Open - Plattformen und Portale
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Der Erfolg jeder Open-Source-Software steht und fällt mit ihrer regelmäßigen und verlässlichen Aktualisierung und Weiterentwicklung. Doch wie lässt sich diese nachhaltig organisieren und finanzieren? Wie kann ein Verfahren aussehen, mit dem eine bunte und heterogene Anwender- und Entwicklergemeinschaft kooperativ, fair und transparent über anstehende Entwicklungsmaßnahmen entscheidet? Und wie passt das zu Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen sowie zu den Rahmenbedingungen und Vergabeverfahren? Die Kitodo-Community hat für die nachhaltige Entwicklung ihrer Software-Suite zur Digitalisierung von Kulturgut einen Fonds ins Leben gerufen, der diesen Ansprüchen gerecht werden möchte. Ein Bericht über Konzeption und Aufbau eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses sowie über das erste Jahr Praxiserfahrung mit dem Kitodo-Entwicklungsfonds.
Die Informationsplattform "open-access.net" ist DIE Quelle zu Informationen rund um das Thema Open Access (OA): Seit 2007 steht die Seite der deutschsprachigen bibliothekarischen Community zur Verfügung. Im Rahmen eines im Dezember 2019 gestarteten Verbundprojektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, entsteht die neue Kompetenz- und Vernetzungsplattform in neuem Design und mit erweiterten Angeboten. Aus der Plattform wird so das Portal open-access.network. Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen als für die technische Umsetzung verantwortliche Projektpartnerin entschied sich dazu, den Entwicklungsprozess an der Plattform in einem agilen Setting umzusetzen, also mit einer minimalen Version der Webseite zu starten, und diese in Rücksprache mit der Community und den Projektpartnern Stück für Stück aufzubauen. Die gute Benutzbarkeit der Webseite wurde durch die kontinuierliche Verwendung verschiedenster Usability-Techniken sichergestellt. Eine besondere Herausforderung, aber auch Chance, ergab sich durch die Arbeit in verteilten Teams. Regelmäßige Treffen und eine immer reichhaltiger werdende Anzahl von online-Werkzeugen halfen die Rückmeldungen zu sammeln und einzuarbeiten. Der Vortrag berichtet über den dynamischen Prozess der technischen und redaktionellen Neugestaltung einer der größten Informationsplattformen für Open Access und beleuchtet die Vorteile sowie Lessons Learned aus dem Einsatz agiler Methoden. Er ist für alle Interessierten aus Bibliotheken und wissenschaftlichen (Infrastruktur-)Einrichtungen gedacht, die sich mit der Entwicklung digitaler Inhalte und Werkzeuge im forschungsorientierten Kontext beschäftigen. Sie erfahren Wissenswertes über Beispiele, Vorteile und Herausforderungen agilen Projekt- und Entwicklungmanagements. Zum Zeitpunkt der Einreichung ist die neue Website noch nicht veröffentlicht. Das Informationsportal wird auf den Open-Access-Tagen 2021 vorgestellt.
Die Möglichkeiten für Forschung und Lehre, die sich Bibliotheken im Wikiversum bieten, werden oft noch unterschätzt. Die offenen digitalen Werkzeuge der globalen Portalfamilie von Wikimedia - Wikipedia, Wikisource, Wikidata, Wikimedia Commons - werden von vielfältigen Gemeinschaften intensiv genutzt. Sowohl deren Nutzung von Bibliotheken als auch die Nutzung des Wikiversums durch Bibliotheken bleiben oft noch eine Einbahnstraße. Dabei können wir beidseitig von ungenutzten Potentialen profitieren: in der Wissenschaftskommunikation, für die erhöhte Sichtbarkeit digitaler Sammlungen, crowdsourcing-basierte Erschließungsprojekte, kollaborative Editionen, offene bibliografische Metadaten und für das Community Building. Gleichzeitig ist Open Science ein Leitbild für Beteiligungsstrategien in Wissenschaftlichen Bibliotheken. Ein möglichst hoher Anteil offener Lehr- und Lernmaterialien in der (ehrenamtlichen) Landeskunde wie im universitären Umfeld sowie deren kompetente Entwicklung und Benutzung sind komplementäre Ziele für offene Wissenschaft. Mit dem Blick auf landeskundliche Projekte auch in europäischen Zusammenhängen zeigen wir, dass und wie das Wikiversum projekt- und strategieorientiert offene Bibliotheksarbeit für die Mitarbeitenden wie für die Nutzenden bereichert und offene Praktiken in Forschungsprozessen stärkt. Die Beispiele reichen von Transkriptionsprojekten in Wikisource und deren strukturierter Erschließung mit Wikidata über die Datenpflege für die Sächsische Bibliografie mittels Wikipedia sowie Linked Open Data-Anwendungen für historische Ortsnamen in Sachsen, über die geodatenbasierte Tiefenerschließung historischer Industriealben bis hin zu lokal orientierten Gemeinschaften wie der Dresdner Wiki-Community. Viele dieser Beispiele und Anwendungen – wie auch die Wikidata-Spezialabfrage “Nearby” zur Pflege lokaler Metadaten und Wissensbestände – sind auch unter Pandemiebedingungen umsetzbar, worauf ein besonderer Fokus des Vortrags liegen wird.
Die Umsetzung offener, transparenter und reproduzierbarer Forschung im Sinne von Open Science kann Forscherinnen und Forscher vor eine Vielzahl an Herausforderungen stellen. Wissenschaftliche Arbeitsabläufe und traditionelle Forschungsmethoden müssen überdacht und neue Verfahren wie Präregistrierung oder Replikation erlernt werden. Darüber hinaus kann die Öffnung von Forschung zusätzliche Schritte im wissenschaftlichen Prozess erfordern. Einzelne Open-Science-Enthusiasten tauschen sich häufig bereits in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise auf Twitter, aus und bauen teilweise auch lokale Open-Science-Communities auf. Wie kann man darüber hinaus in einer wissenschaftlichen Institution Open Science verankern und alle Forschenden ganzheitlich unterstützen? – Ein Lösungsansatz besteht darin, institutionelle Strukturen zu schaffen, welche sich etwa Open Science Office, Center oder Lab nennen. So hat die Universität Mannheim im Februar 2021 ein Open Science Office eingerichtet, welches Forscherinnen und Forscher aller Karrierestufen und Disziplinen unterstützt. Das Open Science Office ist an die Bibliothek angegliedert und geht über die klassischen Bereiche wie Open Access und Forschungsdatenmanagement hinaus. Andere Einrichtungen nehmen auch überregionale Open-Science-Projekte oder Meta-Research in den Fokus. Diese unterschiedlichen und sich ergänzenden Herangehensweisen an die Unterstützung von Open Science im Forschungsalltag werden vorgestellt und beleuchtet. Der Vortrag soll auch zur Reflektion anregen, welche Open Science Services Bibliotheken an ihren Einrichtungen anbieten können.
Die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (WLB) baut einen Publikationsdienst auf, der Literatur zur Landesgeschichte des deutschen Südwestens aus Zeitschriften und Schriftenreihen Open Access zur Verfügung stellen will. Die Publikationen werden über die üblichen bibliothekarischen und kommerziellen Systeme nachgewiesen. Aufgrund dauerhafter Identifikatoren für die Publikationen (DOI) und Autoren (ORCID) sowie der Inhaltserschließung der Landesbibliographie Baden-Württemberg lassen sich die Daten sachgerecht harvesten. Eine Langzeitarchivierung wird gewährleistet. Der Dienst wird über die Open-Source-Softwaresystem Open Journal Systems (Zeitschriften) sowie Open Monograph Press (Monographien, Sammelbände) realisiert. Über einer bloßen Repositoriumslösung hinaus können diese Systeme auch den kompletten redaktionellen Prozess einer Veröffentlichung (Einreichung, Peer-Review-Verfahren, Lektorat, Satz/Grafik/Druck, digitale Veröffentlichung) abbilden. Dabei sind zahlreiche Kooperationspartner zur Partizipation eingeladen: kleine Verlage, Geschichts- und Heimatvereine bzw. Stadt- und kirchliche Archive als Herausgeber von zahlreichen Publikationen, für die aus eigener Kraft die Hürde der Transformation ihrer Publikationen in die digitale Verwertung sehr hoch, in vielen Fällen sogar zu hoch ist. Hier bietet die WLB einen Dienst an, der diese Transformation ermöglicht und begleitet. Neben der retrospektiven Digitalisierung (manche Publikationsserien gehen weit ins 19. Jahrhunder zurück) wird der grüne Weg des Open Access die wohl am häufigsten gewhälte Veröffentlichungsform werden, da die entsprechenden Publikationen noch stark in der Druck-Welt verwurzelt sind. Da aber viele dieser Herausgeber mit rückläufigen Verkäufen und die jeweiligen Vereine mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben, wird der goldene Weg des Open Access womöglich das Überleben mancher Periodika und Schriftenreihen sichern.