FG Regionalplanung
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Der Klimaschutz spielt trotz des ambitionierten Ziels, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll, bislang keine herausgehobene Rolle in der Regionalplanung. Mit dem rapiden Voranschreiten der globalen Klimakrise nimmt jedoch das juristische Gewicht des Klimaschutzgebots in der Abwägung insgesamt zu, wodurch eine Neuverhandlung des Klimaschutzes in der Raumordnung notwendig erscheint. Die vorliegende Arbeit fasst hierzu die bestehenden Möglichkeiten für den Klimaschutz spezifisch für die Ebene der Regionalplanung zusammen. Darüber hinaus werden Potenziale analysiert, inwiefern sich die Regionalplanung stärker für eine Paris-kompatible Entwicklung einsetzen kann. Die regionalplanerischen Aufgabenfelder, durch welche der Klimaschutz stärker forciert werden könnte, sind insbesondere die starke Steuerung von emissionsarmen Siedlungs- und Verkehrsstrukturen und ein effektives Begrenzen ihres Wachstums sowie die Flächenvorsorge und Standortsteuerung für erneuerbare Energien. In eingeschränktem Maße sind auch der Schutz und Ausbau von natürlichen Kohlenstoffsenken sowie eine verknappende Standortplanung für konventionelle Kraftwerke, Industrie- und Gewerbegebiete bedeutsam. Unmittelbaren Einfluss auf klimaintensives Handeln von Personen und Unternehmen hat die Regionalplanung hingegen nicht. Daher wird ihre Rolle bei der Klimaschutzaufgabe im Besonderen darin gesehen, dass sie mit ihrer überfachlich-überörtlichen Kompetenz die Koordination und Lenkung von übergeordneten Klimaschutzzielen für das Planungsgebiet übernehmen kann. Maßgeblich könnten hierbei gebietsbezogene CO₂-Budgets eine am globalen 1,5/<2°C-Ziel orientierte Planung erwirken.
Transit-Oriented Development : Bestandsorientierte Perspektiven zwischen Siedlung und Verkehr
(2026)
Der Beitrag nimmt Transit-Oriented Development (T.O.D.) als Planungsstrategie an der Schnittstelle zwischen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung in den Blick und diskutiert, wie T.O.D. in Bestandsbedingungen wirksam werden kann. Anhand unterschiedlicher Ausgangslagen werden siedlungs- und verkehrsseitige Handlungsoptionen aufgezeigt. Im Fokus stehen dabei Flächensicherung, infrastrukturelle Feinjustierung und institutionelle Koordination als Voraussetzungen einer wirksamen Kopplung von Verkehr und Siedlungsentwicklung.
Many rural areas are currently experiencing the effects of the transformation of energy systems. Consequently, these regions are faced with far-reaching economic and social challenges. However, in the vast literature on energy transitions, their impact on the housing market in rural communities has been relatively unexplored. This paper discusses the opportunities for, as well as constraints on, housing in Boxberg, a rural municipality in the East German lignite mining area of Lusatia. The decision to phase out the use of coal has affected the community’s housing market, leading to declining demand and rental property vacancies, on the one hand. On the other hand, public funding for coping with structural change has helped the municipality establish new economic activities and contributed to increasing demand in certain segments of the local housing market. Our research shows that the provision of local infrastructure and social cohesion in the municipality are decisive for both of these trends. Furthermore, our empirical findings illustrate the importance of having public institutions that have the resources to intervene in the housing market. Therefore, the question of what happens to rural housing after the transition away from coal is complete is also related to economic, infrastructural and political issues. Future research should consider linking the debates on energy transition and housing in rural contexts more systematically.
Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz soll Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung vernetzen, Standortfaktoren verknüpfen und Konkurrenzen abbauen. Beispielhaft dafür ist der Lausitz Science Park, der als Gegenpol zum Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof entwickelt wird, und mit der Schaffung von wohnortnahen Coworking-Spaces in den abseits der Zentren gelegenen, ländlich geprägten Regionen mit guter Bahnanbindung einhergeht. Damit stehen im Zuge des Strukturstärkungsprozesses der Lausitz neben harten Standortfaktoren auch veränderte Ansprüche der Beschäftigten an das Arbeits- und Lebensumfeld im Blickpunkt. Der Innovationskorridor Berlin-Lausitz greift das Konzept der Entwicklungsachse auf und fügt sich in die Regionalentwicklungsstrategie des Landes Brandenburg ein, die seit 2021 die Verbindung von Wachstumskernen und ländlicheren Räumen entlang von Schienenwegen fördert. In diesem Kontext wird das Projekt seit 2022 als Schlüsselvorhaben der Regionalentwicklung mit einer gemeinsamen Managementstruktur durch die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH und die WISTA Management GmbH vorangetrieben und soll als Modell für weitere Entwicklungsachsen im Land Brandenburg dienen. Die vorliegende Delphi-Studie untersucht die raum- und governancebezogenen Perspektiven auf das Vorhaben Innovationskorridor Berlin-Lausitz, mit besonderem Fokus auf Verständnisse, erwartete Wirkungen, Herausforderungen und Entwicklungspfade. Dabei zeigt sich ein breites Spektrum an Erwartungen: Neben einer Netzwerkwirkung wird die koordinierte Verbesserung von Standortfaktoren mit dem Projekt verbunden. Der Erfolg der Achsenidee wird bereits langfristig im Rahmen des Strukturwandelprozesses bemessen und steht vor der Herausforderung, die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteur:innen mit unterschiedlichen Interessen zu koordinieren.
Gerechte Raumentwicklung : Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, Klimagerechtigkeit und Gender
(2025)
Zwischen Appstore und Vereinsregister : ländliches Ehrenamt auf dem Weg ins digitale Zeitalter
(2025)
Das neue Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) desBundes sieht länderscharfe Flächenziele für Windgebiete vor, legt Zeitpunkte für die Zielerreichung fest und normiert Sanktionen für den Fall, dass die geforderten Flächen nicht rechtzeitig planerisch bereitgestellt werden. Für die Energiewendeund somit für einen wichtigen Aspekt der Transformationhin zur Klimaneutralität wird die räumliche Planung deutlich in Verantwortung genommen. Der veränderte Rechtsrahmen stellt mit seinen außerhalb von Raumordnungsplänen definierten Flächenzielen eine gravierende Veränderung für die Raumordnung dar. Dieser Beitrag analysiert die Umsetzung des Windenergieflächenbedarfsgesetzes mithilfe einer qualitativen Expertenbefragung sowie einer Dokumentenanalyse und nimmt eine planungstheoretische Einordnung vor. Die Analyse zeigt, dass die zeitlichen und flächenbezogenen Ziele des Gesetzes zumindest bislang weitgehend stringent in den Ländern und Planungsregionen umgesetzt werden. Zugleich erscheint der Prozess als in skalarer Hinsicht agonistisch, weil es zu Konflikten in den Planungsregionen vor dem Hintergrund der klaren Zielsetzungen des Bundes kommen kann. Der Steuerungsansatz des Gesetzes legt die Frage nahe, ob künftig auch für andere Handlungsfelder der Nachhaltigkeitstransformation extern und ,top-down‘ fachgesetzliche Zielevorgegeben werden sollten – und welche Folgen dies für das Selbstverständnis der Raumordnung als integrierender, koordinierender und abwägender Planung hat.
Im Kontext der sozial-räumlichen Transformation spielt Gerechtigkeit eine zentrale Rolle, denn die Lasten des Klimawandels und der Zugang zu Ressourcen sind ungleich verteilt. Das gilt auch für Landschaften, die als komplexe, sich verändernde Räume einen bedeutenden Platz im menschlichen Leben einnehmen. Das Konzept der Landschaftsgerechtigkeit fasst Prozesse zusammen, in denen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in Landschaften eingeschrieben oder durch sie erzeugt werden. Die Beiträger*innen geben einen multiperspektivischen Überblick über konzeptionelle Zugänge zum Thema Landschaftsgerechtigkeit. Zusätzlich fokussieren sie auf Aushandlungsprozesse um Materialität und Ressourcen sowie Ausprägungen im Kontext ländlicher Räume.