Digitalisierung, Langzeitarchivierung
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Tools and methods aligned with local AI infrastructure for data profiling, relevant information extraction, sensitivity screening, provenance contextualization, enrichment and refinement. The modular pipeline of selected LLMs and LVLMs, tailored prompts, instructions and analysis parameters provides practical and privacy-conscious ways to manage and transform heterogeneous collection data, add real value and turn it into reusable resources for public and controlled access.
Im Kontext der DFG-Pilotphase “Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte” beschäftigen wir uns aus technischer Sicht damit, wie man zugangsbeschränkte Objekte für Nutzende so bereitstellen kann, dass dabei geltendes Recht nicht verletzt wird. Komplexe Beschränkungen wie Embargofristen, Altersbeschränkungen, Gruppenzugehörigkeit oder die Begrenzung der Darstellung auf einen Teil des Objekts sollen automatisiert auswertbar und durchsetzbar sein. Gleichzeitig soll Nutzenden der Zugriff technisch komfortabel ermöglicht werden und die Beschränkungen und Rechte einfach von der anbietenden Bibliothek verwaltet werden können.
Zugriffsbeschränkungen sind komplex
Aus rechtlichen und anderen Vorgaben ergeben sich o.g. Beschränkungen, die für eine komplette Sammlung, ein Objekt oder Teile eines Objekts gelten können und auch miteinander kombinierbar sind. “Zugriff” kann mehrere Dinge bedeuten, z.B. ansehen, herunterladen, ausdrucken, die jeweils Beschränkungen unterliegen können.
Unser Fokus liegt auf diesen technischen Fragen:
Beschreibung und Auswertung: Wie bildet man die Beschränkungen maschinenlesbar so ab, dass sie automatisch auswertbar sind?Durchsetzung: Wie ermöglicht man die Durchsetzung der Beschränkungen in verschiedenen Präsentationssystemen?Sicherheit und Integrität: Wie stellt man sicher, dass die Beschränkungen geschützt sind gegen unerlaubte Veränderungen oder Zugriff?Unser Poster zeigt neben einer generischen Architektur für das Zugriffsmanagement Beispielobjekte mit ihren Beschränkungen als Grundlage für einen Austausch
Zentral in unserer Lösung ist die Trennung zwischen Beschreibung, Auswertung und Durchsetzung der Beschränkungen, die es erlaubt, das Zugriffsmanagement modular zu gestalten und Teile wiederzuverwenden. So erreichen wir u.a., dass jedes Präsentationssystem die Beschränkungen umsetzen kann, Endsysteme keinen Zugriff auf Nutzendendaten haben und unterschiedliche Beschreibungssprachen genutzt werden können (z.B. LibRML, ODRL).
Zu den Objekten des materiellen Kulturerbes gehören untrennbar ihre Kontexte in Form von Sammlungsdaten und Forschungsinformationen – kurz,
Objektbiographien. Sie bleiben am Objekt jedoch zumeist unsichtbar und werden erst mittels der Dokumentation sichtbar. Immaterielles Kulturerbe – wie darstellende Künste, Praktiken, Handwerkstechniken und Bräuche – manifestiert sich überhaupt erst in seiner Dokumentation. Born Digital Objects besitzen originär keine physische Entsprechung (beispielsweise E-Books, digitale Fotografien oder digitale Nachlässe). Ebenso liegen ihre Kontextinformationen nur digital vor. Dokumentation von Kulturerbe kann in gewisser Weise selbst zum Kulturgut werden und ist ebenso schützenswert wie das Kulturerbe, dem es seinen Kontext gibt. Diese Dokumentation liegt heutzutage zumeist in einer retrodigitalisierten oder originär digitalen Form vor.
Ein Dreiklang aus strategischer Digitalisierung, Prinzipien des Datenmanagements und des holistischen Risikomanagements kann helfen, die digitale Datensicherheit und -souveränität nachhaltig zu verbessern und damit die Krisenresilienz für Kulturerbe bewahrenden Institutionen und Sammlungen zu stärken.
Eine Strategische Digitalisierung inklusive Erfassung erfolgt individuell, dabei ausgewählt, zielgerichtet und nachhaltig. Ihr wohnt kein Selbstzweck inne – die Auswahl der Parameter erfolgt gemäß dem definierten Ziel. Die Anwendung der Prinzipien des Datenmanagements beugt Datenverlust vor und unterstützt den Wissenserhalt. Die FAIR-Kriterien bilden den Rahmen – denn auffindbare, zugängliche, anschlussfähige und nachgenutzte Daten vervielfältigen sich in vernetzte Derivate und stehen nicht für sich allein. Holistisches Risikomanagement beleuchtet mögliche Risikoszenarien mit einem präventiven Ansatz: Risiken werden individuell für die eigenen Bestände identifiziert, durchgespielt, bewertet und ihnen dann entgegengesteuert. Allianzen und Notfallverbünde bilden starke Netzwerke der Communities für den Ernstfall.
Vom „Warum“ zum „Wie“
Auf der vergangenen BiblioCon haben wir die These aufgestellt, dass Bibliotheken ihren gesellschaftlichen Auftrag als „Dritte Orte“ dringend in den digitalen Raum erweitern müssen – jenseits von reinen Bestandskatalogen und Social-Media-Marketing. Wir skizzierten den „Moonshot“ einer eigenen, wertebasierten Plattform für die Stadtgesellschaft.
Ein Jahr später ist aus der Vision ein konkretes Software-Projekt geworden. Dieser Beitrag holt die Idee auf den Boden der Tatsachen zurück und berichtet aus dem Maschinenraum des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) während der Startphase.
Werkstattbericht: UX, Outreach und erste Hürden
In diesem Talk öffnen wir die „Black Box“ der Umsetzung. Wir zeigen, wie wir den abstrakten Begriff der „Digitalen Aufenthaltsqualität“ in konkrete UX-Konzepte (User Experience) übersetzen: Wie muss eine digitale Oberfläche gestaltet sein, damit sie sich nicht wie eine Verwaltungssoftware anfühlt, sondern wie ein lebendiger Ort der Begegnung?
Wir diskutieren unsere Outreach-Strategie: Wie gelingt es, lokale Communities, die bisher in analogen Räumen oder auf kommerziellen Plattformen wie WhatsApp und Nebenan.de agieren, für ein neues, gemeinwohlorientiertes Angebot zu gewinnen?
Live-Experiment statt Frontalvortrag
Das Herzstück dieser Session ist eine interaktive Live-Demo. Wir werden nicht nur Screenshots zeigen, sondern das Publikum aktiv einbinden. Gemeinsam simulieren wir im Saal einen „Digitalen Dritten Ort“. Bringen Sie Ihre Smartphones oder Tablets mit – wir laden Sie ein, die Plattform in Echtzeit zu testen, die Funktionalitäten kritisch zu prüfen und Teil des ersten großen Publikumstests zu werden.
Dieser Beitrag richtet sich an alle, die wissen wollen, wie die digitale Transformation von Bibliotheken aussehen kann und die bereit sind, digitale Souveränität nicht nur zu fordern, sondern praktisch zu erproben.
Digitized cultural heritage materials such as newspapers, letters, and maps retain the visual complexity of their analogue origins, with irregular typefaces, complex layouts, line breaks and bleed-through. We rely on optical character recognition (OCR) to make these searchable, yet OCR outputs remain incomplete and error-prone, especially for historical documents. Recent advances in open-source language models (LLM) allow memory institutions to dramatically improve the accuracy of extracted text, but this introduces a new problem: LLM-corrected text does not retain the positional information required for page-level search, highlighting, or assistive technologies. As a result, users gain cleaner text but lose a core affordance of digital access.
This project introduces a Python-based method for faithfully reconstructing the structure and text of formerly analogue documents, designed for future integration into a unified workflow that combines OCR processing (Tesseract), text cleaning with open-source LLMs (Qwen, Mistral), and text-to-coordinate alignment.
The method combines fuzzy string matching, linguistic neighborhood analysis, and geometric and typographic cues to resolve OCR distortions. It detects split or line-broken words, reconstructs merged or corrupted tokens, and uses confirmed matches as anchors to align more challenging cases. This iterative process stabilizes alignment even in documents where reading order is unreliable, column structures vary, or OCR accuracy is particularly low, based on early testing. The framework is structured for expansion into multilingual and format-diverse documentary materials.
By restoring spatial searchability while preserving the improved clarity of AI-corrected text, this approach supports more accessible and internationally relevant digital collections. It offers a practical path for libraries and archives to integrate emerging AI tools without sacrificing the core discovery and navigation features that users depend on.
In Polen spielen lokale digitale Archive eine bedeutende Rolle beim Schutz und der Vermittlung des regionalen kulturellen Erbes. Seit über fünfzehn Jahren kooperieren Bibliotheken, Museen, Archive, Stiftungen, Verbände und andere Institutionen im „polnischen sozialen Archivsystem“. Dabei übernehmen besonders städtische und kommunale Bibliotheken (Stadt- und Gemeindebibliotheken) die Funktion sozialer Archive (Gemeinschaftsarchive). Die Bibliothekar:innen sammeln, digitalisieren und bewahren Zeugnisse der lokalen Geschichte und Traditionen, um das Verständnis von Vergangenheit und Gegenwart der „kleinen Heimatorte“ zu fördern. Dieser Beitrag beleuchtet exemplarisch Initiativen dieser lokalen polnischen Archive, insbesondere das Projekt Centrum Archiwistyki Społecznej der KARTA Stiftung (https://cas.org.pl/). Diskutiert werden Herausforderungen und Chancen dieser sozialen Archivarbeit für die Demokratisierung von Kultur- und Gedächtnisarbeit sowie die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements.
Die Stabilität digitaler Wissensräume ist trügerisch: Ausfälle bei PubMed, unsicheres Hosting der Biodiversity Heritage Library oder der Entzug digitaler und physischer Zugänge im Zuge geopolitischer Spannungen zeigen, wie schnell wissenschaftliche Inhalte unzugänglich werden können. Dazu kommen kommerzielle Lizenzabbrüche und restriktive Plattformmodelle. Die Frage liegt nahe: Wie bleibt Wissen verlässlich verfügbar, wenn technische, rechtliche oder politische Strukturen versagen? Bibliotheken sichern hier physische Originale und digital-born Materialien, machen sie auffindbar und kontextualisieren sie – unabhängig von Plattformen, Märkten oder geopolitischen Grenzen.
Diese Fragilität trifft auf eine weitere Herausforderung: den wachsenden Einsatz generativer KI in Recherche und wissenschaftsnaher Informationsproduktion. KI erzeugt Inhalte, die formal korrekt wirken, aber nicht auf überprüfbaren Quellen beruhen. Zugleich basiert KI ausschließlich auf dem digital verfügbaren Wissen – Lücken im digitalen Bestand führen zu verzerrten Modellen. Besonders in spezialisierten Fachgebieten ist vieles nicht digital vorhanden, hinter Paywalls verborgen oder global uneinheitlich zugänglich; geopolitische Abgrenzungen verstärken diese Fragmentierung.
Spezialbibliotheken schließen diese Lücke. Sie sammeln Fachliteratur weltweit, unabhängig von Herkunft, Sprache, Verlagstradition oder politischer Lage, und bewahren physische wie digitale Originalquellen. So bleibt Wissen erhalten, das sonst verloren ginge. Zugleich bringen sie die fachliche Erfahrung ein, um KI-Ergebnisse zu prüfen, fehlerhafte Inhalte zu erkennen und wissenschaftliche Aussagen auf sichere Grundlagen zu stellen.
Der Vortrag wirbt für eine widerstandsfähige Wissensinfrastruktur, in der digitale Angebote und physische Bestände zusammenwirken. Ohne spezialisierte Bibliotheken fehlt die Grundlage, KI-gestützte Forschung kritisch zu begleiten und wissenschaftliche Verlässlichkeit langfristig zu sichern.
Seit über 15 Jahren engagiert sich das Bildarchiv der ETH-Bibliothek erfolgreich im Bereich Crowdsourcing (Citizen Science). Dieses Engagement umfasst die Unterstützung von Freiwilligen bei der Identifizierung, Beschreibung und Datierung von Bildmaterial sowie spezifischere Aufgaben wie die Georeferenzierung ganzer Bildbestände. Diese Aktivitäten generieren wertvolle Forschungsdaten für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen.
Projekte auf Wikimedia Commons und Wikipedia fördern zusätzlich die Wissensverbreitung. Mit Plattformen wie sMapshot und klaren Prozessen gelingt die effiziente Zusammenarbeit. Die Ergebnisse sind beachtlich: über 220.000 Bilder wurden datiert und beschrieben, ebenso viele Luftbilder georeferenziert, mehr als 200 Wikipedia-Artikel erstellt und über 20.000 Artikel mit Bildern angereichert.
Der Umgang mit den verschiedenen Communities erfordert technisches Know-how, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Die Einbindung der Community ist entscheidend für den Erfolg von Crowdsourcing-Projekten. Abschliessend werden Strategien vorgestellt, wie Freiwillige besser eingebunden werden können, um zukünftige Projekte noch erfolgreicher zu gestalten.
Die Bildähnlichkeitssuche für bavarikon und technologische Nachnutzungsszenarien : Bilder & KI
(2026)
Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) hat ihre Bildähnlichkeitssuche für das Kulturportal bavarikon grundlegend neu entwickelt und damit einen wichtigen Schritt hin zu einem KI-gestützten, in diesem Fall auf Deep-Learning-Methoden aufsetzendem Retrieval-Verfahren für bildliche Information in Kulturdatenbeständen vollzogen.
Die technische Grundlage ist ein eigens trainiertes Segmentierungsmodell, ergänzt durch ein leistungsstarkes Off-the-Shelf-Modell zur Erzeugung semantischer Bild-Embeddings. Die eigentliche Ähnlichkeitssuche erfolgt über eine Vektorsuche, die flexibel mit klassischen Metadatenfiltern kombiniert werden kann. Dies ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzer, die sehr heterogene Bildbestände aus bayerischen Archiven, Bibliotheken und Museen – von Buchillustrationen über Fotografien bis zu Gemälden – konsistent und inhaltlich sinnvoll durchsuchen zu lassen. Der Beitrag skizziert den gesamten Entwicklungsprozess, vom Proof-of-Concept auf einem Testdatenbestand über den Aufbau eines GPU-gestützten Trainingssystems bis zum Produktivgang.
Die im Rahmen der Implementierung aufgebauten bzw. weiterentwickelten Kompetenzen im Bereich des Maschinellen Lernens kommen an der Bayerischen Staatsbibliothek über bavarikon hinaus zum Einsatz. Die Bildähnlichkeitssuche für die Digitalen Sammlungen, der größten digitalen Bibliothek in deutschen Kultureinrichtungen mit über 440 Millionen gescannten Seiten, ist in Vorbereitung. Und bereits jetzt schon können Methoden der Bildähnlichkeitssuche angewendet werden, um anhand charakteristischer Stempel, Inventar-Wapperl und Exlibris andernfalls kaum mehr ausfindige historische Teilbestände der Bayerischen Staatsbibliothek identifizieren zu können.
Die Digitalisierung und inhaltliche Erschließung historischer Bestands- und Zugangsverzeichnisse, wie gedruckte Neuerwerbungskataloge und handschriftliche Zettelkataloge, stellt Bibliotheken vor eine strukturelle Herausforderung. Diese Dokumente nutzen spezifische, oft uneinheitliche Layouts, Abkürzungen und weisen eine hohe Informationsdichte pro Zeile auf, bei der Metadaten (Autor, Titel, Jahr, Sacherschließung) ohne klare Trennung linear verschmolzen sind. Die manuelle Transkription und Strukturierung ist zeitaufwendig und ressourcenintensiv.
Im Vortrag wird eine Methode zur automatischen Erfassung und Strukturierung dieser Daten unter Nutzung eines Large Language Models (LLM) anhand der Neuerwerbungen der Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden aus den 1930er- und -40er-Jahren vorgestellt. Die beispielhaften Zugangsverzeichnisse listen Akzessionen in fortlaufendem Text. Eine typische Zeile enthält alle bibliographischen Elemente (z. B. Stiller, G.: Erwärmungs- und Trocknungsvorgänge in Gesteinstrockentrommeln beim Gegen- und Gleichstromverfahren. 1935. 26 S.) und schließt mit der Sacherschließungsnummer (z. B. VII, 2443, 8) ab. Die Aufgabe ist die semantische Segmentierung dieser Zeilen in einheitliche Datenfelder.
Das vorgeschlagene Vorgehen gliedert sich in drei Schritte:
1. Digitalisierung und Basistranskription mittels Optical Character Recognition
2. Strukturierte Datenextraktion mittels LLM (via Few-Shot-Prompting)
3. Datenverfeinerung mittels internen Register und Normdaten
Der LLM-basierte Ansatz überwindet die Skalierungsgrenzen traditioneller Verfahren und eröffnet Bibliotheken neue Möglichkeiten: Die Automatisierung des Erschließungsprozesses führt zu einer signifikanten Reduktion der Digitalisierungsaufwände. Die Methode ermöglicht außerdem die präzise Erfassung und Erhaltung historischer Sacherschließung und ist auf andere historische Verzeichnisse, einschließlich heterogener und handschriftlicher Zettelkasteneinträge, übertragbar.
In der anhaltenden politischen Diskussion um demokratische Werte und die Rolle von Bibliotheken bei der Stabilisierung von Demokratie und der Sicherstellung von freiem Zugang zu Wissen rücken immer mehr ethische Fragen und Fragen zum Umgang mit kulturell sensiblen Materialien in den Vordergrund.
Wie können Materialien, die in kolonialen Kontexten in europäische Sammlungen gekommen sind, mit der notwendigen Sensibilität zugänglich gemacht werden? Wie können und sollten die Ursprungsgesellschaften in einen Prozess der Zugänglichmachung eigebunden werden? Wie gehen Bibliotheken mit klar antidemokratischen und diskriminierenden Materialien um? Wie können sich Bibliotheken gegen antidemokratische Kräfte, die Einfluss auf ihre Arbeit nehmen bzw. ihre Arbeit einschränken wollen, wehren?
Diese und weitere Fragen zur Demokratisierung von Wissen und zur Überwindung von Wissensasymmetrien werden in einer Podiumsdiskussion mit führenden Vertreter:innen deutscher und internationaler Bibliotheksverbände diskutiert. Dabei werden nicht nur die Perspektiven der Verbände, sondern vielmehr auch Beispiele und Best-Practices aus dem In- und Ausland vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Ziel ist es, strategische und praktische Gemeinsamkeiten auf internationaler Ebene herauszuarbeiten und interessierten Kolleg:innen Möglichkeiten aufzuzeigen, mit diesen und ähnlichen Fragen und Herausforderungen umzugehen.
Die Veranstaltung wird in englischer Sprache durchgeführt.
Teilnehmende der Podiumsdiskussion:
Sharon Memis (Secretary General, IFLA, zugesagt)
Erna Winters (President, EBLIDA, zugesagt)
Martine Pronk (Excecutive Director, LIBER, angefragt)
Antje Theise (Bundesvorsitzende, DBV, zugesagt)
Moderation: Christoph Müller (Sprecher von BII und Vorstandsmitglied des VDB)
Neben bekannten, kommerziellen KI-Modellen wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl frei verfügbarer Modelle für unterschiedliche Aufgaben veröffentlicht, die man selbst hosten oder gemeinschaftlich in einer geteilten Infrastruktur betreiben kann. Die Auswahl ist groß und die globale Open-Source-Community sehr aktiv bei dem Design und der Implementierung neuer Interaktionsformen und Applikationen, die auch in diversen Aufgabenfeldern einer Bibliothek Anwendung finden können.
In diesem Vortrag möchten wir Orientierung bieten und ausgewählte Modelle sowie Anwendungen aus Bereichen wie Text- und Datenverarbeitung, Literaturrecherche, Bild- und Tonanalyse sowie Softwareentwicklung beleuchten. Zudem werden Aufwand und Nutzen thematisiert, denn das Spektrum reicht von umfangreichen Projekten bis hin zu schlüsselfertigen Lösungen.
Erfahrungen aus Initiativen der Universitätsbibliothek Leipzig, des Internet Archive sowie aus eigenen Projekten der Vortragenden fließen in den Vortrag ein. Digitale Souveränität ist für öffentliche Einrichtungen ein wichtiges Gut, und das offene KI-Ökosystem stellt dafür einen zentralen Baustein dar.
Mit ihrer digitalen Strategie gestaltet die Münchner Stadtbibliothek den digitalen Wandel in allen Bereich aktiv mit. Eines der sieben darunter gefassten Ziele ist die Weiterentwicklung intelligent vernetzter Systeme, wozu auch die Umsetzung eines papierlosen Workflows für die Bereitstellung bestellter Medien zählt. Über den internen Leihverkehr der Münchner Stadtbibliothek, der 26 Bibliotheksstandorte + Magazin umfasst, werden jährlich im Durchschnitt 460.000 Medienbestellungen bearbeitet.
In Zusammenarbeit mit it@M, dem städtischen IT-Dienstleister der Münchner Stadtbibliothek, wurde 2025 die LIMOS-App entwickelt, die es den Kolleg*innen ermöglicht, die Bestellprozesse auf komfortable Art auf mobilen Endgeräten zu verwalten (LIMOS = Library Media Ordermanagement System). Durch die Digitalisierung dieses papierbasierten und zeitintensiven Prozesses arbeitet die Münchner Stadtbibliothek nun nachhaltiger, ressourcenschonender sowie effizienter und reduziert nicht zuletzt Fehlerquellen.
Im November 2025 startete die Pilotphase des Projekts mit sehr großem Erfolg an zwei ausgewählten Standorten, und ab Februar 2026 ist der Rollout an allen Standorten geplant.
Die Umsetzung des Projekts erfolgte agil und von Beginn an in Zusammenarbeit mit UX/UI-Designer*innen zur Betonung der User Centricity.
Der LIMOS-Sourcecode wird über die Github-Plattform der Landeshauptstadt München als Open Source zur Verfügung gestellt werden.
Bereits seit einer Dekade ermöglicht der Fortschritt im Bereich der Neuronalen Netze (Deep-Learning) eine hohe Genauigkeit bei der automatisierten Erkennung von gedruckten oder handschriftlichen Texten in digitalisierten Werken. Dies erlaubt einen erleichterten Zugriff auf die vielfältigen Inhalte für Forschung und andere Nutzende. Bei der automatischen Verarbeitung von Bildern und der Erkennung deren Inhalte in historischen Werken besteht weiterhin ein Optimierungsbedarf.
Das Projekt ViFaPi („Visuelle Fachinformation: Automatische Bildverarbeitung für Pflanzen in historischen Drucken, Handschriften und Herbarien“) konzentriert sich in diesem Kontext auf bildreiche, historische Sammlungen von Pflanzen in Herbarien und Kräuterbüchern, und untersucht den Einsatz moderner Bildanalyseverfahren zur Erkennung der konservierten oder illustrierten Pflanzen.
Einen vielversprechenden Ansatz bieten auch hier die modernen Konzepte der Neuronalen Netze (Deep-Learning). Das Training beziehungsweise die Übertragung von vortrainierten Modellen und Methoden auf historische Abbildungen, die teils aus dem 16. Jahrhundert stammen, stellen aber eine besondere Herausforderung dar. Problematisch sind unter anderem die verschiedensten Formen der Darstellung beziehungsweise Ausrichtung der Pflanzen sowie die Zuordnung und der Umgang mit relevanten handschriftlichen oder gedruckten Texten, die sich teilweise sogar überlagern.
Im Projekt werden unter anderem Kollektionen aus der Herzog August Bibliothek und der Universitätsbibliothek Braunschweig genutzt. Für die Erkennung der Pflanzenabbildungen werden internationale Datenbanken und verschiedene Referenzsysteme, z.B. „International Plant Names Index“, herangezogen. Die Ergebnisse der Untersuchungen können in einem nächsten Schritt für die Kontextualisierung der Abbildungen in Repositorien genutzt werden.
Der digitale Informationszugang erfolgt zunehmend nicht mehr über aktive Recherche in klassischen Retrievalsystemen, sondern über algorithmisch vorstrukturierte, personalisierte und automatisierte Selektionsprozesse. KI-Systeme synthetisieren Informationen, fassen sie dialogisch zusammen und präsentieren sie als vermeintlichen „Wissensstand“. Diese beworbene Effizienz steht in einem wachsenden Spannungsfeld zu zentralen Kriterien der Informationskompetenz, insbesondere zur Quellenkritik, zur Bewertung von Datengrundlagen und zur Transparenz von Entstehungskontexten. Klassische Konzepte der Informationskompetenz geraten hier an konzeptionelle Grenzen [1].
Mit KI-Chatsystemen tritt ein neuer „Akteur“ in den Informationsprozess ein, der durch die Simulation menschlicher Kommunikation Täuschungen über Natur, Fähigkeiten, Resultate und Funktionsweise begünstigt [2]. Diese Verschiebung wirft grundlegende Fragen nach veränderten Informationspraktiken, wissenschaftlicher Integrität, Autor*innenschaft sowie nach der Anschlussfähigkeit an die Prinzipien des ACRL-Frameworks auf.
Für viele Nutzende bleiben Algorithmen, Trainingsdaten und infrastrukturelle Rahmenbedingungen von KI-Systemen intransparent. Die Fähigkeit, KI-generierte Informationen kritisch einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen, lässt sich mit dem Konzept der Algorithmic Literacy fassen, das die Reflexion algorithmischer Steuerung, Bias-Strukturen, Datenökonomien und Sichtbarkeitslogiken ins Zentrum stellt [3].
Im Panel wird diskutiert, wie Informationskompetenz unter den Bedingungen von KI-Systemen neu gedacht werden muss, welche Spannungsfelder sich für Integrität, Autorinnenschaft und Wissensbewertung ergeben und welche Rolle Bibliotheken als Vermittlerinnen, Betreiber*innen und kritische Reflexionsorte KI-gestützter Informationsinfrastrukturen einnehmen sollten.
Referenzen: [1] 10.18442/3182-3; [2] 10.6017/ital.v40i2.12963; [3] 10.26164/leopoldina_03_01226
„Digitale Souveränität" ist zum Modewort in der Forschungsinfrastruktur-Szene aufgestiegen. Während die politische Debatte derzeit oft von nationalen Alleingängen dominiert wird, zeigt die Realität, dass echte Souveränität durch offene Strukturen erzielt wird. Der Vortrag analysiert die Spannweite des Konzeptes von juristischer Datenkontrolle über technische Verfügbarkeit bis hin zu strategischer Unabhängigkeit. Es wird deutlich, dass digitale Souveränität im wissenschaftlichen Kontext mehr als statisches Speichern von Daten ist, sondern die Gewährleistung von Interoperabilität, Nachnutzbarkeit und dauerhafter Verfügbarkeit verlangt. Aktuelle geopolitische Entwicklungen, wie Exportbeschränkungen oder disruptiven politischen Entscheidungen, zeigen, wie fragil vermeintlich verlässliche Infrastrukturen sind. Sie zeigen aber auch, dass geschlossene, nationale Lösungen die Souveränität nicht erhöhen, sondern neue Abhängigkeiten und Fragmentierungen schaffen. Das Paradox liegt auf der Hand: Während Open Access, Open Source und Open Science als Prinzipien etabliert sind, unterstützen unsere Förderstrukturen den Aufbau resilienter Infrastrukturen nur eingeschränkt. Projektorientierte Finanzierungen, institutionelle Konkurrenzen und nationale Fördergrenzen erschweren den Aufbau gemeinschaftlicher, offener Infrastrukturen. Das Projekt OLSPub – der Aufbau einer europäischen Parallelinfrastruktur für PubMed – zeigt exemplarisch diese Herausforderungen: Wenn eine Forschungsinfrastruktur ad hoc als grenz- und institutionsübergreifende Kooperation umgesetzt werden muss, werden strukturelle Hürden zur entscheidenden Bewährungsprobe für nachhaltig funktionierende Lösungen. Der Vortrag argumentiert, dass digitale Souveränität nicht durch Abschottung, sondern durch offene, verteilte und gemeinschaftlich getragene Infrastrukturen entsteht – wie dies in deutschen Bibliotheken bereits zu analogen Zeiten durch Verbundkataloge, kooperative Erwerbung und gemeinsame Standards gelebt wurde.
Gedächtnisinstitutionen tragen Verantwortung für eine breite Palette kultureller und wissenschaftlicher Materialien. Der langfristige Erhalt digitaler Objekte ist komplex und für einzelne Einrichtungen sehr aufwendig, da sich das Feld der digitalen Langzeitarchivierung (LZA) dynamisch entwickelt. Spezialisierte Expertise muss kontinuierlich weiterentwickelt werden, dies können viele Einrichtungen allein kaum leisten. Die vom Land Niedersachsen geförderte Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (LiLA) trägt hier zur Lösung bei. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen lassen sich Verantwortlichkeiten für unterschiedliche Prozessschritte teilen, Expertise bündeln und Synergien gezielt nutzen. Jede Institution bringt ihr detailliertes Wissen über die eigenen Bestände ein und bereitet (unterstützt von der TIB) archivfähige Datenpakete vor. Neben einem vertrauenswürdigen LZA-System, in das die Institutionen Daten abliefern können, bringt die TIB LZA-Expertise mit, die nicht zuletzt im Betrieb dieses Systems gewonnen worden ist. LiLA schafft damit den organisatorischen und fachlichen Rahmen, in dem die heterogenen niedersächsischen Einrichtungen unabhängig vom bisherigen Kenntnisstand passgenau in der digitalen LZA unterstützt werden.
Im Vortrag wird ein Rückblick auf das erste von insgesamt fünf Projektjahren gegeben, in dem bereits sechs Einrichtungen Umsetzungsschritte erreicht haben. Die UB der TU Braunschweig berichtet exemplarisch darüber, wie sie nach bereits implementierter Nutzung von LZA für den FID Pharmazie sich im Rahmen von LiLA der LZA weiterer digitaler Bestände gewidmet hat, welche Prozesse sie dafür (weiter-)entwickelt bzw. angepasst hat und welches Fazit sie aus der landesweiten Zusammenarbeit zieht. Die Ergebnisse zeigen nicht nur den Mehrwert gemeinsamer Bearbeitung im Verbund, sondern bieten auch Anregungen für andere Netzwerke, wie Einrichtungen gemeinsam LZA-Kompetenzen aufbauen und kooperative Strukturen etablieren können.
The long-term preservation of at-risk scientific and cultural heritage data is an urgent global challenge. In our presentation, we introduce sustainable, community-led ingestion workflows and robust preservation strategies that have been developed and discussed through TIB, the Safeguarding Research and Culture (SRC) initiative and the Data Rescue Project (DRP). Building on our experience of rescuing data from arXiv and other US research and cultural heritage platforms, we will propose a new, decentralised archiving methodology.
To ensure durability, each dataset should exist in multiple locations. Because many datasets reach tens or hundreds of terabytes, maintaining and verifying full copies is costly, so canonical versions must be hosted by well-resourced institutions. Large datasets will be hierarchically organised to support efficient transfer. Using BitTorrent v2, users can replicate entire datasets or selected components. This requires curation and tooling to describe relationships between dataset parts, with RDF vocabularies documenting provenance suitable for scholarly use.
Since BitTorrent v2 is still emerging, institutions will also offer datasets via identically structured HTTP access, enabling standard downloads and serving as WebSeeds for decentralised distribution. Once on the peer-to-peer network, distribution costs become partially socialised: researchers downloading data also make it available to others.
Metadata for discovery and documentation will be managed through the SciOp catalogue, an open-source linked-data system enabling institutions and individuals to federate metadata. Integration with the Fediverse will allow researchers to share annotations with provenance, strengthening data resilience and scholarly communication. SciOp also supports TIB’s digital archive and other repositories (EOSC, NFDI, etc.) in ensuring long-term reusability beyond bitstream preservation and provenance metadata.
Digital verstehen, analog fühlen - Perspektivwechsel und Praxis im Beratungsalltag von Digital-Lots:innen
Wir wollen mit diesem Hands-on Lab einen praxisnahen Blick auf unsere Arbeit ermöglichen, aufzeigen, welche Herausforderungen uns begegnen und welche Strategien und Methoden wir haben, um ein für die Nutzer:innen und deren Bedürfnisse passendes Beratungsangebot zu kreieren. Die Veranstaltung dauert 90 Minuten und wird in drei Themenblöcke à 30 Minuten unterteilt.
Im ersten Teil wollen wir die Teilnehmer:innen zu drei Teilbereichen unserer Arbeit schulen. In drei Stationen mit je einem Schwerpunkt bieten wir einen umfassenden Blick darauf, wie unsere Arbeit mit sehbehinderten, gering literalisierten Menschen als auch mit Senior:innen aussieht.
An den Stationen finden Sie themenspezifische Broschüren, digitale Geräte mit besonderen Anwendungen, verschiedene technische Hilfsmittel und Erfahrungsberichte. Ziel des Labs ist es, umfassend zu vermitteln, wie sich ebenjene Menschen fühlen und wie ihnen gleichzeitig effektiv geholfen werden kann.
Im zweiten Teil wollen wir die Möglichkeit eröffnen, das erlernte Wissen anzuwenden. Dazu haben drei bis sechs Personen die Möglichkeit sich freiwillig zu melden und in die Rolle der Digitallots:innen zu schlüpfen. Anhand von realen Beispielen aus unserer Praxis können sie versuchen, das im ersten Teil erlernte Wissen anzuwenden. Die anderen Teilnehmer:innen können dabei eine beobachtende Rolle einnehmen, Tipps geben sowie bei Unklarheiten nachfragen.
Zum Ende hin werten wir das Lab gemeinsam aus, können das Erlebte diskutieren und sind offen für Fragen.
Digitale Bildungsplattformen in Bibliotheken: Zugangs- und Lizenzfragen in der Lehrkräftebildung
(2026)
Im Schulalltag kommen digitale Lehrwerke, Unterrichtsmanager und digitale Plattformen mehr und mehr zum Einsatz; praktikable Lizenzangebote für Wissenschaftliche Bibliotheken gibt es dagegen bislang nicht. Dabei sind Universitätenzentrale Orte der Lehrer*innenbildung: Bereits während der dem Referendariat vorgeschalteten universitären Phase benötigen Studierende ebenso wie Lehrende bspw. während der schulpraktischen Übungsphasen umfassenden Zugang zu unterrichtsrelevantem digitalem Content, um lernwirksame Optionen der Einbindung kuratierter digitaler Medien in das eigene Unterrichtshandeln kennenzulernen und zugleich frühzeitig Kompetenzen im Umgang mit den verschiedenen Tools wie auch ihrer kritischen Bewertung aufzubauen. Gleichermaßen sind Forschende der Bildungswissenschaften auf institutionelle Zugängen zu digitalen Lehrwerksressourcen angewiesen.
Die Nachfrage nach digitalen Lehrwerksressourcen und digitalen Bildungsmedien im akademischen Umfeld ist somit unumstritten, bleibt angebotsseitig bislang jedoch strukturell unberücksichtigt. Zwischen Unterrichtspraxis, verlegerischen Interessen und bibliothekarischer Vermittlung klafft gleichsam eine Lücke.
Die VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit möchte mit dieser Veranstaltung alle Beteiligten „an einen Tisch“ holen und die unterschiedlichen Perspektiven und Bedarfe sichtbar machen. Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Bibliotheken, Verlagswesen und universitärer Lehrer*innenbildung soll diskutiert werden, wie Impulse für nachhaltige, praxistaugliche Lösungen gegeben werden können.
Neben den bereits verzeichneten Personen wurde auch die Teilnahme von Vertreter*innen von Bildungsmedienverlage sowie von Fachdidaktiker*innen angefragt. Eine Zusage konnte jedoch bis zum 30.11.2025 noch nicht endgültig bestätigt werden.
Scriba, Friedemann: Die Möglichkeiten des digitalen Schulbuchs - und die Wirklichkeit in der Lehrkräfteausbildung