Erwerbung, Lizenzen
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Einstieg in die FOLIO-Erwerbung im GBV - Herausforderungen des Umstiegs und erste Erfahrungen
(2026)
Die ULB Sachsen-Anhalt hat bereits 2022 als Pilotbibliothek FOLIO-ERM eingeführt und sich im Sommer 2025 erfolgreich als erste Bibliothek im GBV für den Umstieg der Erwerbungsmodule von FOLIO beworben. Das Projekt, welches von der VZG betreut wird, ist im September 2025 gestartet und die Migration und Umstellung auf FOLIO findet zum Jahresübergang 2025/2026 statt. Zunächst wurde ein Zeitplan abgestimmt und erste Fehleranalysen der Daten im aktuellen Erwerbungsmodul LBS4-ACQ durchgeführt, welche zu Migrationsproblemen führen können. Diese wurden weitestgehend korrigiert. Nach Schulung der Erwerbungs-APPs werden nun Konfigurationen in FOLIO u.a. in Bezug auf Standorte, Budgets, Rollen und Rechte usw. und festgelegt und die Workflows der Geschäftsgänge der ULB Sachsen-Anhalt in FOLIO geplant und festgelegt. Wir möchten berichten über die Erfahrungen und Herausforderungen der Migration und der Umstellung auf FOLIO in Bezug auf die Vorarbeiten, die ggf. zu verändernden internen Workflows, die Zusammenarbeit der verschiedenen Teams der ULB, den sehr straffen Zeitplan, sowie die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der VZG.
Indikatorgestützte Erwerbungssteuerung: Der Kieler Weg zu einer nachhaltigen E-Medien-Versorgung
(2026)
Die Universitätsbibliothek Kiel organisiert entlang zweier zentraler Erwerbungswerkzeuge die grundständige Medienversorgung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU):
Zum einen besteht der im Jahr 2011 geschaffene Zentralfonds, der die Finanzierung fachübergreifender und hochpreisiger E-Medien im Schwerpunkt Forschung organisiert. Zum anderen existiert der Erwerbungsetat der Zentralbibliothek, der die Medienbedarfe der Studienfächer mit Schwerpunkt „E-preferred“ für Studium und Lehre aufnimmt und finanziert.
Um die beiden Werkzeuge weiterzuentwickeln und zukünftig enger zu verbinden, hat sich im Jahr 2024 eine Arbeitsgruppe zusammengefunden, die aus Erwerbungsabteilung, Fachreferaten, Direktion und Präsidium der CAU besteht. Gemeinsam wurden über die Entwicklung eines indikatorgestützten Etatverteilungsmodells für die Fachetats der Zentralbibliothek sowie durch eine Analyse und Evaluation der Inhalte des Zentralfonds, die Grundlagen für eine engere Verbindung der beiden zentralen Erwerbungswerkzeuge der CAU geschaffen. Flankiert durch ein Erwerbungsprofil der Zentralbibliothek, wurde ein kohärentes Gesamterwerbungskonzept entwickelt, welches die zukünftige Medienerwerbung der CAU organisieren wird.
Der Beitrag soll vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen im Kontext der Medienwerbung von wissenschaftlichen Bibliotheken Szenarien aufzeigen, wie eine zentrale, auf Indikatoren und Evaluationen basierende Steuerung der Erwerbungsmittel die Medienversorgung von Forschung, Lehre und Studium bedarfsgerecht organisieren kann. Eine Analyse der historischen Entwicklung des Zentralfonds, der Arbeits- und Organisationsprozesse auf dem Weg zum Etatverteilungsmodell und der dabei verwendeten Indikatoren soll daraus resultierende Chancen und Herausforderungen für die einzelnen Fächer und Fakultäten aufzeigen. Im Ausblick soll der Beitrag Ideen für die zukünftige Weiterentwicklung der beiden Finanzierungswerkzeuge hin zu einem zentralen E-Medien-Fonds skizzieren.
Auch wenn der Prozess der Neufassung der Ordnungsmittel, die Ausbildungsordnung und der Rahmenlehrplan, für die FaMI-Ausbildung im Gange ist, sollten scheinbar periphere Themen wie etwa Nachhaltigkeit und Inklusion von Seiten der Praxis in der Ausbildung unterstützt werden.
In Kooperation gestaltete die Sächsische Landesfachstelle für Bibliotheken und das Netzwerk Grüne Bibliothek im Herbst 2025 einen Ausbildungstag für FaMIs im 2. Lehrjahr an der Gutenbergschule Leipzig (Berufliches Schulzentrum).
Ziel ist die Sensibilisierung und Inspiration der zukünftigen Mitarbeitenden in Bibliotheken. Wie kann es gelingen, Nachhaltigkeit in der Ausbildung von Anfang an zu integrieren? Wie kann der Transfer aus der Theorie in die Praxis erfolgen?
In diesem Vortrag werden die gesammelten Erfahrungen vom Beginn der Planungsphase bis zur Umsetzung vorgestellt. Der Vortrag richtet sich dabei an Interessierte aus allen Bibliotheken, Ausbildungsbetrieben und nicht zuletzt auch Auszubildenden selbst.
Comics und Graphic Novels haben sich in den letzten Jahrzehnten als wichtige Primärquellen für die Wissenschaft etabliert. Ihre überregionale Bereitstellung fällt damit auch in den Aufgabenbereich der Fachinformationsdienste (FID), die an ihren Einrichtungen bereits bestehende Comicsammlungen erweitern oder Sammlungen mit bestimmten z. B. regionalen Schwerpunkten neu aufbauen. Damit wird nicht nur auf aktuelle Forschungsinteressen reagiert, sondern zukünftige Forschung oft überhaupt erst ermöglicht. Der Interdisziplinarität wissenschaftlicher Fragestellungen in diesem Bereich trägt dabei u.a. die verstärkte Zusammenarbeit einzelner FID im FID-Netzwerk Rechnung.
Ausgehend von ihren Comicsammlungen gehen der FID Anglo-American Culture und der FID Romanistik in diesem Vortrag auf Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Erwerbung, Erschließung und Auffindbarkeit von Comics und Graphic Novels ein. Außerdem wird von der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk ‚Comics in wissenschaftlichen Bibliotheken‘ berichtet, das sich u.a. die Aufgabe gestellt hat, die verstreuten Sammlungen an deutschen Bibliotheken und Archiven zu kartieren. Als Beispiel für die Vernetzung mit der Forschungsgemeinschaft und die Einbindung bedarfsorientierter Erwerbung wird schließlich das Melden von Kaufvorschlägen über eine Zotero-Gruppen-Bibliographie vorgestellt.
Seit Oktober 2025 testet der VÖBB Cost-per-Circulation-Lizenzen ohne Windowing-Fristen, deren Kosten pro Ausleihe zwischen 4 und 12 Euro liegen. Das ist deutlich mehr, als der VÖBB als Zielwert pro Ausleihe ansonsten ansetzt. Die Frage stellt sich: Lassen sich auch so teure Lizenzen nutzen, um mit aktuellen Bestseller-Titeln Aufmerksamkeit für eine E-Book-Plattform in einem Ausmaß zu generieren, dass es sich "lohnt"? Was können die Kriterien dafür sein? Wie groß ist der Bedarf an aktuellen Bestsellern tatsächlich? Was sind die preislichen Schmerzgrenzen einer Bibliothek?
Transformationsverträge spielen eine zentrale Rolle bei der Open-Access-Transformation in Deutschland. Die größten davon sind die DEAL-Vereinbarungen mit Elsevier, Springer Nature und Wiley. Sie sichern den Zugang zu Subskriptionsinhalten und ermöglichen gleichzeitig das Publizieren in Hybrid- und Gold-OA-Zeitschriften. Trotzdem werden diese Modelle im Hinblick auf ihre Kostenstrukturen und die fortbestehende Abhängigkeit von kommerziellen Verlagsstrukturen kritisiert. Vor diesem Hintergrund hat eine transparente und nachvollziehbare Darstellung der entstehenden Publikationskosten für teilnehmende Einrichtungen eine wichtige Bedeutung für den Erfolg der Open-Access-Transformation.
OpenAPC bietet hierfür eine konsistente und offen zugängliche Datengrundlage. Speziell entwickelte Workflows ermöglichen die Abbildung der Kosten, die im Rahmen der DEAL-Verträge für die Einrichtungen anfallen. Auf diese Weise entsteht ein über mehrere Jahre vergleichbarer Datensatz, der Kostenstrukturen, zeitliche Entwicklungen und institutionsübergreifende Muster sichtbar macht.
Zunehmend rücken auch Zusatzkosten wie Page- und Colour-Charges in den Blick, die bislang nicht flächendeckend von den an den DEAL-Verträgen teilnehmenden Einrichtungen erfasst werden, aber in Einzelfällen erheblichen Einfluss auf die Gesamtkosten einer Publikation haben können. Durch die Einbindung des openCost-Formats bietet OpenAPC die Möglichkeit, auch solche Kostenarten abzubilden und so ein noch umfassenderes Bild der finanziellen Aufwände im Open-Access-Publizieren zu liefern.
Der Beitrag stellt die OpenAPC-Workflows zur Erfassung und Auswertung von DEAL-bezogenen Daten vor. Dabei werden nicht nur die Anteile von Hybrid-OA-Publikationen, sondern auch die Kostenentwicklung der APCs für Artikel in Gold-OA-Zeitschriften innerhalb von DEAL analysiert. Anschließend wird deren Bedeutung für die Budgetplanung sowie die strategische Steuerung von Open-Access-Mitteln in wissenschaftlichen Einrichtungen diskutiert.
Digitale Medien sind längst fester Bestandteil des Medienangebots Öffentlicher Bibliotheken – sowohl in großen als auch in vielen kleinen Bibliotheken. Ebenso lange wie es E-Medien in Öffentlichen Bibliotheken gibt, wird auch das Thema „faire“ Lizenzbedingungen immer wieder diskutiert. In der deutschen Medienlandschaft gab es in den vergangenen Jahren jedoch kaum Fortschritte oder Veränderungen. Doch nun kommt Bewegung in das Thema, nicht zuletzt angestoßen durch die E-Lending-Studie von 2024, die aus Sicht der Bibliotheken deutliche Kritik erfahren hat. Neben einer weiteren geplanten Studie verhandeln Verlage und E-Medien-Anbieter auch über neue, vielfältigere Lizenzmodelle. Bibliotheken sollen unter anderem die Möglichkeit erhalten, Titel bereits zum Erscheinungsdatum in den Bestand aufzunehmen und so das vielfach als „unfair“ bezeichnete Windowing zu umgehen. Dabei erwerben Öffentliche Bibliotheken nicht wie bisher üblich Lizenzen für einzelne Titel, sondern zahlen für die tatsächliche Ausleihe ihrer ausgewählten Titel. Dieses Modell eröffnet Chancen, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich – insbesondere eine präzise und zugleich flexible Budgetverwaltung.
Der Vortrag beleuchtet die Auswirkungen dieser neuen Lizenzmodelle speziell für E-Medien-Verbünde: Welche Chancen ergeben sich? Wie können auch kleinere Verbünde mit geringerem Etat diese Lizenzen für sich nutzen, um einen attraktiven Bestand anbieten zu können?
Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein: Scorecard für die E-Ressourcen-Verlängerung
(2026)
Die jährliche Verlängerung elektronischer Ressourcen basiert oftmals auf Einzelentscheidungen, bei denen individuell geklärt wird, ob eine Ressource verlängert werden soll oder nicht. Um diesen Prozess objektiver und zeitsparender zu gestalten, nutzen die Staatsbibliothek zu Berlin und die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin eine Scorecard für E-Ressourcen, die qualitative und quantitative Kriterien in einem Bewertungsschema bündelt.
Die Scorecard bietet einen systematischen Überblick über die lizenzierten Produkte, indem Daten zu drei zentralen Kriterien – fachliche Relevanz, Kosten-Nutzen-Relation und Preissteigerung – für alle Produkte zusammengeführt und in ein Punktesystem überführt werden. Anhand einer „Verlängerungsampel“ ist dann bei jedem Produkt auf einen Blick ersichtlich, ob dieses verlängert oder abbestellt werden kann bzw. ob Rücksprache notwendig ist. Dies beschleunigt und vereinfacht den Prozess und bietet eine Grundlage für eine möglichst objektive Entscheidungsfindung.
Im Vortrag wird für eine Staatsbibliothek und eine Universitätsbibliothek vorgestellt, wie solch eine Scorecard aufgebaut ist, welche Gewichtungen für die verschiedenen Kriterien vorgenommen wurden und wie die zugehörigen Workflows gestaltet sind. Insbesondere in Zeiten knapper Haushaltsmittel kann die Scorecard als datenbasiertes Instrument genutzt werden, um Abbestellungsentscheidungen zu unterstützen. Der Beitrag bietet damit ein praxiserprobtes Modell zur strategischen Steuerung der E-Ressourcen-Erwerbung, das auch von anderen Einrichtungen adaptiert werden kann.
Die Basisklassifikation (BK) ist ein etabliertes Klassifikationssystem zur Sacherschließung in Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Ihre klare Struktur und breite Anwendbarkeit machen sie seit Jahrzehnten zu einem zentralen Werkzeug für die systematische Ordnung von Wissen. Doch die letzte Überarbeitung liegt über 10 Jahre zurück – die Anforderungen an moderne Erschließungssysteme und die Schwerpunkte in der aktuellen Forschung haben sich grundlegend verändert.
Der Vortrag stellt den aktuellen Relaunch-Prozess der BK vor, der auf drei zentralen Säulen basiert:
Wissenschaftliche Aktualisierung: Anpassung an neue Forschungsfelder und Interdisziplinarität sowie die Überwindung eurozentristischer Perspektiven.Technologische Integration: Vorbereitung der BK für die automatisierte Erschließung, wie den Digitalen Assistenten DA-3.Strukturelle Konsistenz: Erhalt der Notationslogik zur Sicherstellung maschineller Verarbeitbarkeit.Anhand konkreter Beispiele – etwa der Notwendigkeit neuer Klassen für die Ukraine, die Geschichte der Schweiz, performative Kunstformen und der Interdisziplinarität der Quantentechnologien – wird gezeigt, wie verbundübergreifende, redaktionelle Arbeit, technologische Innovation und wissenschaftlicher Diskurs zusammenwirken, um ein zukunftsfähiges Klassifikationssystem zu gestalten.
Zwischen Nutzung, Nachweis und Neuordnung: Bestandsanalysen als Schlüssel zu modernen Lernorten
(2026)
Die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen passt ihre physischen Bestände gezielt an die aktuellen Anforderungen einer modernen Gebrauchsbibliothek an und schafft so Raum für attraktive Lernumgebungen. Seit der Fusion zweier Bibliotheken mit ähnlichen Rahmenbedingungen wurde ein intensiver Prozess zur Optimierung der Bestände angestoßen. Ein zentraler Schritt war die Überprüfung der Dubletten und Auflagendichte, um die Relevanz der Bestände zu sichern.
Die Berücksichtigung von Konzepten wie „Last Copy“ und „Sharing is Caring“ gewinnt dabei an Bedeutung. Da alle Bibliotheken vor ähnlichen Herausforderungen stehen, rückt die überregionale Abstimmung zur koordinierten Umsetzung dieser Konzepte als Aufgabe gemeinsamer Verbundstrategien in den Mittelpunkt. Der Beitrag beschreibt die Entwicklung und den Einsatz technischer Instrumente im Bestandsmanagement. Grundlage aller Maßnahmen ist eine differenzierte Datenanalyse, die Nutzungsmuster, Standzeiten und fachliche Profile der Bestände berücksichtigt. Auf dieser Basis lassen sich klare Kriterien für die Magazinierung und Aussonderung ableiten und Reduktionspotenziale gezielt identifizieren.
Lokale Bestandsentscheidungen werden in das System der überregionalen Literaturversorgung integriert, um eine verantwortungsvolle Bestandsverschlankung zu erreichen und gleichzeitig die dauerhafte Zugänglichkeit zu gewährleisten. Ein zunehmend automatisierter Workflow, der Bestands- und Nutzungsdaten miteinander verknüpft, ermöglicht es, regelbasierte Prüfungen durchzuführen und transparente Arbeitslisten zu erstellen. Eigens entwickelte Skripte automatisieren die Listenerstellung aus umfangreichen Datenbeständen und werten sowohl interne als auch verbundweite Daten aus.
Abschließend wird erläutert, wie diese Verfahren dauerhaft in den Betriebsalltag integriert werden können. Eine offene und kontinuierliche Kommunikation bildet dabei den Schlüssel, um Transparenz zu schaffen und Vertrauen in die Veränderungen zu fördern.
Bestandsmanagement: Strategien und Praxisbeispiele aus Mitgliedsbibliotheken der AjBD und der APBB
(2026)
Die gemeinsame öffentliche Arbeitssitzung der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen (AjBD) und die Arbeitsgemeinschaft der Parlaments- und Behördenbibliotheken (APBB) bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch und die Diskussion
aktueller Herausforderungen im Bestandsmanagement.
Im Fokus stehen Strategien und Praxisbeispiele rund um die Planung, Pflege und Entwicklung von Bibliotheksbeständen. Gerade in juristischen und behördlichen Bibliotheken ist ein zielgerichtetes Bestandsmanagement essentiell, da Gesetzesänderungen und neue Vorschriften eine hohe Aktualität erfordern, der Bestand oft spezialisiert und tief ist, und digitale Ressourcen zunehmend eine Rolle spielen. Die Abwägung zwischen Kauf und temporärer Lizenzierung wirken sich maßgeblich auf das Bestandsmanagement aus. Verlauf und Wandel rechtlicher Regelungen – etwa bei Gesetzesnovellen, Kommentierungen oder behördlichen Richtlinien – müssen zudem nachvollziehbar gehalten werden.
Impulse aus Mitgliedsbibliotheken der AjBD und der APBB in Form von Kurzvorträgen geben Einblick in Praxisbeispiele und laden zur Diskussion ein. Der anschließende Austausch im Plenum richtet sich ebenso wie die Vorträge ausdrücklich an bibliothekarische Kolleginnen und Kollegen (m/w/d) aller Bibliothekstypen. Er wird von Martina Kuth (AjBD) und Sina Kesselhut (APBB) moderiert.
Streicher: Bestandsmanagement in der Parlamentsbibliothek des Thüringer Landtags
Die Frage „Was ist gutes Erwerbungshandeln?“ stellt sich sowohl in den Fachreferaten als auch in den Erwerbungsabteilungen von Bibliotheken und ist sicher nicht immer eindeutig zu beantworten. Bewerten wir zum Beispiel Paketkäufe positiv, weil sie eine deutliche Zeitersparnis im Vergleich zum Kauf von Einzeltiteln bedeuten können? Oder sehen wir in Paketkäufen eine massive Einschränkung des lokalen oder fachspezifischen Entscheidungsspielraums im Bestandsaufbau? Und sehen wir beispielsweise in einer E-Preferred-Strategie für die Erwerbung Steigerung von Nutzungskomfort und Lösung von Platzproblemen oder aber einen kaum realisierbaren Pauschalisierungsversuch über Fachkulturen und Publikationsmärkte?
Solche Fragen möchten die Kommission für Fachreferatsarbeit des VDB und die dbv-Kommission für Erwerbung und Bestandsentwicklung in einem Hands-on Lab gemeinsam mit den Teilnehmer*innen diskutieren.
Dazu wird zunächst von den Kommissionen ein Überblick über die Bandbreite von Determinanten des Erwerbungshandelns gegeben. Dabei kommen unterschiedliche Entscheidungsspielräume, Fach- und Hauskulturen, Etatverteilungsmodelle, Verlagsangebote, Budgetsituationen, Bedarfe, Möglichkeiten der Nutzungsbewertung und des Monitoring von Lizenzen sowie natürlich auch der Mitteleinsatz für das Publizieren auf der einen und das Lesen auf der anderen Seite zur Sprache. Diese Determinanten werden in Beziehung gesetzt zu verschiedenen Erwerbungsmodellen wie EBS/EBA, PDA, Paket- und Einzeltitelkäufen. An diese Übersicht anschließend erarbeiten Teilnehmer*innen und Kommissionsvertreter*innen gemeinsam zu einer Auswahl der Determinanten Best Practices im Umgang mit diesen. Im Ergebnis zielt das Hands-on-Lab darauf, ein Verständnis davon herauszuarbeiten, was fach- und bibliotheksübergreifende Antworten auf die Frage „Was ist gutes Erwerbungshandeln?“ sein können.
VW-LiS: Zugänge schaffen, Teilhabe stärken. Lizenzierung nicht verfügbarer Schriften in der Praxis
(2026)
Der Lizenzierungsservice Vergriffene Werke (VW-LiS) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) ermöglicht Kulturerbe-Einrichtungen die einfache Recherche und schnelle Beantragung von Nutzungslizenzen für nicht verfügbare Werke in verlegten Schriften, zur Digitalisierung und rechtssicheren öffentlichen Zugänglichmachung urheberrechtlich geschützter Quellen des 20. Jahrhunderts. Nach über vier Jahren Pause, in Folge der Umsetzung der europäischen Digital-Single-Market Richtlinie (DSM-RL), steht VW-LiS seit Sommer 2025 wieder zur Verfügung. Hierfür kooperiert die DNB mit der VG WORT und VG Bild-Kunst, um Bibliotheken, Archive und Museen in ihrem öffentlichen, demokratischen Auftrag zu unterstützten. Wir zeigen, wie die Lizenzierung klassischer Bibliotheksbestände (Bücher, Zeitschriften und Zeitungen) digitale Zugänge für Wissenschaft und Forschung schafft und die Teilhabe am kulturellen Erbe stärkt.
Konzipiert als zentraler Zugangspunkt ist VW-LiS der Einstieg für Bibliotheken und andere Kulturerbe-Einrichtungen, die ihre Bestände digitalisieren und online bereitstellen möchten. Abgestimmt auf die Anforderungen der (Massen-)Digitalisierung, bündelt VW-LiS die komplexen Daten- und Informationsflüsse zwischen allen beteiligten Akteuren und übersetzt die technischen sowie rechtlichen Herausforderungen in die Praxis – von der Suche nach nicht verfügbaren Werken im eigenen Bestand über eine schnelle Verfügbarkeitsprüfung bis hin zur automatisierten Antragstellung bei der VG WORT und Bekanntmachung im Europäischen Portal für „Out-of-commerce Works“.
Für viele Bibliotheken sind VW-LiS und die Lizenzierung nicht verfügbarer Werke bereits wichtige Bausteine in Digitalisierungsprojekten sowie in Service- und Fachinformationsdiensten. Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen werden auch die Perspektiven für die zukünftige Weiterentwicklung des Lizenzierungsservice aufgezeigt.
In Ihrer Bibliothek stehen Sparzwänge, Umstrukturierungen und Zeitmangel auf der Tagesordnung? Es gibt ein Leitbild oder eine Strategie, die Ihnen eigentlich Handlungsraum für Umweltbildung, Klimaschutz, Klimaanpassung und kulturelle Nachhaltigkeit ermöglichen soll, aber aus verschiedenen Gründen stockt es, um mit den Themen voran zu kommen? Die "Low hanging fruits" sind zum Thema Nachhaltigkeit geerntet und es fehlt an weiteren Ideen? Janet Wagner bietet Ihnen einen Ideen- und Motivationsbooster an: Treten Sie nicht auf die Bremse, sondern denken Sie zu allererst in die Zukunft! Wir müssen wieder erlernen, postive Geschichten zu erzählen, mit unseren Auszubildenden, Referendar*innen und Kolleg*innen. Klimakommunikation ist ein Schlüssel dafür: Über Lösungen sprechen, positiv motivierend sein, Humor und Optimismus verbreiten. Dazu braucht es kein ausgefeiltes Projekt oder feste finanzielle Mittel. Es braucht die Zutaten des Zuhörens, der Sichtbarmachung gemeinsamer Werte und die innere Einstellung, "Lust auf morgen" zu verbreiten. In einem anregenden und anschaulichen Input geht es darum, Sie mit viel Energie und Motivation zu versorgen: Für sich und ihre Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit, für anstehende Projekte und vor allem mit einem positiven Zukunftsbild für Ihre Bibliothek! Nah an Ihrer Arbeitspraxis, anschaulich und mit wenig Aufwand. Lassen Sie sich boostern und kehren inspiriert und motiviert zurück in den Bibliotheksalltag, in dem Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt.
Offenheit gegenüber / von Digitalem: 10 Jahre E-preferred-Strategie in einer Hochschulbibliothek
(2025)
Seit 2016 werden elektronische Medien in der Anschaffung der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Zürich systematisch bevorzugt (e-preferred). Das verlangt Offenheit gegenüber Digitalem, aber auch Offenheit von Digitalem. Eine Bestandsaufnahme.
Offenheit ist ein Leitprinzip der Bibliotheksarbeit. Sie spiegelt sich im öffentlichen Zugang und grosszügigen Platzangebot von Bibliotheken – oder in bewährten Partizipationsformen wie der Open Library. Nebst diesen physischen Dienstleistungen unterhält die Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Zürich ein breites Portfolio an digitalen Services, das zu grossen Teilen ebenfalls auf Offenheit setzt. Im Talk soll geklärt werden, wie Offenheit gegenüber Digitalem, aber auch Offenheit von Digitalem erreicht wird. Hinsichtlich des ersten Punkts blickt die Bibliothek auf eine bewegte Geschichte von nunmehr 10 Jahren E-preferred-Strategie zurück: Seit 2016 werden elektronische Medien in der Anschaffung systematisch bevorzugt, was zu einem massiven Shift im Erwerbungsbudget, zu einem kontinuierlichen Abbau physischer Titel sowie zu diversen Anpassungen, etwa im Controlling und der Klassifikation des Bestands oder in der Beratung und Kommunikation der Dienstleistungen führte. Die E-preferred-Strategie verlangte von den Mitarbeitenden, Fachreferierenden und Bibliotheksnutzenden früh und in hohem Masse Offenheit gegenüber Digitalem. Das zeigte sich besonders während gross angelegter öffentlicher Aussonderungsaktionen von physischen Dubletten, veralteten Auflagen und «Ladenhütern». Welche negativen und positiven Themencluster prägten den Diskurs rund um die E-preferred-Strategie in den letzten 10 Jahren? Im Talk wird ein Schlaglicht geworfen auf den Wandel von Nutzungsgewohnheiten, die Auswirkungen auf die Bestandsvielfalt und -kosten, die Abhängigkeit von Verlagen, die Kommunikation der «unsichtbaren» E-Medien oder die Erweiterung des Lernraums. Die Offenheit gegenüber Digitalem hängt dabei immer auch mit der Offenheit von Digitalem zusammen. Die Bibliothek berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit Zugangs- und Usabilityhürden des digitalen Bestands, mit Open Access und Open Educational Resources sowie mit gemeinsamen Initiativen wie swisscovery.
Die Global Open Knowledge Base (GOKB) ist eine kooperativ betriebene, offene Datenplattform, in der Metadaten von Paketen elektronischer Ressourcen verwaltet werden. Sie umfassen Informationen zu Paketen, Titeln, Verfügbarkeitsdaten, Plattformen und Anbietern. Die Daten werden automatisiert angereichert, durch Routinen geprüft und für die intellektuelle Nachbearbeitung aufbereitet, um qualitativ hochwertige Daten über eine offene API in die Datenflüsse zu integrieren.
Dabei bedient die GOKB bisher zwei verschiedene Datensphären: Die Community Zone von Alma (Ex Libris) und das Open Source System FOLIO. Die Anbindung der Systeme weist sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf: Identisch ist das Ziel, beiden Systemen Metadaten zu E-Ressourcen mit eindeutiger Identifikation, Zugangs- sowie Paketinformationen zur Verfügung zu stellen. Unterschiedlich sind hingegen die Konzepte der Anbindung, den Nutzungsumfang der GOKB als Datenquelle, die Prozesse der Abstimmung mit den Betreibern und letztendlich die Konzepte zur Lösungsfindung.
Besonderes Augenmerk wird auf die Anbindung an die Community Zone (CZ) von Alma gelegt, die den Bibliotheken die Möglichkeit bietet, über die GOKB die Inhalte der CZ selbst mitzugestalten, sowie auf die etablierte Zusammenarbeit mit FOLIO, die durch einen kontinuierlichen Austausch im vertrauten bibliothekarischen Umfeld geprägt ist. Der Vortrag beleuchtet sowohl technische Details - Schnittstellen und Datenformate - als auch die unterschiedlichen Prozesse und Strukturen, die hinter den Datenlieferprojekten stehen.
Der Open Library Badge (OLB) ist ein Zertifikat für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, die sich nachweisbar für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen. Die Auszeichnung macht entsprechende Aktivitäten und Angebote sichtbar. Der Badge hilft Bibliotheken, ihre Services und ihre Strategie in puncto Openness auf den Prüfstand zu stellen. Bereits über 30 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben den OLB erhalten. Das OLB-Team selbst wurde 2024 mit dem Enter-Award in der Kategorie “Kooperation” geehrt.
Grundlage des OLB ist ein Kriterienkatalog, der 2016 gemeinschaftlich mit der deutschsprachigen Community erarbeitet wurde. In 2020 gab es eine Neuauflage mit 15 Kriterien, die bis heute gültig sind. Insbesondere die dazugehörige Best-Practice-Sammlung liefert wertvolle Impulse.
Das Hands-on Lab hat zum Ziel, den aktiven Austausch fortzuführen und den OLB kooperativ weiterzuentwickeln. Gemeinsam sollen die bestehenden Kriterien evaluiert und ggf. neue Kriterien entwickelt werden. Bereits im Frühjahr 2025 wird das OLB-Team hierfür erstes Feedback aus der Community einholen.
Im Hands-on Lab werden aktuelle Entwicklungen und Handlungsfelder für Bibliotheken rund um Openness diskutiert. Themen könnten
z. B. sein: Diamond Open Access, Maßnahmen gegen das Datentracking in der Wissenschaft, Offenheit für Kooperationen mit anderen Einrichtungen, Erhöhung der Zugänglichkeit zu Orten und Services. Themenfelder, die für öffentliche Bibliotheken und ihre Nutzenden von Bedeutung sind, sollen explizit stärker berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse werden in die Neuauflage des Open Library Badge einfließen, der als “OLB 2025” im weiteren Jahresverlauf veröffentlicht wird. Durch die Beteiligung zu verschiedenen Zeitpunkten des Entwicklungsprozesses wollen wir Transparenz und Chancengleichheit fördern. Damit tragen wir aktiv zur Stärkung demokratischer Strukturen bei und setzen das Motto #BibliothekenEntschlossenDemokratisch in die Praxis um.
Die Vortragsfolien gehören zu einem Workshop, den die AG Open Library Badge am 24.06.2025 auf dem 9. Bibliothekskongress / der 113. BiblioCon durchgeführt hat.
Websites staatlicher und öffentlicher Institutionen dienen als wichtige Plattform, um amtliche Veröffentlichungen zeitnah zu verbreiten, und ersetzen damit zusehends bewährte Publikationskanäle. Daher stellen sie ein zentrales Sammelgut für die Webarchive von Regionalbibliotheken und Deutscher Nationalbibliothek dar. Die Bibliotheken leisten damit einen wichtigen Beitrag, um staatliches Handeln für die Bürgerinnen und Bürger dauerhaft nachprüfbar zu dokumentieren und dem Transparenzgedanken Rechnung zu tragen. Wie ist es aber um den Zugriff auf diese Webarchive bestellt? Hält dieser den Erwartungen einer Gesellschaft stand, die an einen allumfassenden Online-Zugriff gewohnt ist? Der Vortrag thematisiert die bestehenden Diskrepanzen und zeigt Möglichkeiten einer zeitgemäßen Öffnung auf.
Der Erhalt und weitere Ausbau der Pflichtexemplarbestände sowie deren Zugänglichmachung ist ein wichtiger Faktor der Teilhabe in der Demokratie – Jedem muss, unabhängig von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Religion oder Weltanschauung und Alter, Zugang zu gesichertem Wissen jederzeit möglich sein.
Seit mehr als 350 Jahren sind Regelungen zur Abgabe gedruckter Medien auf lokaler und regionaler Ebene in Deutschland bekannt. Bald 20 Jahre in Kraft sind die ersten Gesetze und Verordnungen zur Ablieferung digitaler Medien. Die Sammlung von Pflichtexemplaren ist eine Aufgabe, der sich die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) und die Regionalbibliotheken in den Ländern gemeinsam stellen. Die aus der Historie erwachsene Verantwortung und zugleich die Menge des Materials in jüngeren Zeiten erfordert eine Positionsbestimmung bei der Erfüllung des Pflichtauftrags und die Beantwortung folgender Fragen: Was ist leistbar aktuell und in Zukunft im Kontext der Weiterentwicklung der Medienlandschaft, aber auch im Wissen über die eigenen personellen und technischen Möglichkeiten? Was benötigen die heutigen bzw. die künftigen Nutzer? Wie lässt sich die eigene Pflichtexemplarsammlung bewahren – auch für zukünftige Generationen?
Der Beitrag fasst Einzeldarstellungen der Regionalbibliotheken aus 16 Bundesländern und der Deutschen Nationalbibliothek zusammen und geht dabei sowohl auf gemeinsame Projekte als auch auf Besonderheiten der Sammeltätigkeit in den einzelnen Häusern ein.