stichprobenzusammensetzung und dem Umgang mit Rohdaten auch der Erhebungsmodus eine nicht zu unterschätzende Rolle. In der Forschung wird auf signifikante Unterschiede zwischen persönlich-mündlichen und Onlinebefragungen hingewiesen, was die Betrachtung der Befragungsmodi für Wahlforschung umso relevanter macht. In dieser Studie wird daher untersucht, wie sich die Ergebnisse von Onlinebefragungen und face-to-face Befragungen in der heißen Phase der Bundestagswahl 2021 unterscheiden. Hierfür werden die Ergebnisse von je zwei persönlich-mündlichen und zwei Onlinebefragungen miteinander verglichen. Das feldexperimentelle Design der Studie verdeutlicht, dass Wahlumfragen im Onlinemodus mit Quotenstichproben die Wahlbeteiligung überschätzen und Stimmanteile der CDU und SPD unter- sowie der Grünen, Linken und AfD überschätzen. Da der Befragungsmodus sowohl die Wahlberichterstattung als auch das Wahlverhalten beeinflussen kann, ist dessen Wirkung in weiteren Studien systematisch zu untersuchen.
Die Studie untersucht anhand einer Sekundäranalyse des D-A-CH-Projekts "Media Quality and Democracy", ob Erlösmodelle die publizistische Qualität von Medien bestimmen. Dabei werden fünf Erlösmodelle unterschieden: Direktfinanzierung, Werbefinanzierung, Non-Profit Finanzierung, Lizenzierung und Mischformen. Die publizistische Qualität wird anhand von Vielfalt, Relevanz, Einordnungsleistung und Professionalität gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität nicht allein durch das Erlösmodell bestimmt wird, sondern maßgeblich von der Eigentümerstruktur und dem Ausspielkanal abhängt. Börsennotierte Medienunternehmen schneiden durchweg schlechter ab, privat geführte und zivilgesellschaftliche Angebote, wie etwa die taz, erreichen hingegen höhere Qualitätswerte. Öffentlich-rechtliche Angebote zeigen homogene, jedoch nicht zwangsläufig höchste Werte. Social-Media-Kanäle traditioneller Medien schneiden deutlich schlechter ab als deren klassische Angebote. Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass neben wirtschaftlichen Bedingungen auch strukturelle Faktoren entscheidend für publizistische Qualität sind. Sie empfiehlt, medienpolitische Maßnahmen nicht nur auf Finanzierungsmodelle, sondern auch auf institutionelle Rahmenbedingungen auszurichten.
Aufklärung neben Barbarei
(2019)
News media coverage mainly focuses on problems and conflicts, resulting in unintended negative consequences for democracy and journalism itself. Constructive journalism aims to address these issues by emphasizing solution-oriented reporting. However, research on its effects remains inconsistent, mainly due to vague definitions of constructive journalism and a lack of theoretical foundation. This paper first proposes a content-centered definition of constructive journalism, suggesting three dimensions: balance, matter-of-factness, and focus on solutions. Using a series of established theories, we then present a theoretical framework that models the impacts of the content dimensions in a chain of effects from emotions to cognitive and conative variables. Our approach offers a systematic basis for future research by enabling experimental analysis of operationalizable and empirically separable content dimensions and by integrating research on constructive journalism into a variety of established media effect theories. Thus, we meet the demand for a stronger theoretical focus and aim to clarify constructive journalism’s impact on audiences.