Die Sichtbarkeit deutscher Universitäten in internationalen Hochschulrankings ist für den Wissenschaftsstandort Deutschland von hoher strategischer Bedeutung. Hoch gerankte Einrichtungen sind attraktiv für nationale und internationale Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Kooperationspartner. Zum 1. Februar 2019 wurde das Serviceprojekt "Internationale Hochschulrankings" in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) etabliert. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, die internationale Sichtbarkeit der deutschen Universitäten zu stärken und somit zu einer verbesserten internationalen Positionierung des gesamten deutschen Hochschulsystems beizutragen. Zur Umsetzung dieses Zieles durch gezielte Beratungs- und Kommunikationsmaßnahmen können Bibliotheken als zentrale Ansprechpartner im Publikationsprozess einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Verbesserung der Sichtbarkeit von Universitäten in Rankingverfahren kann darüber hinaus aber auch über verschiedene taktische und operative Maßnahmen erreicht werden. Zu diesen zählen die Erarbeitung von Publikationsrichtlinien und institutionelle Disambiguierungen, um die Zuordnungsrate von Forschungseinrichtungen in bibliometrischen Datenbanken zu verbessern. Eine besonders nachhaltige Form der Verbesserung von Sichtbarkeit in Rankings kann über ein Freistellen von Publikationen im Open Access und eine damit verbundene Steigerung des Impacts erreicht werden. Frau Dr. Gorenstein (HRK-Rankingprojekt) wird in einem ersten Vortragsteil die Bedeutung von Rankings für Universitäten herausstellen. Daran anschließend stellt Herr Wohlgemuth (SLUB Dresden) auf Basis bibliometrischer Analysen zwei Maßnahmen zur Diskussion, über die Bibliotheken und Rankingbeauftragte der Universitäten gemeinsam zu einer Verbesserung der Sichtbarkeit beitragen können.
Das Erfassen und die Pflege von Publikationsmetadaten gehört zu den Kernaufgaben von Bibliotheken. Die ursprünglich oftmals manuellen Prozesse der Datenverarbeitung werden zunehmend durch offene Projekte und kommerzielle Anbieter vereinfacht, die als Datendrehscheiben zwischen den beteiligten Akteuren am Publikationsmarkt fungieren. Dennoch finden Datenbedarf (in Bezug auf Parameter wie Abdeckung, Aktualität und Komplexität) und Angebot nicht immer zusammen. Eine Lösung ist der Einsatz von Verfahren, die aktiv Inhalte aus Webseiten von Verlagen auslesen. Diese unter verschiedenen Namen bekannten Ansätze stoßen aber oft an Grenzen und können nur bedingt verstetigt eingesetzt werden.
Der Vortrag basiert auf Erfahrungen aus dem BMBF-Projekt Panter, in dessen Rahmen Preisdaten in wissenschaftlichen Zeitschriften unabhängig vom Seitenaufbau und Markupstrukturen erfasst und für eine Nachnutzung bereitgestellt werden. Der Vortrag startet mit einer Einordnung von Preisdaten, die sich technisch als besonders anspruchsvoll auszeichnen. Um dieser Herausforderung begegnen zu können, wurde eine Pipeline entwickelt, die im Hauptteil des Vortrages vorgestellt wird: In einem ersten Schritt erfolgt die Extraktion von Rohdaten (HTML, weitere Datenformate), die in einem Wissensspeicher zusammengeführt werden. Die Inhalte des Wissensspeichers werden in einem zweiten Schritt vom eingesetzten Sprachmodel (LLM) in eine strukturierte Form transformiert und abschließend in einem dritten Schritt vom LLM promptbasiert in ein generisches Datenformat überführt und vereinheitlicht. Im letzten Teil des Vortrages werden die erzielten Ergebnisse einer Bewertung unterzogen; derzeitige Grenzen des LLM-Einsatzes sowie das Potential für andere Anwendungsbereiche aufgezeigt.
Die Begutachtung und Auswahl wissenschaftlicher Artikel gehören neben der Veröffentlichung und Wissensverbreitung zu den zentralen Beiträgen von Fachzeitschriften zur wissenschaftlichen Kommunikation. Die Prozesse der Qualitätssicherung sind zudem mit nachgelagerten Mechanismen der Evaluation und Bewertung wissenschaftlicher Leistung verbunden. Mit der zunehmenden Beschleunigung des Begutachtungsprozesses reagieren Verlage auf den Wunsch vieler Forschenden, entlang der Maxime „publish or perish“, ihren Publikationsoutput schnell getaktet zu steigern. Eine solche Mesalliance wird spätestens dann zum Problem, wenn die Beschleunigung über qualitative Abstriche im Begutachtungsprozess erreicht wird.
Im Rahmen der institutionellen Finanzierung von Publikationen wächst an Bibliotheken und Forschungseinrichtungen die Sensibilität für derartige Zusammenhänge. Was aber zeichnet vorbildliche Reviewverfahren aus und wie lassen sich mögliche Zielkonflikte identifizieren?
Das binationale Projekt EQUAP2 stellte auf Basis eines Websurveys im Design einer Vignettenstudie die Erwartungen der Forschenden an den Reviewprozess ihren verlagsspezifischen Erfahrungen gegenüber. Dabei wurde methodisch die Rolle der Forschenden als Autor:innen, Reviewende oder Herausgeber:innen von Zeitschriften berücksichtigt. Etwaige Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Erfahrungen im jeweiligen Rollenverständnis lassen Rückschlüsse auf die Wertigkeit der Qualitätssicherung im Reviewprozess zu. Ziel des Vortrages ist es, über die Präsentation der Projektergebnisse hinaus, eine Diskussion zu den Konsequenzen für das Erwerbungshandeln anzustoßen.
Um Forschende bei der Identifizierung geeigneter Open-Access-Zeitschriften für ihre Forschungsergebnisse zu unterstützen, haben TIB und SLUB Dresden im Rahmen der BMBF-geförderten Richtlinie Beschleunigung der Transformation zu Open Access und in Zusammenarbeit mit vielen Partnereinrichtungen B!SON als offenen und unabhängigen Dienst entwickelt. Ausgehend von einem zu veröffentlichenden Manuskript kommen semantische und bibliometrische Verfahren zum Einsatz, um inhaltlich passende und qualitätsgesicherte Open-Access-Zeitschriften vorzuschlagen. Im Gegensatz zu ähnlichen Angeboten setzt B!SON dabei konsequent auf eine offene und nachhaltige Infrastruktur: Der Dienst bezieht die für die Ähnlichkeitsbestimmung benötigten Metadaten von den Partnern DOAJ und OpenCitations; der Quellcode ist unter einer freien Lizenz veröffentlicht.
Auch in Hinblick auf die Einbindung des Services beschreitet das Projekt B!SON neue Wege. Neben dem über die Projektseite erreichbaren zentralen Webangebot erlaubt eine TYPO3-Extension die Einbettung des B!SON-Frontends in die digitalen Beratungsservices von Bibliotheken und wissenschaftlichen Einrichtungen. Die Anbindung an den zentralen B!SON-Server wird per Schnittstelle (API) realisiert. Die lokalen Nutzer:innen können somit das Angebot im vertrauten Look & Feel ihrer Einrichtung nutzen und sich dabei von den lokalen Expert:innen beraten lassen. Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass sich die Suchergebnisse auf Basis einrichtungsspezifischer Gegebenheiten modifizieren bzw. mit einrichtungsrelevanten Informationen (spezifische Preiskonditionen etc.) anreichern lassen.
Der Vortrag gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil wird die lokale Einbindung des Open-Access-Zeitschriften-Empfehlungssystems B!SON anhand eines Praxisbeispiels vorgestellt und Grenzen und Potential dieses Ansatzes diskutiert. Darauf aufbauend wird am Beispiel eines neuen Services das Potential des B!SON-Systems für weitere Anwendungsfälle aufgezeigt.