Historische Sammlungen, Provenienzforschung, Bestandserhaltung
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Tools and methods aligned with local AI infrastructure for data profiling, relevant information extraction, sensitivity screening, provenance contextualization, enrichment and refinement. The modular pipeline of selected LLMs and LVLMs, tailored prompts, instructions and analysis parameters provides practical and privacy-conscious ways to manage and transform heterogeneous collection data, add real value and turn it into reusable resources for public and controlled access.
To commemorate the centenary of the destruction of the KU Leuven Library in 1914, the Goethe-Institut Brüssel, the British Council Brussels, the University of Leuven (KU Leuven) and the Université catholique de Louvain (UCL, Louvain-la-Neuve) organised a three day international conference on the challenging topic: What do we lose when we lose a library?
The burning or destruction of books—and material heritage—is a symbol of so much more. What does a community lose, what does a city or country lose, when a library is burned to ashes?
Seit zwei Jahren bietet die Deutsche Nationalbibliothek Studierenden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig ein Projektpraktikum zur Erschließung historischer Bilderbogen an. Die Bilderbogensammlung ist Teil des Bestandes des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek. Die äußerst vielgestaltigen Bilderbogen aus dem 18. und 19. Jahrhundert erlauben den Studierenden umfassende Einblicke in die Arbeit mit historischem Kulturgut. Sie lernen dabei sowohl bibliothekarische als auch museologische Sichtweisen auf das Material kennen. Die Erschließung erfolgt im PICA-Format in der WinIBW und umfasst die formale und inhaltliche Beschreibung sowie die Erfassung von Provenienzmerkmalen, Druck- und Kolorierungstechniken.
Im Zentrum des Posters steht ein Bilderbogen: Das als „Gänsespiel“ bezeichnete Würfelspiel ist ein typisches Motiv, das in der Sammlung in zahlreichen Variationen vorkommt. Die Spielfelder des Digitalisats sind auf dem Poster mit weiteren typischen Bilderbogenmotiven, Arbeitssituationen und QR-Codes mit Links auf den bisher erschlossenen Bestand und einen zugehörigen Blogartikel ergänzt.
Ziel unserer Präsentation ist es, einen spielerischen Einblick in die Objektvielfalt, in die Arbeit mit den historischen Beständen und in die bisherigen Ergebnisse des Kooperationsprojekts zu geben.
Das Virtuelle Kartenforum (VKF) der SLUB Dresden verbindet historische Geografie mit modernen digitalen Methoden. Seit 2014 bietet es freien Zugang zu rund 10.000 georeferenzierten Altkarten, in denen raumzeitlich recherchiert werden kann. Seit dem Refactoring 2021/22 können mithilfe des GeoJSON-Standards raumbezogene Datensammlungen als Vektorlayer dargestellt werden. Das VKF ist heute Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) im Konsortium 4Memory und wird in regionalen Projekten wie „DIKUSA – Vernetzung digitaler Kulturdaten in Sachsen“ und „IDOHIST – Digitale Dokumentation und Transparenz in der historischen Forschung“ als Erfassungs- und Visualisierungstool eingesetzt.
Das Poster will einerseits diese Möglichkeiten darstellten, v. a. aber die Herausforderungen der Bereitstellung und Weiterentwicklung eines solchen Dienstes für die Digital History erläutern:
Standardisierung vs. Spezifität: Es besteht ein Spannungsfeld zwischen den individuellen Anforderungen wissenschaftlicher Projekte (z. B. unterschiedliche Datumsformate) und dem Ziel, einen generischen, interoperablen Dienst anzubieten. So handelt es sich bei GeoJSON um ein zwar standardisiertes, aber sehr flexibles Format – für Anpassungen im eigenen Projekt hilfreich, für die Herstellungen von Bezügen zu anderen Datensets und für die Darstellung im VKF herausfordernd.
Komplexität und Unsicherheit: Das Verhältnis von Granularität in der Erfassung und Komplexitätsreduktion in der Visualisierung ist ein klassisches Thema der Kartografie, dem unter den Bedingungen der Digitalität umso mehr Bedeutung zukommt. Dies gilt auch für den Umgang mit Unsicherheiten in dem Eindeutigkeit und Abgeschlossenheit suggerierendem Medium Karte, wobei die Digitalität neue, längst noch nicht standardisierte Möglichkeiten der Darstellung bietet.
Nachhaltigkeit: Die langfristige Sicherung der in Projektkontexten entwickelten digitalen Angebote und Daten bleibt eine zentrale Aufgabe für Infrastruktureinrichtungen.
Auf welchem Weg ist ein Buch in die Bibliothek gelangt? Wer waren seine Vorbesitzer*innen? Und welche Spuren können zur Beantwortung dieser Fragen beitragen?
Im Stil einer Collage aus Zeichnungs- und Textelementen präsentieren wir Ansatz, Methodik und Rahmenbedingungen eines großangelegten Provenienzforschungsprojekts zur „Auffindung und Restitution von NS-Raubgut und NS-Beutegut“ des Fachinformationszentrums der Bundeswehr (FIZBw). Ganz nach dem Motto „Analog trifft Algorithmus“ verbindet unsere Arbeit die autoptische Untersuchung von 500.000 Exemplaren an 60 Bibliotheksstandorten mit Recherchen in historischen Archivakten sowie Datenbanken, wo die Ergebnisse auch dokumentiert und der Öffentlichkeit bereitgestellt werden. Während der Suche nach fairen und gerechten Lösungen im Rahmen der Restitution werden außerdem entwicklungs- und bestandsgeschichtliche Zusammenhänge zwischen den Spezialbibliotheken der Bundeswehr, aber auch zu früheren Militärbibliotheken aus der Zeit des Dritten Reiches sichtbar. Die Provenienzforschung kombiniert bibliothekarische Expertisen mit Erkenntnissen der Kunst-/Geschichts- und Literaturwissenschaften, womit sie für eine zukunftsfähige interdisziplinäre Zusammenarbeit steht. Hinzu kommt die Vernetzung innerhalb der Forschungscommunity als Grundlage für nachhaltig geteiltes Wissen und innovative Ansätze.
In den bisherigen acht Projektjahren wurde sukzessive ein Workflow generiert, der anderen Einrichtungen, insbesondere Parlaments- und Behördenbibliotheken, eine Orientierung und Motivation geben kann, die eigenen Altbestände unter die Lupe zu nehmen. Modellhaft kann diese Best Practice auf verschiedene Unrechtskontexte (NS-Zeit, DDR/SBZ und Kolonialismus) übertragen werden, denn die Aufarbeitung historischer Zusammenhänge und eigener Verantwortungen verliert nicht an Aktualität und liefert, wie das Bundeswehr-Projekt belegt, auch Erkenntnisse, die über den Fachzusammenhang der NS-Provenienzforschung hinausreichen.
Zu den Objekten des materiellen Kulturerbes gehören untrennbar ihre Kontexte in Form von Sammlungsdaten und Forschungsinformationen – kurz,
Objektbiographien. Sie bleiben am Objekt jedoch zumeist unsichtbar und werden erst mittels der Dokumentation sichtbar. Immaterielles Kulturerbe – wie darstellende Künste, Praktiken, Handwerkstechniken und Bräuche – manifestiert sich überhaupt erst in seiner Dokumentation. Born Digital Objects besitzen originär keine physische Entsprechung (beispielsweise E-Books, digitale Fotografien oder digitale Nachlässe). Ebenso liegen ihre Kontextinformationen nur digital vor. Dokumentation von Kulturerbe kann in gewisser Weise selbst zum Kulturgut werden und ist ebenso schützenswert wie das Kulturerbe, dem es seinen Kontext gibt. Diese Dokumentation liegt heutzutage zumeist in einer retrodigitalisierten oder originär digitalen Form vor.
Ein Dreiklang aus strategischer Digitalisierung, Prinzipien des Datenmanagements und des holistischen Risikomanagements kann helfen, die digitale Datensicherheit und -souveränität nachhaltig zu verbessern und damit die Krisenresilienz für Kulturerbe bewahrenden Institutionen und Sammlungen zu stärken.
Eine Strategische Digitalisierung inklusive Erfassung erfolgt individuell, dabei ausgewählt, zielgerichtet und nachhaltig. Ihr wohnt kein Selbstzweck inne – die Auswahl der Parameter erfolgt gemäß dem definierten Ziel. Die Anwendung der Prinzipien des Datenmanagements beugt Datenverlust vor und unterstützt den Wissenserhalt. Die FAIR-Kriterien bilden den Rahmen – denn auffindbare, zugängliche, anschlussfähige und nachgenutzte Daten vervielfältigen sich in vernetzte Derivate und stehen nicht für sich allein. Holistisches Risikomanagement beleuchtet mögliche Risikoszenarien mit einem präventiven Ansatz: Risiken werden individuell für die eigenen Bestände identifiziert, durchgespielt, bewertet und ihnen dann entgegengesteuert. Allianzen und Notfallverbünde bilden starke Netzwerke der Communities für den Ernstfall.
Die physische Bestandserhaltung ist eine grundlegende Voraussetzung, um historisches Schriftgut langfristig zu bewahren und für künftige Nutzungsformen aufzubereiten. Vor diesem Hintergrund gewinnt das neue, von Bund und Ländern getragene Förderprogramm „Schriftliches Kulturgut erhalten“ der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) besondere Bedeutung. Es führt die bisherigen beiden Förderlinien in einem erweiterten, modularen System zusammen und erleichtert damit den Zugang zu Mitteln für den Schutz bedeutender Originalquellen. Förderfähig sind sowohl Maßnahmen zur Sicherung von Urkunden, Akten, Büchern und anderen Originalen als auch Vorhaben der Notfallvorsorge und der Forschung.
Das Hands-on Lab, zu dem KEK und das Kompetenznetzwerk für Bibliotheken (knb) im Deutschen Bibliotheksverband e. V. (dbv) einladen, zeigt, wie das neue Programm in der Praxis genutzt und im Kontext weiterer Förderoptionen verortet werden kann. Vorgestellt werden die Struktur des Programms, seine Module und Antragswege sowie seine Rolle innerhalb der deutschen Kulturerbe-Infrastruktur. Ergänzend dazu wird ein Überblick über weitere relevante Förderangebote gegeben, darunter Programme für Digitalisierung, Bestandserhaltung und kulturelle Infrastruktur, sowie Orientierungshilfen für die Auswahl geeigneter Finanzierungsmöglichkeiten.
In Arbeits- und Gesprächsphasen klären die Teilnehmenden die Bedarfe ihrer Einrichtungen, entwickeln darauf abgestimmte Projektideen und prüfen, wie sich das KEK-Förderangebot sowie ergänzende Programme sinnvoll einsetzen lassen.
Ziel des Labs ist es, Bibliotheken einen klaren Zugang zum neuen KEK-Programm zu eröffnen und zugleich den Blick für den größeren Förderzusammenhang zu schärfen, um das schriftliche Kulturerbe in Deutschland wirkungsvoll zu schützen und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Das deutsche Nationalkomitee von Blue Shield (Blue Shield Deutschland), der Verband der Restauratoren (VdR), der SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut, die Kommission Bestandserhaltung des Deutschen Bibliothekverbands (dbv) und die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) planen in Kooperation für die BiblioCon 2026 einen Fachreihe (4 Sessions) zum Thema "Notfallvorsorge und Kulturgutschutz als Führungsaufgabe"
Session 4: Kulturgutschutz im Netz
Kulturgutschutz und Notfallvorsorge sind keine Angelegenheit von Einzelgängern. Es lebt vom Netzwerk. Die Session zeigt Projekte und Ansätze, wie im Netzwerk die Sicherung des kulturellen Erbes vorangetrieben wird – ob auf Ebene von digitalen Lösungen, Katastererstellungen oder der Entwicklung zu überregionalen Netzwerken.
Center for Holocaust Research and Education (CHRE), Belgrade will present the work of human rights, memorial NGOs and cultural public actors leveraging archival data accessibility and sovereignty in media, rights advocacy, and GLAM.
In a politically contested environment with inconsistent availability of archival collections, both the primary sources and literature accessibility, quality, organization and share-ability are affecting research and narrative formation in academia, media and the civil sector. The case studies will present the situations where public access to complete source material was crucial for effective civil society communication countering misinformation, indoctrination, censorship and revisionism. The civil society resilience in Serbia is also being formed through the creation of new archival collections, documentation centers and citizen testimony archives, all being formed as a political response to totalitarian repression and destruction of immaterial and physical memorial and cultural heritage. These resources are increasingly important as they are providing an independent, factual anchor for the new public discourse that is being formed.
The presentation will advocate for the creation of wide consortiums going beyond the data indexing, protection, standardization, toward the "open source content" with "persistent availability" - a necessary enabler of academic and civil-sector agency. Creation of cooperative institutional networks using distributed libraries as a model, would help not only safeguard what was rescued, but establish a safe space for free, liberal and democratic education in both democratic and illiberal societies. Some of the possible paths forward will be shown through our joint research into data transition toward distributed platforms and data accessibility front-ends with our partners at "TIB Leibniz Information Centre for Science and Technology" and Geospatial data systems.
Aktuelle Themen rund ums Alte Buch – Öffentliche Arbeitssitzung der dbv-Kommission Altbestände
(2026)
Die dbv-Kommission Altbestände lädt zu einer Öffentlichen Arbeitssitzung ein, um ihre Arbeit vorzustellen und aktuelle Fragestellungen rund um das Alte Buch zu diskutieren. Das Themenspektrum Altes Buch ist breit gefächert und reicht von der Erschließung unterschiedlichster historischer Buchbestände und Sondermaterialien über die Digitalisierung und anschließende Volltexterkennung von Handschriften, Fragmenten und gedruckten Texten bis hin zu deren angemessener Präsentation und Vermittlung an ein Fachpublikum oder auch interessierte Laien. Zu den aktuellen Herausforderungen im Bereich der historischen Sammlungen gehören neben dem Sammeln, Bewahren und Kuratieren auch das Entsammeln, der Umgang mit Sonderbeständen und deren Erschließung sowie die Unterstützung der digitalen Transformation.
Die dbv-Kommission Altbestände ist die zentrale Ansprechpartnerin für Fragen zu Handschriften, Alten Drucken, Nachlässen, historischen Sondersammlungen und Sondermaterialien in Bibliotheken. Sie veranstaltet alle zwei Jahre das „Blaubeurener Symposium Handschriften und Alte Drucke“ als zentrales Fortbildungs- und Austauschforum für Alt- und Sonderbestandsfragen und bietet weitere Fortbildungen an. Durch die Erstellung von Handreichungen und Empfehlungen fördert sie zudem den fachlichen Austausch und gestaltet den digitalen Wandel im Bereich der Altbestände aktiv mit.
Was bedeutet, heißt und braucht Nachhaltigkeit in AV-Sammlungen – sozial, institutionell, digital und ökologisch? Wie viel Nachhaltigkeit ist mit welchen Praktiken und Strategien zur Wahrung des Filmkulturerbes bereits Realität? Was ist zwingend und was ist (un-)möglich mit welchen Ressourcen zu tun?
Im Mittelpunkt des Workshops stehen Herausforderungen und Chancen, die sich aus aktuellen technologischen Entwicklungen, veränderten Nutzererwartungen und der Notwendigkeit ressourcenschonender Arbeitsweisen ergeben. Diskutiert werden Erfahrungen, Strategien, Best Practices und Zukunftsperspektiven – von nachhaltigen Digitalisierungskonzepten über langfristige Speicher- und Erhaltungsstrategien bis zu kollaborativen Modellen der Vermittlung.
Ziel ist es, Fachwissen zu bündeln, neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen und Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen des AV- und Informationssektors miteinander zu vernetzen.
Visual Literacy in Zeiten von KI und sozialen Medien – Franziska Heller (Universität Halle-Wittenberg) / Ulrich Rüdel (HTW Berlin)Nachhaltigkeit in der Lehre – Maike Reinerth (Filmuniversität Potsdam-Babelsberg)Nachhaltigkeit in Bezug auf Finanzierung und Infrastrukturen – Kai Matuszkiewicz (Universität Marburg)Nachhaltigkeit in Bezug auf Datenmanagement und Priorisierung von Projekten – Matti Stöhr (TIB Hannover) / Jasper Stratil (SDK Berlin)Unterschiedliche Ansätze zur Nachhaltigkeit in Bezug auf die digitale Archivierung – Volkmar Ernst (Akademie der Künste Berlin) / Antje Dittmann (SDK Berlin)Alle, die sich für die Gegenwart und Zukunft des audiovisuellen Erbes, dessen Erschließung, Bereitstellung und Vermittlung interessieren und aktiv an nachhaltigen Lösungen mitwirken möchten, sind herzlich eingeladen, sich einzubringen.
Details zum Programm und Anmeldung: https://www.arthistoricum.net/netzwerke/akmb/fachgruppen/audiovisuelle-ressourcen/ak-film-archiv/audiovisuelles-kulturerbe-nachhaltiger-archivieren
Wie können Bibliotheken verantwortungsvoll mit Beständen umgehen, die entweder aus kolonialen Kontexten stammen oder koloniale bzw. diskriminierende Inhalte vermitteln – und wie kann ein praxisnaher Leitfaden dabei unterstützen? In dieser Podiumsdiskussion stellen wir erstmals einen neuen Leitfaden vor, der Bibliotheken im Umgang mit kolonial belasteten Materialien Orientierung und konkrete Handlungsschritte bietet. Der Leitfaden entstand unter Mitwirkung von Kolleg:innen aus Bibliotheken, wissenschaftlichen Einrichtungen und internationaler Partner:innen und bündelt Expertise aus Provenienzforschung, Bestandspräsentation, Metadatenmanagement und Erwerbungspraktiken.
Auf dem Podium kommen bibliothekarische, wissenschaftliche, internationale und politische Perspektiven zusammen, um die komplexen Herausforderungen im Umgang mit Materialien aus kolonialen und diskriminierenden Kontexten zu beleuchten. Die Diskutierenden geben Einblick in die Entstehung des Leitfadens, zentrale Empfehlungen und offene Herausforderungen.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Transparenz, Partizipation und Verantwortung: Wie lassen sich koloniale Provenienzen systematisch erforschen? Wie können Metadaten sensibel und respektvoll gestaltet werden? Welche Rolle spielen Erwerbungsstrategien, und wie können Bibliotheken ihre Bestände so präsentieren, dass historische Ungleichheiten sichtbar, aber nicht reproduziert werden? Außerdem wird diskutiert, welche Impulse aus Gesprächen mit Kolleg:innen aus dem Globalen Süden in die Reflexion eingeflossen sind und welche unterschiedlichen Erwartungen in internationalen Kontexten sichtbar wurden.
Die Diskussion zeigt praxisnahe Wege auf, wie Bibliotheken die kolonialen Dimensionen ihrer Bestände sichtbar machen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam zu einer vielfältigen Erinnerungskultur beitragen können.
Die Bildähnlichkeitssuche für bavarikon und technologische Nachnutzungsszenarien : Bilder & KI
(2026)
Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) hat ihre Bildähnlichkeitssuche für das Kulturportal bavarikon grundlegend neu entwickelt und damit einen wichtigen Schritt hin zu einem KI-gestützten, in diesem Fall auf Deep-Learning-Methoden aufsetzendem Retrieval-Verfahren für bildliche Information in Kulturdatenbeständen vollzogen.
Die technische Grundlage ist ein eigens trainiertes Segmentierungsmodell, ergänzt durch ein leistungsstarkes Off-the-Shelf-Modell zur Erzeugung semantischer Bild-Embeddings. Die eigentliche Ähnlichkeitssuche erfolgt über eine Vektorsuche, die flexibel mit klassischen Metadatenfiltern kombiniert werden kann. Dies ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzer, die sehr heterogene Bildbestände aus bayerischen Archiven, Bibliotheken und Museen – von Buchillustrationen über Fotografien bis zu Gemälden – konsistent und inhaltlich sinnvoll durchsuchen zu lassen. Der Beitrag skizziert den gesamten Entwicklungsprozess, vom Proof-of-Concept auf einem Testdatenbestand über den Aufbau eines GPU-gestützten Trainingssystems bis zum Produktivgang.
Die im Rahmen der Implementierung aufgebauten bzw. weiterentwickelten Kompetenzen im Bereich des Maschinellen Lernens kommen an der Bayerischen Staatsbibliothek über bavarikon hinaus zum Einsatz. Die Bildähnlichkeitssuche für die Digitalen Sammlungen, der größten digitalen Bibliothek in deutschen Kultureinrichtungen mit über 440 Millionen gescannten Seiten, ist in Vorbereitung. Und bereits jetzt schon können Methoden der Bildähnlichkeitssuche angewendet werden, um anhand charakteristischer Stempel, Inventar-Wapperl und Exlibris andernfalls kaum mehr ausfindige historische Teilbestände der Bayerischen Staatsbibliothek identifizieren zu können.
Die Digitalisierung und inhaltliche Erschließung historischer Bestands- und Zugangsverzeichnisse, wie gedruckte Neuerwerbungskataloge und handschriftliche Zettelkataloge, stellt Bibliotheken vor eine strukturelle Herausforderung. Diese Dokumente nutzen spezifische, oft uneinheitliche Layouts, Abkürzungen und weisen eine hohe Informationsdichte pro Zeile auf, bei der Metadaten (Autor, Titel, Jahr, Sacherschließung) ohne klare Trennung linear verschmolzen sind. Die manuelle Transkription und Strukturierung ist zeitaufwendig und ressourcenintensiv.
Im Vortrag wird eine Methode zur automatischen Erfassung und Strukturierung dieser Daten unter Nutzung eines Large Language Models (LLM) anhand der Neuerwerbungen der Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden aus den 1930er- und -40er-Jahren vorgestellt. Die beispielhaften Zugangsverzeichnisse listen Akzessionen in fortlaufendem Text. Eine typische Zeile enthält alle bibliographischen Elemente (z. B. Stiller, G.: Erwärmungs- und Trocknungsvorgänge in Gesteinstrockentrommeln beim Gegen- und Gleichstromverfahren. 1935. 26 S.) und schließt mit der Sacherschließungsnummer (z. B. VII, 2443, 8) ab. Die Aufgabe ist die semantische Segmentierung dieser Zeilen in einheitliche Datenfelder.
Das vorgeschlagene Vorgehen gliedert sich in drei Schritte:
1. Digitalisierung und Basistranskription mittels Optical Character Recognition
2. Strukturierte Datenextraktion mittels LLM (via Few-Shot-Prompting)
3. Datenverfeinerung mittels internen Register und Normdaten
Der LLM-basierte Ansatz überwindet die Skalierungsgrenzen traditioneller Verfahren und eröffnet Bibliotheken neue Möglichkeiten: Die Automatisierung des Erschließungsprozesses führt zu einer signifikanten Reduktion der Digitalisierungsaufwände. Die Methode ermöglicht außerdem die präzise Erfassung und Erhaltung historischer Sacherschließung und ist auf andere historische Verzeichnisse, einschließlich heterogener und handschriftlicher Zettelkasteneinträge, übertragbar.
Die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste bietet seit 2015 ein Förderprogramm gezielt für Provenienzforschung nach „NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut“ an. Neben Museen werden besonders oft Bibliotheken gefördert. Erfahren Sie, welche Förderkategorien das Zentrum für Bibliotheken anbietet und wie Sie einen Antrag optimal stellen. Als angemeldeter Teilnehmer können Sie vorab einen Entwurf einreichen. Unter den Einreichungen wird ein Entwurf exemplarisch mit der Gruppe zusammen ausgewertet und Optimierungspotenzial vermittelt, damit jeder einen Eindruck an die Anforderung eines Antrags erhält. Währenddessen können jederzeit Fragen gestellt werden.
Bereits seit einer Dekade ermöglicht der Fortschritt im Bereich der Neuronalen Netze (Deep-Learning) eine hohe Genauigkeit bei der automatisierten Erkennung von gedruckten oder handschriftlichen Texten in digitalisierten Werken. Dies erlaubt einen erleichterten Zugriff auf die vielfältigen Inhalte für Forschung und andere Nutzende. Bei der automatischen Verarbeitung von Bildern und der Erkennung deren Inhalte in historischen Werken besteht weiterhin ein Optimierungsbedarf.
Das Projekt ViFaPi („Visuelle Fachinformation: Automatische Bildverarbeitung für Pflanzen in historischen Drucken, Handschriften und Herbarien“) konzentriert sich in diesem Kontext auf bildreiche, historische Sammlungen von Pflanzen in Herbarien und Kräuterbüchern, und untersucht den Einsatz moderner Bildanalyseverfahren zur Erkennung der konservierten oder illustrierten Pflanzen.
Einen vielversprechenden Ansatz bieten auch hier die modernen Konzepte der Neuronalen Netze (Deep-Learning). Das Training beziehungsweise die Übertragung von vortrainierten Modellen und Methoden auf historische Abbildungen, die teils aus dem 16. Jahrhundert stammen, stellen aber eine besondere Herausforderung dar. Problematisch sind unter anderem die verschiedensten Formen der Darstellung beziehungsweise Ausrichtung der Pflanzen sowie die Zuordnung und der Umgang mit relevanten handschriftlichen oder gedruckten Texten, die sich teilweise sogar überlagern.
Im Projekt werden unter anderem Kollektionen aus der Herzog August Bibliothek und der Universitätsbibliothek Braunschweig genutzt. Für die Erkennung der Pflanzenabbildungen werden internationale Datenbanken und verschiedene Referenzsysteme, z.B. „International Plant Names Index“, herangezogen. Die Ergebnisse der Untersuchungen können in einem nächsten Schritt für die Kontextualisierung der Abbildungen in Repositorien genutzt werden.
Design for Democracy – Die Stadtbücherei Frankfurt am Main als Teil der World Design Capital 2026
(2026)
Was kann Design leisten – für die Gesellschaft, für unser Miteinander und für die Demokratie? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Stadt Frankfurt am Main und die Region Rhein-Main als World Design Capital 2026 (WDC). Alle zwei Jahre vergibt die World Design Organization diesen Titel im Rahmen eines weltweiten Bewerbungsverfahrens an eine Stadt oder Region mit dem Ziel, aktuelle wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen aus der Perspektive des Designs anzugehen. Gemäß dem Motto Design for Democracy: Atmospheres for a better life zeigt das Programm der World Design Capital 2026 Frankfurt Rhein/Main, wie Gestaltung nachhaltige Entwicklung fördert, neue Formen urbanen Wohnens und Arbeitens ermöglicht, Mobilität und Bildung neu denkt, umweltbewusstes Produzieren und Konsumieren unterstützt – und macht damit eine ganze Region zum Labor für die lebenswerte, demokratische Zukunft. Der weite Designbegriff versteht sich als Hebel für die Transformation von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, stärkt unser soziales Miteinander und macht Werte des Zusammenlebens erlebbar. Für die Stadtbücherei Frankfurt am Main bietet das Programm eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten: die Gestaltung lebendiger Diskursräume unter Beteiligung der Stadtgesellschaft, die Förderung von Aufenthaltsqualität und von Begegnung im öffentlichen Raum, die Verbesserung der Zugänglichkeit von Kultur- und Bildungsräumen für alle Menschen. Als konkretes Projekt gestaltet die Stadtbücherei im Rahmen von WDC 2026 eine LeiseLounge in der Zentralbibliothek und greift damit einen vielfach geäußerten Wunsch ihrer Besucher*innen nach einem Ruheort in der hektischen Innenstadt von Frankfurt auf. In Kooperation mit Studierenden der Hochschule Darmstadt und in Rückkopplung mit den Besucher*innen entsteht ein inklusiver Raum für Ruhe, Konzentration und aktive Entspannung.
Provenienzforschung zu NS-Raubgut in Bibliotheken wird seit Verabschiedung der Washington Principles (1998) und Annahme der Gemeinsamen Erklärung (1999) inzwischen grundsätzlich als etabliert angesehen. Hierfür ist 2008 mit der Arbeitsstelle für Provenienzforschung bzw. 2015 mit der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK) eine Förderstruktur etabliert worden, die Bestandsprüfungen ermöglicht. Dagegen stellt Forschung zu Büchern, welche im Zuge sogenannter Republikflucht zurückgelassen wurden bzw. zurückgelassen werden mussten, bisher ein klares Forschungsdesiderat dar. Förderung zu SBZ/DDR-Kontexten ist nach wie vor nur in Form von Grundlagenforschung möglich. Bestandsprüfungen gehören bisher nicht zu dieser Grundlagenforschung.
Wohl sind dank u.a. DZK-geförderter Projekte einzelne Beispiele für Rücklässe im Bibliotheksbereich bekannt. Genannt werden können einzelne Bücher aus dem mehrere Tausend Bände umfassenden Rücklass von Martin Helmer (1926 – 1977) oder andere private Büchersammlungen, die als Teil eines zurückgelassenen Hausrates verschiedenen staatlichen Einrichtungen (wie Schulen oder Museen) übergeben wurden, wo sie sich meist heute noch unerkannt befinden. Selten gelingt bisher die Identifizierung dieser Bücher. Meist bleibt es bei der Überlieferung einzelner Aktenstücke, die für einen solchen Bücherverlust stehen.
Die Veranstaltung soll dazu dienen, Beispiele zu sammeln und mögliche Suchansätze zu diskutieren. Zudem sollen in kurzen Impulsbeiträgen einschlägige Regelungen und Praktiken des Umgangs mit Rücklässen vorgestellt und die Förderlage beschrieben werden. Die Teilnehmenden werden gebeten, konkrete Fragen und Projektideen zur Diskussion zu stellen. Eine vorherige Anmeldung ist erwünscht.