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Organisationseinheit der BAM
This work presents a spectroscopic study of metallic pigments and metal foils used in reverse glass paintings that were created between 1912 and 1954. Metallic pigments induce a notable sparkling effect by means of the lateral incidence of light, whereas metal foils enhance the gloss and create a glittering effect when the painting is viewed in reflected light. Both effects were desired features especially in modern reverse paintings on glass and applied by artists in manifold creative manner. The paper gives an overview on the composition of the metalfoils and metal pigments in 14 works as determined in situ by X-ray spectrometry. Metal foils made of tin, brass, aluminium and silver were found in nine paintings. Gold imitating Cu-Zn pigments in different hues and with various Cu/Zn net intensity ratios were recorded for six paintings. Silvery pigments were identified mainly as Al pigments, but also as Cu-Zn-Ni alloy in one case. Other uncommon metallic pigments were detected in Arlequin vindicatif (c. 1925) by Floris Jespers, who used not only Cu-Zn and Al pigments, but also brownish Cu and Cu-Zn-Sn pigments. Non-invasive diffuse reflectance infrared Fourier-transform spectroscopy (DRIFTS) was used to classify the binding media of the metallic pigments. Drying oil and natural resin probably mixed with oil were the most common binding media. A polysaccharide-based binder was found in the silvery Cu-Zn-Ni pigment of Ohne Titel (1954) by Marianne Uhlenhuth.
A non-invasivemethod has been carried out to show the capabilities and limitations of Diffuse Reflectance Infrared Fourier Transform Spectroscopy (DRIFTS) for identifying of colourants and binders in modern reverse glass paintings. For this purpose, the reverse glass paintings “Zwei Frauen am Tisch” (1920–22), “Bäume” (1946) (both by Heinrich Campendonk), “Lofoten” (1933) (Edith Campendonk-van Leckwyck) and “Ohne Titel” (1954) (Marianne Uhlenhuth), were measured. In contrast to other techniques (e.g. panel and mural painting), the paint layers are applied in reverse succession. In multi-layered paint systems, the front paint layer may no longer be accessible. The work points out the different spectral appearance of a given substance (gypsum, basic lead white) in reverse glass paintings. However, inverted bands, band overlapping and derivative-shaped spectral features can be interpreted by comparing the spectra fromthe paintingswith spectra frompure powders and pigment/linseed oil mock-ups. Moreover, the work focuses on this method's capabilities in identifying synthetic organic pigments (SOP). Reference spectra of three common SOP (PG7, PY1, PR83) were obtained from powders and historical colour charts.We identified PR83 and PY1 in two reverse glass paintings, using the measured reference spectra. The recorded DRIFTS spectra of pure linseed oil, gum Arabic, mastic, polyvinyl acetate resin and bees wax can be used to classify the binding media of the measured paintings.
Das Schwarzlot in der Hinterglasmalerei - Zerstörungsfreie Untersuchung von Kunst- und Kulturgut
(2009)
Die Bedeutung der Zerstörungsfreien Prüfung im Bereich der Kunst- und Kulturanalyse hat in den letzten Jahren deutlich
zugenommen. Mobile Untersuchungstechniken erweisen sich als besonders geeignet, da die fragilen und kostbaren Objekte
in den Museen verbleiben und somit keine Schädigungen durch Transport oder Klimawechsel erleiden können. Dieser Beitrag
möchte am Beis piel der Hinterglasmalerei die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Analyse im Bereich der Kunstgeschichte
aufzeigen.
Der Begriff der Schwarzlotmalerei wird in der Kunstgeschichte allgemein für eine schwarze Konturmalerei verwendet. Während
der Begriff in der Glasmalerei eindeutig das Material ein mit Eisen- und Kupferoxiden schwarz gefärbtes Bleiglas bezeichnet,
steht der Begriff in der Tafelmalerei für tiefschwarze Konturen auf Goldgründen und Lüstern. Diese Modellierung ist
jedoch im Vergleich zur Glasmalerei - soweit bekannt - mit organischen Schwarzpigmenten ausgeführt.
Auch die Hinterglasmalerei, und hier insbesondere die des späten Mittelalters zeichnet sich durch eine dominierende
schwarze Konturmalerei aus.
Mittels zerstörungsfreier Röntgenfluoreszenzanalyse konnte in einer Auswahl repräsentativer Objekte Schwarzlot nachgewiesen
werden. Bezogen auf die Konturierungen ist hier eindeutig der stilistische, aber auch der maltechnische Einfluss der Glasmalerei
auf die Hinterglasmalerei ablesbar. Es ergibt sich aber ein wesentlicher Unterschied bis auf wenige Ausnahmen
wurde hier das Schwarzlot nicht eingebrannt, sondern als Kaltbemalung verwendet.
Mit der Bezeichnung Hinterglasmalerei wird allgemein der Begriff der Glasmalerei assoziiert. Auch wenn in beiden Fällen Glas das Trägermaterial ist, bezeichnet Hinterglasmalerei jedoch eine völlig andere Technik. Während bei der Glasmalerei die Farben auf den Bildträger eingebrannt werden, handelt es sich bei der Hinterglasmalerei um eine Kaltmalerei. Selbsttrocknende Farben werden auf die Rückseite der Glastafel aufgetragen, zuweilen wird die Malweise durch aufwendige Veredelungstechniken ergänzt. Mehr und mehr rückt diese Technik, die materialtechnologisch zwischen Tafelmalerei und Glasmalerei zu verorten ist, in den Blickwinkel einer interessierten Öffentlichkeit, wie dies eine zunehmende Anzahl verschiedener Ausstellungen zur Hinterglasmalerei belegen. Die vorliegende Publikation beschäftigt sich in erster Linie mit kunsttechnologischen und materialanalytischen Aspekten der Hinterglasmalerei und ermöglicht tiefe Einblicke in die künstlerische Arbeitsweise und in die Verwendung unterschiedlichster Materialien.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgut schließt neben kunsthistorischen Untersuchungen zunehmend kunsttechnologische und materialwissenschaftliche Analysen mit ein. Der folgende Beitrag fasst die Erkenntnisse der fächerübergreifenden Forschung an deutschen und niederländischen Hinterglasmalereien des 14. bis 16. Jahrhunderts zusammen und soll einen Beitrag zur Neubewertung der Kunstgattung leisten. Nach einer Positionsbestimmung der Hinterglasmalerei gegenüber der Glas- und Tafelmalerei wird auf den Herstellungsprozess ein gegangen, wobei eine detaillierte Beschreibung der Ausgestaltung von Hinterglasbildern mit Schwarzlot, Lüsterfarben und Blattmetallen (Eglomisé) sowie deckenden Malfarben vorgenommen wird.
Da in der Hinterglasmalerei der durchsichtige Malgrund und Bildträger stets sichtbar bleibt, kam der Auswahl des Glases eine große Bedeutung zu. Glasmaler wie auch Hinterglasmaler strebten danach, qualitätvolles Glas zu bearbeiten, welches optische Verzerrungen und Spitzlichter ausschloss. Untersuchungen an Hinterglasbildern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert zeigen, dass dies bei spätmittelalterlichen Gläsern nicht immer der Fall war.
An den gläsernen Bildträgern lassen sich aufgrund typischer Beschaffenheitsmerkmale wie oberflächlicher Unebenheiten und Schlieren, Abdruckspuren des eingesetzten Arbeitswerkzeuges, eingeschlossener Gasbläschen und bearbeiteter Kanten Rückschlüsse auf die Methode ihrer Herstellung ziehen.
Die fragilen Glastafeln verlangen nach schützenden Rahmungen, die in verschiedenen Konstruktionsformen als hölzerne Rahmen und/oder Bleiruten ausgeführt wurden. Der untersuchte Bestand an Hinterglasgemälden umfasst zumeist Einzelbilder, doch sind auch Triptychen und ein Deckelkästchen mit Hinterglaseinlagen vertreten.
Die kunsthistorische Forschung befasst sich immer wieder mit der Frage, ob es sich bei Kunstwerken um Originale, Kopien oder Fälschungen handelt. Die Kunstfälschung hat eine lange Tradition und wurde in allen Gattungen ausgeübt. Handelt es sich bei einer Fälschung um die getreue Wiedergabe eines Originals oder die Neuschöpfung eines Kunstwerks als Imitation einer gewissen Zeitspanne mit betrügerischer Intention, so stehen dem die Kopie und die eigene künstlerische Schöpfung entgegen.
Insbesondere im 19. Jahrhundert war bedingt durch die intensive Sammelleidenschaft die Nachfrage nach erlesenen Kunstwerken sehr hoch, ebenso wie die Konkurrenz der Sammler untereinander. Und so verführte die Spezialisierung auf ein Sammelgebiet Händler dazu, immer mehr Ware herbeizuschaffen. Unter diesen Gesichtspunkten sind auch einige Werke der Hinterglasmalerei, die bislang dem 14. bis 16. Jahrhundert zugeordnet werden, hinsichtlich ihrer Datierung zu überprüfen.