Bibliotheksmanagementsysteme, OPAC
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Bibliothekskataloge unterliegen stetigem Wandel. Das Spektrum der Möglichkeiten und Daten wächst. Die aktuelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz eröffnet zusätzliche Perspektiven für Suche, Empfehlungssysteme und Kataloganreicherung. Gleichzeitig entstehen durch Forschungsdaten, Textderivate, Annotationen, Blogs, Nanopublikationen und vieles mehr neue Anforderungen an die Beschreibung und Auffindbarkeit wissenschaftlicher Inhalte. Auch entwickeln Initiativen wie die NFDI und die Fachinformationsdienste Portale und Ontologien, die parallel zu bibliothekarischen Katalogen stehen oder in komplexen Wechselwirkungen mit ihnen agieren. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Rolle der Katalog künftig einnehmen soll: Soll er primär als strukturierter Wissensindex fungieren, als zugriffssteuernder Datenhub dienen oder in umfassendere Suchökosysteme integriert werden?
Dazu wollen wir in diesem Hands-on Lab eine gemeinsame Vision eines Bibliothekskatalogs der Zukunft entwickeln: Basierend auf inhaltlichen Anforderungen und Recherchegewohnheiten („Was brauchen wir?“, „Wie benötigen wir es und an welcher Stelle in unserem Abeitsprozess?“) verschiedener Nutzendengruppen (Forschende, Lernende, Fachanwendende - auch aus der NFDI-und FID-Sicht) und ohne das Korsett technischer, politischer, historisch gewachsener oder bibliothekarischer Rahmenbedingungen. Wir wollen jedoch auch nicht (nur) über KI sprechen; KI soll Werkzeug sein neben anderen, um ein Ziel zu erreichen. Wir wollen das Bewusstsein dafür in breiten bibliothekarischen Kreisen schärfen und auch den Blick über den Tellerrand werfen auf all die Vorhaben, die jenseits der einschlägigen Kataloge Artefakte verzeichnen.
Wir wenden dabei die Methode des Design Thinking an. Wir werden mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Personas und Fragestellungen des „Was?“, des „Wie?“ und des „Wann?“ bilden und uns so aus unterschiedlichen Dimensionen dem Thema annähern.
Die Funktion des Bibliothekskatalogs hat sich grundlegend gewandelt: Er agiert heute als Discovery-System, das nicht mehr ausschließlich den physischen und digitalen Eigenbestand abbildet, sondern gezielt externe Quellen, insbesondere Open Access-Ressourcen, integriert. Diese Erweiterung fällt mit einer Diversifizierung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zusammen. Neben klassischen Medienformen (Monographien, Artikel) sind beispielsweise Forschungsdaten und -software, Podcasts, Videos, Blogposts und 3D-Modelle als anerkannte Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit zu berücksichtigen. Zusätzlich erweitern innovative bibliothekarische Services wie die Bibliotheken der Dinge die Medienpalette um materielle, leihbare Objekte, die in die Erschließung einbezogen werden müssen.
Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse einer vergleichenden Bestandsaufnahme verschiedener Bibliothekskataloge und -systeme im Hinblick auf die Adäquatheit der Darstellung dieser erweiterten, „nicht-klassischen“ Medienvielfalt. Wir konzentrieren uns dabei auf Erfassung, Metadatenqualität und Zugänglichmachung von Forschungsdaten und Podcasts.
Ein zentraler Teil der Analyse widmet sich der technischen und normativen Rahmenbedingungen, welche die Erschließung dieser neuen Ressourcentypen prägen. Es wird evaluiert, inwieweit bestehende Katalogisierungsanweisungen geeignet sind, die beschriebene Medienvielfalt abzubilden. Ebenso werden die Implikationen bestehender Verbundstrukturen für eine medienadäquate Katalogeinbindung beleuchtet.
Die Analyse dokumentiert ein signifikant heterogenes Bild in Bezug auf die Integrationstiefe, die metadatenbasierte Suchbarkeit und die nutzerfreundliche Präsentation unterschiedlicher Medientypen. Diese Heterogenität stellt eine erhebliche Barriere für die umfassende wissenschaftliche Recherche dar. Auf Basis dieser Befunde möchten wir Ansätze zur Vereinheitlichung der Erschließung und Darstellung in Bibliothekskatalogen diskutieren.
Aufgrund des wachsenden Einflusses von Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT erwarten Nutzende zunehmend Suchschnittstellen in natürlicher Sprache, die barrierearme Literaturrecherchen und explorative Anfragen ermöglichen – insbesondere für Nutzendengruppen mit geringerer Rechercheerfahrung. Im Rahmen des experimentellen Projektes “Natürlichsprachige Suche im Stabikat” wird eine natürlichsprachige Literaturrecherche für den VuFind-basierten Discovery-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin implementiert.
Ziel des Projekts ist es, diese Funktionalität mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens (Embeddings, semantische Nähe) und vortrainierter Sprachmodelle (LLMs) zu realisieren. Über eine sogenannte Query-Translation – im Wesentlichen eine automatische Rechercheberatung – sollen Anfragen in natürlicher Sprache auf VuFind-Suchfacetten (Medientyp, Mediensprache, Autoren, Erscheinungszeitraum) sowie inhaltliche Suchkategorien (BK-Klassen, GND-Schlagwörter etc.) abgebildet werden. Gleichzeitig wird eine Intentionserkennung zur Suchanfrage durchgeführt, welche die Rechercheberatung im Hintergrund steuert. Das Ziel besteht darin, eine innovative Suchfunktionalität zu entwickeln, die ohne zusätzliche ML-Trainingsschritte (durch Nutzung vortrainierter Modelle) mit vergleichsweise geringen Betriebskosten auskommt. Da das System unabhängig vom Katalog entwickelt wird, lässt sich die Suchschnittstelle prinzipiell auch auf andere VuFind-Kataloge übertragen.
Der Vortrag beleuchtet die technische Architektur, die genutzten Komponenten und die Funktionsweise des Systems, zeigt die notwendigen Schritte der Datenaufbereitung auf und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Ergänzend wird die Funktionalität des Systems in einer Live-Demo veranschaulicht.
An der JLU Gießen wurde im Rahmen des Projekts QIP (Qualität, Innovation, Planbarkeit - Migration des hebis Verbunds auf eine neue Plattform) mit pygimix eine mandantenspezifisch nachnutzbare Software entwickelt und für die Migration aus dem OCLC LBS nach FOLIO eingesetzt. pygimix steht für "Pythonsoftware für die Migration und Integration fast x-beliebiger Daten". Die Programmquellen stehen unter einer Apache-2.0-Open-Source-Lizenz öffentlich zur Verfügung.
Im Vortrag werden die Softwarearchitektur und die Praxiserfahrungen beim Einsatz während der Migration der Ausleihe vorgestellt. Bei der Migration der Ausleihe wurden für die UB Gießen ca. 35.000 Benutzerdatensätze mit Entleihungen, Sperrungen und Zusatzinformationen sowie 1,7 Millionen Banddatensätze migriert. Manuelle Nacharbeiten konnten durch die Automatisierung auf wenige überschaubare Fälle begrenzt werden.
Die Software ist in Python implementiert und verwendet intern eine nebenläufige Supevisor-Worker-Architektur für eine transparente und performante Verarbeitung. Hierbei werden bis zu 32 CPU-Threads verwendet. Für besonders große Datenmengen können zudem mehrere pygimix-Instanzen parallel gestartet werden.
Die Protokollierung der Verarbeitung erfolgt neben den üblichen Logdateien in eine SQLite Datenbank, über die auch die Identifikation und die Nachverarbeitung von Datensätzen in Fehlerfällen möglich ist. Ebenso kann eine unterbrochene oder unvollständige Migration fortgesetzt werden.
Das Mapping für die Datenübernahme vom Quell- zum Zielsystem wird über mandantenspezifische Funktionen abgebildet, wobei der Programmablauf in Zustandsmaschinen definiert wird.
Die Struktur der beiden Datenmodelle wird bei der Verarbeitung bewahrt, sodass der Ablauf für alle Beteiligten möglichst verständlich nachvollziehbar bleibt. Die Software kann für mehrere Mandanten und Anwendungsfälle über je eine JSON-Datei konfiguriert werden.
Forschende nutzen zunehmend Suchmaschinen und KI-Tools statt des Bibliothekskatalogs. Zudem sind wichtige, publikationsrelevante Informationen gar nicht im Bibliothekskatalog zu finden – so etwa Open-Access(OA)-Publikationsoptionen zu einzelnen Zeitschriften.
Das Lib4RI Search Tool erweitert den klassischen Bibliothekskatalog funktional und inhaltlich und steigert so dessen Relevanz im wissenschaftlichen Arbeitsprozess:
Das Bento-Box-Design ermöglicht die Integration zahlreicher externer Quellen und erweitert den Suchraum weit über den Bibliothekskatalog hinaus.Die Filterung von Informationen, z.B. nach lokaler Verfügbarkeit, mit der Option einer einfachen Ausweitung erlaubt eine klare und übersichtliche Darstellung.Publikationen als Relevanzkriterium: Bei der Journal-Liste beruht Filterung und Ranking auf den Publikationszahlen der eigenen Forschenden, was die Relevanz der Ergebnisse deutlich erhöht.Die Journal-Liste bietet detaillierte, aktuelle Informationen zum OA-Publizieren pro Zeitschrift, darunter (a) institutionelle Read&Publish-Verträge, (b) Gold-OA mit APCs und Finanzierungsoptionen sowie (c) gefilterte Möglichkeiten für Green OA.Ergänzend wird ein KI-gestütztes Verfahren getestet, das Inhalte des institutionellen Repositoriums zusammenfasst und den Nutzenden eine grössere Zahl relevanter Ergebnisse anzeigt als die traditionelle Suche.Das Tool ist als Drupal-Modul implementiert und integriert Inhalte in Echtzeit über JavaScript und zahlreiche APIs. Einzig die Daten zu Read-&Publish-Verträgen werden lokal aktualisiert und unkompliziert via CSV importiert.
Das Lib4RI Search Tool https://www.lib4ri.ch zeigt, wie bibliothekarische Discovery-Systeme durch datengetriebene Anreicherung, Nutzenden-Zentrierung und KI-gestützte Komponenten strategisch weiterentwickelt werden können. So lässt sich die Bibliothek als relevanter Partner für Informationssuche und Open Science positionieren – auch im Zeitalter von Google und KI.
Verlässlich kuratierte Daten aus Bibliotheken besitzen einen hohen Wert für die Entwicklung und Evaluierung von Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI). Trotz dieses Potenzials werden diese Datenschätze von datenintensiven Disziplinen kaum wahrgenommen – sie liegen oft schwer zugänglich in verteilten Systemen (z.B. Verbundkatalogen) und sind in der Regel nicht „AI-ready“. Mit der geplanten Infrastruktur MetaFor schafft die ZBW Abhilfe und positioniert sich als leistungsfähiger „Data Provider“ in einem zunehmend datengetriebenen Wissenschaftssystem. Das Vorhaben wird mit 7,5Mio. € gefördert.
Aufbauend auf ihren bestehenden Aktivitäten zur KI-basierten Automatisierung der Erschließung entwickelt die ZBW eine interoperable Infrastruktur, die Metadaten verschiedener Publikationsarten einschließlich nicht-klassischer wie z.B. Forschungsdaten oder Programmcode in ein einheitliches maschinenlesbares Format überführt und diese Daten samt darauf trainierter KI-Modelle über offene Schnittstellen frei zugänglich macht. So verbessert sie deren Nachnutzbarkeit für Entwicklung und Betrieb weiterer KI-Anwendungen, sichert die Anbindung an andere Datenökosysteme, erleichtert den Datenaustausch entlang wissenschaftlicher Prozessketten und fördert Reproduzierbarkeit.
Der Ansatz gewährleistet zudem den Anschluss an nationale und internationale Initiativen. Er entspricht etwa Aufforderungen des Wissenschaftsrats an die NFDI systematisch Datenräume für die KI-Forschung aufzubauen, während die EOSC im Rahmen der „Strategy for AI in Science“ FAIRe und KI-fähige Forschungsdaten auf europäischer Ebene bereitstellen soll. Diese Empfehlungen, die bislang auf klassische Forschungsdateninitiativen zielen, werden durch MetaFor auf den Bibliothekssektor übertragen und dort weiterentwickelt. Dadurch entsteht ein transparentes Datenökosystem, in dem Bibliotheken als verlässliche Datenanbieter für die Fachwissenschaften auftreten und die Entwicklung und Nutzung von KI-Methoden aktiv mitgestalten.
Seit zwei Jahren ist FOLIO als neues Bibbliotheksmanagement-System in Deutschland im Einsatz und hat sich bewährt - wobei es in der Regel als Lokalsystem an einer Verbunddatenbank betrieben wird. Was bedeutet es aber, mit dem neuen Open Source-System ein so technisch heikles Manöver wie den Wechsel der Verbunddatenbank zum K10plus durchzuführen? Anhand der konkreten Datenflüsse wird der Übergang zur einer neuen Datenbank mit einem veränderten Datenmodell dargestellt und erläutert, was dies für den Bibliotheksbetrieb bedeutet und was es mit dem Wolpertinger auf sich hat.
This paper presents the development of a multilingual newspaper retrieval and summarization platform based on the CrossAsia ITR-Newspaper collection. The system is designed to enhance equitable access to international news resources by integrating multilingual semantic embeddings with large language model–based summarization, translation, and Retrieval-Augmented Generation (RAG). Users can submit queries in their preferred language, enabling cross-lingual retrieval of semantically relevant articles from diverse linguistic and cultural contexts. By lowering long-standing language barriers, the platform supports exploratory search and serendipitous discovery, allowing users to identify materials that might otherwise remain unnoticed. Rather than replacing existing newspaper databases, the system functions as an access-support layer that enables users to understand and navigate original texts without linguistic obstacles.
To support scalability and responsible resource management, the system adopts a hybrid ad hoc and pre-compute architecture. Articles are pre-summarized in batch and stored within the ITR infrastructure to reduce GPU consumption, while ad hoc summarization is performed for content not yet processed. On-the-fly translation ensures flexibility for users with varying language needs. The incorporation of RAG enables context-grounded summaries and explanations that remain faithful to the retrieved content, improving factual reliability and supporting responsible interpretation of licensed materials. As underlying AI models advance, embeddings and pre-summarized outputs will be periodically regenerated to improve quality and maintain service relevance. This project illustrates how AI technologies can strengthen library discovery services, broaden access across linguistic boundaries, and support more inclusive engagement with multilingual newspaper archives.
Der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV), vertreten durch seine Verbundzentrale VZG, arbeitet als Pilot der deutschen Bibliotheksverbünde an der Migration von der OKAPI-basierten FOLIO-Plattform auf die neue Eureka-Umgebung. Dieser Vortrag berichtet aus der Praxis: Was funktioniert? Wo lauern Überraschungen? Was bleibt gleich und was ist anders?
Es wird gezeigt, wie das Eureka-System des GBV aufgesetzt und konfiguriert wurde. Daran anschließend werden die GBV-Migrationsstrategie samt Datenmigrationskonzept vorgestellt. Basierend auf den dabei gemachten, bisherigen Erfahrungen und der Zusammenarbeit in der nationalen und internationalen FOLIO-Community bieten wir unsere „lessons learned“ für die Planung eigener Migrationsstrategien zur Nachnutzung an.
Der Vortrag richtet sich an FOLIO-Interessierte, Plattformbetreibende, Migrationsplaner und alle, die wissen möchten, was sie mit Eureka erwartet.
Moderne Kataloge laden zu explorativen Suchen ein. Mit der Anwendung von Facetten nähert man sich aus der Vogelperspektive großen Beständen; sie geben Auskünfte zu Fragestellungen wie: „Gib mir eine Liste aller im Cotta-Verlag erschienenen Titel mit Verteilung auf die Erscheinungsjahre.“. Haben Sie aber schon einmal versucht, große Treffermengen herunterzuladen? Oder Antworten auf solche Fragestellungen zu erhalten: „Wie hoch ist der Anteil an publizierenden Frauen beim Verlag Cotta im Vergleich zu Suhrkamp?“ Hier stoßen Kataloge mit oder ohne Chatbot an ihre Grenzen.
Wie viele Discovery-Systeme (z. B. VuFind) nutzt auch der Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach im Hintergrund die Suchplattform Apache Solr. Diese kann bereits große Treffermengen schnell ausliefern, ist aber nicht dafür gemacht, frei ins Netz gestellt zu werden. Es braucht also ein vorgeschaltetes Frontend, das Abfragen und Antworten durchreicht – einen Datendienst.
Der Datendienst des DLA Marbach bietet einen offenen (CC0-Lizenz) und standardkonformen (OpenAPI) Zugang zu Katalog- und Normdaten. Über die Schnittstelle lassen sich individuelle Abfragen durchführen und große Datenmengen schnell in unterschiedlichen Formaten exportieren. So können die Daten exploriert und in eigene Forschungsumgebungen (z. B. Jupyter Notebooks) eingebunden werden. Die Anwendung steht unter einer Open-Source-Lizenz zur Nachnutzung für andere auf Apache Solr basierende Discovery-Systeme bereit.
Im Vortrag werden Anwendungsbeispiele für literaturwissenschaftliche Fragestellungen präsentiert sowie Nachnutzungsmöglichkeiten der Open-Source-Software gezeigt.
Ein funktionsfähiger Prototyp steht bereits zur Verfügung und wird im Laufe des Jahres 2026 weiter ausgebaut: https://dataservice.dla-marbach.de. Erste Anwendungsbeispiele und der Code sind bei GitHub veröffentlicht: https://github.com/dla-marbach/dla-opac-dataservice/
Es gibt nur wenige technische Erfindungen, die einerseits eine solch tragende Säule unseres heutigen Bibliothekswesens darstellen und auf denen gleichzeitig der kollektive Hass der gesamten Menschheit lastet. Die Rede ist natürlich vom Drucker.
Traditionell ist vor allem der Magazinbetrieb eng mit diesen Höllenmaschinen verwoben. Trotz dieser einseitig von Wankelmut und Sturheit geprägten Abhängigkeit, waren die Begeisterungsrufe dennoch verhalten, als klar wurde, dass FOLIO als browserbasiertes Bibliothekssystem von Haus aus keine eigene Druckeranbindung mitbringt.
An der UB Regensburg fasste man sich letztendlich ein Herz und nahm sich fest vor, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen, um CUPS im Tassenschrank zu lassen. Entwickelt wurde stattdessen eine tabletbasierte Webanwendung, mit der Magazinbestellungen geswiped und nicht gedruckt werden, mit der keine exotischen Papierfarben für Fernleihen mehr bereitgehalten werden müssen und mit der Magaziner bei vermissten Büchern keine Handkrämpfe vom Nuller-Schreiben mehr bekommen.
Der Vortrag zeigt, wie diese Ansätze funktionieren, welche Herausforderungen sich auf dem Weg gestellt haben und welche Erfahrungen im praktischen Betrieb gesammelt wurden.
Am 26. Juli 2026 wird der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) 30 Jahre alt. Dieses Jubiläum bietet Anlass für einen gründlichen Rückblick und „Lessons Learned“ aus Aufbau und Betrieb des seit drei Jahrzehnten erfolgreichen Dienstes.
Gleichzeitig soll geklärt werden, ob der KVK noch „State of the Art“ oder bereits ein „digitaler Klassiker“ ist. Um diese Frage fundiert beantworten zu können, wird auch die Technik hinter dem KVK erläutert: Der klassische Web-Crawler-Ansatz aus dem Jahr 1996 wurde inzwischen weitgehend durch die Nutzung von APIs (Schnittstellen für Programme) ersetzt.
Der Vortrag zeichnet die Entwicklung des KVK nach und beleuchtet seine Bedeutung für die nationale und internationale Bibliothekslandschaft.
Zahlreiche auf dem KVK basierende virtuelle Kataloge für Dritte sind heute nicht mehr in Betrieb. Die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie (VDL) und der Virtuelle Katalog für Theologie und Kirche (VThK) hingegen spielen weiterhin eine wichtige Rolle, insbesondere beim Auffinden seltenen Buchbestands.
Neben der Rückschau wird schließlich dargestellt, wie es mit dem KVK künftig weitergehen soll – denn mit seinem 30. Geburtstag sind auch die Personen hinter dem Projekt um drei Jahrzehnte gereift.
Es ist das 2. FOLIO-Anwender:innentreffen im Rahmen einer BiblioCon und wir werden uns vor Ort persönlich zu FOLIO austauschen. Zielgruppe sind Kolleginnen und Kollegen aus Bibliotheken des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV), die FOLIO einsetzen. Wir werden unsere vorab gemeinsam identifizierten Themen besprechen, unser Wissen erweitern, unsere Erfahrungen teilen und Kontakte knüpfen.
Damit wir besser planen können, bitten wir um Anmeldung.
Moderationsteam: Beate Aretz, Karina Georgi, Nadja Ronnisch, Gisela Weinerth
Die Helene-Nathan-Bibliothek ist vom Tagungsort der BiblioCon mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln in ca. 15 Minuten zu erreichen.
FOLIO als Next-Generation-Bibliotheksmanagementsystem stellt kein eigenes OPAC-Modul bereit. Stattdessen bietet es eine Vielzahl von Schnittstellen (RESTful APIs), über die Bibliotheken die in FOLIO verwalteten Informationen – etwa Benutzer*innen- und Ausleihdaten – in beliebige Discovery-Services integrieren können. Für viele Anwendungsfälle existieren mehrere potenziell passende Endpunkte, die sich jedoch unterschiedlich gut eignen. Daher sind sowohl ein grundlegendes Verständnis der FOLIO-APIs als auch umfassende Tests sowie die Dokumentation der Ergebnisse essentiell.
Die Identifizierung, Erprobung und Dokumentation der relevanten FOLIO-Endpunkte zur Nachnutzung in verschiedenen Discovery-Services bildeten das zentrale Ziel unserer Arbeit. Dabei haben wir von Beginn an auf eine direkte Kommunikation zwischen FOLIO und dem Discovery-Service gesetzt und bewusst auf zwischengeschaltete Systeme wie PAIA/DAIA verzichtet.
Für unsere Tests und die konkrete Umsetzung wählten wir Lukida als Discovery Service, eine Eigenentwicklung der VZG.
In unserer Präsentation stellen wir unsere Vorgehensweise vor und demonstrieren die Möglichkeiten und Ergebnisse auch live.
Mit der Entscheidung für das Bibliotheksmanagementsystem FOLIO in den Verbünden BSZ und BVB wurde deutlich, dass Handlungsbedarf für die Fernleihe bestand. Diese sollte weiter in gewohntem Umfang und gleichbleibender Servicequalität in Verbindung mit dem Zentralen Fernleihserver von OCLC (ZFLS) angeboten werden. Die global agierende FOLIO-Community als Vorbild vor Augen, schlossen BSZ und BVB 2023 einen Kooperationsvertrag. Das Ziel war, eine Fernleih-Lösung für alle deutschen Bibliotheksverbünde mit ZFLS entwickeln zu lassen.
Dieser Vortrag blickt auf die Zusammenarbeit der beteiligten Partner zurück. Er beleuchtet die Herausforderungen, die die großen und kleinen Unterschiede der ZFLS von BSZ und BVB auf der einen Seite und die Zusammenarbeit mit der Softwarefirma Index Data mit sich brachten, bis eine erste funktionierende Version auf den Weg gebracht war. Neben dem aktuellen Stand wird ein Ausblick auf weitere Entwicklungspläne gegeben.
FOLIO etabliert sich als modernes Open-Source-Bibliothekssystem. Die Integration von RFID weist bislang allerdings noch erhebliche Lücken auf. Standard-Apps wie Check-in und Check-out bieten keine native Unterstützung für RFID-Hardware, sodass Ausleihe, Rückgabe oder das Beschreiben neuer Tags über externe Programme erfolgen. Dieser Bruch erschwert die Arbeit an Thekenarbeitsplätzen und mindert Komfort und Effizienz im täglichen Einsatz.
Im BVB wurde deshalb eine eigene Lösung entwickelt: eine RFID-App für FOLIO, die die Kernfunktionen der Ausleih- und Rückgabeprozesse repliziert und erweitert: Sie ermöglicht die Stapelverarbeitung mehrerer Medien, übernimmt die Buchsicherung und erlaubt das Editieren von RFID-Tags. Daneben kann es Fernleih-Tags mit dem lokalen System verknüpfen.
Technisch basiert die Lösung auf zwei Komponenten: einem lokalen Programm, das mit FEIG-RFID-Geräten kommuniziert und eine REST-API zur Verfügung stellt, und einer FOLIO-App, die diese Schnittstelle nutzt. Damit wird die Einschränkung des Browserzugriffs auf USB-Geräte elegant umgangen. Die Entwicklung ist bewusst offen: Quellcode und Dokumentation sind vollständig im GitLab des LRZ veröffentlicht und stehen zur Nachnutzung bereit.
Die Lösung wird bereits an bayerischen Universitäts- und Hochschulbibliotheken eingesetzt (u. a. UB Regensburg, TH Aschaffenburg, UB Bamberg). Sie verbessert die Arbeitsabläufe und ist ein Beispiel, wie eine pragmatische Eigenentwicklung kurzfristig drängende Probleme lösen kann.
Mittelfristig soll die App in den FOLIO-Standard zurückfließen: Eine Vorstellung in der SIG-Implementers-Gruppe stieß auf großes Interesse, eine Besprechung im Product Council ist für Dezember 2025 geplant.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Ausgangslage, die technische Umsetzung, Erfahrungen aus dem produktiven Einsatz und zeigt, wie lokale Innovationen Impulse für die internationale FOLIO-Community setzen können.
Eine kurze Demo der Funktionen rundet die Präsentation ab.
Mit dem Umstieg auf das Next-Generation-Bibliothekssystem FOLIO hat sich auch VuFind als neuer Open-Source-OPAC im Bibliotheksverbund Bayern (BVB) etabliert.
In den ersten Verbundbibliotheken erfolgte die Einführung beider Systeme parallel. So wurden interne Arbeitsabläufe aufgrund von FOLIO neu gestaltet, während sich gleichzeitig die Rechercheoberfläche für die Nutzenden durch VuFind stark veränderte. Infolgedessen mussten beispielsweise interne wie externe Schulungsangebote zeitgleich vorbereitet werden. Diese Parallelität stellte auch in den Arbeitsgruppen des Verbundes eine Herausforderung dar, da beide Systeme aufwändig konfiguriert und migriert werden müssen.
Um diese Herangehensweise zu flexibilisieren, entschied sich die Universitätsbibliothek Bamberg in Abstimmung mit der BVB-Verbundzentrale für ein gestuftes Vorgehen: Im September 2025 wurde, noch auf Basis des Altsystems SISIS (OCLC), der OPAC von TouchPoint auf VuFind umgestellt. Erst im Februar 2026 folgte dann der Wechsel des Bibliothekssystems. Nach dem Umstieg auf VuFind ergaben sich für die Nutzenden keine weiteren Veränderungen. Dadurch konnten sich die Kolleginnen und Kollegen in Bamberg gemeinsam mit der Verbundzentrale auf die Migration zu FOLIO konzentrieren, Arbeitsprozesse optimieren sowie interne Schulungsangebote vorbereiten und durchführen.
Der Vortrag skizziert den Projektverlauf, berichtet über die gesammelten Erfahrungen der Universitätsbibliothek Bamberg und stellt die nächsten Schritte der BVB-Verbundzentrale dar.
Das Open-Source-Bibliothekssystem FOLIO konnte sich in den letzten Jahren in der deutschen Bibliothekslandschaft etablieren und ist an immer mehr Bibliotheken im Echteinsatz. Vor und während der Migration zu einem neuen Bibliotheksmanagementsystem stehen für die Mitarbeitenden die Übernahme der Daten und die Anpassung von Workflows im Mittelpunkt. Aber schon kurz danach werde Listen zu den unterschiedlichsten (bibliotheks-)alltäglichen Themen benötigt, die in den meisten Vorgängersystemen nur durch die Systemadministration erstellt werden konnten. FOLIO bietet dagegen mit der Lists-App eine leicht zugängliche Option zur Listenerstellung an. In diesem Hands-on Lab werden Sie nach einer Einführung und einer Demonstration eigenständig neue Abfragen innerhalb der Lists-App erstellen und ausführen. Schwerpunkte sind dabei die Bereiche Benutzung und Fernleihe.
Bitte bringen Sie für die Übungen einen Laptop mit. Die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt.
Kartierung von Datenflüssen bei der Verwaltung von E-Ressourcen. Ergebnisse der AG Systemlandschaft
(2026)
In den letzten Jahren ist die Systemlandschaft zur Verwaltung elektronischer Ressourcen zunehmend komplexer und heterogener geworden. Zugleich haben Kooperationen und Netzwerke angesichts immer knapper werdender Ressourcen an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund wurde die AG Systemlandschaft von der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), der Arbeitsgemeinschaft Verbundsysteme (AGV) und der Zeitschriftendatenbank (ZDB) ins Leben gerufen mit dem Ziel, Datenflüsse im Bereich der Verwaltung von elektronischen Ressourcen (u.a. E-Zeitschriften, E-Books, Datenbanken) möglichst umfassend zu erfassen und visuell aufzubereiten. Im Rahmen des Vortrags wird die in der AG Systemlandschaft entwickelte Methodik zur Erhebung von Datenflüssen vorgestellt und ein Einblick in das zugrundeliegende Metadatenschema sowie die Systemlandkarte gegeben. Die Systemlandkarte bildet aktuell 71 Systeme und 164 Datenflüsse ab. Eine Weiterentwicklung sowie regelmäßige Aktualisierung sind geplant. Die erarbeiteten Ergebnisse sollen in JSON- und Excel-Formaten sowie eines Visualisierungstools frei zur Nachnutzung bereitgestellt werden.
Der Workshop richtet sich an Forschende und Bibliothekar*innen, die mit den Metadaten und freien Volltexten der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) arbeiten möchten. Im Mittelpunkt steht eine praxisorientierte Einführung in die Datenrecherche und den automatisierten Datenbezug über die SRU-Schnittstelle sowie die Extraktion ausgewählter Daten aus MARC21-xml in gängige Analyseformate wie CSV. Das Workshop-Format kombiniert gemeinsame Übungen mit eigenständigen Arbeitsphasen: Zunächst wird beispielhaft ein Datenset zusammengestellt und aufbereitet, anschließend bearbeiten die Teilnehmer*innen mithilfe bereitgestellter Skripte und Tools eigene Fragestellungen. So wird sowohl ein grundlegender Einstieg in technische Abläufe geboten als auch ein Raum zum praktischen Ausprobieren.
Ein besonderes Augenmerk des Workshops liegt auf der Sammlung und Bearbeitung konkreter Anwendungsfälle der Teilnehmer*innen, um aktuellen Bedarfen gerecht zu werden und übertragbares Wissen zu vermitteln. Die vorgestellten Methoden sind dabei nicht nur auf die DNB beschränkt, sondern ebenso auf Datenangebote anderer Bibliotheken anwendbar.
Unterstützt wird der Lernprozess durch DNBLab-Handouts und einen integrierten KI-Assistenten in der bereitgestellten JupyterHub-Umgebung. Die zwei Betreuer*innen stehen zudem für fachliche und technische Fragen zur Verfügung. Ziel ist eine niedrigschwellige Einführung in die einzelnen Schritte, wie man von einer Fragestellung zu den Ergebnissen gelangt. Das gemeinsame Bearbeiten soll Hemmschwellen beim Umgang mit komplexen Metadaten abbauen und Forschende befähigen, bibliothekarische Daten effizient und zielgerichtet in ihre Projekte einzubinden.