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Institut
Eine der Herausforderungen der Arbeit der Gedenkstätte ist das abnehmende Interesse der Öffentlichkeit am Nationalsozialismus und dem Holocaust, weil sich deren Interesse zu aktuelleren Themen verlagert. Ein großes Problem der Öffentlichkeitsarbeit ist außerdem das Aussterben der Zeitzeugen. Viele der bisher angewandten Methoden, wie Zeitzeugengespräche im Rahmen von Sonder- oder Gedenkveranstaltungen, können dadurch schon jetzt oder in absehbarer Zeit nicht mehr umgesetzt werden. So wird langfristig eine wichtige Quelle wegfallen. Zudem wird nicht mehr die Existenz der Überlebenden zeigen, dass es auch heute noch wichtig ist, sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen zu befassen. Das baldige Fehlen deren mahnender Stimmen kann zur Bewährungsprobe für jetzige und nachfolgende Generationen werden. Um das Interesse der Öffentlichkeit an diesen Themen zu erhalten oder zu erneuern und zu zeigen, dass sie auch heute noch relevant sind und im Gedächtnis der Gesellschaft bleiben müssen, ist es wichtig, neue Methoden der Öffentlichkeits- und Historischen Bildungsarbeit zu finden und umzusetzen. Dabei ist es sinnvoll, das Archiv der Gedenkstätte stärker in diese Aufgaben zu integrieren.
Social-Media-Konzepte, ebenso wie Social-Media-Marketing und -Strategien sind nicht nur etwas womit sich Unternehmen beschäftigen, auch Archive gehen, wenn zunächst zurückhaltend, mit der Zeit den Weg in das Web 2.0 und die sozialen Medien. Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist die Erstellung eines Social-Media-Konzeptes, welches konkret am Beispiel des Archivs der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum entwickelt wird. Unter Berücksichtigung der Unternehmensstruktur, finanzieller und personeller Ressourcen geht es dabei auch um die Umsetzbarkeit und Anwendbarkeit des Konzeptes in der Praxis. Daher soll auch der erforderliche tägliche bzw. wöchentliche Zeiteinsatz für die Arbeit an und mit den sozialen Medien eruiert werden. Außerdem wird die rechtliche Lage bei der Veröffentlichung von Archivalien in sozialen Medien und den ausgewählten Social-Media-Kanälen eingegangen.
Es soll sich bei dem Konzept um kein für alle Archivsparten allgemeingültiges Idealmodell handeln, sofern dies überhaupt möglich ist. Es kann aber für kleinere Archive mit ähnlichen Rahmenbedingungen wie jenes der Stiftung Neue Synagoge in Berlin als Empfehlung gelten.
Barrierefreiheit im Archiv
(2022)
Alle Personen, die in Archiven arbeiten, kennen es: das immer weniger zutreffende Klischee von Archiven als verschlossene, beinah geheime Orte. Mein Weg ins Archiv führte über ein Projekt, das dieses Bild wunderbar widerlegt: Im Projekt Heimerziehung haben wir ehemalige Heimkinder niedrigschwellig bei ihrer Suche nach Nachweisen und Unterlagen für die biografische Aufarbeitung unterstützt und begleitet – von wegen, geheim. Meine Kollegin bezeichnete das als ‚emotionale Barrierefreiheit‘. Doch wie sieht es sonst aus mit der Barrierefreiheit im Archiv? Meine erste Forschungsfrage ist die nach der Relevanz des Themas in der fachlichen Diskussion mit einem Ausblick auf den englischsprachigen Diskurs. Anschließend stellen sich die Fragen, welche praktische Relevanz das Thema in der archivischen Arbeit hat und was Archive tun, um Barrierefreiheit herzustellen. Anhand explorativer Expertïnneninterviews mit Gehörlosen und Fachpersonen aus Gedächtnisinstitutionen soll die Frage nach Erfahrungen in Archiven mit (fehlender) Barrierefreiheit beantwortet werden. Die Interviews bilden die Grundlage für die Beantwortung der Frage nach Handlungsempfehlungen zum Abbau von Barrieren. In der Arbeit möchte ich aufzeigen, welche Maßnahmen Archive ergreifen können und welches Vorgehen dabei hilfreich und effektiv ist. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage nach schnell umzusetzenden Maßnahmen, die auch für kleine Archive möglich sind. Dabei liegt der Fokus auf dem Bereich der Nutzung, denn „[a]lle Archive haben eine künftige Nutzung zum Ziel.“
Schwarmwissen
(2022)
Anlass für die Wahl des Bachelor-Themas waren einerseits die geringen Ressourcen, die dem Stadtarchiv Herne im Gegensatz zu den immer größer werdenden Aufgabenbereichen zur Verfügung stehen. Zum anderen hat der Ausschuss „User Generated Content“ der Arbeitsgruppe Zugang und Vermittlung des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) im Sommer 2019 einen Blog zum Thema „Crowdsourcing in Archiven“ erstellt, in dem die zentrale Frage erörtert wird: „Kann mein Archiv trotz beschränkter Ressourcen ein erfolgreiches CS-Projekt starten?“ Diese Frage scheint bis heute nicht beantwortet zu sein. Das Thema CS wurde bereits vereinzelt in Archiven aufgegriffen und es wurden Projekte durchgeführt, die in die alltäglichen Aufgaben eines Archivs eingebettet wurden und dadurch neue Möglichkeiten geschaffen haben, um archivische Aufgaben extern auszulagern. Da dieses Thema jedoch noch nicht weit verbreitet ist, wird in der vorliegenden Arbeit die Forschungsfrage „Welche Möglichkeiten bietet CS für die Archive, denen es meist an personellen Ressourcen fehlt?“ und „Wie kann CS in kleinen bis mittelgroßen Archiven eingesetzt werden?“ erörtert. Als Anwendungsbeispiel für die Einsatzmöglichkeiten dient das Stadtarchiv Herne. Hierbei soll CS kritisch betrachtet werden, indem der wöchentliche Zeit- und Personaleinsatz eruiert wird.
Social-Media-Anwendungen wie Facebook, Instagram, Twitter & Co. gehören für viele Menschen inzwischen zum Alltag und werden zudem von Unternehmen als Marketinginstrumente genutzt. Auch Archive sind zunehmend in den Sozialen Medien vertreten, wobei die meisten Archive nicht nur eine Anwendung, sondern eine Mischung aus mehreren sozialen Netzwerken sowie Fotos- und Videoplattformen und Blogs nutzen.
Es gibt unzählige Bücher über den Philosophen, Soziologen, Psychologen und Historiker Michel Foucault (1926 - 1984) und in unzähligen Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften stößt man auf seinen Namen. Er hat Begriffe wie Dispositiv, Diskurs, Macht und Wissen geprägt und zählt zu den bedeutendsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Manche nennen ihn Archivar ohne Archiv oder bezeichnen ihn als einen der bedeutendsten Archivtheoretiker. Dies liegt auch an der archivorientierten Art und Weise, wie er gedacht und gearbeitet hat.
Foucaults Archiv erscheint als eines von drei Elementen seiner Diskursanalyse. Das nächste Kapitel widmet sich den anderen beiden Teilen, den Aussagen und Diskursen. Das Kapitel unter dem Punkt 3. behandelt zum einen das Archiv bei Foucault selbst und zum anderen die Rezeption seines Archivkonzepts in anderen Wissenschaften. Dabei wird das Archiv nicht aus seinem Inneren und seinen eigenen Gesetzen betrachtet, sondern nimmt eine Perspektive von außen ein und verbindet dabei unter anderem ethnologische, philosophische, historische und medienarchäologische Ansätze. Dadurch wird dem Feld der möglichen Aussagen durch andere Diskurse ein Rahmen gesetzt und begreift sich durch die Ansätze der Diskursanalyse als interdisziplinär. Diese Betrachtungen werden in einem weiteren Kapitel an einem konkreten Beispiel, der „Biographischen Datenbank jüdisches Unterfranken“ gedeutet. Zuletzt wird ein Ausblick mit einigen Anregungen aufgestellt. Damit soll ein Paradigmenwechsel nach Foucault aufgezeigt werden, dass das Archiv weder ein neutraler, noch ein passiver Ablageort ist. Vielmehr ist es eine wissensproduzierende und transformierende Institution, welche eine bedeutende Position im kulturellen Gedächtnis einnimmt, die ein bestimmender Faktor ist, wie nachfolgende Generationen auf unsere Gesellschaft und ihre Vergangenheit blicken werden.
Das deutsche kommunale Archivwesen ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und begrenzter Ausbildungskapazitäten in hohem Maße auf Quereinsteiger:innen angewiesen. Der archivfachliche Diskurs betrachtet dieses Phänomen bislang überwiegend defizitorientiert und konzentriert sich auf formale Qualifizierungsfragen, während die Perspektive der Betroffenen selbst empirisch unbearbeitet bleibt. Hier setzt die Arbeit an und untersucht die subjektiven Erfahrungen, Herausforderungen und Bewältigungsstrategien von Quereinsteiger:innen beim Berufseinstieg in Kommunalarchive.
Grundlage des explorativen, qualitativen Designs bilden sieben problemzentrierte Interviews im gehobenen und höheren kommunalen Archivdienst, ausgewertet mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Befunde zeigen einen wiederkehrenden „Praxisschock": Eine historisch geprägte Erwartungshaltung kollidiert mit den Anforderungen in Recht, Bewertung, Records Management und digitaler Archivierung, verschärft durch fehlende Einarbeitung, die Isolation der Ein-Personen-Archive und einen als exkludierend erlebten Fachdiskurs. Zur Kompensation greifen die Befragten auf informelle Vernetzung und ihren akademischen Habitus zurück.
Die Arbeit belegt, dass Quereinsteiger:innen erhebliche eigene Ressourcen einbringen, und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. Zugleich richtet sie einen Appell an das etablierte Archivwesen: Neben modularen Qualifizierungsangeboten und Mentoringprogrammen bedarf es eines Kulturwandels, der Quereinsteiger:innen nicht als Defizit, sondern als wertvollen Teil der Profession begreift.
Archive nutzen verstärkt Soziale Medien für ihre Öffentlichkeitsarbeit, um sich gegenüber der Gesellschaft aufgeschlossen und modern zu präsentieren. Die Foto- und Videoplattform Instagram wird in Archiven - im Vergleich zu den beiden älteren sozialen Netzwerken Facebook und Twitter - bisher am wenigsten verwendet, obwohl die Anzahl der Nutzer:innen hier konstant steigt. Um dem zurückhaltenden Gebrauch von Instagram entgegenzuwirken, benötigen Archivarinnen und Archivare Anhaltspunkte in Form von Konzepten, Leitfäden und beispielgebenden Ideen für die Beitragsgestaltung. Ziel dieser Arbeit ist es, Instagrambeiträge am Beispiel des Historischen Archivs des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) zu entwickeln und umzusetzen, die auf dem Account des OSV erscheinen. Dabei wird die Frage verfolgt: Inwieweit lässt sich die Anwendung von Instagram im Historischen Archiv realisieren? Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, wurden aktuelle Social-Media-Marketing-Leitfäden, Strategien von weiteren Informations- und Kultureinrichtungen sowie Erfahrungsberichte aus Archiven herangezogen. Ausgehend von diesen Grundlagen wurde eine Strategie für das Historische Archiv abgeleitet und vom Juli bis zum Dezember 2021 umgesetzt. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass die Anbindung eines (Wirtschafts-)Archivs auf einem Unternehmensaccount eine gute Option ist, trotz geringer zeitlicher und finanzieller Ressourcen, Instagram für die Öffentlichkeitsarbeit und das History Marketing einzusetzen. Diese Arbeit kann als Anregung für die Strategieentwicklung und Gestaltung von Instagrambeiträgen in Archiven dienen.
Generell haben sich Homepages als ein Mittel der Öffentlichkeitsarbeit von Archiven etabliert. Ihr Nutzen wird nicht mehr in Frage gestellt, die breite Bevölkerung kann sie problemlos benutzen. Aber - es ist auch ein gewisser Gewohnheitseffekt eingetreten. Der Verfasser untersucht in seiner Arbeit regionale Wirtschaftsarchive aus mehreren Gründen. Da es bundesweit nur 10 solche Einrichtungen gibt, besteht eine gute Vergleichbarkeit. Wirtschaftsarchive leisten mit ihren einzigartigen, wirtschafts- und industriegeschichtlichen archivalischen Quellen einen wesentlichen Beitrag zur ökonomischen Identität der Bundesländer. Ein weiterer Grund für die Anfertigung der Arbeit ist die in den letzten Jahren scheinbar geringfügige bzw. mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema „Archivische Homepage“ in der Literatur. Hier möchte der Verfasser mit seiner Untersuchung ansetzen und verfolgt dabei das Ziel, die Leserinnen und Leser auf diesen Aufgaben- und Verantwortungsbereich von Archiven aufmerksam zu machen.
Das Medium Podcast ist im Vergleich zu anderen, wie Büchern, Zeitschriften oder auch Schallplatten, ein recht junges. Es existiert erst seit dem Jahr 2004 unter der Bezeichnung Podcast und beinhaltet, wie Annik Rubens im Eingang seines Buches „Podcasting – Das Buch zum Audiobloggen" beschreibt, Erzähl- und Unterhaltungselemente, die ein Buch, eine Webseite oder ein Hörspiel den Leser*innen beziehungsweise Hörer*innen nicht bieten können. Was unterscheidet dieses scheinbar neue Medium von traditionellen Medien, was macht es so besonders und ist dieses Besondere es wert es auf Dauer zu erhalten?
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Betrachtung des Mediums Podcast zur Ermittlung einer Vorgehensweise und die Beweisführung der Notwendigkeit bezüglich der Archivierung und Nutzung im kommunalen Archivbereich. Dabei müssen jedoch nicht nur archivfachliche Fragen zur Bewertung und Übernahme beachtet werden, sondern auch rechtliche Fragen in Bezug auf die Übernahme sowie auch die anschließende Nutzung beantwortet werden. Das Resultat der Bachelorarbeit ist damit eine ganzheitliche Betrachtung des Themenfeldes Podcast-Archivierung im Arbeitsbereich der kommunalen Archive.