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In Zeiten cloudbasierter Bibliothekssysteme wie Alma und FOLIO stehen RFID-Anwender vor neuen Herausforderungen bei der Integration dieser Technik und für Bibliotheken ohne RFID steht mehr denn je die Frage nach der „richtigen“ RFID-Technik im Fokus. Doch welche Frequenz ist die richtige? HF oder UHF? Dieser Frage soll in einem praxisorientierten Zwiegespräch nachgegangen werden.
Ausgehend von den Erfahrungen der Universitätsbibliotheken Bamberg und Dortmund werden typische Einsatzszenarien vorgestellt und anschließend diskutiert. Dabei werden auch Anforderungen an die Dienstleister (Hardware/Software) von Bibliotheken formuliert.
Diskutiert werden dabei unter anderem folgende Themen:
Anwendungsbeispiele aus der Praxis: Wie unterscheiden sich die Einsatzmöglichkeiten in den beiden Systemen (z.B. Selbstverbuchung, Diebstahlsicherung, Inventur, Stellrevision, Fernleihe)?
Integration in Bibliothekssysteme: Wie lassen sich HF- und UHF-Lesegeräte in FOLIO und Alma integrieren? Welche Herausforderungen treten auf?
Lesereichweite und Präzision: Welche Technik ist besser für dichte Regale oder hohe Sicherheitsanforderungen geeignet?
Kosten-Nutzen-Analyse: Welche Technologie ist kosteneffizienter, insbesondere für Bibliotheken, die RFID-Technik neu einführen wollen?
Zukunftsperspektiven: Wie lassen sich HF- und UHF-RFID-Technologien in cloudbasierte Bibliothekssysteme integrieren? Welche Rolle spielen Automatisierung und die fluide Bibliothek?
Welche Rolle spielen bei all diesen Fragen Eigenentwicklungen? Wofür brauchen wir Dienstleister bei diesem Thema?
Die Podiumsdiskussion soll einen umfassenden Einblick in die aktuellen Möglichkeiten der RFID-Technik geben und Bibliotheken ohne RFID bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Ziel ist es, eine praxisnahe Orientierungshilfe zu bieten, in der Anwender beider Funktechniken vertreten sind und gleichzeitig den Austausch über Erfahrungen und Best Practices zu fördern.
Spätestens seit der Einführung von Apples Siri im Jahr 2014 forschen alle großen Internetkonzerne an intelligenten, digitalen Sprachassistenten. So sind neben Siri mittlerweile auch der Google Assistant, Microsoft Cortana und Amazon Alexa auf dem Markt. Insbesondere Amazon gelang es mit den Echo-Geräten, größere Marktanteile für sich zu gewinnen und die Technik in viele Haushalte zu integrieren. In einem solchen "Smart Home" lassen sich vernetzte Geräte (Lampen, Heizung, Jalousien) durch Alexa steuern oder Informationen aus unterschiedlichen Quellen einfach per Sprachsteuerung abrufen. In diesem Kontext liegt die Idee nahe, Alexa auch als "Sprachausgabe" für unsere Bibliotheksysteme zu nutzen. Um dies zu realisieren, erweitern wir die Fähigkeiten von Alexa durch einen sogenannten "Skill" für unsere Bibliothek.
Im Lokalsystem der Universitätsbibliothek Bamberg befinden sich sechs über die Stadt verteilte Teilbibliotheken, ein Außenmagazin und die Bibliothek der Erzdiözese. Nutzer können Medien eines anderen Standorts an ihren Wunschstandort bestellen. Dies führt zu einer sehr hohen Zahl standortübergreifender Bestellungen: 2025 wurden über 75.000 Bestellungen in eine andere Bibliothek zur Abholung transportiert. Bisher löste jede Eingangsverbuchung einer Bestellung im Bibliothekssystem SISIS automatisch den Druck eines Bereitlegungszettels aus - zusätzlich zum bereits fürs Ausheben gedruckten Bestellzettel.
Mit dem Umstieg auf das browserbasierte FOLIO sind für diesen Druck pro Medium zusätzliche Mausklicks nötig. Dies würde den Arbeitsablauf in der Benutzung deutlich verlangsamen. In Bamberg wurde der Prozess deshalb grundlegend überdacht: Der separate Bereitlegungszettel entfällt, die Bereitstellung erfolgt ausschließlich mit einem neu gestalteten Bestellzettel, Quittungen werden nur noch per E-Mail versendet. Der Prozess wird in Abstimmung mit den betroffenen Kollegen schlanker, effizienter und papiersparender, ohne mit den gewohnten Abläufen völlig zu brechen.
Technisch wird dies über eine leichtgewichtige Eigenentwicklung auf einem Ubuntu-Server (PHP, REST-Anbindung an FOLIO, MySQL, CUPS) umgesetzt. Bestellzettel werden in HTML/CSS generiert und per Chrome-Engine in PDFs überführt. Automatische Druckläufe in größeren Intervallen mit deutlich verbesserter Vorsortierung pro Standort reduzieren die manuelle Sortierarbeit; eine einfache Weboberfläche ermöglicht es dem Theken- und Magazinpersonal, Fehldrucke selbstständig neu anzustoßen.
Der Vortrag stellt die Ausgangslage und Überlegungen vor und während der Entwicklung, die technische Architektur sowie die Erfahrungen aus den ersten Monaten im Echtbetrieb vor. Perspektivisch soll beim Bestell- und Ausleihprozess ganz auf Papier verzichtet werden. Der Vortrag zeigt einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg dorthin.
FOLIO etabliert sich als modernes Open-Source-Bibliothekssystem. Die Integration von RFID weist bislang allerdings noch erhebliche Lücken auf. Standard-Apps wie Check-in und Check-out bieten keine native Unterstützung für RFID-Hardware, sodass Ausleihe, Rückgabe oder das Beschreiben neuer Tags über externe Programme erfolgen. Dieser Bruch erschwert die Arbeit an Thekenarbeitsplätzen und mindert Komfort und Effizienz im täglichen Einsatz.
Im BVB wurde deshalb eine eigene Lösung entwickelt: eine RFID-App für FOLIO, die die Kernfunktionen der Ausleih- und Rückgabeprozesse repliziert und erweitert: Sie ermöglicht die Stapelverarbeitung mehrerer Medien, übernimmt die Buchsicherung und erlaubt das Editieren von RFID-Tags. Daneben kann es Fernleih-Tags mit dem lokalen System verknüpfen.
Technisch basiert die Lösung auf zwei Komponenten: einem lokalen Programm, das mit FEIG-RFID-Geräten kommuniziert und eine REST-API zur Verfügung stellt, und einer FOLIO-App, die diese Schnittstelle nutzt. Damit wird die Einschränkung des Browserzugriffs auf USB-Geräte elegant umgangen. Die Entwicklung ist bewusst offen: Quellcode und Dokumentation sind vollständig im GitLab des LRZ veröffentlicht und stehen zur Nachnutzung bereit.
Die Lösung wird bereits an bayerischen Universitäts- und Hochschulbibliotheken eingesetzt (u. a. UB Regensburg, TH Aschaffenburg, UB Bamberg). Sie verbessert die Arbeitsabläufe und ist ein Beispiel, wie eine pragmatische Eigenentwicklung kurzfristig drängende Probleme lösen kann.
Mittelfristig soll die App in den FOLIO-Standard zurückfließen: Eine Vorstellung in der SIG-Implementers-Gruppe stieß auf großes Interesse, eine Besprechung im Product Council ist für Dezember 2025 geplant.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Ausgangslage, die technische Umsetzung, Erfahrungen aus dem produktiven Einsatz und zeigt, wie lokale Innovationen Impulse für die internationale FOLIO-Community setzen können.
Eine kurze Demo der Funktionen rundet die Präsentation ab.