FG Regionalplanung
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Der Klimaschutz spielt trotz des ambitionierten Ziels, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll, bislang keine herausgehobene Rolle in der Regionalplanung. Mit dem rapiden Voranschreiten der globalen Klimakrise nimmt jedoch das juristische Gewicht des Klimaschutzgebots in der Abwägung insgesamt zu, wodurch eine Neuverhandlung des Klimaschutzes in der Raumordnung notwendig erscheint. Die vorliegende Arbeit fasst hierzu die bestehenden Möglichkeiten für den Klimaschutz spezifisch für die Ebene der Regionalplanung zusammen. Darüber hinaus werden Potenziale analysiert, inwiefern sich die Regionalplanung stärker für eine Paris-kompatible Entwicklung einsetzen kann. Die regionalplanerischen Aufgabenfelder, durch welche der Klimaschutz stärker forciert werden könnte, sind insbesondere die starke Steuerung von emissionsarmen Siedlungs- und Verkehrsstrukturen und ein effektives Begrenzen ihres Wachstums sowie die Flächenvorsorge und Standortsteuerung für erneuerbare Energien. In eingeschränktem Maße sind auch der Schutz und Ausbau von natürlichen Kohlenstoffsenken sowie eine verknappende Standortplanung für konventionelle Kraftwerke, Industrie- und Gewerbegebiete bedeutsam. Unmittelbaren Einfluss auf klimaintensives Handeln von Personen und Unternehmen hat die Regionalplanung hingegen nicht. Daher wird ihre Rolle bei der Klimaschutzaufgabe im Besonderen darin gesehen, dass sie mit ihrer überfachlich-überörtlichen Kompetenz die Koordination und Lenkung von übergeordneten Klimaschutzzielen für das Planungsgebiet übernehmen kann. Maßgeblich könnten hierbei gebietsbezogene CO₂-Budgets eine am globalen 1,5/<2°C-Ziel orientierte Planung erwirken.
Digital solutions are seen as promising ways of addressing current challenges in rural regions. Individual or group key actors accessing resources foster these developments through networks. In light of regional clustering and agglomeration effects on the one hand and increased virtual mobility on the other hand, assumptions about the spatiality of such networks are highly controversial. Our paper takes this as a point of departure, asking how spatiality is constructed in the networks of so-called ‘digital pioneers’ (DPs). The sampling process took place in two German rural regions with different preconditions for digital technology adoption, where we conducted egocentric network analysis and qualitative interviews. Employing the assemblage perspective, we analysed networks of 30 individuals in terms of the analytical categories of territoriality, stability and connectivity. Our findings distinguish between three important roles of network contacts: (1) multipliers in social networking, (2) users of the DP’s products and services, as well as (3) close family members that are important in professional contexts. Although DPs are often deeply embedded in and feel attached to their region, networks vary significantly in their territorial radius, also including highly functional problem-solving contacts to distant places. Consequently, our evidence challenges static territorial models of innovation processes, advocating for processual and multidimensional perspectives that consider social networks and individual agency. Likewise, our study complements current research on rural governance by shifting the focus from key institutions and formal networks to less formally integrated actors and problem-solving networks.
Das Working Paper untersucht Leitstrategien nachhaltiger Mobilität im ländlichen Tourismus am Beispiel der Lausitz, mit Fokus auf die Tourismusregionen Spreewald und Lausitzer Seenland. Grundlage ist das Konzept der drei Leitstrategien nachhaltiger Mobilität – Suffizienz (vermeiden), Konsistenz (verlagern) und Effizienz (verbessern) –, die als strategischer Rahmen für eine sozial-ökologische Mobilitätswende etabliert sind. Eine systematische Übertragung auf die touristische Mobilität blieb bislang jedoch weitgehend unberücksichtigt. Ziel der Untersuchung ist es, Handlungsansätze nachhaltiger touristischer Mobilität in beiden Regionen zu identifizieren und den Leitstrategien zuzuordnen. Methodisch kombiniert das Working Paper eine qualitative Dokumentenanalyse von zwölf tourismusbezogenen Konzeptpapieren mit drei leitfadengestützten Expert*inneninterviews. Die Analyse ergibt fünf zentrale Handlungsansätze: (1) Ausbau des ÖPNV, (2) Qualifizierung des Fahrradtourismus, (3) Antriebswende über E-Mobilität, (4) Besucher*innenlenkung sowie (5) Gästekarten mit kostenfreier Nutzung des ÖPNV. Die Ergebnisse zeigen, dass bestehende Handlungsansätze vorrangig auf Optimierung (Effizienz) und Verlagerung (Konsistenz) setzen. Eine tiefgreifende Transformation touristischer Mobilität erfordert jedoch auch die Integration suffizienzorientierter Strategien. Nur die kombinierte Anwendung aller drei Leitstrategien bietet die Möglichkeit, die Herausforderungen nachhaltiger touristischer Mobilität in ländlichen Räumen umfassend zu bewältigen.
Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz soll Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung vernetzen, Standortfaktoren verknüpfen und Konkurrenzen abbauen. Beispielhaft dafür ist der Lausitz Science Park, der als Gegenpol zum Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof entwickelt wird, und mit der Schaffung von wohnortnahen Coworking-Spaces in den abseits der Zentren gelegenen, ländlich geprägten Regionen mit guter Bahnanbindung einhergeht. Damit stehen im Zuge des Strukturstärkungsprozesses der Lausitz neben harten Standortfaktoren auch veränderte Ansprüche der Beschäftigten an das Arbeits- und Lebensumfeld im Blickpunkt. Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz greift das Konzept der Entwicklungsachse auf und fügt sich in die Regionalentwicklungsstrategie des Landes Brandenburg ein, die seit 2021 die Verbindung von Wachstumskernen und ländlicheren Räumen entlang von Schienenwegen fördert. In diesem Kontext wird das Projekt seit 2022 als Schlüsselvorhaben der Regionalentwicklung mit einer gemeinsamen Managementstruktur durch die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH und die WISTA Management GmbH vorangetrieben und soll als Modell für weitere Entwicklungsachsen im Land Brandenburg dienen. Die vorliegende Delphi-Studie untersucht die raum- und governancebezogenen Perspektiven auf das Vorhaben Innovationskorridor Berlin-Lausitz, mit besonderem Fokus auf Verständnisse, erwartete Wirkungen, Herausforderungen und Entwicklungspfade. Dabei zeigt sich ein breites Spektrum an Erwartungen: Neben einer Netzwerkwirkung wird die koordinierte Verbesserung von Standortfaktoren mit dem Projekt verbunden. Der Erfolg der Achsenidee wird bereits langfristig im Rahmen des Strukturwandelprozesses bemessen und steht vor der Herausforderung, die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteur:innen mit unterschiedlichen Interessen zu koordinieren.
An important component regarding the climate and energy crisis and its implications is the upheaval in energy production and supply as a fundamental transition in favor of low-carbon energy. The regions of the German-Polish border area studied in this paper encounter different development paths of coal and renewable energy sources. One emblematic recent case in this context is the legal dispute over the closure of the Turów coal mine. The authors investigate to what extent these energy spaces develop between European frameworks, nation-state policies as well as regional and local implementations. The analysis is based on regional discourses of German and Polish newspapers with the highest circulation in the border area. The combination of a discourse analysis and a multidimensional, space-theoretical approach overcomes a simplification of socio-spatial strategies enables a differentiation of the borderlands. Additionally, the examination of the discursive practices provides insights on scaling and network activities as well as on strategies of placeprotection in socio-material energy spaces in the German-Polish
borderland.
Unter dem Dach des HochschulCampus Kleinstadtforschung (HCKF) haben auch verschiedene Lehrprojekte stattgefunden. Dieses Heft zeigt die Ergebnisse von zwei unterschiedlichen Veranstaltungen an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und an der Universität Kassel. In beiden Projekten setzen sich die Studierenden mittels unterschiedlicher Methoden und Fallstudien mit den Bahnhöfen, dem Bahnhofsumfeld von Kleinstädten auseinander. Sie analysierten den Zustand, eruierten die frühere und heutige sowie mögliche zukünftige Bedeutung dieser für die Stadt und entwickelten Ideen für eine Planung mittels Zwischenschritten von Szenarien, Leitbildern, Entwürfen, Betreibermodellen, Nutzungsstudien etc. So entsteht ein reich bebildertes Heft mit zahlreichen Denkanstössen für brandenburgische und thüringische Kleinstädte und deren Umgang mit dem Bahnhof.
This study explores the interplay between the UNESCO status and climate governance in World Heritage cities. With climate change posing significant threats to living urban landscapes, local governments and public actors strive to implement sustainable and resilient strategies. However, complications arise when cities attain the World Heritage status, complicating climate governance practices. Qualitative research, involving interviews with key stakeholders from the Climate and Monument Protection Departments in Lübeck, Regensburg, and Bamberg, reveals a negative impact of cultural heritage on climate governance. The study contends that, when harnessed effectively, cultural heritage can contribute to the sustainability and resilience of cities in addressing climate change. It emphasises the necessity for flexibility, collaboration, and a human-centric approach, advocating for a common understanding and prioritisation of human life within climate governance. In conclusion, this research underscores the importance of viewing heritage as a dynamic component integrated into cities' climate governance strategies.
Die bundespolitischen Rahmenbedingungen haben sich mit Blick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien konkretisiert. Bis 2027 sind die Bundesländer verpflichtet, 1,4% der Bundesfläche für Windenergie auszuweisen, bis 2032 sollen es 2% sein. Akzeptanz ist ein zentraler Faktor für eine breite gesellschaftliche Zustimmung zur Energiewende. Finanzielle Beteiligung ist eine Möglichkeit, um die lokale Akzeptanz in Standort- und Anrainerkommunen zu stärken. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben Landesregelung zur verpflichtenden finanziellen Beteiligung and Windenergieanlagen geschaffen. Die ersten Erfahrungen mit den Landesgesetzen, die durch Expert*inneninterviews erhoben wurden, deuten darauf hin, dass die Verpflichtung zur finanziellen Beteiligung in beiden Bundesländern merkbar zu einer Steigerung der Akzeptanz von Windenergieanlagen beigetragen hat. Das Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz aus Mecklenburg-Vorpommern (BüGemBeteilG M-V) ist vom Bundesverfassungsgericht als zulässig erachtet worden. Damit existiert eine „Blaupause“ für eine rechtssichere Landesregelung. Entscheiden sich die Gemeinden für eine Investitionsbeteiligung, dann sind für sie vergleichsweise hohe Renditen bei niedrigem Investitionsrisiko zu erwarten. Allerdings können Investitionsoptionen Disparitäten insbesondere in sozial-ökonomisch weniger prosperierenden Regionen verstärken. Das Brandenburger Windenergieanlagenabgabegesetz (BbgWindAbgG) liefert planbare Einnahmen für die Kommunen, ist einfach umzusetzen und bietet allen Gemeinden die gleichen Wertschöpfungsmöglichkeiten, die allerdings eher geringer ausfallen, als bei der Beteiligung nach BüGemBeteilG M-V. Finanzielle Beteiligung ist ein wichtiger Baustein zur Erhöhung der Akzeptanz, er ist allerdings nur ein Element von mehreren für eine gesellschaftlich getragene und lokal akzeptierte Energiewende. Neben einem klaren und einmütigen landespolitischen Bekenntnis, transparenter Kommunikation und umfassender Planungsbeteiligung, ist die Wertschöpfung für Standort- und Anrainergemeinden von erneuerbarer Energieerzeugung wichtig. Gemeinden müssen befähigt werden, informierte Entscheidungen im Sinne des gemeindlichen Gemeinwohls treffen zu können, insbesondere mit Blick auf komplexe Sachverhalte wie sie der Energiewende eigen sind. Hierfür sind beratende und vernetzende Akteure, wie eine gut ausgestattete Landesenergieagentur ebenso zentral wie die Unterstützung auf landespolitischer Ebene.
Das BULE+/BMEL-Forschungsprojekt DigPion analysiert die Netzwerke und Kooperationsstrategien digitaler Vordenkerinnen und Vordenker im ländlichen Raum. Dazu wurden digitale Pionierinnen und Pioniere mit IKT-Kenntnissen in den Fallregionen Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg identifiziert, die soziale Innovationen und regionale Entwicklung in ländlichen Regionen vorantreiben. Die Broschüre umfasst Handlungsempfehlungen für die regionale Governance, um eine nachhaltige räumliche Entwicklung in ländlichen Regionen zu fördern.
