TK 2: Datenkuratierung
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Schattenbibliotheken wie Sci-Hub werden heute millionenfach weltweit als Zugangsweg zu wissenschaftlicher Literatur verwendet, und zugleich als Grundbausteine für das Training erfolgreicher Large Language Models (LLMs) verwendet. Diese Normalisierung innerhalb kürzester Zeit wirft Fragen auf - insbesondere auch für die bibliothekarische Profession, denn diese Entwicklung betrifft ihr Geschäft, die Informationsversorgung. Die informationswissenschaftliche Auseinandersetzung läuft der stürmischen Entwicklung des Phänomens jedoch hinterher. Daher beschränkt sich dieser Vortrag darauf, zu bündeln, was wir über Schattenbibliotheken heute wissen, und welche Fragen für die bibliothekarische Forschung und Praxis offen sind. Der Vortrag wird sich insbesondere auf ein Open Educational Resource (OER) Poster der BiblioCon 2024 stützen, an dem der Vortragende mitgewirkt hat, und das kontinuierlich erweitert wird, vgl. https://doi.org/PQHD, sowie auf die Forschungspublikationen von Zakayo Kjellström, vgl. https://umu.diva-portal.org/smash/person.jsf?dswid=-8680&pid=authority-person%3A108283
In einer heterogenen Systemlandschaft von Hochschulbibliographien und Forschungsinformationen versprechen offene Bibliometriedaten durch transparente Methoden und geteilte Datensätze eine standortübergreifende Zusammenarbeit.
Der Vortrag stellt die Nutzung der offenen Bibliometriedatenbank OpenAlex zur Erstellung und Kuration eines landesweiten Publikationsdatenpools der niedersächsischen Hochschulen vor. Das Vorhaben der Partner TU Braunschweig/Universitätsbibliothek, TIB Hannover und Georg-August-Universität Göttingen/SUB Göttingen ist im Projekt „Aufbau eines Netzwerkes und Services zu Forschungsinformationen“ (HdN-FIS) der Hochschule.digital Niedersachsen angesiedelt, wobei die Lizenzierung des institutionellen OpenAlex-Zugangs durch NiedersachsenOpen gefördert wird.
Es werden drei Hauptziele verfolgt: Erstens die Etablierung eines zentralen Knotens zur Kuration von Publikationsnachweisen niedersächsischer Hochschulen in OpenAlex. Zweitens die Koordinierung und Dokumentation von Anforderungen niedersächsischer Hochschulen bei der Qualitätssicherung von Institutionen- und Adressangaben in OpenAlex sowie drittens die Pilotierung einer konsortialen Finanzierung nach Ablauf der Initialförderung.
Als Ergebnisse werden eine optimierte Institutionenkodierung, die Qualitätssicherung der Publikationszuordnungen in OpenAlex sowie prioritärer Support für niedersächsische Hochschulen angestrebt. Die Zusammenarbeit mit OpenAlex umfasst zu diesem Zweck neben der Kuration einrichtungsspezifischer Publikationsmetadaten auch gemeinsame Training-Workshops sowie die Vorbereitung einer konsortialen Finanzierung ab 2027.
Der Vortrag stellt die initiale Projektidee sowie erste Erfahrungen mit OpenAlex vor. Im Rahmen des Pilotprojekts soll untersucht werden, inwieweit sich das Modell auf weitere Bundesländer übertragen lässt und welche Potenziale offene Forschungsinformationen für das wissenschaftliche Publikationsmonitoring bieten.
Einstieg in die FOLIO-Erwerbung im GBV - Herausforderungen des Umstiegs und erste Erfahrungen
(2026)
Die ULB Sachsen-Anhalt hat bereits 2022 als Pilotbibliothek FOLIO-ERM eingeführt und sich im Sommer 2025 erfolgreich als erste Bibliothek im GBV für den Umstieg der Erwerbungsmodule von FOLIO beworben. Das Projekt, welches von der VZG betreut wird, ist im September 2025 gestartet und die Migration und Umstellung auf FOLIO findet zum Jahresübergang 2025/2026 statt. Zunächst wurde ein Zeitplan abgestimmt und erste Fehleranalysen der Daten im aktuellen Erwerbungsmodul LBS4-ACQ durchgeführt, welche zu Migrationsproblemen führen können. Diese wurden weitestgehend korrigiert. Nach Schulung der Erwerbungs-APPs werden nun Konfigurationen in FOLIO u.a. in Bezug auf Standorte, Budgets, Rollen und Rechte usw. und festgelegt und die Workflows der Geschäftsgänge der ULB Sachsen-Anhalt in FOLIO geplant und festgelegt. Wir möchten berichten über die Erfahrungen und Herausforderungen der Migration und der Umstellung auf FOLIO in Bezug auf die Vorarbeiten, die ggf. zu verändernden internen Workflows, die Zusammenarbeit der verschiedenen Teams der ULB, den sehr straffen Zeitplan, sowie die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der VZG.
Die Finanzierung von Diamond OA-Zeitschriften erfolgt meist durch Wissenschaftseinrichtungen oder Fachgesellschaften, die dies als ihre Aufgabe erachten und deshalb die Verantwortung für die Finanzierung übernehmen. Die Alternative ist Crowdfunding wie es z.B. im Rahmen des KOALA-Modells oder bei SciPost erfolgt. Ein bei der Leopoldina entwickelter Vorschlag zum „Freikauf“ von Publikationsorganen[1], der auf die Zeitschriften von Fachgesellschaften fokussiert, befindet sich in Diskussion.[2]
In vielen Fällen ist die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert, dies gilt besonders für Ansätze, die auf Crowdfunding basieren. Auch aus Sicht der Einrichtungen, die sich am Crowdfunding beteiligen, gibt es vielfältige Kritik an den Verfahren: Beispielsweise besteht weder für die Träger von Diamond OA-Angeboten noch für die Bibliotheken eine ähnliche Planbarkeit wie sie bei Subskriptionsausgaben gegeben ist. Hinzu kommt, dass die steuernde Wirkung der aktuellen Finanzströme im Publikationswesen dem Ziel wissenschaftsgeleiteter, frei zugänglicher Publikationsmöglichkeit diametral entgegenstehen.
Im Vortrag wird der Vorschlag eines Diamond Open Access Fonds vorgestellt, der Diamond OA-Publikationsorgane aus Deutschland kofinanzieren soll. Die Idee wurde erstmals bei den OA-Tagen 2025 einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert[3] und wurde seitdem noch angepasst. Ein ausformulierter Entwurf des Konzepts[4] wurde im Herbst 2025 an das Steuerungsgremium des Allianz-Schwerpunkts „Digitalität in der Wissenschaft“ übergeben, wo es die Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ weiterentwickeln wird. Diese nimmt Ende 2025 die Arbeit auf; bei der Bibliocon kann über erste Ergebnisse berichtet werden.
[1] Tautz et al. (2025) https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261[2] Osterath (2025) Nachr. Chemie 73(12), 8-11[3] Mittermaier (2025a) https://doi.org/10.5281/zenodo.17714311[4] Mittermaier (2025b) https://doi.org/10.34734/FZJ-2025-04667
adb.arthistoricum.net ist eine zentrale, interoperable Forschungsinfrastruktur des FID Kunst, Fotografie, Design für historische und zeitgenössische Kunstausstellungen. Die Datenbank erschließt, sichert und vernetzt heterogene Ausstellungsdaten und macht sie über den Katalog von arthistoricum.net umfassend recherchierbar. Der Vortrag stellt die Infrastruktur sowie das zugrunde liegende ereignisbasierte Datenmodell vor, das Ausstellungen mit Informationen zu Orten, Gebäuden, Zeiträumen, beteiligten Personen und Institutionen, Exponaten sowie vielfältigen Quellen wie Katalogen, Rezensionen, Websites oder digitalisierten Ephemera verknüpft. Dadurch lassen sich bestehende Sammelbestände besser kontextualisieren und ihre Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit deutlich erhöhen. Die flächendeckende Nutzung von Normdaten (GND) gewährleistet hohe Datenqualität, Interoperabilität und Anschlussfähigkeit.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Aggregation externer Datenkorpora und der Zugänglichmachung schwer recherchierbarer Quellen, etwa von Institutionen ohne ausreichende Anbindung an übergreifende Rechercheinstrumente. Durch Kooperationen mit verschiedenen Partnern entsteht so ein wachsendes, vernetztes Forschungsinstrument, das institutions-, künstler- und epochenübergreifende Recherchepfade ermöglicht. Gleichzeitig bietet ein webbasiertes Erfassungsmodul Museen, Kunstbibliotheken, Archiven und Forschungsprojekten eine niederschwellige Möglichkeit, eigene Daten einzupflegen und zur Sichtbarkeit von Ausstellungsinformationen beizutragen.
Der Vortrag richtet sich an BibliothekarInnen, InformationswissenschaftlerInnen und andere Interessierte mit datenkuratierenden Aufgaben. Er zeigt, wie adb.arthistoricum.net als Plattform genutzt werden kann, welche Möglichkeiten sich DatenpartnerInnen bieten und wie Einrichtungen mit eigenen Beständen aktiv zur Erweiterung dieser offenen Wissensressource beitragen und von der Vernetzung im FID-Ökosystem profitieren können.
Der Open Access Monitor Deutschland (OAM) ist eine etablierte Informationsinfrastruktur. Er ist unverzichtbar für das Monitoring der (Text-)Publikationstätigkeit in Deutschland, von der Ebene einzelner Einrichtungen bis hin zur nationalen Ebene. Der OAM nutzt dabei vorhandene Datenquellen wie Open Alex und Scopus nach.
Für andere wissenschaftliche Outputs wie Forschungssoftware und Forschungsdaten existiert in Deutschland ein solches Monitoring bisher nicht, obwohl Kennzahlen zu diesen Formaten zunehmend in Bewertungsverfahren abgefragt werden. Einige Einrichtungen arbeiten bereits an Verfahren, mit denen sie die Forschungsdaten- und Softwarepublikationen ihrer Forschenden erfassen. Einrichtungsübergreifende, vergleichbare und standardisierte Angebote fehlen derzeit jedoch. International sind aktuell die Niederlande das einzige Land, das ein solches Open-Science-Monitoring auf Einrichtungsebene mit nachnutzbaren Daten und in zeitlicher Auflösung bietet.
Ursachen des Desiderats können der Mangel etablierter bibliographischer Datenbanken für Forschungssoftware und Forschungsdaten sein, oder Qualitätsprobleme in bestehenden Datenquellen.
Im Vortrag wird dargestellt, wie Metadaten zu Forschungsdaten und Forschungssoftware aus verschiedenen Quellen gesammelt, normiert und dedupliziert werden können und der OAM so zu einem Open Science Monitor Deutschland ausgebaut werden kann. Er unterstützt Einrichtungen in ihrem eigenen Open-Science-Reporting, indem er KDSF-konforme Daten zur Nachnutzung bereitstellt.
Vernetzte Wissensgraphen: Community-basierte Erstellung von semantischen Metadatenprofilen mit AIMS
(2026)
Linked Data bietet die Möglichkeit vorhandenes Wissen zu digitalen Ressourcen maschinenverständlich und interoperabel abzubilden. Die disziplin-spezifische oder anwendungsorientierte Erstellung von Metadaten für solche Wissensgraphen mithilfe des Resource Description Framework (RDF) ist oft eine Herausforderung. Einerseits fehlt es häufig an Kompetenzen für die Konzepte, andererseits unterstützen nur wenige Werkzeuge die automatische Erzeugung entsprechender Metadaten.
Im Projekt AIMS (Applying Interoperable Metadata Standards) wurde eine Plattform entwickelt, die hierbei unterstützt. Metadatenprofile in Form sogenannter SHACL-Shapes können von Domänenexpert:innen mithilfe von AIMS kollaborativ entwickelt und persistent veröffentlicht werden. Basierend auf diesen Profilen erzeugt AIMS automatisiert Formulare, die eine Eingabe und Validierung der Metadaten ermöglichen und somit die Erzeugung von RDF-basierten Metadaten, ohne, dass die eingebenden Personen RDF beherrschen müssen. Profile werden mit AIMS dabei auf Basis etablierter Ontologien und Vokabularen zusammengestellt, durch Vererbung miteinander verknüpft und somit hohe Interoperabilität bei gleichzeitiger Flexibilität sichergestellt. Die Plattform erlaubt außerdem die gemeinsame Verwaltung von Metadatenprofilen durch Communities. Zur einfachen Anwendung der Profile können die AIMS-Komponenten in digitale Forschungswerkzeuge integriert werden, z.B. umgesetzt im Datenmanagement Tool Coscine sowie aktuell geplant für die beiden elektronischen Laborbücher eLabFTW und openBIS.
In diesem Beitrag stellen wir den durch AIMS unterstützten Ansatz sowie verschiedene Anwendungsbeispiele vor und skizzieren potenzielle Anknüpfungspunkte für wissenschaftliche Bibliotheken. AIMS ist sowohl als NFDI4ING Metadata Profile Service öffentlich verfügbar als auch als Open Source Software veröffentlicht.
Der FID GEO (Fachinformationsdienst Geowissenschaften) bietet mit seinen Repositorien für Daten und Texte eine zentrale Infrastruktur für die Bereitstellung, Erschließung und nachhaltige Zugänglichkeit geowissenschaftlicher Forschungsdaten und Fachliteratur an. Insbesondere hat sich in den vergangenen Jahren auch die Zahl der fortlaufenden Netzpublikationen im Textrepositorium GEO-LEOe-docs deutlich erhöht. Dazu zählt unter anderem die GMIT, ein zentrales Publikationsorgan vieler geowissenschaftlicher Fachgesellschaften.
Aktuell mehren sich die Anfragen, etwa von Landes- und Bundesbehörden und Geoparks, ihre Zeitschriften zeitgemäß und im laufenden Prozess über den FID GEO zu veröffentlichen. Dies rückt nicht nur Fragen nach der (Neu-)Gestaltung, Professionalisierung und Effizienz redaktioneller Workflows in den Fokus, sondern auch, wie diese auf technischer Ebene sinnvoll unterstützt werden können. Bislang haben sich gerade in der Zusammenarbeit mit kleineren Zeitschriften manuell durchgeführte redaktionelle Prozesse bewährt, sowohl vonseiten der Redaktionen als auch beim FID GEO. Aufgrund wachsender Einreichungszahlen, steigenden Anforderungen hinsichtlich der Auffindbarkeit und Präsentation von Publikationen und, damit verbunden, einem höheren Bedarf an standardisierten Abläufen wird jedoch deutlich, dass – gerade bei Erstpublikationen – die Nutzung eines professionellen Publikationssystem wie Open Journal Systems (OJS) sinnvoll wird.
Vor dem Hintergrund bisheriger und neuer Abläufe werden im Vortrag einige Vor- und Nachteile der Nutzung von OJS durch den FID GEO aufgearbeitet. Beleuchtet werden dabei die Potenziale zur Optimierung des Publikationsworkflows aus Sicht der Herausgebenden und des FID GEO, etwa hinsichtlich Effizienz und Transparenz. Gleichzeitig gehen wir auf die Herausforderungen ein, die sich im Umgang mit langjährigen, erfahrenen Nutzergruppen ergeben, welche nicht ohne Weiteres an neue technische Systeme herangeführt werden können.
Die Edition als Innovation: Digitale Publikationspraxis an der Universitätsbibliothek Heidelberg
(2026)
Die Universitätsbibliothek Heidelberg gestaltet schon seit vielen Jahren mit ihren digitalen Editionen das dynamische Spannungsfeld zwischen etablierter geisteswissenschaftlicher Praxis und den komplexen Anforderungen innovativer Informationsinfrastrukturen. Kritische Editionen historischer Text- und Bildquellen gehören zum Kern wissenschaftlicher Arbeit und ihre Veröffentlichung ist eine zentrale Aufgabe des wissenschaftlichen Publikationswesens. Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich jedoch sowohl die Formen der Präsentation als auch die Erwartungen an Visualisierung, Interoperabilität und langfristige Verfügbarkeit.
Der Vortrag soll zeigen, wie die UB Heidelberg diesen Herausforderungen mit technischen und strategischen Konzepten begegnet. Zentral sind dabei flexible Workflows auf Basis etablierter Standards, modulare Publikationsplattformen, neu entwickelte Tools und tragfähige Metadatenmodelle, die den hohen fachlichen Ansprüchen ebenso gerecht werden wie den Anforderungen an Stabilität und Zukunftsfähigkeit. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie traditionelle editorische Prinzipien - etwa Transparenz der Eingriffe - in digitale Strukturen übersetzt nachnutzbar gemacht werden.
Zugleich treten neue Grenzbereiche zutage: Die Übergänge zwischen einer umfangreichen digitalen Edition als Portal oder Forschungsumgebung und einem wissenschaftlichen E-Book im angereicherten HTML-Format werden zunehmend fließend. Funktionen wie dynamische Register, Annotationstools oder Bild-Text-Verknüpfungen lassen beide Formate ineinander übergehen und stellen Bibliotheken vor neue konzeptionelle und technische Entscheidungen.
Anhand ausgewählter Projekte werden Chancen, Grenzen und Perspektiven digitaler und kollaborativer Editionsarbeit in Heidelberg aufgezeigt – und so die Rolle wissenschaftlicher Bibliotheken als Vermittlerinnen zwischen editorischer Tradition, technologischer Innovation und nachhaltigem Zugang zum kulturellen Erbe deutlich gemacht.
Die Transformation von Subskription zu Open Access im Zeitschriftenwesen wird in Deutschland auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene durch vielfältige Aktivitäten gefördert. Trotz gestiegener Open-Access-Anteile vieler wissenschaftlicher Einrichtungen ist eine Transformation im Sinne der großflächigen Umstellung der wissenschaftlichen Zeitschriften zu reinem Open Access bisher ausgeblieben – und mittelfristig auch nicht absehbar.
Ein konzertiertes Handeln zur Gestaltung der Transformation ist eine dringende Herausforderung, die wissenschaftspolitisch auf europäischer und nationaler Ebene adressiert wird. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen begegnet ihr mit der Strategie für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens 2026–2030, die das Vorantreiben der „großflächige[n] Transformation zu Open Access" mit u.a. „Nachhaltigkeit durch Kostentransparenz und Kosteneffizienz“ fordert. Auch mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Open-Access-Transformation (2022) wurde die Forderung nach einer „möglichst vollständige[n] Überführung in Gold-Open Access (unabhängig vom Geschäftsmodell)“ manifestiert.
Eine solche Transformation sowie die Weiterentwicklung eines offenen und wissenschaftsgeleiteten Publikationswesens sind allerdings durch mehrere Lücken und Bedarfe erschwert: 1. systematische und standardisierte Datenerhebungen und -analysen für datengestützte Entscheidungen; 2. tragfähige ökonomische Modelle und Szenarien für eine nachhaltige Finanzarchitektur der Transformation; 3. Qualitätsstandards und Leistungsstufen für Publikationsdienstleister zwecks Transparenz und Vergleichbarkeit; 4. darauf aufbauende praxisorientierte, integrierte Empfehlungen.
Der Vortrag erläutert diese Desiderate und stellt vor, wie das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt Open Access Szenarienanalysen (OASA) sich diesen und den genannten Herausforderungen widmet.
Focal points of Open Science - such as open access publishing, open data, unique identifiers - are increasingly viewed as interconnected themes in need of collective advancement. Open access publishing - one of the most established open initiatives - is thus increasingly challenged to facilitate open science not only on the publication level, but throughout the research lifecycle. With the goal to incentivise publishers to enhance Open Science practices, the Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP3) has established a new mechanism for its contractual period 2025-2027. SCOAP3 is a partnership of over three thousand libraries, key funding agencies and research centers in 47 countries, regions or territories and three intergovernmental organisations that is hosted at CERN, the European Organization for Nuclear Research. Working with leading publishers, SCOAP3 has converted key journals in the field of High-Energy Physics to Open Access by centrally paying publishers from a common fund. From 2025 to 2027, the SCOAP3 partnership assesses all journals’ performance annually based on a set of “Open Science Elements” and adjusts the financial compensations accordingly. “Open Science Elements” include the provision of persistent identifiers (i.e. ORCiD, ROR,..), the completeness of metadata, choice of open peer review offered to authors, compliance with accessibility standards and transparency around values defined by the SCOAP3 community. This presentation will introduce the “Open Science Elements” approach of SCOAP3, the results of the first evaluation period, as well as reflect on larger questions regarding the role of publishers, funding organizations and information centers in incentivizing holistic open science practices.
Data Liberation from Publications zielt darauf, biodiversitätsbezogene Informationen aus textbasierten Artikeln zu lösen und als strukturierte, interoperable und maschinenlesbare Datensätze bereitzustellen. So können sie direkt in globale Dateninfrastrukturen integriert und gemäß den FAIR-Prinzipien genutzt werden. Viele dieser Informationen sind nach wie vor in wissenschaftlichen Publikationen eingeschlossen und daher für die Biodiversitätsforschung nur eingeschränkt nutzbar.
Die Disentis Roadmap beschreibt diesen Übergang als gemeinsame Aufgabe und als Orientierung für eine nachhaltige, datenbasierte Publikationspraxis. Für Herausgeber*innen wissenschaftlicher Zeitschriften entsteht ein deutlicher Mehrwert: Durch Entscheidungen zu Formaten, Metadaten und Workflows bestimmen sie, ob ein Artikel nur Text bleibt oder zugleich ein maschinenlesbarer Datensatz wird, der in Infrastrukturen wie der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) oder BiodiversityPMC eingebunden werden kann. XML-first-Ansätze zeigen, wie sich strukturierte Daten bereits im Publikationsprozess verankern lassen. Zeitschriften gewinnen so an Sichtbarkeit, da strukturierte Daten über Plattformen wie GBIF leichter gefunden, analysiert und nachgenutzt werden.
Die Disentis Roadmap betont, dass FAIR-konforme Biodiversitätsdaten nur entstehen, wenn Akteure entlang der gesamten Publikationskette kooperieren. Data Liberation umfasst dabei sowohl prospektive Workflows (etwa TaxPub-basierte Publikationen bei Pensoft oder dem European Journal of Taxonomy) als auch die retrospektive Erschließung historischer Literatur durch Plazi/TreatmentBank, die Zugang zu jahrzehntelang publiziertem Wissen schafft.
Der Beitrag zeigt, wie Data Liberation – im Rahmen der Disentis Roadmap – Publikationen in dauerhaft nutzbare Wissensbausteine überführt und wie Herausgeber*innen, Forschende, Dateninfrastrukturen und bibliothekarische Fachcommunities diesen Prozess gemeinsam vorantreiben.
Die Funktion des Bibliothekskatalogs hat sich grundlegend gewandelt: Er agiert heute als Discovery-System, das nicht mehr ausschließlich den physischen und digitalen Eigenbestand abbildet, sondern gezielt externe Quellen, insbesondere Open Access-Ressourcen, integriert. Diese Erweiterung fällt mit einer Diversifizierung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zusammen. Neben klassischen Medienformen (Monographien, Artikel) sind beispielsweise Forschungsdaten und -software, Podcasts, Videos, Blogposts und 3D-Modelle als anerkannte Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit zu berücksichtigen. Zusätzlich erweitern innovative bibliothekarische Services wie die Bibliotheken der Dinge die Medienpalette um materielle, leihbare Objekte, die in die Erschließung einbezogen werden müssen.
Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse einer vergleichenden Bestandsaufnahme verschiedener Bibliothekskataloge und -systeme im Hinblick auf die Adäquatheit der Darstellung dieser erweiterten, „nicht-klassischen“ Medienvielfalt. Wir konzentrieren uns dabei auf Erfassung, Metadatenqualität und Zugänglichmachung von Forschungsdaten und Podcasts.
Ein zentraler Teil der Analyse widmet sich der technischen und normativen Rahmenbedingungen, welche die Erschließung dieser neuen Ressourcentypen prägen. Es wird evaluiert, inwieweit bestehende Katalogisierungsanweisungen geeignet sind, die beschriebene Medienvielfalt abzubilden. Ebenso werden die Implikationen bestehender Verbundstrukturen für eine medienadäquate Katalogeinbindung beleuchtet.
Die Analyse dokumentiert ein signifikant heterogenes Bild in Bezug auf die Integrationstiefe, die metadatenbasierte Suchbarkeit und die nutzerfreundliche Präsentation unterschiedlicher Medientypen. Diese Heterogenität stellt eine erhebliche Barriere für die umfassende wissenschaftliche Recherche dar. Auf Basis dieser Befunde möchten wir Ansätze zur Vereinheitlichung der Erschließung und Darstellung in Bibliothekskatalogen diskutieren.
Die Digitalisierung und Bereitstellung von Beständen des Fachinformationsdienstes (FID) Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien stellt auch heute noch eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Dies ist den philologischen und editorischen Besonderheiten orientwissenschaftlicher Publikationen aus einem Zeitraum von über 200 Jahren geschuldet, die im Fachrepositorium MENAdoc vereint sind.
Im Fokus steht die digitale Erschließung mit automatischer Texterkennung, die u.a. auf Verfahren des maschinellen Lernens basiert – insbesondere auf neuronalen Netzen, die unter dem Begriff „künstliche Intelligenz (KI)“ zusammengefasst werden können.
Ein Merkmal dieser Technologie ist ihre Abhängigkeit von umfangreichen Trainingsdaten.
Für die zuverlässige Erkennung sind qualitativ hochwertige Trainings- und Referenzdaten (Ground-Truth-Daten (GT)) unerlässlich. Sie ermöglichen nicht nur die Verbesserung der OCR-Ergebnisse, sondern auch die Messung von Erkennungsgenauigkeiten.Dieser Beitrag stellt ein Projekt aus dem MENALab vor, in dessen Rahmen Trainings- und Referenzdaten erstellt wurden. Im Fokus stand die Bearbeitung eines Publikationskorpus im Umfang von über 200 Seiten. Dieses zeichnet sich durch eine spezifische Schriftmischung, Mehrschriftlichkeit, umfangreiche Verwendung von Diakritika in Kursivschrift sowie verschiedene Formen der Transliteration aus. Der Datensatz wurde im FID gezielt aufgebaut – so zur Workflowoptimierung, als Beitrag zu einem offenen Forschungsdatenmanagement und zur Etablierung von Standards wie den OCR-D-GT Guidelines.Gleichzeitig wirft der Einsatz von KI-Verfahren grundlegende Fragen nach Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Fairness auf. Dies ist auch im Forschungskontext, vor dem Hintergrund des Umgangs mit kultursensiblen Daten und Regularien wie dem AI Act der Europäischen Union von Relevanz.Ziel der Arbeit im FID ist es, diese Daten und Erfahrungen langfristig verfügbar zu machen und durch eine strukturierte Dokumentation ihre Nachhaltigkeit zu sichern.
Als forschungsunterstützende Dienste auf nationaler Ebene bieten die von der DFG geförderten Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) seit 2014 eine vorrangig digitale und standortunabhängige Informationsversorgung, die an den Spezialbedarfen der einzelnen Disziplinen ausgerichtet ist. Die vom Hauptausschuss der DFG im September 2024 beschlossene Einführung der Förderlinie FIDplus ermöglicht ab 2027 die Fortführung dieser Services ohne zeitliche Begrenzung – und etabliert damit nachhaltig ein System der nationalen Informationsversorgung. Als Gesamtstruktur sind die Fachinformationsdienste seit 2019 im FID-Netzwerk organisiert, das, aufbauend auf Vorarbeiten in den vergangenen Jahren, in den kommenden drei Jahren verstärkt FID-übergreifende Services aufbauen und organisieren wird. Gemeinsame Planungsgrundlage dafür ist der im November 2025 verabschiedete Aktionsplan. Im Vortrag werden der aktuelle Stand des FID-Netzwerks und der Aktionsplan für 2026-2028 vorgestellt, wobei neben den gemeinsamen Zielen der FID-Bibliotheken auch mögliche Synergien und Dienstleistungen für Einrichtungen außerhalb des FID-Systems in den Fokus genommen werden.
Integration fachwissenschaftlich erstellter und kuratierter Personendaten in die GND mit entityXML
(2026)
Der Beitrag knüpft an unsere Präsentation auf der BiblioCon 2024 an. Er zeigt inzwischen erzielte Ergebnisse und die weiterentwickelte Zusammenarbeit von Forschungsprojekt, GND-Agentur und FID.
Das DFG-Projekt Corpus Musicae Ottomanicae (CMO) widmet sich der kritischen Edition osmanischer Musikhandschriften in Hampartsum-Notation. Bei der Materialerschließung wurden biographische Daten zu mehr als 600 Komponisten, Lyrikern und Musikern vom frühen 17. bis frühen 20. Jahrhundert systematisch erfasst.
Für digitale Editionen ist die eindeutige Identifikation solcher Entitäten durch Normdaten zentral. Persistente Identifikatoren erleichtern Recherche, Nachnutzung und automatisierten Datenaustausch – gerade bei unterschiedlichen Sprachen, Schriften oder Namensvarianten wie im vorliegenden Fall. Seit 2015 verknüpft CMO seine Katalogeinträge mit der GND. Ein Abgleich zeigte zahlreiche nicht nachgewiesene Personen sowie einen Präzisierungsbedarf bestehender Einträge. In Kooperation mit der GND-Agentur Text+ und dem FID Nahost wurde zur Optimierung einer bisher manuellen Datenerfassung ein toolbasierter Workflow entwickelt.
Kern ist das auf der GND-Ontologie basierende Datenformat entityXML, das eine Trennung von normdatenfähigen Kerndaten und projektspezifischen Erweiterungen erlaubt. In custom namespaces lassen sich vorläufige oder projektinterne Angaben vorhalten, ohne den Import relevanter Informationen zu behindern. Die Daten durchlaufen technische Validierungsroutinen, werden durch den FID fachlich geprüft, in GND-konformes MARC-XML konvertiert und in die GND eingespielt; die erzeugten Identifikatoren fließen an CMO zurück.
In enger Abstimmung zwischen den Partnern wurden Klärungen zu Namenskonventionen und Datentiefen erarbeitet, wozu ein Workshop am Orient-Institut Istanbul sowie ein vom FID entwickelter Leitfaden zur Erfassung vormoderner osmanischer Personen beitrugen. Der Workflow sichert nachhaltig die Datenqualität und bietet ein Modell für ähnliche Vorhaben.
Indikatorgestützte Erwerbungssteuerung: Der Kieler Weg zu einer nachhaltigen E-Medien-Versorgung
(2026)
Die Universitätsbibliothek Kiel organisiert entlang zweier zentraler Erwerbungswerkzeuge die grundständige Medienversorgung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU):
Zum einen besteht der im Jahr 2011 geschaffene Zentralfonds, der die Finanzierung fachübergreifender und hochpreisiger E-Medien im Schwerpunkt Forschung organisiert. Zum anderen existiert der Erwerbungsetat der Zentralbibliothek, der die Medienbedarfe der Studienfächer mit Schwerpunkt „E-preferred“ für Studium und Lehre aufnimmt und finanziert.
Um die beiden Werkzeuge weiterzuentwickeln und zukünftig enger zu verbinden, hat sich im Jahr 2024 eine Arbeitsgruppe zusammengefunden, die aus Erwerbungsabteilung, Fachreferaten, Direktion und Präsidium der CAU besteht. Gemeinsam wurden über die Entwicklung eines indikatorgestützten Etatverteilungsmodells für die Fachetats der Zentralbibliothek sowie durch eine Analyse und Evaluation der Inhalte des Zentralfonds, die Grundlagen für eine engere Verbindung der beiden zentralen Erwerbungswerkzeuge der CAU geschaffen. Flankiert durch ein Erwerbungsprofil der Zentralbibliothek, wurde ein kohärentes Gesamterwerbungskonzept entwickelt, welches die zukünftige Medienerwerbung der CAU organisieren wird.
Der Beitrag soll vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen im Kontext der Medienwerbung von wissenschaftlichen Bibliotheken Szenarien aufzeigen, wie eine zentrale, auf Indikatoren und Evaluationen basierende Steuerung der Erwerbungsmittel die Medienversorgung von Forschung, Lehre und Studium bedarfsgerecht organisieren kann. Eine Analyse der historischen Entwicklung des Zentralfonds, der Arbeits- und Organisationsprozesse auf dem Weg zum Etatverteilungsmodell und der dabei verwendeten Indikatoren soll daraus resultierende Chancen und Herausforderungen für die einzelnen Fächer und Fakultäten aufzeigen. Im Ausblick soll der Beitrag Ideen für die zukünftige Weiterentwicklung der beiden Finanzierungswerkzeuge hin zu einem zentralen E-Medien-Fonds skizzieren.
Anfang der 2000er Jahre initiierten deutschsprachige Bibliotheken zahlreiche Linked-Open-Data-Projekte. Auf große Erwartungen folge oft Ernüchterung – bedingt durch fehlende Tools und Anwendungsfälle. Dennoch etablierten vereinzelte Projekte den produktiven Betrieb. Als Vorreiterin stellt die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) seit 2010 ihre Daten konsequent als Linked Open Data in RDF bereit. Diese werden via OAI, SRU oder Daten-Dumps heute vielfach genutzt, sowohl in bibliothekarischen als auch nicht-bibliothekarischen Anwendungsfällen.
Um das volle Potenzial dieser semantischen Datenstruktur zu heben, ist eine SPARQL-Schnittstelle essenziell. Diese Schnittstelle ermöglicht den direkten Zugriff auf RDF-Daten mittels einer standardisierten Abfragesprache. Seit September 2025 betreibt die DNB eine (SPARQL-)Schnittstelle in der Beta-Phase. SPARQL eröffnet Recherchemöglichkeiten jenseits klassischer Katalogsysteme: So lassen sich etwa dynamische Ko-Autor:innennetzwerke über Zeiträume analysieren oder thematische Cluster identifizieren. Gerade für Digital-Humanities-Projekte entstehen dadurch neue Dimensionen des Wissenszugangs.
Wir berichten aus dem Betrieb der SPARQL-Schnittstelle und demonstrieren ihre Doppelrolle: als Enabler für neue Recherchen und KI-Systeme, die von strukturierten Daten in RDF und der kodierten Semantik profitieren. Diese Erkenntnisse münden in die Diskussion, ob ein RDF-basiertes bibliothekarisches Datenmodell wie BIBFRAME als nächster Schritt für den deutschsprachigen Raum weiterreichendes Potential bietet.
Die Stärkung von wissenschaftsgeleiteten Publikationsorten steht wissenschaftspolitisch hoch im Kurs. Der Aufbau von Publikationsservices im Diamond OA an Hochschulen und Bibliotheken gilt als einer der zentralen Lösungsansätze, um den Bedarfen an nachhaltig finanzierten, nicht gewinnorientierten OA-Infrastrukturen zu entsprechen. Um für Publizierende wirklich attraktiv zu sein, müssen DOA-Publikationsservices zahlreiche essentielle Leistungen bieten: sie sollen professionell für Sichtbarkeit und Reputation der Publikationen sorgen, was wiederum nur gelingt, wenn deren fachliche und ethische Qualität, aber auch Ansprüche an die technische und visuelle Perfomance sowie die Einhaltung von ethischen und formalen (z. B. DOAJ-konformen) Standards, die Berücksichtigung rechtlicher Aspekte und ein versiertes Metadatenhandling kompetent sichergestellt werden.
Eine beachtliche Menge Anforderungen, die über den Betrieb eines Repositoriums, quasi der Urahnin des DOA, weit hinausgehen und die weder von heute auf morgen noch ausschließlich mit traditionellen Bibliothekskompetenzen umzusetzen sind. Wer sich dieser Herausforderung stellt, steht vor zahlreichen Fragen: Wie definieren wir unsere Zielgruppe(n), eruieren deren Bedarfe und konzipieren passende Services? Welche Kompetenzen benötigen wir für die Umsetzung – haben wir sie bereits im Haus, können wir sie aufbauen oder müssen wir neue Kolleg:innen gewinnen? Bauen wir Stellen um (und was ist angemessen mit Blick auf die zahlreichen anderen Aufgaben) oder schreiben wir Projektpersonal aus? Welche Software wollen wir nutzen? Wie wollen und können wir Services weiterentwickeln? Und sollten wir alles allein machen oder können wir Kooperationen nutzen?
Der Vortrag möchte zum einen diese Fragen anhand der Entwicklung des Publikationsservices Publia. SLUB Open Publishing exemplarisch beantworten. Zum anderen möchte er zur Diskussion beitragen, wie wir unsere Services vernetzen und Lösungen synergetisch teilen und nachnutzen können.
Mit ihrer digitalen Strategie gestaltet die Münchner Stadtbibliothek den digitalen Wandel in allen Bereich aktiv mit. Eines der sieben darunter gefassten Ziele ist die Weiterentwicklung intelligent vernetzter Systeme, wozu auch die Umsetzung eines papierlosen Workflows für die Bereitstellung bestellter Medien zählt. Über den internen Leihverkehr der Münchner Stadtbibliothek, der 26 Bibliotheksstandorte + Magazin umfasst, werden jährlich im Durchschnitt 460.000 Medienbestellungen bearbeitet.
In Zusammenarbeit mit it@M, dem städtischen IT-Dienstleister der Münchner Stadtbibliothek, wurde 2025 die LIMOS-App entwickelt, die es den Kolleg*innen ermöglicht, die Bestellprozesse auf komfortable Art auf mobilen Endgeräten zu verwalten (LIMOS = Library Media Ordermanagement System). Durch die Digitalisierung dieses papierbasierten und zeitintensiven Prozesses arbeitet die Münchner Stadtbibliothek nun nachhaltiger, ressourcenschonender sowie effizienter und reduziert nicht zuletzt Fehlerquellen.
Im November 2025 startete die Pilotphase des Projekts mit sehr großem Erfolg an zwei ausgewählten Standorten, und ab Februar 2026 ist der Rollout an allen Standorten geplant.
Die Umsetzung des Projekts erfolgte agil und von Beginn an in Zusammenarbeit mit UX/UI-Designer*innen zur Betonung der User Centricity.
Der LIMOS-Sourcecode wird über die Github-Plattform der Landeshauptstadt München als Open Source zur Verfügung gestellt werden.