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Zielsetzung: Im Rahmen dieser Masterarbeit soll der aktuelle Forschungs- und Wissensstand zum Thema Onlineberatung im Rahmen von Krisenintervention, mithilfe der Durchführung eines Scoping Reviews, ermittelt sowie die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien beurteilt werden. Das übergeordnete Forschungsziel ist, auf dieser Grundlage, Empfehlungen zum Thema Onlineberatung im Rahmen von Krisenintervention für den Krisendienst Oberbayern zu formulieren.
Einführung: Im Juli 2018 wurde eine landesweite Einführung von Krisendiensten in Bayern festgeschrieben, die unter einer einheitlichen kostenlosen Rufnummer ein flächendeckendes Beratungs- und Hilfsangebot für Menschen in einer psychosozialen Krise anbieten. Gleichzeitig führen die voranschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende Entwicklung moderner Kommunikationstechnologien zu einem dynamischen Wandel der Kommunikationsgewohnheiten. Daraus resultierte eine zunehmende Implementierung von Onlineberatung im Kontext von psychosozialen Beratungs- und Hilfsangeboten. Vor diesem Hintergrund sowie der gesetzlichen Vorgabe einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung der Krisendienste Bayern, besteht für den Krisendienst Oberbayern, welcher bis dato keine Onlineberatung anbietet, die Notwendigkeit, sich mit dieses Beratungsform auseinanderzusetzen.
Einschlusskriterien: In das Scoping Review wurden deutsch- und englischsprachige Studien aus der Primär- und Sekundärforschung des Publikationszeitraums 2017 bis Januar 2023 eingeschlossen. Im Hinblick auf die Population, wurden Nutzende von Onlineberatung in einer psychosozialen Krise, unabhängig von soziodemographischen Charakteristika und unterschiedlichen Krisentypen, sowie Onlineberatende im Rahmen von Krisenintervention eingeschlossen. Zudem erfolgte der Einschluss aller Formate sowie Formalisierungsgrade von Onlineberatungsangeboten mit einem klar erkennbaren Fokus auf Krisenintervention.
Methoden: Die Planung, Durchführung und Dokumentation des Scoping Reviews erfolgte auf Grundlage der PRISMA- „JBI Manual for Evidence Synthesis“ des Joanna Briggs Instituts. Im Januar 2023 wurde eine systematische Literaturrecherche in den Fachdatenbanken PubMed und CINAHL durchgeführt. Zusätzlich erfolgte bis Januar 2023 eine fachspezifische Handsuche über Onlineplattformen, Zeitschriften, Webseiten entsprechender Organisationen/
Gesellschaften sowie in den Literaturverzeichnissen der eingeschlossenen Studien. Zur kritischen Beurteilung der methodischen Qualität wurden das „Mixed Methods Appraisal Tool (MMAT)“ (2018) sowie das „Risk of bias checklist for systematic reviews of Patient-Reported Outcome Measures (COSMIN)“ (2018) herangezogen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden n=30 Studien in das Scoping Review eingeschlossen, wovon n=4 Studien aus Deutschland stammen. Mehr als die Hälfte der Studien (n= 17) weist eine moderate bis niedrige methodische Qualität auf. Zu den zentralen un-tersuchten Onlineberatungsformaten gehören die SMS-, Chat-, Mail- sowie Forenbe-ratung. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Inanspruchnahme von Onlinebera-tungsangeboten im Rahmen von Krisenintervention überwiegend von weiblichen Kin-dern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen unter 35 Jahren erfolgt. Zu den häu-figsten Problemlagen der Hilfesuchenden zählen Suizidalität, selbstverletzendes Ver-halten, Depression, Ängste sowie Beziehungs-/ Familienkonflikte. Die Ergebnisse zur SMS- , Chat- und Mailberatung zeigen, dass die Einzelberatung über diese Formate zu einer Verbesserung des emotionalen Befindens sowie der Verringerung der Suizidali-tät von Hilfesuchenden in einer psychosozialen Krise, unmittelbar nach der Konversa-tion, beitragen kann. Die Anwendung von Unterstützungsmethoden des „aktiven Zu-hörens“ sowie der „gemeinsamen Problemlösung“ vonseiten der Onlineberatenden stehen dabei im Zusammenhang mit positiven Outcomes der Nutzenden. Die Vermitt-lung von Empathie sowie die Einschätzung des Suizidrisikos können aufgrund der Be-sonderheiten der Onlinekommunikation, eine Herausforderung für die Onlineberaten-den darstellen.
Schlussfolgerungen: Auf Grundlage der Ergebnisse zum aktuellen Forschungsstand sowie der Beurteilung der methodischen Qualität der Studien, konnten Empfehlungen für den Krisendienst Oberbayern zum Thema Onlineberatung im Rahmen von Krisenintervention, formuliert werden. Diese sollen zukünftig im Rahmen eines Arbeitstreffens, Vertretenden der Krisendienste Bayern vorgestellt werden, um die Relevanz, Praktikabilität sowie die Übertragbarkeit auf die anderen bayrischen Bezirke zu diskutieren und mögliche Folgemaßnahmen abzuleiten. Ferner konnten auf Grundlage der Ergebnisse, Empfehlungen für zukünftige Forschungsvorhaben erarbeitet werden.
Hintergrund und Zielsetzung: Die organisierte Selbsthilfe nimmt einen hohen Stellenwert in der Gesundheitsversorgung ein und fungiert auch im Bereich der psychiatrischen Versorgung als bedeutender Träger von Präventions- und Gesundheitsförderungsangeboten sowie als wertvolle und systemrelevante Ergänzung des professionellen Hilfesystems für Menschen mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörige. Die COVID-19-Pandemie (2020–2023) führte nachweislich zu einer Zunahme psychischer Belastungen in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland. In diesem Kontext nahm die organisierte Selbsthilfe im Bereich der Psychiatrie eine tragende Rolle für Betroffene und Angehörige ein, insbesondere in Phasen, in denen professionelle Unterstützungsstrukturen nur eingeschränkt verfügbar waren. Trotz erheblicher Herausforderungen war die Selbsthilfe gefordert, geeignete Lösungen zur Aufrechterhaltung ihrer Angebote zu entwickeln. Gleichzeitig eröffneten sich neue Potenziale, etwa durch den Ausbau digitaler Unterstützungsformate.
Ziel des Projekts war die partizipative Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Stärkung der organisierten Selbsthilfe im Bereich der Psychiatrie im Hinblick auf die Folgen der COVID-19-Pandemie.
Methodik: Das Forschungsdesign ist multimethodal aufgebaut und umfasst:
(1) eine systematische Literaturrecherche mit zusammenfassender Darstellung des aktuellen nationalen und internationalen Forschungs- und Wissensstands;
(2) qualitative leitfadengestützte Interviews mit Vertretenden von Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen auf regionaler und Landesebene sowie ergänzend auf Bundesebene zur Erhebung pandemiebezogener Erfahrungen;
(3) moderierte digitale Arbeitstreffen mit den teilnehmenden Vertretenden zur gemeinsamen Reflexion der Interviewergebnisse und zur partizipativen Erarbeitung von Handlungsempfehlungen;
(4) eine digitale Abschlussveranstaltung zur abschließenden Reflexion des Projektverlaufs sowie zur Vorstellung des Abschlussberichts und der ergänzenden Kurzfassung.
Ergebnisse: Vor dem Hintergrund des identifizierten Forschungsbedarfs wurden insgesamt n=14 qualitative Interviews mit Vertretenden unterschiedlicher Ebenen der organisierten Selbsthilfe im Bereich der Psychiatrie geführt. Dabei konnten zentrale Herausforderungen, Lernerfahrungen und konkrete Bedarfe für zukünftige Krisensituationen herausgearbeitet werden. Auf dieser Grundlage wurden in digitalen Arbeitstreffen gemeinsam mit den teilnehmenden Vertretenden n=13 Handlungsempfehlungen entwi-ckelt. Diese sollen an relevante politische Entscheidungsträger adressiert werden und zu einer nachhaltigen Stärkung der organisierten Selbsthilfe im Bereich der Psychiatrie sowie zur Förderung ihrer zukünftigen Krisenfestigkeit beitragen.