FG Wirtschafts- und Arbeitssoziologie
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Reedereimacht von der Kaikante bis zur Schiene? : Privatisierung und Agency im Hamburger Hafen
(2025)
Der Einstieg von MSC in die HHLA im Hamburger Hafen markiert eine neue Qualität der Hafenprivatisierung: Reedereien gewinnen strukturelle Kontrolle über Transportwege, Hinterlandlogistik und Arbeitsbeziehungen, während die staatliche Steuerungsfähigkeit abnimmt und Beschäftigte Machtressourcen zu verlieren drohen. In diesem Beitrag diskutieren wir aus Perspektive der Labour Geography und Arbeitssoziologie, wie sich diese Verschiebung auf Handlungsspielräume und Konfliktdynamiken von Hafenarbeiter*innen auswirkt und welche Fragen sie für deren kollektive Handlungsfähigkeit (Agency) im Zuge wachsender Privatisierung und Rationalisierung aufwirft.
Globale Umschlagplätze, globale Kämpfe? : Häfen und Konflikte um Arbeit, Ökologie und Geopolitik
(2025)
Abstract
This article challenges the idea of platform capitalism, that digital platforms implement a uniform model based on a self-employed labor force. Expanding on empirical evidence of a diversity of platform models, we theorize expectations about platform diversity from competition and comparative capitalism research. Using a unique cross-national dataset of leading food delivery platforms in 32 countries across North America and Europe, we compare platform models and competitive relations across national institutional regimes. Our analyses uncover a considerable diversity of platform models across Europe, in contrast to a clear uniformity in North America. We also find that the use of self-employment varies across and within large multinational corporations and is most prevalent in countries of the lightly regulated regime type. Our results call for an economic sociology perspective on the platform economy that integrates a general concept of platforms but allows for diversity stemming from competition and different national regimes.
Arbeit ist in der Theorie der Frankfurter Schule zugleich zentral und randständig in ihrer Bedeutung: Zentral, da die Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ihren Ausgangspunkt darstellt. Marginal, da die Autoren des Instituts für Sozialforschung Arbeit nicht ins Zentrum ihrer Theoriebildung stellten. Selbst dort, wo Theodor W. Adorno, Max Horkheimer oder Erich Fromm unmittelbar auf die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx auf bauen, kommt es nicht zu einer systematischen Analyse von Arbeitsverhältnissen. Dennoch ist die kapitalistische Gesellschaft Gegenstand ihrer Analysen, und deren Umwälzung Ziel ihrer Kritik. Damit haben sie heutigen sozialwissenschaftlichen, philosophischen oder feuilletonistischen Debatten um die Arbeitsgesellschaft etwas voraus.
Den Arbeitsbegriff der Kritischen Theorie rekonstruiert der Sammelband in kuratierten Beiträgen, die sich der Arbeitsweise des Instituts, den Schriften der einzelnen Mitglieder und angrenzender kritischer Theoretiker und Theoretikerinnen widmen. Entlang der Konzepte Naturbeherrschung, Entfremdung und Verdinglichung lassen sich die Artikel, Essays und Interviews verknüpfen zu einer Rekonstruktion kritischer Arbeitsforschung heute.
Arbeitslust und Arbeitsvermeidung : Gespräch mit Frigga Haug über Arbeit in der Kritischen Theorie
(2024)
Den historischen Ausgangspunkt der Kritischen Theorie stellt die Entwicklung der Arbeiterbewegung im frühen 20. Jahrhundert dar. Den politischen Impuls, der aus der Diskrepanz zwischen Realität und Möglichkeit und der Ausbeutung von Arbeitskraft als Grundmovens kapitalistischen Wirtschaftens entsteht, bezieht die Kritische Theorie zu wesentlichen Teilen aus den Arbeiten von Karl Marx. Im Zentrum seiner Überlegungen stand die Bedeutung von Arbeit für die soziale Ordnungsbildung und Vergesellschaftung der Individuen. Dennoch steht Arbeit in der frühen Kritischen Theorie – das wäre unsere erste These – eine auf den ersten Blick untergeordnete, bei manchen Autorinnen und Autoren vernachlässigte, oftmals erst zutage zu fördernde Rolle. In der Paradigmenbildung, die die Institutsdirektoren Max Horkheimer und Theodor W. Adorno nach dem Zweiten Weltkrieg vornahmen, stand eine arbeitssoziologische Perspektive nicht im Zentrum. Darum – diese wäre die zweite These und der zweite Grundimpetus dieses Sammelbandes – kann ein genauer Blick auf den Arbeitsbegriff, wo er an die Oberfläche kommt, und vor allem, was in ihm vermittelt wird, zu einem tiefergehenden Verständnis der Autoren und Autorinnen selbst und zu einer gesellschaftstheoretisch rückgekoppelten Kritik an gegenwärtigen Auffassungen von Arbeit, ihrem gesellschaftlichen Stellenwert und ihrem Zurichtungscharakter beitragen. Eine dritte und letzte These betrifft darum auch nicht die Kritische Theorie des Instituts für Sozialforschung selbst, sondern deren Fortwirken: Nämlich dass die heutige Arbeitsforschung (selbst dort, wo ihr Motiv gesellschaftskritisch ist) die Kritische Theorie wenig rezipiert – Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Beitrag führt den Sammelband ein, der versucht, freizulegen, welche Arbeitsbegriffe, Arbeitsforschung und auch Arbeitsverhältnisse es am Institut für Sozialforschung gab und in ein paar Schlaglichtern auch, welche kritisch-theoretischen Perspektiven außerhalb des IfS existierten.
Im Zuge der Konsolidierung des Neoliberalismus als Form des Regierens in den kapitalistischen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts hat sich auch Prekarität auf dem Arbeitsmarkt von einem Ausnahmephänomen hin zu einer regelmäßigen Erscheinung entwickelt. Frauen und Männer betrifft diese Normalisierung der Prekarität unterschiedlich, und auch das Geschlechterverhältnis wird von der zunehmenden Prekarisierung mitgestaltet. Diese geschlechterspezifische Prekarisierung zeigt Virginia Kimey Pflücke in ihrem Beitrag anhand historischer Entwicklungen und aktueller Problemfelder auf. Dabei verdeutlicht sie, wie weit gesellschaftlicher Anspruch und tatsächliche Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt auseinanderklaffen. Analog beleuchtet sie genderspezifische Risiken prekären Lebens, die auf vergeschlechtliche Lebens- und Arbeitswelten zurückzuführen sind.