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Graue Literatur wie Forschungsblogs, Working Papers, Berichte oder Regierungs- und Verwaltungsdokumente gewinnen in der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung. Sie bieten aktuelle Einblicke in laufende Forschungen, bereichern die Wissenschaftskommunikation und sind häufig Open Access verfügbar. Für die Fachinformationsdienste sind damit neue Aufgaben verbunden: Einerseits wächst der Bedarf der Forschungscommunity an einer gezielten Integration von grauer Literatur in die FID-Portale. Andererseits müssen sich die FID auch kritisch mit den damit verbundenen Fragen auseinandersetzen: Wie schaffen die FID in diesem Kontext ein innovatives Angebot, um für ihre Zielgruppen attraktiv zu bleiben? Wie kann graue Literatur effizient aggregiert werden? Kann die langfristige Verfügbarkeit gesichert werden und welche Rolle spielt dabei eine systematische Archivierung? Welche Prozesse im Qualitätsmanagement sind nötig, um die Verlässlichkeit dieser Quellen sicherzustellen?
Am Beispiel von Pollux – Fachinformationsdienst Politikwissenschaft werden diese Fragen beleuchtet. Pollux kooperiert mit verschiedenen Partnern, um die Sichtbarkeit und Nachweissituation von grauer Literatur in der Politikwissenschaft deutlich zu verbessern. Die technologische Umsetzung umfasst die Indexierung von über 360 Forschungsblogs, die automatisiert über RSS-Feeds eingebunden werden sowie den Einsatz von Web-Scraping-Technologien in Kooperationsstrukturen. Der Vortrag skizziert das Vorgehen von Pollux und zeigt auf, welche Chancen und Herausforderungen sich für den Fachinformationsdienst in diesem Kontext ergeben. Ziel ist es, einen praxisorientierten Einblick zu geben und die Relevanz von grauer Literatur für ein innovatives FID-Angebot zu unterstreichen.
Nutzungsforschung ist in Bibliotheken unter Aspekten wie Usability und User Experience (UX) mittlerweile ein verbreitetes und erprobtes Instrument zur Verbesserung von Dienstleistungen und Lernorten. Doch wie lassen sich partizipative UX-Methoden in die Entwicklung eines neuen, ganzheitlichen Servicekonzepts für einen Bibliotheksstandort integrieren? Dabei spielen nicht nur Learning- und Working-Spaces eine Rolle, sondern ebenso das Bestandsprofil, die Benutzungsservices sowie – unter Einbezug relevanter Stakeholder und des Changemanagements – die Personalorganisation.
Der Vortrag berichtet aus dem Projekt „Musikbibliothek Remixed – ein neu arrangiertes Servicekonzept“, das über einen Zeitraum von sechs Monaten an der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen am Standort der Teilbibliothek Musik durchgeführt wurde. Vorgestellt werden verschiedene Methoden der Nutzerpartizipation, die im Projekt Anwendung fanden sowie in das daraus entwickelte Servicekonzept eingeflossen sind. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kontextualisierung des Vorhabens: zum einen auf dem spezifischen Rahmen einer Musikhochschule und zum anderen auf den strukturellen Besonderheiten des Bibliothekssystems der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen.
Die Ergebnisse zeigen, warum echte Bedarfsorientierung nicht zwangsläufig aktuellen Bibliothekstrends folgen muss und welche bislang ungenutzten Potenziale in der bedarfsorientierten Weiterentwicklung der bibliothekarischen Services für die Musikhochschule Bremen („Hochschule für Künste“) verborgen liegen. Diese sind nicht selten im Spannungsfeld zwischen den analogen Nutzungsgewohnheiten der Nutzer:innen der Musikbibliothek und den digitalen, algorithmusgestützten Prozessen des modernen Bibliothekswesens zu verorten.