Elektronische Publikationen, elektronisches Publizieren, Forschungsdaten, Open Access
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Wissenschaftsblogs sind ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Kommunikationskultur. Blogs ermöglichen es Forscher:innen, ihre Forschungsergebnisse und forschungsnahe Themen schnell und offen zu kommunizieren, Diskussionen anzustoßen und Dialoge unterhalb von Kolleg:innen und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Im Gegensatz zu traditionellen Publikationsformen stehen Wissenschaftsblogs jedoch vor besonderen Herausforderungen in Bezug auf ihre Langzeitverfügbarkeit und Zitierfähigkeit. Inhalte können aufgrund technischer Veränderungen und fehlender Archivierungsstrategien verloren gehen. Zudem fehlt es häufig an standardisierten Verfahren, um Blogposts dauerhaft auffindbar und eindeutig zitierbar zu machen. Um diese Lücke zu schließen, wurde im Projekt Infra Wiss Blogs ein Anforderungskatalog für die Integration von Wissenschaftsblogs in Informationsinfrastrukturen entwickelt.
Der Anforderungskatalog basiert auf den Ergebnissen einer qualitativen Interviewstudie, die im Rahmen des Projekts Infra Wiss Blogs mit 13 Wissenschaftsblogger:innen in Deutschland durchgeführt wurde. Ziel der Studie war es, die Anforderungen von Wissenschaftsblogger:innen an eine Informationsinfrastruktur, die Wissenschaftsblogs langfristig verfügbar und zitierbar macht, zu ermitteln. Der Katalog definiert Anforderungen, die sicherstellen, dass wissenschaftliche Blogs auch langfristig als zitierfähige, überprüfbare und nachhaltige Beiträge zur wissenschaftlichen Kommunikation bestehen können.
Das Poster gibt eine Übersicht über den Anforderungskatalog. Der Anforderungskatalog besteht aus (1) funktionalen Anforderungen für eine Informationsinfrastruktur, (2) Anforderungen an den Datenschutz, (3) Anforderungen für die Aggregation der Daten und (4) Anforderungen an Schnittstellen zum Import und Export von Daten.
Der Anforderungskatalog zeigt, wie Wissenschaftsblogs anhand einer kooperativen Informationsinfrastruktur langfristig verfügbar gemacht werden können.
Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Brasilien: Ergebnisse einer Befragung von Herausgeber:innen
(2026)
Diamond Open Access (DOA) ist ein viel diskutiertes Thema in der wissenschaftlichen Kommunikation. Die DFG, die den Action Plan for Diamond Open Access unterzeichnet hat, fokussiert zunehmend auf institutionelles Publizieren. Auch BMFTR und KMK fordern in ihren Leitlinien, Open Access zum Standard öffentlich finanzierter Forschung zu machen und stärken DOA. Dennoch fehlen nachhaltige Finanzierungsmodelle für non-APC, scholar-led Zeitschriften.
In Deutschland gibt es verschiedene Initiativen, die sich der Finanzierung von Open Access ohne Autorengebühren widmen. Beispiele dafür sind die Konsortien eduKonsort, OLEcon und KOALA. Diese Projekte zielen darauf ab, insbesondere wissenschaftliche Bibliotheken als Unterstützer von DOA-Publikationen zu gewinnen. Da diese Konsortien nur eine befristete Förderung anbieten können, bieten sie keine dauerhafte Lösung für die Finanzierung einzelner Zeitschriften. Weitere Alternativen werden gebraucht.
Der Anteil deutscher DOA-Zeitschriften im Directory of Open Access Journals (DOAJ) ist im Vergleich zu Ländern wie Brasilien, Indonesien oder Spanien relativ niedrig. Besonders der Fall Brasilien sticht hervor. DOAJ verzeichnet mehr als 90% der brasilianischen OA-Zeitschriften als gebührenfrei während es in Deutschland rund 65% sind. Wie andere lateinamerikanische Länder wird Brasilien oft als gutes Beispiel präsentiert. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Wie wird Open Access in Brasilien finanziert? Welche Erkenntnisse aus der brasilianischen OA-Landschaft könnten für Deutschland nützlich sein?
Das Poster präsentiert Ergebnisse einer Online-Befragung mit Herausgeber:innen von DOA-Zeitschriften in Brasilien. Die Befragung untersuchte die institutionelle Zugehörigkeit der brasilianischen DOA-Zeitschriften, ihre Finanzierungsmodelle und -situation, die Aufteilung zwischen bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten innerhalb der Redaktion sowie die Anreize für das Engagement als Herausgeber:in einer DOA-Zeitschrift.
Durch die stetige Veränderung der Systemlandschaft müssen Datenflüsse fortlaufend überdacht und aktualisiert werden. Auch die Einführung neuer Services und Systeme braucht Anpassungen. Diese Anpassungen bieten neben allen Herausforderungen auch Chancen, bestehende Prozesse zu optimieren.
Im GBV passiert dies im Zuge der Einführung des Bibliotheksmanagementsystems FOLIO, das zeitgleich mit der Global Open Knowledge Base (GOKB) in die produktive Nutzung überführt wird. Besonders die Verwaltung elektronischer Ressourcen wird mit der Einführung dieser Systeme deutlich vereinfacht, die Verfügbarkeit von Paketmetadaten für die Erwerbungsprozesse beschleunigt.
Die Verbundzentrale des GBV hat Strategien und Konzepte zur Integration von GOKB und FOLIO ERM in bestehende Prozesse entwickelt. Das Poster veranschaulicht diese Konzepte, bei denen E-Book-Pakete kooperativ über die GOKB verwaltet und nach FOLIO ERM synchronisiert werden. Unter Einbindung von EBM-Tool und E-Book-Pool können die Metadaten der Anbieter mit eindeutigen Identifikatoren angereichert werden, die es ermöglichen sollen, für alle von einer Bibliothek in FOLIO verwalteten E-Book-Pakete Exemplare im k10plus zu generieren. Besonders im Fokus sind dabei die Sicherung der Datenqualität sowie die Verringerung paralleler Systempflege. Durch die Implementierung automatisierter Prozesse soll der Bedarf an manuellen Schritten so weit wie möglich minimiert werden.
Das Poster visualisiert die Datenflüsse zwischen den Systemen, benennt verschiedene Metadatenquellen, erläutert automatisierte sowie manuelle Prozesse sowie die Mehrwerte der einzelnen Prozessschritte.
Ziel ist eine benutzerfreundliche und effiziente Arbeitsumgebung, die den Anforderungen der Anwendenden gerecht wird und gleichzeitig die internen Abläufe optimiert. Wir freuen uns darauf, unsere Ansätze und Ergebnisse zu teilen und Möglichkeiten für eBook Workflows zu präsentieren, die nicht nur für GBV-Bibliotheken von Relevanz sein können.
Wissenschaftliche Bibliotheken stehen vor der Herausforderung, neue Aufgabenfelder wie Forschungsunterstützung, Open Science oder KI in bestehende Arbeitsstrukturen zu integrieren. Gleichzeitig bleiben klassische Tätigkeiten der Fachreferatsarbeit bestehen, während personelle Ressourcen begrenzt sind. Vor diesem Hintergrund hat das Fachreferat der UB der TU Berlin 2025 einen Neuausrichtungsprozess gestartet, mit dem Ziel, Aufgaben zu priorisieren, Zuständigkeiten zu klären und Freiräume für neue Themen zu schaffen.
Ein zentrales Ergebnis dieses Prozesses ist die Einführung eines Tandem-Modells im Jahr 2026. Unter dem Motto „2 für 11 – Niemand muss alles wissen, aber zusammen wissen wir (fast) alles“ wurden neun thematische Tandems gebildet. Jeweils zwei Fachreferent*innen übernehmen gemeinsam Verantwortung für ein strategisch relevantes Thema und fungieren als inhaltliche Ansprechpartner für das Fachreferat sowie für andere Bereiche der Universitätsbibliothek. Zu den Themen gehören unter anderem Open Science, Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Datenanalyse und Statistiken, Services & User Experience sowie Bestandspräsentation.
Die Tandems beobachten Entwicklungen in ihren Themenfeldern, bündeln Wissen, organisieren den internen Wissenstransfer und initiieren bei Bedarf Projekte. Gleichzeitig stärken sie die Zusammenarbeit innerhalb des Fachreferats und schaffen klare Schnittstellen zu anderen Arbeitsbereichen der Bibliothek.
Das Poster stellt den Entstehungsprozess des Modells, die organisatorische Struktur der Tandems sowie Ziele, erste Erfahrungen und Herausforderungen aus der Praxis vor. Im Fokus steht die Frage, wie kollaborative Organisationsformen im Fachreferat dazu beitragen können, Expertise sichtbar zu machen, Wissen im Team zu verteilen und neue Themen effizient in die Bibliotheksarbeit zu integrieren. Ziel ist es, dieses Modell für andere Bibliotheken zur Diskussion zu stellen und den Austausch über zukünftige Formen der Fachreferatsarbeit anzuregen.
Anfang des Jahres 2025 hat die Kommission für Forschungsinformationen in Deutschland (KFiD) zusammen mit der Arbeitsgruppe Forschungsinformationen und Systeme der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI-AG FIS) das Gemeinschaftsprojekt FIS-Landkarte ins Leben gerufen.
Die FIS-Landkarte bietet eine Übersicht der an deutschen Forschungseinrichtungen geplanten und eingesetzten institutionellen Forschungsinformationssysteme (FIS) und hat sich dank der hohen Beteiligung der Community als Informationsressource gut etabliert: Mittlerweile haben sich mehr als 140 Forschungseinrichtungen registriert und tragen damit zu weitreichenden Einsichten in die Forschungsinformationssystemlandschaft bei, wie beispielsweise zum Umfang des Einsatzes von Open-Source-Systemen oder zum Grad der öffentlichen Bereitstellung von Forschungsinformationen über FIS. Die Datensouveränität wird jedoch auch über den Einsatz offener Forschungsinformationsstandards gestärkt.
Das Poster stellt die jüngste inhaltliche Erweiterung des Daten- und Informationsangebotes der FIS-Landkarte vor: Sie zeigt die Ergebnisse einer Kurzbefragung zur KDSF-Kompatibilität von Forschungsinformationssystemen aus Sicht der Anbieter der Systeme. Das Poster gibt einen Überblick über die Metadatenstandards, wie beispielsweise den KDSF-Standard und CERIF, die in den Datenmodellen von rund 11 Anbietern aktuell zur Anwendung kommen. Es zeigt in einer Grafik auf, welche Entitäten bzw. Informationsobjekte des KDSF-Standards sich im konzeptuellen Datenmodell des jeweiligen Forschungsinformationssystems standardmäßig oder manuell konfigurierbar abbilden lassen. Daneben bietet die FIS-Landkarte auch Angaben aus der Perspektive der Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur KDSF-Kompatibilität der eingesetzten FIS. Das Poster bringt diese komplementären Perspektiven zusammen und ermöglicht so einen Einblick in den Stand der Entwicklung zu datensouveränen Informationsinfrastrukturen in der Forschung.
In den vergangenen Jahren hat die ULB Darmstadt, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), einen modularen Workflow zur Sammlung von Open-Access-Artikeln, zu deren Konvertierung in ein einheitlich strukturiertes Format auf Basis der Text Encoding Initiative (TEI) sowie zu deren Bereitstellung für die Forschung – insbesondere für Text- und Data-Mining (TDM) – entwickelt. Dieser Workflow wird durch ein Harvesting-System aus maßgeschneiderten Python-Skripten, Langzeitarchivierung mit Archivematica, Konvertierung mittels der Programmiersprache XSLT sowie Bereitstellung über ein DSpace-Repositorium und eine eXist-XML-Datenbank mit dem Framework wdb+ realisiert. Mit dem Fortschritt bei der Implementierung des Workflows rücken Effizienz, Zusammenarbeit und Skalierbarkeit zunehmend in den Fokus.
Im Folgeprojekt, das 2026 startet, wird die SUB Göttingen als zweite antragstellende Institution hinzukommen, um den Workflow gemeinsam weiterzuentwickeln. Ein zentrales Ziel ist der Aufbau eines WDM-Hubs, d.h. eines organisatorischen und technischen Rahmens, um einheitlich strukturierte Textdaten für TDM kollaborativ zu sammeln und bereitzustellen. Die Konzeption, Entwicklung und der Betrieb einer solchen Hub-Infrastruktur können nicht von einzelnen Institutionen getragen werden, sondern erfordern die Mitwirkung einer Community unterschiedlicher Akteur*innen, darunter Forschende und Infrastruktureinrichtungen. Der Aufbau dieser Community stellt einen zentralen Schwerpunkt der Hub-Entwicklung dar. Rund zwanzig Universitäten und Forschungseinrichtungen haben Interesse bekundet, sich am Aufbau dieses Systems zu beteiligen.
Mit diesem Poster informieren wir über die Planungen für das Hub-System und die Community. Dies dient auch der Erweiterung des Kreises von Institutionen, die sich auf verschiedene Arten einbringen und sich so am Aufbau eines zentralen Systems zur Sammlung und Bereitstellung einheitlich strukturierter digitaler Texte beteiligen möchten.
Das Poster beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Künstlicher Intelligenz (KI) und wissenschaftlichem Publizieren und hinterfragt die verbreitete Annahme, dass Bezahlschranken Forschende vor der Nutzung ihrer Arbeiten für KI-Training schützen. Es zeigt, dass Closed-Access-Modelle Autor*innen häufig exklusive Nutzungsrechte entziehen, wodurch Verlage Inhalte ohne Zustimmung oder Beteiligung der Forschenden weiterverwerten und an KI-Firmen verkaufen können. Demgegenüber wird argumentiert, dass Open Access – insbesondere unter einer CC-BY-Lizenz – zwar KI-Training nicht verhindert, jedoch die Rechte der Autor*innen stärkt, Monopolisierungstendenzen entgegenwirkt und gleichberechtigten Zugang zu Wissen sichert.
Fachinformationsdienste (FID) sind wissenschaftsunterstützende Informationsinfrastrukturen, die Forschenden durch entsprechende Dienste den überregionalen Zugang zu Fachliteratur, (Software-)Tools und fachspezifischen Informationen erleichtern. Dabei ist es essentiell, im engen Austausch mit der Fachcommunity zu stehen und ihre Bedarfe zu ermitteln, um zu erfahren, welche Zugänge zu Informationen und Produkten benötigt werden.
Im Rahmen des Anfang 2026 gestarteten DFG-geförderten FID Chemie sollen in diesem Poster Pläne der Vernetzung mit der Fachcommunity vorgestellt werden. Der FID Chemie sieht sich dabei in einer koordinierenden Rolle zwischen bestehenden Strukturen, zu denen sowohl die fachnahen NFDI-Konsortien und weitere FID als auch Fachgruppen und -gesellschaften wie die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und Forschungseinrichtungen gehören. Auf einem Webportal sollen Informationen zentral für Forschende zur Verfügung gestellt werden und Open Science mit der Entwicklung bedarfsorientierter Services vorangebracht werden. Eine besondere Schnittstelle zu den Forschenden sind die Fachreferate in wissenschaftlichen Bibliotheken. Über einen regelmäßigen Austausch soll die Expertise und die Erfahrungen der Fachreferent:innen, die sie mit ihrer jeweiligen lokalen Fachcommunity aufgebaut haben, aktiv in die Gestaltung des FID Chemie einfließen. Dazu gehört die Einbeziehung als Multiplikator:innen in die Fachcommunity und mit dem FID im Rahmen eines virtuellen Austauschformats. Damit soll eine bessere Abstimmung im Hinblick auf Profil und Inhalte des FID sowie eine gemeinsame Positionierung für die Stärkung von Open Science und gegenüber kommerziellen Interessen in der chemischen Forschung erreicht werden.
Auf dem Poster wird der FID als Bindeglied zwischen den verschiedenen relevanten Interessensgruppen (z. B. Bibliotheken, NFDI, Fachgesellschaften) dargestellt mit einem besonderen Fokus auf wissenschaftliche Bibliotheken (Fachreferate) und fachverwandte FID.
Als Begünstigte des DFG-Förderprogramms Open Access Publikationskosten ist die Medizinische Bibliothek der Charité – Universitätsmedizin Berlin (MedBib), wie alle geförderten Einrichtungen, dazu verpflichtet, ein Monitoring über die verausgabten Projektmittel zu erstellen. Zugleich erhebt die MedBib alle an der Charité für Publikationen eingesetzten Mittel im Rahmen des Informationsbudgets.
Als Spezialbibliothek des größten Universitätsklinikums Europas gehen damit unterschiedliche Herausforderungen einher: ein jährliches Publikationsaufkommen von bis zu 6.000 Artikeln, weitgehend manuelle Fallbearbeitung, Automatisierungen von Workflows nur in Teilen und ein Tool-Mix ohne Cloudoptionen, was die unterschiedlichen Bedarfe ihrer Anwender*innen nur bedingt abbildet.
Auf dem Poster werden die Herausforderungen des OAPK-Monitorings an der MedBib dargestellt, sowie mittels eines Flussdiagramms ein Überblick über den derzeitigen Workflow zur Erstellung gegeben. Ergänzt werden diese mit einem kompakten Abriss von Potentialen und einem Schaubild, welches unterschiedliche statistische Werte aus den Meldungen für die Jahre 2022-2024 zeigt. Diese umfassen u.a. den Gesamtwert gemeldeter eingesetzter Mittel, Anzahl gemeldeter Publikationen und Höhe zusätzlich angefallener Gebühren. Das Poster stellt zudem das aktuelle Python-Skript vor, mit dem eine Harmonisierung der unterschiedlichen Tabellen und Daten teilautomatisiert erfolgt.
Das Poster verdeutlicht damit die steigende Komplexität des Publikationskostenmonitorings mit steigender Artikelanzahl und die Notwendigkeit weiterer Automatisierungen, für eine einfachere und fehlerfreiere Datensammlung und Weiterverarbeitung. Mit der vollständigen Implementierung des Informationsbudgets an der Charité wird für das Berichtsjahr 2025 ein noch umfassenderes und nahezu vollständiges Kostenmonitoring erwartet.
Als Erstunterzeichner der San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) hat sich das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) dem Ziel angeschlossen, die Forschungsbewertung in wissenschaftlichen Einrichtungen zu reformieren und neu zu denken. Im Rahmen des BMFTR-Projekts „Entwicklung eines Referenzmodells zum Reporting in wissenschaftlichen Einrichtungen anhand von DORA (ERRED)“ (2023–2025) entwickelte die KIT-Bibliothek neue Ansätze zur ganzheitlicheren Bewertung wissenschaftlicher Leistungen.
Ziel des Projekts war die Erweiterung und Diversifizierung von Bewertungsindikatoren, primär durch die Integration qualitativer Faktoren. Grundlage ist die Adaption des Maturitätsmodells des Helmholtz Open Science Office. Das Referenzmodell bildet verschiedene Aspekte wissenschaftlicher Tätigkeiten in mehreren Dimensionen und Attributen ab (z. B. Forschungsoutput, Lehre, Transfer und Engagement). Ein Schwerpunkt lag auf der Einbindung vielfältiger Perspektiven und qualitativer Bewertungskriterien, die unter anderem in Stakeholder-Workshops erarbeitet wurden. Ergänzend beschreibt das Referenzmodell Rahmenbedingungen, die die Umsetzung neuer Bewertungsprozesse unterstützen.
Das Poster präsentiert die Projektergebnisse, insbesondere das Referenzmodell und das adaptierte Maturitätsmodell als Radar-Diagramm mit Indikatorenset. Darüber hinaus werden zentrale Erkenntnisse und angestoßene Implementierungsprozesse skizziert, die eine Verstetigung ermöglichen. Zur nachhaltigen Verankerung wurde eine Referentenstelle eingerichtet, die Open Science und Reformen hin zu einem verantwortungsvollen Research Assessment begleitet. Die Ergebnisse werden als übertragbare Produkte für Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen vorgestellt, und die Lessons Learned aus der Projektlaufzeit werden anschaulich zusammengefasst.
Coscine ist eine Plattform, die Bibliotheken mit einem Forschungsdatenmanagement-Team kennen sollten. Sie macht Forschungsdaten FAIR – dank strukturierter Speicherung mit Metadatenmanagement und PIDs, der Möglichkeit zu kollaborativer Zusammenarbeit und langfristiger Archivierung. Ursprünglich für Forschende in Nordrhein-Westfalen entwickelt, wird sie mittlerweile in weltweiten Forschungsprojekten genutzt.
Der Coscine-Support erfolgt immer durch FDM-Teams an nutzenden Hochschulen – und ist daher meistens in der Hand von Bibliotheken. Dadurch hat sich eine engagierte Coscine-Community von FDM-Personal gebildet, welche Forschende bei der Planung ihrer Coscine-Projekte und dem Beantragen von Speicherplatz unterstützt. Forschungsnahe Dienste lassen sich eben nicht allein aufbauen.
Was macht Coscine besonders interessant für Bibliotheken? Vor allem eine Kernfunktionalität, die fest in Coscines DNA verankert ist: das Metadatenmanagement. Über individualisierbare Metadatenprofile können Forschende die generische Plattform perfekt auf ihre jeweilige Fachdisziplin zuschneiden.
Gibt es neben der Metadatenvergabe weitere Kernfunktionalitäten? Natürlich, und sie drehen sich alle rund um Forschungsprojekte. Findet an unserem Coscine-Poster interaktiv heraus, welche Funktionalitäten es sind und wieso sie Coscine für Bibliotheken so spannend machen!
Libraries are cornerstones of knowledge and community, still their digital infrastructure and administration often relies on proprietary software. This can lead to vendor lock-in, high costs, and data privacy concerns. This talk explores how libraries can achieve digital sovereignty by adopting open-source tools such as office suites LibreOffice, OpenDesk, Nextcloud and operating Systems like GNU/Linux or BSD for administrative tasks. By leveraging these solutions, libraries can reduce dependencies, enhance data security and foster innovation all while aligning with their core values of accessibility and transparency. The talk will address common myths head-on, presenting how open sourc solutions are not only viable but often superior to proprietary alternatives. The talk will also provide strategies for advocating open-source adoption to colleagues, highlighting successful examples and the growing availability of migration support and training resources.
And as top-down policy changes can be slow and uncertain, libraries cannot afford to wait. The real transformation happens through a bottom-up approach: librarians, IT staff, and administrators taking the initiative to pilot, advocate for, and implement open-source solutions within their institutions. Due to this the session will showcase how grassroots efforts can overcome resistance and demonstrate the tangible benefits of open-source tools to decision-makers. By the end of the presentation, participants will be equipped with actionable arguments and practices to initiate change, build internal support, and implement open-source solutions in their own institutions ensuring greater autonomy and digital sovereignty.
In einer heterogenen Systemlandschaft von Hochschulbibliographien und Forschungsinformationen versprechen offene Bibliometriedaten durch transparente Methoden und geteilte Datensätze eine standortübergreifende Zusammenarbeit.
Der Vortrag stellt die Nutzung der offenen Bibliometriedatenbank OpenAlex zur Erstellung und Kuration eines landesweiten Publikationsdatenpools der niedersächsischen Hochschulen vor. Das Vorhaben der Partner TU Braunschweig/Universitätsbibliothek, TIB Hannover und Georg-August-Universität Göttingen/SUB Göttingen ist im Projekt „Aufbau eines Netzwerkes und Services zu Forschungsinformationen“ (HdN-FIS) der Hochschule.digital Niedersachsen angesiedelt, wobei die Lizenzierung des institutionellen OpenAlex-Zugangs durch NiedersachsenOpen gefördert wird.
Es werden drei Hauptziele verfolgt: Erstens die Etablierung eines zentralen Knotens zur Kuration von Publikationsnachweisen niedersächsischer Hochschulen in OpenAlex. Zweitens die Koordinierung und Dokumentation von Anforderungen niedersächsischer Hochschulen bei der Qualitätssicherung von Institutionen- und Adressangaben in OpenAlex sowie drittens die Pilotierung einer konsortialen Finanzierung nach Ablauf der Initialförderung.
Als Ergebnisse werden eine optimierte Institutionenkodierung, die Qualitätssicherung der Publikationszuordnungen in OpenAlex sowie prioritärer Support für niedersächsische Hochschulen angestrebt. Die Zusammenarbeit mit OpenAlex umfasst zu diesem Zweck neben der Kuration einrichtungsspezifischer Publikationsmetadaten auch gemeinsame Training-Workshops sowie die Vorbereitung einer konsortialen Finanzierung ab 2027.
Der Vortrag stellt die initiale Projektidee sowie erste Erfahrungen mit OpenAlex vor. Im Rahmen des Pilotprojekts soll untersucht werden, inwieweit sich das Modell auf weitere Bundesländer übertragen lässt und welche Potenziale offene Forschungsinformationen für das wissenschaftliche Publikationsmonitoring bieten.
In diesem Erfahrungsbericht stellen die Universitätsbibliothek Basel und App Manufacture gemeinsam den babette-Chatbot in seiner Testphase vor – einen KI-gestützten Fachchatbot rund um Alma-Workflows und Institutionszone-übergreifende Prozesse wie Erwerbung, Katalogisierung und Benutzung. Ziel ist es, die Lücke zwischen bibliothekarischer Praxis und der technischen Welt grosser Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) zu überbrücken und die „Black Box“ Chatbot für Kolleg:innen nachvollziehbar zu machen.
Im Bibliotheksnetz der Region Basel nutzen 200 Mitarbeitende aus 79 unterschiedlichen Bibliotheken die Alma Bibliotheksmanagement-Software. Der Fachchatbot ermöglicht ihnen mit der umfangreichen internen Dokumentation in einen Dialog zu treten.
Ausgangspunkt sind heterogene, teilweise sehr detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Release-Informationen – häufig mit Screenshots – sowie der Wunsch, dieses Wissen in einem dialogorientierten KI-System nutzbar zu machen. Dabei werden beide Seiten sichtbar: der verantwortungsvolle Umgang mit eigenen Bibliotheksdaten, um die Anforderungen und Erwartungen an den Chatbot zu erfüllen, und die daraus resultierenden technischen und datenseitigen Herausforderungen für den Dienstleister.
Aus bibliothekarischer Perspektive wird gezeigt, welche Inhalte sich für LLM-basierte Antwortgenerierung eignen, wo (Um-)Strukturierung nötig ist und welche typischen Fallstricke auftreten. Im Fokus stehen der Umgang mit Daten in der Testphase für den Bereich Erwerbung und Zeitschriftenverwaltung, notwendige Anpassungen auf verschiedenen Ebenen (Struktur, Ausdrucksweise, Granularität) sowie der Weg zu möglichst präzisen, „klugen“ Antworten für die Nutzer:innen. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Einblicke, wie sich Alma-Dokumentation schrittweise in ein nutzbares Wissensfundament für einen Fachchatbot überführen lässt. Zugleich werden auch die technischen Herausforderungen sowie deren Lösungen beleuchtet.
Die Finanzierung von Diamond OA-Zeitschriften erfolgt meist durch Wissenschaftseinrichtungen oder Fachgesellschaften, die dies als ihre Aufgabe erachten und deshalb die Verantwortung für die Finanzierung übernehmen. Die Alternative ist Crowdfunding wie es z.B. im Rahmen des KOALA-Modells oder bei SciPost erfolgt. Ein bei der Leopoldina entwickelter Vorschlag zum „Freikauf“ von Publikationsorganen[1], der auf die Zeitschriften von Fachgesellschaften fokussiert, befindet sich in Diskussion.[2]
In vielen Fällen ist die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert, dies gilt besonders für Ansätze, die auf Crowdfunding basieren. Auch aus Sicht der Einrichtungen, die sich am Crowdfunding beteiligen, gibt es vielfältige Kritik an den Verfahren: Beispielsweise besteht weder für die Träger von Diamond OA-Angeboten noch für die Bibliotheken eine ähnliche Planbarkeit wie sie bei Subskriptionsausgaben gegeben ist. Hinzu kommt, dass die steuernde Wirkung der aktuellen Finanzströme im Publikationswesen dem Ziel wissenschaftsgeleiteter, frei zugänglicher Publikationsmöglichkeit diametral entgegenstehen.
Im Vortrag wird der Vorschlag eines Diamond Open Access Fonds vorgestellt, der Diamond OA-Publikationsorgane aus Deutschland kofinanzieren soll. Die Idee wurde erstmals bei den OA-Tagen 2025 einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert[3] und wurde seitdem noch angepasst. Ein ausformulierter Entwurf des Konzepts[4] wurde im Herbst 2025 an das Steuerungsgremium des Allianz-Schwerpunkts „Digitalität in der Wissenschaft“ übergeben, wo es die Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ weiterentwickeln wird. Diese nimmt Ende 2025 die Arbeit auf; bei der Bibliocon kann über erste Ergebnisse berichtet werden.
[1] Tautz et al. (2025) https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261[2] Osterath (2025) Nachr. Chemie 73(12), 8-11[3] Mittermaier (2025a) https://doi.org/10.5281/zenodo.17714311[4] Mittermaier (2025b) https://doi.org/10.34734/FZJ-2025-04667
Der Open Access Monitor Deutschland (OAM) ist eine etablierte Informationsinfrastruktur. Er ist unverzichtbar für das Monitoring der (Text-)Publikationstätigkeit in Deutschland, von der Ebene einzelner Einrichtungen bis hin zur nationalen Ebene. Der OAM nutzt dabei vorhandene Datenquellen wie Open Alex und Scopus nach.
Für andere wissenschaftliche Outputs wie Forschungssoftware und Forschungsdaten existiert in Deutschland ein solches Monitoring bisher nicht, obwohl Kennzahlen zu diesen Formaten zunehmend in Bewertungsverfahren abgefragt werden. Einige Einrichtungen arbeiten bereits an Verfahren, mit denen sie die Forschungsdaten- und Softwarepublikationen ihrer Forschenden erfassen. Einrichtungsübergreifende, vergleichbare und standardisierte Angebote fehlen derzeit jedoch. International sind aktuell die Niederlande das einzige Land, das ein solches Open-Science-Monitoring auf Einrichtungsebene mit nachnutzbaren Daten und in zeitlicher Auflösung bietet.
Ursachen des Desiderats können der Mangel etablierter bibliographischer Datenbanken für Forschungssoftware und Forschungsdaten sein, oder Qualitätsprobleme in bestehenden Datenquellen.
Im Vortrag wird dargestellt, wie Metadaten zu Forschungsdaten und Forschungssoftware aus verschiedenen Quellen gesammelt, normiert und dedupliziert werden können und der OAM so zu einem Open Science Monitor Deutschland ausgebaut werden kann. Er unterstützt Einrichtungen in ihrem eigenen Open-Science-Reporting, indem er KDSF-konforme Daten zur Nachnutzung bereitstellt.