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In der partizipativen Forschung kommt der Reflexion eine wichtige Bedeutung zu. Gegenstand reflexiver Prozesse sind häufig die Frage nach der Entscheidungsmacht im partizipativen Prozess sowie die Phasen und verschiedenen Schritte des Forschungsprozesses. In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, wie in partizipativen Forschungsprojekten reflektiert wird, wie Forschungsgemeinschaften ihre Erkenntnisse nutzen und sie in den Forschungsprozess integrieren. Dazu nähern wir uns zunächst den Begriffen und dem Verständnis von Reflexion und Reflexivität im Kontext der partizipativen Forschung an. Anschließend stellen wir Ansatzpunkte, Formate und Erfahrungen des Reflektierens in Forschungsgemeinschaften vor. Der Beitrag entwickelte sich aus unserer gemeinsamen Arbeit im Forschungsverbund PartKommPlus. Wir beabsichtigen damit, Reflexion und Reflexivität als methodologische Grundlage partizipativer Forschung weiterzuentwickeln, zu begründen und ihren Mehrwert als eine zusätzliche Erkenntnisquelle sichtbar zu machen.
Die Reflexion der partizipativen Zusammenarbeit im Forschungsprojekt ElfE-Eltern fragen Eltern
(2021)
Reflexion ist ein wichtiger Bestandteil des partizipativen Forschungsprozesses und es gibt verschiedene Anknüpfungspunkte und Verfahren. Häufig ist zum Beispiel der Grad bzw. die Form der Entscheidungsteilhabe Gegenstand der Reflexion. Für die Reflexion der partizipativen Zusammenarbeit wurde im Rahmen des Forschungsprojekts ElfE („Eltern fragen Eltern“) neben einer einmaligen teilnehmenden Beobachtung regelmäßig ein Fragebogen, die sogenannte „Stufenleiterabfrage“, eingesetzt.
Durch die aus dem Anspruch auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit resultierenden besonderen Beziehungen stellen sich ethische Fragen in der partizipativen Forschung anders als in der nicht partizipativen Forschung. Der Beitrag illustriert anhand des Forschungsprojektes „ElfE – Eltern fragen Eltern“, was genau unter dem Prinzip der Schadensminimierung in der partizipativen Zusammenarbeit verstanden werden kann und welche Herausforderungen sich stellen.
„Selten Gehörte“ für partizipative Gesundheitsforschung gewinnen: Herausforderungen und Strategien
(2020)
Die partizipative Gesundheitsforschung gewinnt im Bereich Public Health zunehmend Anerkennung. Dabei werden Menschen, deren Leben oder Arbeit im Mittelpunkt der jeweiligen Forschung stehen, in die Projekte eingebunden. Die Integration des Wissens und der Perspektiven von Menschen, die bisher nur selten gehört wurden, eröffnet dabei die Möglichkeit, gesundheitliche Chancengleichheit in den jeweiligen Lebenswelten zu stärken. Basierend auf einer Literaturrecherche reflektiert der Beitrag die Prozesse von drei partizipativen Forschungsprojekten in Bezug auf den Zugang zu Menschen, die bislang selten in Forschung einbezogen werden.
Partizipativ, kompakt, innovativ arbeiten - Partizipative Gesundheitsforschung umsetzen.Unter dem Motto: PARTIZIPATIV, KOMPAKT, INNOVATIV ARBEITEN ist ein umfangreicher und praxisnaher Handlungsleitfaden entstanden. Zu Grunde liegen die Erfahrungen des partizipativen Forschungsprojektes „ElfE²: Vom Modellprojekt zum Transfer in die Fläche“. Er ist Open Access, umfasst einen Basisteil mit acht Unterkapiteln und 25 ergänzende Infoblätter.
Adressiert ist das Kompendium an alle, die sich für gesundheitliche Chancengleichheit einsetzen, u.a. an Fachkräfte der Gesundheitsförderung und Prävention, an Fachkräfte der Sozialen Arbeit, an Mitarbeitende und Entscheidungsträger in Kommunen bzw. Bezirken, die partizipative Ansätze in die Weiterentwicklung ihrer Arbeit integrieren möchten.
Partizipation ist „angesagt“ und gilt als wichtiges Gütekriterium zur Stärkung gesundheitlicher Chancengleichheit. Die partizipative Gesundheitsforschung versucht dies mit dem Ziel gesundheitlicher Chancengleichheit umfassend zu gewährleisten. Die Latte liegt hoch, wenn Partizipation im Sinne einer maximalen Mitgestaltung der Menschen, deren Lebensbereiche erforscht werden, umgesetzt werden soll. Doch wie kann das bei zugleich begrenzten zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen funktionieren? Wie kann es gut gelingen, Partizipation nicht nur als ’Label‘ zu verwenden, den hohen Ansprüchen an Beteiligung Rechnung zu tragen und doch den Aufwand richtig einzuschätzen? Der Handlungsleitfaden möchte ermutigen, mehr Partizipation zu wagen!
Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita-Fachkräften stärken: Die ElsE-Dialogkarten. Im Zuge des partizipativen Forschungsprojektes ElfE²: Eltern fragen Eltern – Vom Modellprojekt zum Transfer in die Fläche wurde ein Beteiligungsformat mit Eltern und Kita-Fachkräften erprobt mit dem Ziel, dieses im Bezirk zu etablieren. Hier liegt der Fokus darin, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, ein Bewusstsein für deren Verschiedenheit zu erzeugen und Transparenz zu schaffen.
Ein zweiter Workshop-Durchlauf wurde dafür genutzt, die Ergebnisse aus der gemeinsamen Forschung in die Anwendung zu bringen. Zu diesem Zweck wurden u.a. Dialogkarten entwickelt, die die Kommunikation zwischen Eltern und Kita-Fachkräften stärken.
In dem für den Kongress Armut und Gesundheit 2020 entwickelten Beitrag wird das Else-Beteiligungsformat ebenso wie die Dialogkarten: "Eltern, Erzieher*innen, Kinder: Wir wachsen zusammen" vorgestellt.
Parents Asking Parents – An Inclusive Architecture for Local Research Co-operation in Germany
(2018)
Für einen über Erasmus+ organisierten Austausch mit der Western Norway University of Applied Sciences in Bergen/Norwegen im März 2018 wurde die erste ElfE-Förderphase (2015-2018) im Überblick dargestellt. Auf dem Poster finden sich Informationen zu den Projektzielen, der Projektstruktur, dem Peerforschungsprozess sowie zu den Ergebnissen in abstrahierter Form.
Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieher*innen verbessert werden? Eine zentrale Fragestellung, zu der im Rahmen des Forschungsprojekts ElfE (Eltern fragen Eltern) Leitfadeninterviews durch Eltern durchgeführt wurden.
Aus diesen Interviews resultierte die Kernaussage:
„Den Beziehungsalltag zwischen Eltern und Erzieher*innen in gegenseitigem Respekt und Vertrauen leben“.
Zu diesem Thema entstand im Rahmen des Projekts ein Film.
In dem Dokument werden Entwicklungsprozess und Datengrundlage für die in dem Film von Eltern an Eltern gerichteten Botschaften dargestellt.
Der digitale ElfE-Infotisch
(2021)
Auf dem ElfE-Infotisch können sich alle Interessierten durch das partizipative Forschungsprojekt „ElfE-Eltern fragen Eltern“ navigieren. Auf vier Tischkarten finden sich Informationen zum Projekthintergrund, den beiden Projektphasen sowie zu den vielfältigen Praxis- und Wissenschaftsprodukten. Der Tisch ermöglicht somit einen Überblick über die Ziele, Struktur und Arbeitsweise von ElfE. Außerdem informiert er über die Ergebnisse des Projektes, die zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita-Fachkräften einerseits sowie für den Transfer partizipativer Arbeitsweisen andererseits entwickelt wurden. Eine Audiospur, eingesprochen durch ElfE-Teammitglieder, informiert auf der Startseite über technische Hinweise und begleitet durch die einzelnen Tischkarten.
In der medizinischen Forschung hat sich die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen verbindlich etabliert. Dabei werden in der Regel die Kriterien informiertes Einverständnis und Freiwilligkeit, Schadensminimierung sowie Vertraulichkeit und Anonymisierung zugrunde gelegt. Auch in der sozialwissenschaftlichen Forschung und ebenso in der in Deutschland noch wenig verbreiteten partizipativen Forschung gewinnt die Auseinandersetzung mitethischen Fragen an Bedeutung. Durch die aus dem Anspruch auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit resultierenden besonderen Beziehungen stellen sich ethische Fragen in der partizipativen Forschung anders als in der nicht partizipativen Forschung. In diesem Beitrag wird im Rahmen einer u.a. auf eine Dokumentenanalyse gestützten Prozessreflexion anhand eines Fallbeispielsaus der partizipativen Gesundheitsforschung illustriert, was genau unter Schadensminimierung verstanden werden kann. Das Fallbeispielstellt dies aus Sicht der Wissenschaft wie der Forschenden aus der Lebenswelt dar. Die Reflexion zeigt, welche Herausforderungen in der partizipativen Zusammenarbeit vor allem aus Sicht der Forschenden aus der Lebenswelt im partizipativen Prozess zu Beeinträchtigungen und damit zu einem Schadensrisiko führen können. Dabei geht es z.B. um Enttäuschungen, wenn dem Wunschnach einer individuellen Unterstützung in einem Forschungsprozess nicht ausreichendgefolgt werden kann. Aus den gesammelten Erfahrungen werden Schlussfolgerungen für den Umgang mit ethischen Aspekten in partizipativen Forschungsprojekten abgeleitet. Außerdem wird aufgezeigt, wie die Verknüpfung mit dem Diskurs in der nicht partizipativen qualitativen Forschung für eine Stärkung der ethischen Auseinandersetzung im partizipativen Prozess genutzt werden kann.