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Infolge des Klimawandels treten in Deutschland zunehmend extreme Wetterereignisse auf. Besonders Hitzewellen in Städten stellen eine wachsende Belastung dar, da sich hier der städtische Wärmeinseleffekt mit einer hohen baulichen Dichte überlagert. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf das thermische Empfinden und die Gesundheit, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie älteren Menschen, Personen mit Vorerkrankungen oder Kindern. Während bisherige Forschung vor allem technische und planerische Anpassungsmaßnahmen betrachtet, fehlt es an fundierten sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Das Forschungsprojekt „Hitze in der Stadt“ schließt diese Lücke, indem es die Beziehung zwischen der gebauten Umwelt, mikroklimatischen Bedingungen und der subjektiven thermischen Wahrnehmung untersucht. Als Fallbeispiel diente ein dicht bebautes Berliner Gründerzeitquartier mit geschlossener Blockrandbebauung und vielfältigen Nutzungen, das eine hohe Übertragbarkeit auf andere europäische Städte aufweist. Die methodische Vorgehensweise umfasste drei zentrale Bausteine:
1. Raumtypisierung – Das Untersuchungsgebiet wurde in sieben repräsentative Stadtraumtypen unterteilt (z. B. breite Hauptstraße, enge Gasse, Brunnenplatz im Park), um systematische Vergleiche zu ermöglichen.
2. Geführte Climate Walks mit integrierten mikroklimatischen Messungen – Zwei Gruppen, ältere Stadtnutzende (≥ 65 Jahre) und eine jüngere Vergleichsgruppe, durchquerten während sommerlicher Mittagshitze die definierten Raumtypen. In Echtzeit bewerteten sie ihre thermische Wahrnehmung und Aufenthaltsqualität. Parallel dazu wurden vor Ort Temperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Strahlung und Oberflächentemperaturen (Wärmebild) gemessen und GPS-basiert verortet. Der Universal Thermal Climate Index (UTCI) diente als Referenz zur Bewertung der thermischen Belastung.
3. Fokusgruppen – In moderierten Diskussionen wurden die subjektiven Eindrücke vertieft, Einflussfaktoren herausgearbeitet und Bedarfe an die Außenraumgestaltung identifiziert. Die Ergebnisse zeigen: Hitzestress wird nicht allein durch Temperatur bestimmt. Faktoren wie Begrünung, Verschattung, Lärmpegel, Sauberkeit, Nutzungsart, Erwartung und Atmosphäre beeinflussen die Wahrnehmung erheblich. Begrünte, ruhige und saubere Orte mit Sitzgelegenheiten wurden auch bei hohen Temperaturen als deutlich angenehmer erlebt, während stark versiegelte, verkehrsbelastete Flächen als besonders belastend galten – exemplarisch am Rosenthaler Platz.
Aus der Analyse wurden sechs zentrale Handlungsempfehlungen abgeleitet:
(1) Aufenthaltsqualität als festen Bestandteil in Klimaanpassungsstrategien integrieren,
(2) Belastungsfaktoren wie Lärm und Verkehr reduzieren,
(3) Maßnahmen differenziert nach Raumtyp und Nutzung entwickeln,
(4) öffentliche Wartezonen gezielt verbessern,
(5) „kühle Wege“ zwischen wichtigen Zielen fördern,
(6) geschlechter- und bildungssensible Ansätze in Planung und Kommunikation berücksichtigen.
Das Projekt macht deutlich, dass effektive urbane Hitzestrategien nur durch interdisziplinäre Ansätze entstehen, die technische, gestalterische und soziale Dimensionen gleichwertig verbinden – mit dem Ziel einer klimaresilienten und sozial gerechten Stadtentwicklung.
