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Ob psychische Gewalt wie Herabwürdigung oder Vernachlässigung, physische oder sexualisierte Gewalt: Professionell im Kinderschutz tätig zu sein bedeutet, Ursachen, Formen und Folgen von Gewalt zu erkennen, zu reflektieren und zu verhindern. Erzieherinnen und Erziehern ist bewusst, dass körperliche und seelische Bestrafungen Kindern Schaden zufügen und zu Entwicklungsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten führen können. Doch während körperliche Gewalt schnell zu erkennen ist, benötigen pädagogische Fachkräfte für Formen seelischer Gewalt nicht nur ein Gespür, sondern vor allem Fachwissen.
Dieses Praxisbuch bietet Erziehern und Pädagogen einen Leitfaden und zugleich wichtiges Arbeitsmaterial für Sensibilisierung und Weiterbildung.
Wer über Kinder spricht, kann nicht umhin, über sich selbst zu sprechen. Denn jeder und jede von uns ist einmal ein Kind gewesen. Über das Bild vom Kind nachzudenken, bringt es daher mit sich, immer schon auf bereits vorhandene Bilder zu treffen, zunächst und vor allem auf diejenigen, die wir von uns selbst als Kind, von unserer eigenen Kindheit und von unseren Lebenserfahrungen mit Kindern gebildet haben. Allerdings sind uns diese Bilder nicht ungetrübt oder gar original erhalten. Vielmehr stellen sie immer wieder neue Kombinationen dessen dar, was uns an verschiedenen Stellen unseres Gehirns zu unterschiedlichen Zeitpunkten als faktisch Erinnertes, darüber Berichtetes, zu späteren Zeiten Ergänztes und all dies immer wieder Reflektierendes zur Verfügung steht.
Kinderrechte
(2018)
Die UN-Kinderrechtskonvention hat in Deutschland den Rang eines einfachen Bundesgesetzes und gilt uneingeschränkt für alle hier lebenden Kinder. Eine an den Kinderrechten orientierte Kinder- und Jugendhilfe versteht sich als Anwältin der in der UN-Kinderrechtskonvention, im europäischen und im nationalen Recht niedergelegten Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte. Sie sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche in allen Bereichen der Hilfe Rechte haben, ihre Rechte kennen und auch tatsächlich zu ihrem Recht kommen. Die Orientierung an den Kinderrechten und die Umsetzung des Kinderrechtsansatzes sind zentrale Bausteine guter Qualität aller mit Kindern und für Kinder tätigen Fachkräfte und Organisationen. Notwendig sind eine kinderrechtliche Weiterentwicklung des SGB VIII, die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz sowie der Aufbau eines effektiven Monitoring der Kinderrechte, an dem auch Kinder und Jugendliche selbst beteiligt werden.
Kinder sind von Beginn an (Rechts-)Subjekte und Träger eigener Rechte. Die UN-Kinderrechtskonvention gilt uneingeschränkt für alle in Deutschland lebenden Kinder. Eine an den Kinderrechten orientierte Pädagogik versteht sich als Anwältin der im internationalen, europäischen und nationalen Recht niedergelegten Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte jedes Kindes.
Die pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen haben – in Ergänzung zu den Eltern – dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder altersgemäß ihre Rechte kennenlernen und auch tatsächlich zu ihrem Recht kommen. Die Orientierung an den Kinderrechten und die Umsetzung des Kinderrechtsansatzes sind zentrale Bausteine guter Qualität in der Kita.
Kinder vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen, gehört zu den Pflichtaufgaben jeder Kindertageseinrichtung. Fast jedes Kind in Deutschland besucht eine solche Einrichtung, eine stetig wachsende Zahl von Kindern bereits in den ersten drei Lebensjahren. Die dort tätigen frühpädagogischen Fachkräfte erleben die Kinder viele Stunden lang an den meisten Tagen im Jahr. Sie haben regelmäßig Kontakt zu den Eltern, mit denen sie eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft eingehen. Daher sind sie besonders gut geeignet, frühzeitig Anzeichen für eine Gefährdung zu erkennen, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und notwendige und geeignete Hilfen anzubieten oder zu vermitteln.
Herausforderndes Verhalten von Kindern kann ganz unterschiedliche Facetten haben, ob Aggression, Ausgrenzung, Provokation, Sensibilität u.v.m. Namhafte Autoren wie Jörg Maywald oder Dorothee Gutknecht beleuchten in diesem nifbe-Band, warum sich Kinder in bestimmten Situationen so oder anders verhalten. Es wird gezeigt wie sich Zugänge zum Kind finden lassen, z.B. durch ressourcenorientierte Entwicklungsbegleitung oder Resilienz. Darüber hinaus werden praktische Impulse gelingender Grenzsetzung und Selbstfürsorge für pädagogische Fachkräfte im Kita-Alltag dargestellt.
Hör auf damit!
(2023)
Lange Zeit waren verletzendes Verhalten und Gewalt in der KiTa ein riesiges Tabuthema und es gelangten als Spitze des Eisbergs nur die schlimmsten Fälle von Missbrauch, Körperverletzung oder sogar Totschlag in die Schlagzeilen von Funk und Fernsehen. In den letzten Jahren wurde dann aber u.a. durch Studien von Annedore Prengel sowie Astrid Boll & Regina Remsperger-Kehm deutlich, dass verletzendes Verhalten von Fachkräften in der KiTa ein ungeahntes Ausmaß hat. Elisabeth Ballmann konstatiert in ihrem Buch „Seelenprügel“ eine institutionalisierte psychischen Gewalt in KiTas, durch die Kinder eingeschüchtert, gedemütigt, zurückgewiesen, beleidigt, erpresst, feindselig behandelt, geängstigt, ausgegrenzt, lächerlich gemacht, bedroht, isoliert und ignoriert werden. Dadurch würden ihre kindlichen Bedürfnisse und Rechte massiv missachtet und ihre gesunde sozio-emotionale Entwicklung gefährdet.